Der Verkehrssektor ist einer der größten Emittenten der Umweltgase und im Vergleich zu anderen Sektoren sind hier die Ausstöße in den vergangenen Jahren auch immer weiter gestiegen. Es besteht also dringend Handlungsbedarf, denn nur weil woanders nichts unternommen wird, heißt das ja nicht, dass wir hier in Europa untätig bleiben müssen.
Die größte Kurx ist es aber, den Wandel so zu gestalten, dass er sozialverträglich bleibt. Deshalb ist es nicht ausreichend z.B. eine Steuer auf CO² zu erheben (auch wenn der Grundgedanke richtig ist), sondern man muss da sehr differenziert an die Lage herangehen.
Leider versuchen in Deutschland aber alle Parteien am falschen Hebel die Probleme anzugehen. Die Umstellung auf E-Autos ist zwar grundsätzlich schon in Ordnung, wir werden aber unsere Probleme nicht lösen, wenn wir alle E-Auto fahren, denn der Strom kommt ja bekanntermaßen nicht einfach aus der Steckdose. Und der Stau und die Trennwirkungen großer Straßen bleiben die Gleichen, egal ob ein Auto mit Benzin/Diesel oder Strom fährt, bzw. ja eher steht
Mein damaliger Professor für Verkehrsökologie pflegte immer zu sagen:
1. Verkehr vermeiden
2. Verkehr verlagern
3. Verkehr verträglicher machen.
Und damit hat er absolut Recht.
Unser primäres Ziel muss es sein, Verkehr zu vermeiden. Dazu ist es z.B. erforderlich, dass wir wieder mehr Nahversorger zu den Leuten bringen (und nicht auf die grüne Wiese am Ortsrand). Ich finde es immer bemerkenswert, wenn z.B. wie in der Schweiz in jedem kleinen Nest ein Volg zu finden ist. Das vermeidet Verkehr und muss vom Staat entsprechend gefordert werden. Auch beim Thema Arbeit muss sich hier was tun. Es muss gefördert werden, dass Leute (auch weiterhin) im Homeoffice arbeiten können und Wohnort und Arbeitsort möglichst nahe beieinander liegen. Dabei ist es aber nicht automatisch so, dass die Menschen zu ihrer Arbeitsstelle ziehen müssen (denn das würde nur öde und marode Landschaften zwischen den Zentren hinterlassen, was alles nur noch teurer machen würde), sondern auch explizit die Firmen Angebote vor Ort (z.B. in Shared-Space-Modellen) zur Verfügung stellen sollten.
Die Liste der möglichen Maßnahmen ließe sich nahezu unendlich fortsetzen.
Wenn jemand nicht fährt, dann ist es ganz egal, was für ein Fahrzeug er daheim hat.
Lässt sich ein Weg nicht vermeiden, so sollte es das primäre Ziel sein, diesen Weg mit einem möglichst verträglichen Verkehrsmittel abzuwickeln (Bus, Bahn, Rad, Fuß). Dafür müssen auch in der Fläche gute Angebote geschaffen werden und auch in den urbanen Gegenden Tangentialverbindungen verbessert werden. Anstatt mit einer CO²-Steuer alle Menschen gleichermaßen für die Autonutzung zu "bestrafen" ist eine regional differenzierte Citymaut viel wirksamer und sozial verträglicher. Jemand, der in einer großen Stadt meint, er müsse mit dem Autofahren, hat - wenn man ehrlich ist - in den meisten Fällen eine gute, verträglichere Alternative. Jemand, der auf dem Land wohnt ist aber im Gegensatz weiterhin auf das Auto angewiesen, da es oftmals (noch) keine gute öffentliche Alternative gibt. Die Bestrafung der Landbevölkerung ist mit dem jetzigen CO²-Steuer-Modell schlicht und ergreifend asozial. Man kann nicht nur einfach gewisse Dinge verteuern oder verbieten, es müssen auch immer gleichermaßen Alternativen angeboten werden. Ja, das kostet richtig Geld, aber nichts tun, wird noch viel mehr Geld kosten!
Daher würde ich z.B. die Einfahrt in größere Städte mit entsprechend hohen Mautgebühren belegen (begründete Ausnahmen in Spezielfällen sollte es natürlich dennoch geben), während kleinere Zentren hier viel weniger oder ggf. auch erst einmal gar nicht bemautet werden würden. Die Einnahmen aus der Maut müssen dann ohne Mittelabfluss an Dritte dazu genutzt werden, den ÖV oder den Radverkehr im gesamten Land gleichermaßen auszubauen und günstiger zu machen. In Baden-Württemberg arbeitet das Verkehrsministerium glücklicherweise, wenn auch sehr langsam, in diese Richtung.
Auch Anpassungen an der KfZ-Steuer könnten hier im Zusammenhang mit einer allgemeinen Mobilitätsabgabe absolut sinnvoll sein.
Und erst dann, wenn auch ein Weg nicht mit einem verträglicherem Verkehrsmittel abgewickelt kann, und wirklich erst dann, sollten wir uns über E-Mobilität unterhalten.
Solange wir aber die o.g. Ziele 1 und 2 nicht ernsthaft angehen, amüsiere ich mich über Diskussionen zu den Vor- und Nachteilen von E-Autos köstlich, da sie für die Verkehrs- und Umweltprobleme bestenfalls zweitrangig ist.