Also hier nochmals:
Ob, formal in den EN sowie nationalen Richtlinien was bzgl. Intervalle zum Start des Dieselmotors sowie zum Test mit Bewegung der Bahn vorgeschrieben ist, weiss ich nicht.
Jedenfalls sind die Betriebsvorschriften des Herstellers massgebend.
IIRC wird mindestens monatlich einen Testlauf mit Diesel und Inbewegungssetzung der Bahn vorgeschrieben.
Zahlreiche Tests werden bein Seilbahnen onehin monatlich durchgeführt (z.B. gewisse Bremstests, usw.).
Täglich sind es eher routinenmässige Sichtkontrollen (und mit den Ohren
Falls erforderlich wird auch zwischendurch zusätzlich noch kontrolliert.
Massgebend bzgl. Sicherheit ist allerdings gut ausgebildetes, motiviertes, verantwortungsbewusstes Personal.
Dieselmotoren können jedoch je nach Bedingungen und Anlagen wöchentlich bis sogar täglich angelassen werden, wobei meistens dann jedoch die Bahn nicht gefahren wird. Theoretisch verlangen gewisse Herstellervorschriften einen täglichen Motorstart-Test, z.B. bei tiefen Temperaturen.
Bin zwar der Meinung, dass zu oft für kurze Zeit den Diesel im Leerlauf laufen lassen sowohl Motor wie Batterie unnötig strapaziert. Würde es als sinnvoller betrachten, einen Satz vollgeladene Reserve-Batterien (in gutem Zustand) in einem gewärmten Raum aufzubewahren und ggf. ein spezielle langes Überbrückungskabel zu konfektionieren, damit man die Batterien auf dem Boden lassen kann.
Erfahrungsgemäss sind zahlreiche Startproblemen auf die Batterien zurückzuführen.
Die Batteriespannung wird zwar von der Steuerung überwacht, diese Messung ist jedoch nicht aussagekräftig zur Strombelastbarkeit während des Starts. Die Temperatur spielt auch eine Rolle. Bei tiefen Temperaturen sind Bleibatterien unbedingt geladen zu halten da sich der Elektrolytgefrierpunkt ladezustanabhängig ist (wurde bereits im Forum diskutiert, sowie die Thematik Dieselpest, die zu Common Cause Versagen mehrere Diesel führen kann, z.B. in Datacenters, Spitälern, usw.).
Vorwärmung ist eigentlich standard bei Seilbahndieselmotoren. Die effektive Standby-Temperatur wird jedoch meist nicht überwacht. Getriebe, Hydrauliken und Elektromotoren können ebenfalls je nach Anlage mit elektrischen Stillstandsheizungen ausgettatet sein.
Bei gewissen Ersatzstromgeneratoren (Netzersatzanlagen, NEA, Notstromaggregate, in CH auch Notrstromgruppen genannt) wird batteriegsepiesene Ölpumpe sofort bei Netzausfall gestartet, während Motor meist mit einer kurzen Zeitverzögerung (z.B. 5 s) gestartet wird.
Bei Seilbahn-Dieselmotoren kann man starten und ein paar Minuten im Leerlauf vorwärmen bevor man auf Nenndrehzal rauffährt. Bei Ersatzstromanlagen wird innert Sekunden auf Netzfrequenzdrehzal (bei 50 Hz 1500 U/mn bis etwa 2800 kVA (teilweise auch darüber bis 4000 kVA), darüber werden meist langsamere Motoren eingesetzt) hochgefahren und zudem je nach Anwendung quasi sofort voll belastet.
Angegebene Motorleistungen sollte man vorsichtig vergleichen, da je nach Betriebsart verschiendene Leistungen angegeben werden. Prime Power (Dauerlast 24/24 7/7 für Monate) ist eine in etwa vergleichbare Angabe. Emergency Power kann je nachdem wie berechnet wird, variieren. Nostrom-Leistung ist höher als Prime Power langzeit Dauerleistung (Schiffe, Bohrinseln, Dieselmotoren-Kraftwerke, usw.).
Gestartet wird je nach Motorleistung und Anwendung meist:
- Elektrisch (klassischer Anlasser, bei grösseren Motoren, mehrere): Bis ca. 2800 kW, z.T auch etwas höher.
- Druckluft direkt: Grosse Motoren (Schiffsmotoren, AKW-NEA, usw.), dabei wird Druckluft ab Druckbehälter eingeblasen
(siehe Video hier: https://www.youtube.com/watch?v=UnrJYcxfrTA ).
- Druckluft mit Turbine ((Startermotor ist Druckluft-Turbine anstelle Elektromtor) kenn ich nicht gut, z.T nicht so zuverlässig).
- Hydraulisch (Hydromotor mit Druckspeicher, kann ggf. mit Handpumpe geladen werden; eigentlich die einzige Art, grössere Dieselmotoren von Hand zu starten, wird z.B. in CH Zivilschutzanlagen eingesetzt).
Kurze Laufzeiten sowie längere Leerlauf-Laufzeiten sind nachteilig für die Motorlebensdauer. Zudem sollte man ausser im Notfall, den Motor mit reduzierter Drehzahl lastlos etwas nachlaufen lassen.
Netzparallelbetriebfähige Ersatzstromaggregate kann man unter Last (je nach Belastung der Notnetzschiene) Testen, gute Steuerungen erlauben eine Rücksynchronisation, damit bei Netzrückkehr unterbrechungslos von Notstromgenerator wieder auf das Netz umgeschaltet werden kann. Die Überlappzeit ist dabei aus Sicherheitsgründen sehr kurz, unterhalb einer Sekunde.
Übrigens setzen zahlreiche EVU mobile sychronisierbare Diesel-Generatoren ein, damit z.B. ein Netztrafo für die angeschlossenen Verbraucher unterbruchsfrei ausgetaucht werden kann (z.B. von Polyma).
Zum Thema USV und Notstromaggregate könnte man noch vieles beitragen, das bedienen grosser Dieselmotoren ist nett, ebenso die Geräuschkulisse (mit Gehörschutz geniessen).
Bin persönlich total gegen die zwar in grossen Data Centers verbreiteten dynamischen Schwungrad USV. Meist wird zwar in n+1 Redundanz ausgeführt, bin jedoch stets der Meinung, dass die Fehlstartwahrscheinlichkeit bzgl. ersten Startversuch des Dieselmotors unterschätzt wird. Gehe davon aus, das die Erststartversagensquote etwa 0.5 bis 2 % beträgt (oder höher).
Bei einer normalen USV mit Batterien kann man locker mehrer Starversuche durchführen und sogar noch ein Techniker vorort kann manuell eingreifen, da die Überbrückungszeit bei Volllast typischerweise einige Minuten beträgt.
Bei dynamischen Schwungrad-USV stehen bei Volllast und üblicher Dimensionierung weniger als eine Minute als Überbückungszeit zur Verfügung (manchmal nicht einmal 30 Sekunden).
Steht Notstrom innerhalb dieser Zeit nicht bereit bricht die Stromversorgung zusammen.
Aber eben, viele Datacenter Kunden verstehen nix von Stromversorgungen, Redundanz, usw.
Kenne Datacenter im >20 MW Bereich die mittelspannungsseitig von Feldern in der gleichen Reihe gespiesen werden, bzw. mit mehreren MS Leitungen, die aber EVU-seitig auf dem selben HS/MS Trafo aufgeschaltet sind, usw. Auch die ganze USV Stromverteilung muss richtig ausgeführt sein damit wirklich die Redundanz das bringt was man behauptet.
IMO sind nur effektive Online Double Conversion USV sinnvoll, habe auch in meinen Industrieprojekte ausschliesslich solche Geräte eingesetzt (grössere mit jeweils 3 getrennten Haupt-Einspeisungen: USV, statischer Bypass, Revisions-Bypass).
Billige USV für Heimgebrauch können übrigens die Ausfallwahrscheinlichkeit eines PC-Ausfalls im Vgl. zu direktem Netzanschluss erhöhen. Eigentlich sollte man eine gute USV oder keine USV einsetzen (meine ist etwa 80 kg schwer und arbeitet im Double Conversion Online Mode, bei Inbetriebnahme habe ich sie unter Volllast getestet, jedoch die Batterien nicht voll heruntergefahren).
Hier sieht man die Timings (500 kVA Notstromaggregat Test):
In diesem Beispiel:
- Startverzögerung ab Netzausfall: 5 s
- Stabiliserungszeit vor Zuschaltung Notnetz: ca. 10 s
- Nachlaufzeit: 180 s
https://www.youtube.com/watch?v=SS_aHWdLH54
Und hier ein grösseres Aggregat (alleine die Raumlüfter sind extrem laut, Kühlluft- und Verbrennungsluftdurchsätze sind sehr hoch):
https://www.youtube.com/watch?v=XxqTLwpTpq8
Gewisse Seilbahnen sind mit Ersatzstromanlagen ausgestattet, z.B. in der Tortin - Col des Gentiane Antriebsstation sind 3 Stk. 450 kVA Dieselgeneratoren (war zwar schon lange nicht mehr dort, weiss nicht, ob dort was abgeändert wurde; werden paralell auf gemeinsame Notromschiene synchronisiert).
Bei den Glacier 3000 125+1 PB sind folgende Diesel im Einsatz:
- Hydrostat Sektion 1 (umschaltbar auf Sektion 2)
- Hydrostat Sektion 2 (umschaltbar auf Sektion 1)
- Bergebahn Sektion 1 (in Antriebssation Cabane)
- Bergebahn Sektion 2 (in Gegenstation Scex Rouge)
- Gebäude-Notstromgruppe AS Cabane (Antriebsstation Sektion 1 und Sektion 2)
- Gebäude-Notstromgruppe GS Scex Rouge (Bergstation Sektion 2)
(Gebäude-Notstromgruppen können Hilsbetriebe PB speisen, sind jedoch nicht erforderlich. Wurden nicht spezifisch für die PB installiert.)