Zukunft der Mobilität!?

... darf auch mal absolut nix mit dem Thema des Forums zu tun haben!

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margau
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Zukunft der Mobilität!?

Beitrag von margau » 13.10.2018 - 22:00

Hallo zusammen,
inspiriert vom Nachbarthread zum Thema fliegen würde ich gerne mal eine kleine Gesprächsrunde über die Zukunft der Mobilität aufmachen.
Konkreter Gedanke dahinter: Ich wohne zurzeit zwecks Studium im Großraum Stuttgart, und pendle täglich ca. 45 Minuten mit der S-Bahn von meinem Wohnort in die City zur Hochschule. Wie man vielleicht mitbekommt, ist Stuttgart - wie viele andere Großräume - verkehrlich "speziell". Einmal war ich im letzten Jahr mit dem Auto in der City, da ich viel zu transportieren habe, und, nun ja - nie wieder freiwillig.

Ich persönlich bin der Meinung, das aktuell der Individualverkehr (Auto) einen viel zu hohen gesellschaftlichen und politischen Wert hat, da mit dem Individualverkehr schlicht nicht die Effizienz erreicht werden kann, die andere Verkehrsträger (auf engem Raum) bieten. Dazu gehören für mich der Flächenverbrauch, die Auslastung und natürlich auch der ökologische Aspekt. Der Extremfall wäre hier für mich der SUV, der an 5 von 7 Tagen der Woche von einer Person alleine zum Pendeln an den innerstädtischen Arbeitsplatz verwendet wird.
Gleichzeitig ist es schwierig, "universell" auf das Auto verzichten zu können: Es ist unbestreitbar, dass man (bis auf wenige Ausnahmen) ohne Komfortverlust auf das Auto komplett oder teilweise verzichten kann.

Mich würde es sehr interessieren, wie die anderen hier im Forum das sehen.

Da das Thema viel Sprengstoff bietet: es geht hier explizit nicht darum, gegen das Auto als solches zu wettern, sondern lediglich um die Rolle in der Alltagsmobilität.

Einfach mal ein paar Fragen/Ideen/Anregungen:
Wenn du mit dem Auto pendelst: Was müsste passieren, um (auch teilweise) auf das Auto zu verzichten?
Falls du den ÖPNV verwendest: Was müsste besser werden? Könntest du dir vorstellen, auf das Auto zu verzichten?
Was wünschst du dir von Politik und Gesellschaft?
Wie sieht für dich die wünschenswerte Großstadt aus? (Fußgängerzone, Autofrei, Rad(schnell)wege, Tunnel für Autos, starker ÖPNV, wie bisher)?

Und die Fernreisen: Könntest du dir vorstellen, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Skifahren zu gehen? Falls nein, was müsste passieren, dass es attraktiv wäre?

Generell, falls du ein Auto besitzt: Ob und unter welchen Umständen könntest du dir vorstellen, auf ein Auto als Eigentum zu verzichten?
Angenommen, der ÖPNV wäre kostenlos: Würdest du dies in deinem Alltag einbauen?

Vielleicht entwickelt sich ja eine interessante Diskussion daraus; ich bin der Meinung, dass die derzeitige Verkehrsstruktur auf Dauer nicht mehr funktioniert.

Viele Grüße
margau

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Re: Zukunft der Mobilität!?

Beitrag von margau » 13.10.2018 - 22:15

So, ich fange auch direkt mal an:
margau hat geschrieben:
13.10.2018 - 22:00
Wenn du mit dem Auto pendelst: Was müsste passieren, um (auch teilweise) auf das Auto zu verzichten?
Teilweise pendle ich auch mit dem Auto in den Nachbarort. Die S-Bahn fährt genau so lange, allerdings ist der 30-Minuten-Takt für den inneren Schweinehund zu unflexibel :roll:
margau hat geschrieben:
13.10.2018 - 22:00
Falls du den ÖPNV verwendest: Was müsste besser werden? Könntest du dir vorstellen, auf das Auto zu verzichten?
Was wünschst du dir von Politik und Gesellschaft?
Der Takt müsste dichter werden. Ich will nicht vorher genau planen müssen, wann ich in den Nachbarort fahre. Natürlich ist auch der Preis ein Punkt, mit Semesterticket geht das aber :D Ein anderer Punkt sind Einkäufe: Wasserkästen in der S-Bahn oder im Bus machen einfach keinen Spaß. Fahrrad ist auch nichts für jeden.
margau hat geschrieben:
13.10.2018 - 22:00
Wie sieht für dich die wünschenswerte Großstadt aus? (Fußgängerzone, Autofrei, Rad(schnell)wege, Tunnel für Autos, starker ÖPNV, wie bisher)?
Ich würde mir tatsächlich wünschen, dass man das Auto an großen P+R-Parkplätzen stehen lässt, und in der Innenstadt außer dem Lieferverkehr nur ÖPNV, Fußgänger und Fahrräder zu finden sind. Würde insbesondere Stuttgart bestimmt deutlich lebenswerter machen.
margau hat geschrieben:
13.10.2018 - 22:00
Und die Fernreisen: Könntest du dir vorstellen, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Skifahren zu gehen? Falls nein, was müsste passieren, dass es attraktiv wäre?
Mit dem ICE in die Alpen wäre mir deutlich lieber, wenn: Es eine gute Möglichkeit zum Gepäck/Skitransport gäbe, und auch die "letzte Meile" funktioniert. Will heißen: Ich checke das Equipment vorher ein, und es liegt im Zielhotel oder am Zielbahnhof wenn ich ankomme, während ich entspannt und ohne nerviges Gepäck Bahn fahre. Krisenmanagement wäre natürlich auch noch so ein Thema :D
margau hat geschrieben:
13.10.2018 - 22:00
Generell, falls du ein Auto besitzt: Ob und unter welchen Umständen könntest du dir vorstellen, auf ein Auto als Eigentum zu verzichten?
Angenommen, der ÖPNV wäre kostenlos: Würdest du dies in deinem Alltag einbauen?
Kostenlosen ÖPNV würde ich intensiver Nutzen, wenn auch das Angebot (Linien & Vertaktung) gut ist.
In Großstädten genieße ich es sehr, einfach mit der nächsten Bahn fahren zu können, weil eh "alle paar Minuten" eine kommt. Das Auto bräuchte ich noch, um Dinge wie Einkäufe zu erledigen, da müsste ich dann schauen, ob es gute alternativen gibt (Für nicht viel mehr Geld werden die Wasserkisten bis zur Haustür gebracht).

Bin gespannt auf eure Meinungen ;)

Viele Grüße
margau

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Re: Zukunft der Mobilität!?

Beitrag von Rennstier » 13.10.2018 - 22:52

margau hat geschrieben:
13.10.2018 - 22:00
Wenn du mit dem Auto pendelst: Was müsste passieren, um (auch teilweise) auf das Auto zu verzichten?
Ich pendle im Schnitt wöchentlich von meinem Elternhaus zur Uni und zurück. Mit dem Auto brauche ich eine knappe Stunde, mit dem ÖPNV würde ich knapp 3 Stunden brauchen, da die Strecke die parallel zur Autobahn verläuft (verlief) zum Teil stillgelegt ist (außer für Wochenendverkehr) und zum Teil im 2. Weltkrieg zerstört wurde und bis heute nicht wieder aufgebaut wurde. Ich würde sagen ab 90 Minuten Fahrtzeit wäre der ÖPNV für mich eine Alternative.
margau hat geschrieben:
13.10.2018 - 22:00
Falls du den ÖPNV verwendest: Was müsste besser werden? Könntest du dir vorstellen, auf das Auto zu verzichten?
In der Stadt in der ich studiere kann man als Student sooft man will für 30 Minuten kostenlos Leihfahrräder benutzen, diese nutze ich Hauptsächlich (Zählt das als ÖPNV? Nennt sich VRN Nextbike).
margau hat geschrieben:
13.10.2018 - 22:00
Was wünschst du dir von Politik und Gesellschaft?
In meinem Heimatort fährt der Bus "nur" stündlich (gibt auch genug Orte, die sind noch schlechter dran) und bis 18:00, das ist viel zu selten um den ÖPNV effektiv nutzen zu können zum Einkaufen o.ä. Der ÖV sollte deshalb stärker gefördert werden. Ein anderer Punkt ist natürlich, dass der Bus weil er dort so selten fährt eigentlich nur von Schülern benutzt wird und außer um 7:30 und um 13:30 fast leer fährt, die Leute müssten den Bus auch mehr benutzen damit ein höherer Takt gerechtfertigt sein kann. Ist wohl das Henne-Ei-Problem.
margau hat geschrieben:
13.10.2018 - 22:00
Wie sieht für dich die wünschenswerte Großstadt aus? (Fußgängerzone, Autofrei, Rad(schnell)wege, Tunnel für Autos, starker ÖPNV, wie bisher)?
Radschnellwege und starker ÖPNV wären mMn gerade in Großstädten sehr wünschenswert, allerdings darf nicht außer Acht gelassen werden, dass es auch viele Leute gibt die aus ländlichen Gegenden in die Stadt pendeln, für diese müsste es auch gute Verkehrsangebote geben.
margau hat geschrieben:
13.10.2018 - 22:00
Und die Fernreisen: Könntest du dir vorstellen, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Skifahren zu gehen? Falls nein, was müsste passieren, dass es attraktiv wäre?
Das ist natürlich so ne Sache, ich fahre eigentlich immer mit mindestens 2, eher 3 Paar Ski, das wäre schon sehr schwierig im Zug zu transportieren mit dem ganzen anderen Gepäck (ich glaube vom Flugzeug brauchen wir gar nicht reden, da fährt man besser gleich Auto). Meistens fahre ich aber eh mim Skiverein weg, da fahren wir immer mit Kleinbussen, das ist zwar kein ÖPNV aber doch besser als wenn jeder mit dem eigenen Auto fahren würde.
margau hat geschrieben:
13.10.2018 - 22:00
Generell, falls du ein Auto besitzt: Ob und unter welchen Umständen könntest du dir vorstellen, auf ein Auto als Eigentum zu verzichten?
Im Moment gar nicht, gerade fürs Skifahren und wenn man in einer ländlichen Gegend wohnt ist das Auto noch unverzichtbar.
margau hat geschrieben:
13.10.2018 - 22:00
Angenommen, der ÖPNV wäre kostenlos: Würdest du dies in deinem Alltag einbauen?
Da ich als Student sowieso eine Fahrkahrte habe würde sich wohl nicht viel ändern.

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Re: Zukunft der Mobilität!?

Beitrag von kaldini » 13.10.2018 - 22:57

Wohne zwar nicht in oder zu Nahe an einer Großstadt, aber hab mir vor circa 2 Jahren gedacht, wie kann ich einerseits weniger Auto fahren und andererseits mein Leben ein bisschen besser takten (a la in der Arbeit sorry, muss nun zum Zug). Letztes Jahr hat Tirol dann das Verkehrsverbundsticket stark verbilligt: 480 Euro pro Jahr für ganz Tirol (alle Busse, alle Züge (außer reine Touristenbahnen wie z.B. Achenseebahn). Durch eine glückliche Fügung bekomm ich das Ticket aktuell in Wörgl noch für 180 Euro.
Seitdem fahre ich nun viel mehr Öffi. In die Arbeit (meist Zug, aber wenn es passt auch Bus), privat wenn es nicht zeitkritisch ist. Nach Innsbruck bin ich schon länger nicht mehr gefahren, so schnell wie mit dem Railjet schaffe ich es mit dem Auto nicht. Einzig zum Skifahren brauche ich das Auto noch, entweder geht so früh noch nix oder aber die Busse in die Seitentäler brauchen dann doch recht lang. Aber ich denke auch schon über Carsharing nach.
Elektroauto hab ich auch schon mal überlegt, aber da meine Anforderung Wörgl-Gurgl und zurück ohne Zwischenladen im Winter (also -10 Grad) ist, gibt es noch kein bezahlbares E-Auto für mich derzeit. Mal sehen in ein paar Jahren.
Leider kein echter Skifahrer.

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Re: Zukunft der Mobilität!?

Beitrag von tobi27 » 13.10.2018 - 23:21

Ein SUV mit 500PS und 50l auf 100km muss sicher nicht sein und in der Hinsicht würde ich auch steuertechnisch mehr machen, damit die Spritfresser und Platzverschwender unattraktiver werden. Um gut im Alltag voran zu kommen reichen m.E. auch 120Ps locker, bei einer Familienkutsche können es auch 150PS sein.
Jedoch würde ich nie mehr aufs eigene Auto verzichten, ich halte auch nichts von Carsharing und ähnlichen Mist. Ein eigenes Auto ist für mich ein (letztes) Stück Freiheit und das lasse ich mir nicht nehmen. Egal ob ich nun zum Skifahren oder einfach in die Arbeit oder sonstwo hin will, ich brauche auf dem Land einfach ein Auto (was hilft mir der ÖPNV wenn zwei mal am Tag ein Bus fährt und ich zudem im Schichtdienst arbeite?) Jedoch achte ich schon darauf z.B. Fahrgemeinschaften zur Arbeit zu bilden und somit etwas Sprit zu sparen.

Naja und sonst bleibt nur zu sagen, dass ich von dem künstlichen Aufgebausche das gerade um den Dieselmotor und allgemein dem Verbrenner gemacht wird nichts halte. Solange der Flugverkehr und die Kreuzfahrten weiter drastisch zunehmen (ich bin in meinem Leben noch nie geflogen und werde es auch nicht tun) und zu diesem Thema gar nichts erwähnt, geschweige denn geändert wird, wohl weil man einfacher auf dem kleinen Bürger rumhacken kann (?) sehe ich nicht ein ein schlechtes Gewissen zu haben. Ich übertreibe es nicht in dem ich mir ein PS Monster oder dergleichen kaufe aber ich möchte auch nichts von Carsharing udgl. wissen nur um mein eigenes Gewissen zu beruhigen :?:

Lustig finde ich übrigens auch, dass man ein riesen Geschrei bezüglich Umweltschutz, Fahrverbote usw. macht, die durchschnittliche PS Zahl des Autos aber Jahr für Jahr schön vor sich hin steigt, man könnte es fast schon als heuchlerisch bezeichnen wenn mir Leute weiß machen wollen, was ich bezüglich Autofahren zu tun und lassen habe und im selben Schritt in eine Karosse mit über 300 PS einsteigen (schöne Grüße an unsere Politiker!)

Interessanter Artikel:
https://www.epochtimes.de/politik/deuts ... 66359.html

Viele Grüße
Hauptsache Schlepplift!

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Re: Zukunft der Mobilität!?

Beitrag von 3303 » 13.10.2018 - 23:29

Interessantes Thema.
Man sollte sich besonders viele Gedanken über mögliche Entlastungsfaktoren machen.
Einer könnte aus meiner Sicht sein, dass große Unternehmen einen Prozess einläuten, ihre Standorte dezentraler anzusiedeln.

Beispiel 1: Fraport baut immer weiter am Standort aus. Ergebnis ist eine großflächiger Verlärmung von Wohngegenden, ein umständlich zu organisierender Flughafenbetrieb, ein exorbitantes Verkehrsaufkommen in der Region, etc..
Ansatz könnte sein, dass man sich am Standort auf den Ziel- und Quellverkehr der Region Frankfurt konzentriert und die anderen Kapazitäten an einem anderen, weniger dicht besiedelten Standort projektiert.

Beispiel 2: Ein Großkonzern schafft „Satelliten“ von Standorten, um auch außerhalb der verkehrlich kollabierenden Bereiche Arbeitsplätze anbieten zu können. Ggf. kann das auch unterstützen, die Pendlerstrecken insgesamt langfristig zu verkürzen.

Das sind jetzt keine Lösungen, sondern nur Gedanken zu Lösungsansätzen.
Aus meiner Sicht muss erreicht werden, dass weniger gefahren wird, und das möglichst ohne Verbote.
Leider nimmt der Verkehr immer mehr zu...
“Wir sind gewohnt, daß die Menschen verhöhnen, was sie nicht versteh'n,
Dass sie vor dem Guten und Schönen, das ihnen oft beschwerlich ist, murren.“

[Johann Wolfgang von Goethe]

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Re: Zukunft der Mobilität!?

Beitrag von Fab » 14.10.2018 - 10:58

Möchte auch daran erinnern, dass in Deutschland noch immer die Mehrheit auf dem flachen Land wohnt.
In den Diskussionen könte man ja denken, man :D wohnt mehrheitlich in der Münchner Fußgängerzone oder am Kurfürstendamm.
Will sagen - in den Ballungszentren und deren Umgebung bieten sich Alternativen zur Reduktion das Autoverkehrs an. Auf dem Land hab ich grad keine Idee.

Ich wohne in Nordbayern in einem Dorf nahe einer Kreisstadt. Für "uns" ist das Auto komplett unverzichtbar. Einen annehmbaren Ersatz durch ÖPNV halte ich für unbezahlbar.
Persönlich hab ich mir vor 8 Wochen einen Kompakt-SUV angeschafft. Bin mittlerweile ein älterer Herr und finde das sehr angenehm.
Brauche so ungefähr 7,4 Liter Super im Stadtverkehr. Auf Strecke weiß ich nicht - aber wenn ich im Dezember nach Z fahre, werd ichs wissen.

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Re: Zukunft der Mobilität!?

Beitrag von br403 » 14.10.2018 - 17:13

Ist für jemanden hier das Thema Home Office relevant? Ich finde das sehr angenehm, ich nutze das oft. Wenn ich eh nur langweilige Telkos habe kann ich das auch zu Hause machen. Bei uns im Büro wird das sehr stark genutzt, es sind keine extra Absprachen nötig oder ähnliches. Damit kann man die lästige Pendelei stark einschränken.
Natürlich geht das nur für Büroarbeiter, das ist klar.

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Re: Zukunft der Mobilität!?

Beitrag von B-S-G » 14.10.2018 - 17:47

Interessante Diskussion margau, danke fürs Anstoßen. Auch ich wohne jetzt seit einem Jahr in der Stadt zum studieren. Im Winter hatte ich noch ein Auto da, im Sommer war ich dann froh, als ich es los war. Mit Semesterticket braucht man es einfach nicht und es die Parkplatzsuche nervt auf Dauer. Ich muss zugeben, dass ich wirklich gerne mit Bus und Bahn unterwegs bin, in den meisten Fällen ist es einfach deutlich entspannter als mit dem Auto. Liegt sicherlich auch daran, dass mich ein ausgefallener oder verspäteter Zug nicht wirklich stresst, die Autobahn in Deutschland aber sehr wohl.
Falls du den ÖPNV verwendest: Was müsste besser werden? Könntest du dir vorstellen, auf das Auto zu verzichten?
Hauptproblem ist meiner Meinung nach die Zuverlässigkeit, die muss einfach höher werden. Das wäre ja eigentlich einer der größten Vorteile gegenüber dem Auto, dass man quer durch Deutschland auf die Minute genau zu der Zeit am Ziel ist, wie man es erwartet und somit völlig unabhängig von Wetter oder Verkehr ist. Nichtsdestotrotz bin ich gerade im Raum München mit dem ÖPNV schon sehr zufrieden, im Sommer hab ich einige Touren mit der Werdenfelsbahn gemacht, die steht für mich in Sachen Komfort, Fahrzeit und Preis (mit BC 50) dem Auto ein gutes Stück voraus, vor allem wenn man allein unterwegs ist.
Den umgekehrten Fall hat man in meiner Heimat, dem Westerwald. Was nutzt mir eine schnelle ICE-Verbindung, wenn ich dann in Montabaur eine Stunde auf den Bus warten muss und dieser die 30 Kilometer lange Strecke in über einer Stunde zurücklegt. Und das zu einem Preis von knapp 10€. Das ist alles andere als attraktiv. Ebenso der Fahrplan der Oberwesterwaldbahn mit langen Fahrzeiten und wenigen durchgehenden Verbindungen. Ich könnte mir schon vorstellen, dass man mit schnelleren Express-Zügen, einem dichteren Takt und attraktiven Preisen deutlich mehr Menschen auf die Schiene holen könnte, aber das kostet natürlich Geld und politisch sehe ich derzeit keinen Willen, an der Situation etwas zu ändern. Eher wird die Strecke stillgelegt, weil sie zu wenig genutzt wird.
Was wünschst du dir von Politik und Gesellschaft?
Von der Politik wünsche ich mir einen klaren Schwenk von Straße hin zu Schiene, z.B. durch den Wegfall der Dieselsubvention, City-Maut, etc. und einer Bahn, die sich wieder auf die Fläche ausbreitet und sich nicht auf die wenigen Schnellstrecken in Deutschland konzentriert. Natürlich hat die DB von allein kein Interesse daran, aber dann muss eben der Bund als Besitzer die richtigen Weichen stellen. Leider wird sich da meiner Meinung nach aber nicht viel verändern, da die Autolobby in Deutschland einfach zu stark ist.
Gesellschaftlich dürfte das Hauptproblem sein, die Leute, die sich einmal ans Auto gewöhnt haben, dort wieder rauszubekommen. Unsere Gesellschaft ist einfach zu stark aufs Auto fixiert. Das sieht man ja schon daran, dass bei Unternehmen, in Zeitschriften etc. unter dem Punkt Anreise im Großteil der Fälle das Auto als erstes genannt wird, und mit Glück dann auch noch die Empfehlung, wie man mit der Bahn hinkommt.
Wie sieht für dich die wünschenswerte Großstadt aus? (Fußgängerzone, Autofrei, Rad(schnell)wege, Tunnel für Autos, starker ÖPNV, wie bisher)?
Ich glaube ich habe da eine ziemlich radikale Ansicht, aber mir gehen Autos in der Stadt gehörig auf die Nerven. Ich finde, man sollte es den Autofahrern so unangenehm wie möglich machen. Die wenigsten sind doch wirklich auf ein Auto in der Stadt angewiesen. Attraktiv wären für mich deutlich mehr Fußgängerzonen und autofreie Abschnitte und an stark befahrenen Straßen große Bus- und Radspuren, um den Individualverkehr einzuschränken. Stehen die Autofahrer jeden Tag lange im Stau, überlegt man vielleicht doch, auf den ÖPNV umzusteigen.
Und die Fernreisen: Könntest du dir vorstellen, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Skifahren zu gehen? Falls nein, was müsste passieren, dass es attraktiv wäre?
Unattraktiv sind für Tagesausflüge in erster Linie längere Wege. Das macht mit Skiausrüstung einfach keinen Spaß. Wenn man die Tagesausflügler aus München aus dem Auto auf die Bahn bringen möchte, braucht es also Einstiegspunkte in Skigebiete, die am besten direkt an der Bahn liegen. Alternativ müssten am Bahnhof Skibusse zur Verfügung stehen, die kurz nach Ankunft des Zuges zur Talstation fahren. Wenn man erst eine halbe Stunde auf den schlecht getakteten Ortsbus warten muss, fällt die Anreise per Bahn wieder flach. Am Hausberg in Garmisch ist der Bahnanschluss schon ganz gut gelöst, auch wenn es attraktiver wäre, wenn man nicht erst den Parkplatz überqueren müsste. Perfekt gelöst ist es bspw. am Kronplatz, wo man aus der Bahn beinahe in die Gondel stolpert. Aber in Südtirol hat man auch erkannt, welches Potenzial in der Eisenbahn steckt.
Und was für mich persönlich wichtig ist, sind ausreichend gut erreichbare Schließfächer an der Talstation, um Skisäcke den Tag über zu lagern.
Auch hier müsste man meiner Meinung nach viel stärker an der Preisschraube drehen, denn damit erreicht man die Leute. Heißt: Parkgebühren rauf, Bahn billiger, wie es zB mit dem Garmischer Skiticket vorgemacht wird. Ebenso sollten Schließfächer dann konsequenterweise nicht kosten, zumindest für Bahnreisende.

Trotz meiner recht eindeutigen Meinung gibt es natürlich viele Situationen, in denen ein Auto sinnvoll und auch nicht ersetzbar ist, gerade in einem so zersiedelten Land wie Deutschland; Fab hat's ja angesprochen. Dennoch wäre es kein Ding der Unmöglichkeit, die Bahn zumindest deutlich attraktiver zu gestalten und gerade in Städten das Autofahren stark einzuschränken.

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Re: Zukunft der Mobilität!?

Beitrag von EKL » 14.10.2018 - 20:56

Der ÖPNV muss über die Stadtgrenzen hinaus einfach attraktiver gestaltet werden.

Ich studiere in Halle (Saale) in Sachsen-Anhalt und erledige in der Stadt fast alle Wege mit der Straßenbahn (15 min Takt). Für Exkursionen etc. lasse ich mich von Studienkollegen mitnehmen, ab und zu fahre ich auch mal Fahrrad. Ein Auto kann ich zur Not von meinem "richtigen" Zuhause mitnehmen, ist mir aber zu blöd, das dann dort 5 Tage einen Parkplatz blockieren zu lassen, somit mache ich das nur wenn ich in den Ferien mal 3 Tage hin muss und sonst im Semester lasse ich mich von einem Freund mitnehmen.

JETZT KOMMT DAS GROßE ABER, wenn ich ohne Auto die Strecke von 40 Autominuten nach Hause fahren will, brauche ich mit dem ÖPNV an reiner Fahrzeit 1:20 min, vor der letzten Fahrplanumstellung waren es noch knapp 2 Stunden. Und das ist noch eine der günstigen Verbindungen und für mich außerdem noch kostenlos dank Semesterticket. Meine Studienkollegen fahren fast alle mit dem Auto (was dann in der Stadt natürlich Parkplätze wegnimmt) nach Hause, da sie noch ungünstigere Fahrtzeiten haben und zudem noch enorm Kohle abdrücken müssten.

Somit funktioniert meiner Meinung nach der Öffentliche Personenverkehr nur auf der Langstrecke (ohne viel Umsteigen) per Schiene oder Bus und innerhalb einer Stadt oder zumindest einer Metropolregion. Für alles dazwischen ist er nur unter Einschränkungen tauglich.

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Re: Zukunft der Mobilität!?

Beitrag von extremecarver » 14.10.2018 - 22:47

Funktioniert der Nahverkehr außerhalb von Städten in AT noch deutlich besser als in DE?
Aber klar - gerade als Tagesgast zum mtbiken/skifahren/wandern ist Auto meist deutlich schneller als Öffi - grad die Strecken von 20-100km. Alles drunter geht mit Radel meist genauso gut (und wer für 10-15km pendeln ein Auto nutzt, wirft halt Geld raus. Weil wenn da Öffi nicht gut geht - ein E-Bike wenn man kein normales Fahrrad will ist da dann doch die beste Lösung. Und E-Bikes wo kein Akku drinsteckt werden IMHO nicht oft geklaut. Für unter 10km sowieso Auto nur bei Dunkelheit/Nachts wirklich im Vorteil.

Ich denke dass sind jetzt noch 5-10 Jahre - wo privates Auto Standard ist. Wenn die Autos mal gescheit autonom fahren - und dass wird nicht mehr lange dauern - macht es außer völlig in der Pampa wohnend einfach keinen Sinn mehr ein Auto zu besitzen. Da nimmt man dann lieber ein autonomes Uber (oder was auch immer dann im Sharing Markt der autonom fahrenden Autos am beliebtesten ist - wird deutlich günstiger sein als selber Auto zu besitzen bei allen Kosten eingerechnet und nicht wie so meist die Hälfte vergessen), Bus/Bahn für lange Strecken, und Fahrrad, E-Bike sharing, E-Kickroller Sharing für kürzere Strecken.
Der Staat muss halt dafür die Anreize richtig setzen - sprich steuern für Privatautos und Parkplatzkosten deutlich rauf - dann verliert das Privatauto klar seinen Anreiz - und Bahn/Bus/Carsharing autonomer Autos werden auch praktischer sein. Grad wenn Busse dann auch autonom fahren - und man das ganze gut vernetzt - wird es auch nicht langsamer sein - und dank dann sehr geringem Anteil an privaten PKW wird das Angebot halt auch wieder deutlich besser sein. Gut möglich dass wenn da (mittel)großes Land weltweit den Vorreiter macht und Privat PKW steuerlich unattraktiv macht - dass dann in 2-3 Jahren schnell überall nachzieht.


Und ja - Busse müssen bequemer werden. Die Sardinensitze in den meisten europäischen Bussen (Flixbus ganz übel) sind einfach nicht aushaltbar. In Südamerika wo es ja kaum Bahn gibt - sieht man wie es geht. Da denkt keiner dran 700-800km per Auto wo hinzufahren. Die fährt man einfach bequem im Fernbus - gibt von Billigsitz (wie Flixbus) zu 2/3 Liegesitz (so wie früher mal Business Class im Flieger) hin zu 180° Lie Flat sitzen (so wie moderne Business Class im Langstreckenflug) die Auswahl. Und jede größere Stadt ist gut verbunden. Ab 1000km nimmt man halt meist ein Flugzeug (wenn man es sich leisten kann, gibt genug Leute die auch 1500km meist per Bus zurücklegen).
Bzw sieht man in China oder Frankreich wie guter/schneller Zugverkehr zwischen Metropolen richtig geht. China hat da natürlich Vorteile - aber zwischen den großen Städten geht da tagsüber quasi alle 30min ein Zug - oft sogar Point-Point ohne einen Halt über 1000km. Flieger zahlt sich da meist nicht aus - außer halt weil man Anschlussflug hat. Shanghai-Beijing - 1215km Zugstrecke (Luftlinie gar nicht viel kürzer) - 4h28min per Zug. Da ist man mit Flugzeug kaum schneller oder gar nicht schneller. Auto tut sich da niemand an (12h). Europa ist halt leider noch zu PKW zentriert geplant worden.


Aber derzeit bin ich auch kein gutes Beispiel. Fahre zwar in der Stadt nie per Auto, aber in die Berge sehr oft - bzw pendel oft nach Mailand per Auto (weil Flixbus door2door 7:30-8h (und sau unbequem) statt 4:40 via St Moritz per PKW und somit mautfrei, Bahn Door2Door etwa 5:30 aber halt kein Direktzug Ibk-Mailand, 1-2mal umsteigen plus Nahverkehr - dazu recht teuer und Angebote gibts auf der Strecke keine wegen Umsteigen). Nur bin ich sicher - ist Privat PKW endlich mal steuerlich so teuer - dass es wenig Sinn macht - dann werden die Verbindungen halt auch viel besser werden und mehr Angebot. Henne-Ei Problem sozusagen. Europa und Nordamerika sind da einfach am rückständigsten weltweit.

Perfekt wäre - jetzt Gesetze machen mit Ankündigung sagen wir ab 2021 jährlich progressiv die Steuern für Privat-PKW stark rauf - am besten per km Maut auf allen Straßen sowie steigenden Parkgebühren in Städten (Parkplätze keine Kosten für autonom fahrende shared cars die täglich mindestens 10 verschieden User befördern - damit die dann nicht wie Taxis blöd rumgurken). So dass ab 2030 Privat PKW ein Luxusgut ist. In Italien etwa würde ich lange Strecken per Auto alleine auch nie fahren - Zug ist zwischen Großstädten deutlich schneller und Ticket kostet in etwa soviel wie die Autobahnmaut alleine - wenn nicht sogar weniger (3-4 Wochen voraus buchen etwa bei Italotren)

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Re: Zukunft der Mobilität!?

Beitrag von Rennstier » 14.10.2018 - 23:07

extremecarver hat geschrieben:
14.10.2018 - 22:47
[...]
Funktioniert der Nahverkehr außerhalb von Städten in AT noch deutlich besser als in DE?
[...]
Bzw sieht man in China oder Frankreich wie guter/schneller Zugverkehr zwischen Metropolen richtig geht.
[...]
Wahrscheinlich funktioniert der ÖV in Österreich wirklich noch besser als in DE, ich habe mal ne Beispielstrecke zu nem guten Freund einmal von Google Maps fürs Auto und einmal von der DB-Website für den ÖV berechnen lassen. Mit dem Auto brauche ich für die 20km 17 Minuten, mit dem ÖV 1:40 bei unregelmäßigem Takt >= 1 Stunde. Zudem muss ich zu/von beiden Haltestellen nochmal jeweils etwa 10 Minuten laufen. Die Einzelfahrkarte kostet für diese Strecke übrigens 9,65€, die Tageskarte 19,30€ was man über ein kompliziertes Wabensystem herausfinden muss und von keiner App/Website berechnet werden kann. Natürlich hat sich jeder Tarifverbund ein eigenes Tarifsystem. Und natürlich gibt es bei jedem Tarifsystem unzählige Ausnahmen, wo kämen wir denn hin wenn das einfach zu verstehen wäre? ÖV soll doch ein Abenteuer sein, oder nicht? Zudem muss man damit rechnen, dass besonders Regiobusse meistens nicht pünktlich sind, die Regionalzüge sind auch eher selten pünktlich, da aber eh keine Verbindungen getaktet sind und man oft 20 Minuten oder länger auf den Anschluss warten muss ist das nicht so schlimm. Und dann wundert man sich warum niemand den ÖV benutzt.

In Frankreich gibt es zwar das TGV-Netz, die Strecken sind aber fast nur von und nach Paris, in Deutschland sind die Großstädte viel mehr verteilt und es gibt nicht nur Strecken nach Berlin.
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Re: Zukunft der Mobilität!?

Beitrag von extremecarver » 15.10.2018 - 01:40

es gibt durchaus viele TGV Achsen in Frankreich mit hoher (>220km/h) Abseits von Paris - und die Hochgeschwindigkeitsstrecken sind halt wirklich schnell. In Deutschland gibts maximal Flickerlteppich - in AT überhaupt keine schnelle Strecke (200km/h ist ja nicht schnell für Zug - vor allem viel zu viele Haltestellen). Siehe hier: https://www.hochgeschwindigkeitszuege.c ... kreich.php

Dazu halten die ICE in DE halt ähnlich AT gefühlt in jedem Kaff und es gibt dazu noch einige absolut unsinnige Endbahnhöfe. Wenn man von A-B nicht mindenstens 200km/h Durschnitt erzielt inklusive anhalten ist das einfach zu lahm. In Europa gibts das halt nur auf wenigen Strecken (vor allem Frankreich, teils Italien bzw die TGV Trassen aus Paris ins Ausland). Und ja klar - in China ist das einfacher. Weil eine Strecke wie Beijing-Shanghai mit 1318km Länge wird da in 4:18 gefahren (350km/h - wobei die Gleise auf 380 ausgelegt wären aber um Strom zu sparen wird halt nur 350km/h gefahren - außer bei Stopps gibts auch keine langsameren Sektionen) - und einfach mal 44 Züge pro Tag und Richtung (rund 1000 Plätze pro Zug). Wobei halt glaube ich nur 6 oder 7 der Züge pro Richtung die Direktvariante mit 2 Stopps sind - der Rest hält etwas öfter und fährt auch nur 300km/h - und braucht bis zu 6:20h (was also noch immer über 200km/h Schnitt ist, trotz recht vielen Stopps). Nur dass mit den Gates bei den Bahnhöfen nervt stark - geht zwar schneller wie am Flughafen - aber man muss doch mindestens 15-20min vor Abfahrt am Bahnhof sein (da immer Ticket und Ausweiß überprüft wird bevor man zum Bahnsteig darf, und noch dazu die Gates immer erst so 10-15min vor Abfahrt öffnen womit dann bis zu 1000 Leute halt im Rush durchmüssen zum Zug - und viele Chinesen haben viel zu viel Gepäck mit, immer verwunderlich wie sich dass dann trotzdem ausgeht dass der Zug dann auf die Sekunde pünktlich losfährt. Dazu muss man ja um in den Bahnhof reinzukommen schon durch die Security Checks ala Airport durch.
Bei Bahnausbau zeigt China halt das Diktatur auch Vorteile hat - in China brauchts von der Ankündigung eine neue Hochgeschwindigkeitsstrecke zu bauen bis der Zug planmäßig rollt kürzer als man in DE oder AT in Regierung/Parlamenten rumdiskutiert und Umweltverträglichkeitsprüfungen usw abschließt und Genehmigungen einholt (wobei Entschädigungen in China nicht unlukrativ sind - nur gibts da halt wenig Diskussion bei den Zugstrecken)

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Re: Zukunft der Mobilität!?

Beitrag von Kreon100 » 15.10.2018 - 11:03

Da nehme ich auch gerne Teil, zunächst zu Deinen Fragen:


1. Wenn du mit dem Auto pendelst: Was müsste passieren, um (auch teilweise) auf das Auto zu verzichten?
Fahre nicht mit dem Auto in die City

Falls du den ÖPNV verwendest: Was müsste besser werden? Könntest du dir vorstellen, auf das Auto zu verzichten?
Ich wohne in HH und habe aber jahrelang in Stuttgart gelebt und kenne daher die Situation dort auch ganz gut. Es ist ja mittlerweile schon ein großer Wandel eingetreten, in meinem BEkanntenkreis sind viele auf ÖPNV oder Fahrrad umgestiegen, weil das Auto hier in HH morgens zur Rush-Hour einfach nicht mehr schneller ist. In der S-Bahn kann ich lesen, e-mails erledigen oder einfach mal dösen. Allerdings finde ich die Einzeltickets noch ganz schön teuer. Ich habe bereits auf den Zweitwageen verzichtet und will aber dennoch ein Auto haben, um am WoE mal raus zu fahren oder in den Urlaub zu reisen.


Was wünschst du dir von Politik und Gesellschaft?
Mich nervt mittlerweile diese Selbstverständlichkeit, mit der man den Autos so viel Raum in der Stadt gibt. Hier in HH gibt es ganze Stadtwiertel, die zugeparkt sind und jeder denkt, das ist o.k. Dabei sieht man auf alten Fotos, dass es einmal schöne Plätze gab mit Märkten, Cafes und schönen Parkanlagen, die mittlerweile alle mit Blechkisten zugestellt sind. Wenn man selbst einen Parkplatz sucht, ist man natürlich froh, eine Parkfläche zu finden, aber andererseits gibt es Viertel, wo man Autos einfach mal raus nehmen müsste. Mir fällt hier Ottensen und Schanzenviertel ein.

Wie sieht für dich die wünschenswerte Großstadt aus? (Fußgängerzone, Autofrei, Rad(schnell)wege, Tunnel für Autos, starker ÖPNV, wie bisher)?
Da hast Du es eigentlich schon genannt. In der City jedenfalls mal keine Fußgängerunterführungen mehr sondern wenn, dann die Autos unter die Straße verlegen. Mehr Raum für Fahrräder wie in Koppenhagen, wo übrigens auch die Radfahrer viel entspannter fahren als so manche Fahrradnazis bei uns (ich sag nur Liegefahrräder ;-) )

Und die Fernreisen: Könntest du dir vorstellen, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Skifahren zu gehen? Falls nein, was müsste passieren, dass es attraktiv wäre?
Das haben wir auch schon gemacht, allerdings ist Bad Gastein da auch prädestiniert, weil der EC aus München dort mehrfach am Tag direkt hält. In so Orten wie Lac Du Tignes oder Trois Vallee ist das fast unmöglich.


Generell, falls du ein Auto besitzt: Ob und unter welchen Umständen könntest du dir vorstellen, auf ein Auto als Eigentum zu verzichten?
Angenommen, der ÖPNV wäre kostenlos: Würdest du dies in deinem Alltag einbauen?
Ich habe eine Monatskarte für ÖPNV, bin Mitglied bei Stadtrad und Car2Go, damit komme ich hier in HH überall und immer gut zurecht. Abo für ÖPNV nutze ich im Sommer gar nicht wirklich aus, das sind aber einfach Fixkosten, da möchte ich mir keine Gedanken machen müssen. Wenn es noch bessere Car-Sharing-Modelle geben würde, könnte ich mir auch vorstellen, ganz auf ein Auto zu verzichten.

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Re: Zukunft der Mobilität!?

Beitrag von kaldini » 15.10.2018 - 11:22

Und die Fernreisen: Könntest du dir vorstellen, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Skifahren zu gehen? Falls nein, was müsste passieren, dass es attraktiv wäre?
Das haben wir auch schon gemacht, allerdings ist Bad Gastein da auch prädestiniert, weil der EC aus München dort mehrfach am Tag direkt hält. In so Orten wie Lac Du Tignes oder Trois Vallee ist das fast unmöglich.
Bis Moutiers bzw. Bourg St. Maurice fährt der TGV im Winter! Und von dort gibt es einen ganz guten Busservice. Les Arcs ist über die Standseilbahn sogar direkt an den Bahnhof angebunden.
Wenn ich mal einen Urlaub in den 3V mache und nicht voher/zwischendrin mal woanders hinwill, plane ich schon eine Anreise per Zug.
Leider kein echter Skifahrer.

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Re: Zukunft der Mobilität!?

Beitrag von Rüganer » 15.10.2018 - 12:15

margau hat geschrieben:
13.10.2018 - 22:15

margau hat geschrieben:
13.10.2018 - 22:00
Und die Fernreisen: Könntest du dir vorstellen, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Skifahren zu gehen? Falls nein, was müsste passieren, dass es attraktiv wäre?
Mit dem ICE in die Alpen wäre mir deutlich lieber, wenn: Es eine gute Möglichkeit zum Gepäck/Skitransport gäbe, und auch die "letzte Meile" funktioniert. Will heißen: Ich checke das Equipment vorher ein, und es liegt im Zielhotel oder am Zielbahnhof wenn ich ankomme, während ich entspannt und ohne nerviges Gepäck Bahn fahre. Krisenmanagement wäre natürlich auch noch so ein Thema :D

Ich fahre nur noch mit dem Zug zum Skifahren, auch mit kompletter Ausrüstung, hatte noch nie nennenswerte Probleme, auch der Preis ist unschlagbar.
Habe meine Koffer so umgebaut, dass er mit Ski gerollert werden kann, also kein Hinterherziehen. Top.

Das Gepäck kann man auch schicken lassen mit dem Gepäckservice der Bahn, soll gut funktionieren.
Und während der Fahrt nervt das Gepäck ja auch nicht.

Und der Nahverkehr z. B. in Südtirol ist exzellent, man denke nur an den Kronplatz und Drei Zinnen mit direkter Bahnstation und demnächst auch noch der Gitschberg.

margau hat geschrieben:
13.10.2018 - 22:00
Generell, falls du ein Auto besitzt: Ob und unter welchen Umständen könntest du dir vorstellen, auf ein Auto als Eigentum zu verzichten?
Angenommen, der ÖPNV wäre kostenlos: Würdest du dies in deinem Alltag einbauen?
Naja, wie Fab schon sagte, auf dem Lande geht ohne Auto wenig.
Ich persönlich könnte auf das Auto verzichten, dann maulen aber wieder langhaarige Mitglieder der Familie :wink:

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Re: Zukunft der Mobilität!?

Beitrag von starli » 15.10.2018 - 13:00

- zum Pendeln verwende ich seit 2 oder 3 Jahren ein elektrisches Einrad (bzw. 2 Stück, je nach Wetter/Jahreszeit). Keine Parkplatzprobleme, keine Stauprobleme und in der Gesamtfahrzeit ähnlich schnell wie mit dem Auto. Bei Regen natürlich etwas nervig.
- bei Eis und Schnee fahr ich dann halt mit dem Auto, daher muss ich die Wetterberichte immer anschauen, da ich dann 15-30 Minuten früher los muss, um noch einen Parkplatz in der Nähe meiner Arbeit zu finden. ÖPNV ist nicht lohnenswert, dann kann ich auch gleich zu Fuß (30min) gehen und bin gleich schnell.
- meine Art Wochenendausflüge und Urlaube (>40.000km jährlich) sind ohne Auto nicht machbar, auch mit einem Elektroauto nicht, bei den Ladezeiten ..
- In Innenstädte, insb. von Großstädten, fahr ich aufgrund des Verkehr und der hohen Parkgebühren nur höchst widerwillig. Dann lieber P+R, aber das ist auch sehr selten, da ich äußerst selten in eine Innenstadt muss. Gilt selbst für Innsbruck.
Angenommen, der ÖPNV wäre kostenlos: Würdest du dies in deinem Alltag einbauen?
Da es für mich keine Vorteile brächte, nein.
Und die Fernreisen: Könntest du dir vorstellen, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Skifahren zu gehen? Falls nein, was müsste passieren, dass es attraktiv wäre?
Irgendwann werde ich zu meinen Skigebietszielen fliegen "müssen", weil zu weit weg, insofern wird das dann der Grund sein, dass ich öffentliche Verkehrsmittel (Flugzeug) verwenden werde ;-) Aber das, was ich in 1-8 Stunden momentan mit dem Auto anfahre, wird nie mit ÖPNV sinnvoll erreichbar sein.
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Aktuelle Entwicklungen nicht zu verschlafen. Meines Wissens dürfte ich mit dem elektrischen Einrad in DE nicht auf Fußwegen unterwegs sein. In AT darf ich nur auf Fußwegen unterwegs sein. Neben elektrischen Einrädern gibts viele elektrische Einpersonentransportmittel, die aber aufgrund gesetzlicher Hürden in einigen Ländern nicht oder nur illegal verwendet werden dürfen.
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Re: Zukunft der Mobilität!?

Beitrag von Florian86 » 15.10.2018 - 16:43

Danke für das Aufwerfen dieses spannenden Themas. Ich bin auch erfreut, relativ viele ÖPNV-positive Antworten hier zu lesen.

Etwas Offtopic, aber will kein eigenes Topic aufmachen: hätte eine Karte für die Messe emove360° in München abzugeben (hab zwei gewonnen, brauch aber nur eine). Geht um Elektromobilität. Findet von morgen (Dienstag 16.10.) bis Donnerstag (18.10) statt. Falls jemand Interesse hat schickt mir ne PN, dann kann ich demjenigen den Code zum Einlösen auf der Website zukommen lassen.
margau hat geschrieben:
13.10.2018 - 22:00
Wenn du mit dem Auto pendelst: Was müsste passieren, um (auch teilweise) auf das Auto zu verzichten?
Zum Pendeln hab ich bisher nur in Ausnahmefällen das Auto genutzt, meistens das Fahrrad für die 12km, das hat dann so 35 - 40min gedauert (je nach Tagesfassung und Ampelschaltungen). Obwohl es auf meiner Strecke mit dem Auto etwas schneller gegangen wäre, würd ich definitiv nicht jeden Tag ins Auto steigen wollen, der Verkehr ist mir einfach viel zu nervig. Bei besseren Öffi-Verbindungen hätte ich wohl diese auch öfter genutzt, aber Münchner Berufsverkehr und dann 3 mal umsteigen, jeweils von Bus zu Bus, da verpasst man immer mindestens einen Anschluss.
margau hat geschrieben:
13.10.2018 - 22:00
Falls du den ÖPNV verwendest: Was müsste besser werden? Könntest du dir vorstellen, auf das Auto zu verzichten?
Dichtere Takte sind das A und O und ein attraktiver Preis dazu. In München würde ich mir z.B. so eine Art Basis-Semesterticket für die ganze Bevölkerung wünschen, von mir aus auch zum doppelten Preis, das wären dann etwa 260€ im Jahr und man könnte den ÖPNV im ganzen Verbund zu Schwachlastzeiten nutzen. Ein Jahresticket für 365€ wäre natürlich ein Traum, davon sind wir aber aktuell ganz weit weg.
Was den Verzicht aufs Auto betrifft: im Alltag verzichte ich größtenteils drauf, Einkaufen geh ich mit dem Fahrrad außer wenn ich Getränke kaufen geh, wobei ich selbst das letztens mit dem Bus gemacht hab, war dann aber nur ein Kasten Bier und nicht mehr. Wohnt man relativ nah am Getränkemarkt - wie ich in meiner alten Wohnung - geht zu Fuß gehen + Sackkarre auch prima. Fahrradanhänger oder ein Lastenrad wäre auch ne Möglichkeit, besitz ich aber leider nicht. Wenn gerade die Getränkemärkte eine kostengünstige Lieferung anbieten würden, wäre das super. Also ich möchte mir schon die Sachen im Laden aussuchen, aber geliefert werden könnten sie ruhig erst am Abend nach Ladenschluss. So ließen sich auch die Kosten minimieren, da der Getränkemarkt dann eine Tour aller zu Beliefernden zusammenstellen könnte.
Das Auto nutz ich weiterhin für Fahrten zu meinen Eltern (transportiere oft größere Sachen von München nach Franken oder andersrum, z.B. gutes fränkisches Bier ;-)), für manche Urlaubsfahrten und für Tagestrips zum Skifahren bzw. Skiurlaube. Für Städtereisen übers Wochenende nehm ich lieber die Bahn.
Leider sind die Tagestrips zum Skifahren für mich (noch?) unattraktiv mit den Öffentlichen. Die Erreichbarkeit der Skigebiete ist ein Punkt, das andere ist aber auch, wie lange eine Fahrt fahrplanmäßig dauert. Von Tür zu Tür brauch ich z.B. zum Hausberg in Garmisch (eher gut zu erreichen) mit den Öffis 2,5h und zwei mal Umsteigen, mit dem Auto 1,5h. Da ich früh aufstehen echt hasse zählt bei mir morgens nun mal jede Minute. ;-) Und da werden die Öffis dann echt unattraktiv. Und erstmal ins Auto setzen und P+R aus München zu machen ist auch nicht so einfach, an den meisten "sinnvollen" Bahnstationen kann man in München ja auch nicht kostenlos parken.
Mein Auto hergeben möchte ich eher nicht, wobei das eher ne sentimentale Geschichte ist: es wurde mir von meiner Oma vererbt und sie hat mich schon im Kindergarten damit abgeholt.
margau hat geschrieben:
13.10.2018 - 22:00
Was wünschst du dir von Politik und Gesellschaft?
Politik: Autofahren und Fliegen sollte meiner Meinung nach als Steuerungsmechanismus deutlich teurer werden. Wobei beim Autofahren der Knackpunkt ist, dass diejenigen, die auf dem Land wohnen nicht sehr viel stärker belastet werden sollten. Schon eine Besteuerung von Kerosin wäre ein Anfang, und im Gegenzug die Senkung oder Abschaffgung der Mehrwertsteuer bei Bahnfahrten. Auch wünsche ich mir verkehrsmittel- und ticketübergreifende Fahrgastrechte für alle Verkehrsmittel einschließlich Flugzeug. Nur mal ein Beispiel: ich buchte eine Reise mit 2 Flugabschnitten, der erste kürzer und der zweite länger. Ist der 1. Flug verspätet und verpass ich den Anschlussflug wird mich meine Fluggesellschaft trotzdem zum Ziel befördern und evtl. werde ich sogar eine ordentliche Entschädigung bekommen. Buche ich nur den zweiten Flug und plane meine Anreise mit der Bahn, weil der erste Flugabschnitt eh nur kurz ist, schaut es anders aus: ist die Bahn verspätet und ich verpasse deswegen den Flug schau ich in die Röhre, obwohl ich doch eigenlich etwas umweltfreundlicher handle. Find ich irgendwie ungerecht.
Eine weitere Maßnahme wäre das Erhöhen der Flugpreise (europäisch), z.B. über Steuern, bei gleichzeitiger Förderung von Nachtzügen. So können Businessreisende ihren Termin am Morgen trotzdem wahrnehmen ohne fliegen zu müssen. Auch Nachtzüge in Verbindung mit Hochgeschwindigkeit wäre interessant, denn mit einem typischen Nachtsprung (~10h, z.B. von 21h bis 7h) kann man auch auf Hochgechwindigkeitsstrecken weit kommen, so etwas wie München - Warschau/Amsterdam/Kopenhagen/London wäre allemal drin, wobei man bei weiteren Ausbauten der Hochgeschwindigkeitsstrecken natürlich auch noch weitere Strecken zurücklegen kann.
Auch wäre in gewisser Hinsicht ein flächendeckendes ICE-Sprinter Netz innerhalb Deutschland von Vorteil, also ein echtes A-Netz, bei dem nur in größten Großstädten und wichtigen Knotenbahnhöfen gehalten wird. Gleichzeitig braucht es dann aber auch ein echtes B-Netz zur Feinverteilung und zum Anbieten von weiteren Direktverbindungen, gerne auch mit ICEs. Gerade auf der Strecke München - Berlin wurde die Bahn vom Erfolg ja regelrecht überrannt. Der Bedarf für mehr als 3 Sprinter, die nur in München, Nürnberg, Halle und Berlin halten ist aber definitiv da.
Generell muss man mit politischen Maßnahmen natürlich vorsichtig sein, einen "Verbotsstaat" will ich schließlich auch nicht.
Gesellschaft: dass jeder einzelne zumindest überdenkt, ob er/sie nicht besser werden kann, weniger Auto fahren, Fahrrad/Fahrgemeinschaften/Öffis nutzen.
margau hat geschrieben:
13.10.2018 - 22:00
Wie sieht für dich die wünschenswerte Großstadt aus? (Fußgängerzone, Autofrei, Rad(schnell)wege, Tunnel für Autos, starker ÖPNV, wie bisher)?
Auf jeden Fall weniger Autos, evtl. sogar City-Maut bei gleichzeitigem P+R und kostenloser ÖPNV-Fahrt innerhalb eines P+R-Ringes, viele breite Radwege, gerne kreuzungsfrei, deutlich ausgeweitete Fußgängerzonen, ÖPNV rund um die Uhr und in dichtem Takt am liebsten mit U-Bahn, Straßenbahn oder Gondel bei Punkt-zu-Punkt-Verbindungen.
margau hat geschrieben:
13.10.2018 - 22:00
Und die Fernreisen: Könntest du dir vorstellen, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Skifahren zu gehen? Falls nein, was müsste passieren, dass es attraktiv wäre?
Es müsste möglich sein, bequem auch "auf dem Weg" schon skifahren gehen zu können, diese Möglichkeit seh ich schon mal bei den Öffis eher nicht, wenn ich mit diesen in den Skiurlaub fahren würde. Ist natürlich was anderes, wenn das Skigebiet so weit weg ist, dass man eh keine Zeit hat, am An- und Abreisetag skizufahren. Gepäcktransport von daheim direkt in die Unterkunft wäre natürlich auch ein großer Pluspunkt in Verbindung mit ner guten Verbindung in das/die Skigebiet/e vor Ort. Ich hab auch schon meine Skisachen mit dem Flugzeug nach Rumänien mitgenommen und dort sind wir mit Bahn und Bus zum Skifahren. Das war aber auch superunhandlich und unpraktisch, das im Zug sitzen war OK, aber der Weg in Sinaia zur Gondel war eine ziemliche Qual.
margau hat geschrieben:
13.10.2018 - 22:00
Generell, falls du ein Auto besitzt: Ob und unter welchen Umständen könntest du dir vorstellen, auf ein Auto als Eigentum zu verzichten?
Wenn das jetzige irreparabel kaputt geht würde ich mir wohl kein neues zulegen, dann würde ich wohl drauf verzichten. Für die Skitagesausflüge würde ich dann eher ein Auto mieten bzw. Carsharing nutzen, ebenso für Urlaub. Und die Familienheimfahrten gingen auch zur mit den Öffis, dann halt in der Regel ohne Transport von schweren Dingen.
margau hat geschrieben:
13.10.2018 - 22:00
Angenommen, der ÖPNV wäre kostenlos: Würdest du dies in deinem Alltag einbauen?
Ja, ich würde wohl v.a. weniger Fahrrad fahren, insofern wärs vielleicht gar nicht so gut. ;-)
2018/19: Whakapapa/Turoa(x4) ~ Tukino
2017/18: Zillertal 3000 ~ Splügen ~ Kitzbühel ~ Pizol ~ Monte Rosa Ski ~ Pila ~ Valtournenche ~ Cervinia ~ Toggenburg ~ Laax(x3) ~ Ratschings ~ Superskirama(x8) ~ Cardrona ~ Porters ~ Roundhill ~ Whakapapa/Turoa(x6)
2016/17: Sölden ~ Gurgl ~ Flachau/Wagrain/St. Johann ~ Bad Gastein/Bad Hofgastein(x3) ~ Dorfgastein/Großarl ~ Hochkönig ~ Spitzingsee ~ Kampenwand/Hochfelln ~ Etzelwang/Osternohe ~ Kellerjoch/Pertisau ~ Jenner ~ Tiroler Zugspitzregion(x2) ~ Ski Arlberg(x6) ~ Kühtai/Hochötz
2015/16: Kitzbühel ~ Skicircus ~ Skiwelt ~ Spitzingsee ~ Sudelfeld ~ Jöchlspitze ~ Warth-Schröcken/Lech-Zürs(x6) ~ Gitschberg/Jochtal ~ Kronplatz ~ Sella Ronda ~ Folgarida/Marilleva/Madonna di Campiglio/Pinzolo(x4,5) ~ Pejo(x0,5) ~ Tonale ~ Carezza
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Re: Zukunft der Mobilität!?

Beitrag von noisi » 15.10.2018 - 18:07

Sehr interessantes Thema, ich beteilige mich gerne.
Wenn du mit dem Auto pendelst: Was müsste passieren, um (auch teilweise) auf das Auto zu verzichten?
Ich wohne kaum mehr als einen Kilometer von meinem Arbeitsplatz entfernt am Innenstadtrand einer kleinen Großstadt an der Wesermündung. Wenn ich faul bin gehe ich zu Fuß, ansonsten fahre ich mit dem Rad. Da ich der deutschen Peripherie lebe, rundherum entweder das Meer oder dünnbesiedeltes Land habe ich trotzdem ein Auto - vor allem für die Freizeit.
Falls du den ÖPNV verwendest: Was müsste besser werden? Könntest du dir vorstellen, auf das Auto zu verzichten?
Da ich den ÖPNV nur in meiner Freizeit nutzen könnte, auch nur dazu ein paar Sätze. Mit dem Bus brauche ich selbst in der Stadt ewig um von A nach B zu kommen - dem sternförmigen Busnetz sein Dank. In meiner Freizeit ist der ÖPNV leider keine Alternative. Ich besuche gerne einsame Küstenabschnitte, im Sommer auch touristische Strände. Da die Region aber dünnbesiedelt ist, ist das ÖPNV-Netz entsprechend. Für ein sinnvolles Carsharing ist die Stadt zu klein. Eine Verbesserung wäre höchst unwirtschaftlich und ist daher kaum zu erwarten. Selbst in die nächstgrößere Stadt, Bremen, braucht der Zug gute 45 Minuten, die Taktung ist... naja. Da ich aber ein Auto besitzte und meiner Meinung auch benötige wäre es unwirtschaftlich es nicht zu nutzen. Auch wenn ich mit der Bahn ähnlich schnell bin. Für Urlaubsreisen nutze ich in der Regel das Auto oder den Flieger - eine Anbindung an den Fernverkehr der Bahn ist nicht vorhanden. Selbst in den Alpen (ca. 1000km) bietet mit das Auto einen Zeitvorteil.
Was wünschst du dir von Politik und Gesellschaft?
Als Stadtbewohner bin ich vor allem von Pendlern betroffen. Diese parken meine Stadt zu, verstopfen die Straße und verdrecken die Luft. Dazu muss ich ihre Pendelei auch noch quersubventionieren. Pendlerpauschale abschaffen, Parkplätze verteuern. Wir haben hier kein Problem mit hohen Mieten (ca. 500€ warm/70m²)- nur mit Bauland. Die auswärtigen Pendlern mangelt es entsprechend nicht an finanziellen Mitteln. Dazu ist meine Stadt eine Enklave in Niedersachsen. Die auswärtigen Pendler nutzen die Stadt also lediglich zum arbeiten, die Steuern bleiben zuhause. Entsprechend arm ist das Land Bremen - trotz hoher Wirtschaftsleistung. Also - das Land Bremen abschaffen oder vergrößern.
Wie sieht für dich die wünschenswerte Großstadt aus?
Leistungsfähiger ÖPNV, grün und leise - aber nicht völlig autofrei.
Und die Fernreisen: Könntest du dir vorstellen, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Skifahren zu gehen? Falls nein, was müsste passieren, dass es attraktiv wäre?
Mangels Fernverkehrsanbindung ist das derzeit keine Alternative. Mindestens zwei Umstiege sind bis München nötig. Als ich nich im Ruhrpott gelebt habe, bin ich mehrmals mit der Bahn in den Skiurlaub gefahren.
Generell, falls du ein Auto besitzt: Ob und unter welchen Umständen könntest du dir vorstellen, auf ein Auto als Eigentum zu verzichten?
Kann ich mir, wie oben beschrieben, unter den gegebenen Umständen, nicht vorstellen.
Angenommen, der ÖPNV wäre kostenlos: Würdest du dies in deinem Alltag einbauen?
Da ich den ÖPNV derzeit nicht benötige, nein.
Entsprechend bin ich auch gegen einen kostenlosen ÖPNV.
Da mein Bildhoster seine Verzeichnisstruktur geändert hat, werden die Bilder in meinen Berichten z.T. nicht mehr angezeigt. Auf konkreten Wunsch stelle ich sie wieder her.

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Re: Zukunft der Mobilität!?

Beitrag von B-S-G » 15.10.2018 - 18:53

Florian86 hat geschrieben:
15.10.2018 - 16:43
Auch wäre in gewisser Hinsicht ein flächendeckendes ICE-Sprinter Netz innerhalb Deutschland von Vorteil, also ein echtes A-Netz, bei dem nur in größten Großstädten und wichtigen Knotenbahnhöfen gehalten wird. Gleichzeitig braucht es dann aber auch ein echtes B-Netz zur Feinverteilung und zum Anbieten von weiteren Direktverbindungen, gerne auch mit ICEs. Gerade auf der Strecke München - Berlin wurde die Bahn vom Erfolg ja regelrecht überrannt. Der Bedarf für mehr als 3 Sprinter, die nur in München, Nürnberg, Halle und Berlin halten ist aber definitiv da.
Volle Zustimmung zu den Sprintern, da müsste es ein noch viel größeres Angebot geben. Eigentlich wäre der IC wie gemacht für ein attraktives B-Netz mit langen Direktverbindungen; schade, dass die DB hier in den letzten Jahren viele Strecken eingestellt hat um sie als RE auf Kosten der Bundesländer weiter zu betreiben.
Ab Dezember werden es zwischen München und Berlin wenigstens fünf Sprinter am Tag, aber da wäre definitiv noch mehr drin.

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margau
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Re: Zukunft der Mobilität!?

Beitrag von margau » 15.10.2018 - 21:52

B-S-G hat geschrieben:
15.10.2018 - 18:53
Florian86 hat geschrieben:
15.10.2018 - 16:43
Auch wäre in gewisser Hinsicht ein flächendeckendes ICE-Sprinter Netz innerhalb Deutschland von Vorteil, also ein echtes A-Netz, bei dem nur in größten Großstädten und wichtigen Knotenbahnhöfen gehalten wird. Gleichzeitig braucht es dann aber auch ein echtes B-Netz zur Feinverteilung und zum Anbieten von weiteren Direktverbindungen, gerne auch mit ICEs. Gerade auf der Strecke München - Berlin wurde die Bahn vom Erfolg ja regelrecht überrannt. Der Bedarf für mehr als 3 Sprinter, die nur in München, Nürnberg, Halle und Berlin halten ist aber definitiv da.
Volle Zustimmung zu den Sprintern, da müsste es ein noch viel größeres Angebot geben. Eigentlich wäre der IC wie gemacht für ein attraktives B-Netz mit langen Direktverbindungen; schade, dass die DB hier in den letzten Jahren viele Strecken eingestellt hat um sie als RE auf Kosten der Bundesländer weiter zu betreiben.
Ab Dezember werden es zwischen München und Berlin wenigstens fünf Sprinter am Tag, aber da wäre definitiv noch mehr drin.
Da muss ich definitiv zustimmen,
am liebsten wäre mir als Vielfahrer die Wiedereinführung des dreigeteilten Fernverkehrs:
Interregios für die Fläche, mit vielen halten aber langlaufend (so wie z.B. der IC Stuttgart-Nürnberg, hält zwischen Stuttgart und Nürnberg auch in Aalen, Ellwangen, Crailsheim ...)
Intercitys für die schnelle Verbindung zwischen mittleren- und Großstädten
und schließlich die ICE's als "Backbone" - die VDE8 zwischen München und Berlin ist hier ein sehr guter Schritt.

Zusammen mit einem integrierten Taktfahrplan (und ordentlichem Nahverkehr) könnte man echt was machen.

Ich habe mein Auto ehrlich gesagt auch nur, weil ich es brauche. Fernverkehr (>1,5 Stunden) macht mir einfach deutlich mehr Spaß in der Bahn, auch wenn es dort länger dauert.

Viele Grüße
margau

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Re: Zukunft der Mobilität!?

Beitrag von Schleitheim » 16.10.2018 - 18:22

Dann will ich mich auch einmal zu den in den Raum geworfenen Fragen äussern. Dadurch, dass ich in der Schweiz wohnen, werden meine Antworten zu den bisherigen Antworten durchaus etwas abweichen. Zudem werden ich keinen Unterschied zwischen ÖPNV und öV machen, aus meiner Nutzersicht kann ich nur schwer eine Grenze ziehen. Vielleicht kann mir ja jemand behilflich sein.
Falls du den ÖPNV verwendest: Was müsste besser werden? Könntest du dir vorstellen, auf das Auto zu verzichten?
Ich bin bei ca. 90% aller Fahrten mit dem öV unterwegs, der Streckenanteil dürfte wohl bei ca. 98% liegen. Seit meinem Umzug in eine Grossstadt (für CH-Verhältnisse) im Juli lebe ich quasi ohne Auto. Mein Arbeitsweg dauert Tür-zu-Tür ca. 45-50 Minuten, mit dem Auto hätte ich Tür-zu-Tür ca. 35-40 Minuten. Dadurch, dass ich das Glück habe in Gegenlastrichtung zu pendeln, kenne ich das Gefühl von vollen Zügen und ähnlichem im Moment überhaupt nicht. In der Regel habe ich mindestens vier Plätze für mich.

Zuvor lebte ich in einer Gemeinde mit ca. 1700 Einwohnern, 25 Auto- bzw. 30 Busminuten von einer Stadt mit 36'000 Einwohnern entfernt. Historisch gewachsen, verfügten wir über einen ausserordentlich guten öV-Anschluss bis ins Jahr 2015 mit >50 Verbindungen pro Tag und Richtung (Mo-Fr) und während der gesamten Woche von 6-24 Uhr mind. alle 30 Minuten einer Verbindung.
Dann wurden uns fast die Hälfte aller Verbindungen gekappt, trotz einem der besseren Kostendeckungsgrade einer Regionalbuslinie (>50%).

Dadurch nahm die Fahrgastzahl in unserer Gemeinde bereits innerhalb eines Jahres um 20% ab. Insbesondere im Freizeitverkehr sind viele Fahrgäste vom Bus zurück auf das Auto umgestiegen, eine äusserst bedenkliche Entwicklung, aber leider politisch so gewollt.

Durch dieses Praxisbeispiel komme ich zu folgendem Schluss: Mit einem 30-Minuten-Takt von 5-24 Uhr kann man selbst auf dem Land ansehnliche Verkehrsmengen auf den öffentlichen Verkehr lenken. Ich würde den 30-Minuten-Takt auch als magische Grenze setzen, bei welcher auch der Gelegenheitsnutzer den öV als Alternative in Betracht zieht. Denn eine dreissig minütige Wartezeit lässt sich relativ einfach überbrücken, 60 Minuten sind dann doch schon eher mühsam.

Glücklicherweise ist es in der Schweiz, dass ein sehr grosser Anteil der Bahnlinien mind. im Halbstundentakt erschlossen sind. Auch die Buslinien verkehren häufig im Halbstundentakt, fast immer aber mind. im Stundentakt. Natürlich abgesehen von den sehr abgelegenen Gebieten.

Interessanterweise hat die deutsche Nachbargemeinde (mit ähnlicher Grösse) mittlerweile das bessere Busangebot. Mindestens Montag-Freitag von 6-20 Uhr geniessen die nun den Halbstundentakt, samstags noch ein Stundentakt und sonntags dann nur noch ein Zweistundentakt. Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung wie das Angebot genutzt wird. Trotz geringer Entfernung habe ich diese Buslinie noch nie genutzt und erst kürzlich festgestellt, dass sie nicht unattraktive Verbindungen früh morgens und abends nach/von Basel bietet mit Ankunft in Basel um 06:37 Uhr (statt 07:15 Uhr) und Abfahrt in Basel um 23:00 Uhr (statt 21:50 Uhr).
Und die Fernreisen: Könntest du dir vorstellen, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Skifahren zu gehen? Falls nein, was müsste passieren, dass es attraktiv wäre?
Ich kann es mir nicht nur vorstellen, ich praktiziere es in der Regel auch. In der Saison 2017/18 war ich an 27 Tagen auf den Skis, dafür reiste ich 13 Mal in die Berge. 9 dieser Fahrten absolvierte ich mit dem öV, je zweimal nutzte ich das Auto bzw. den Car.

Gerade von meinem bisherigen Wohnort war der öV in dieser Hinsicht in keiner Weise konkurrenzfähig mit dem Auto. So betrug die Fahrzeit nach Churwalden beispielsweise 3:20 Std. je Weg, mit dem Auto hätte ich das Ziel in 2:20 Std. erreicht. Dennoch zog ich den öV vor. Denn dort konnte ich noch dösen bzw. noch Dingen für die Schule erledigen. Andererseits war praktisch unabhängig vom Verkehrsaufkommen auf der Strasse und wusste bereits beim Einsteigen, wann ich mein Ziel erreichen werden. Das war insbesondere abends ziemlich angenehm. Künftig werde ich noch 2:20 Std. (öV) statt 1:45 Std. (Auto) nach Churwalden haben, wodurch ich keinen Grund dazu sehe, auf das Auto umzusteigen.

Nicht unwesentlich zu meinen Entscheidungen trägt das Generalabonnement bei. Dieses erlaubt die unlimitierte Nutzung des Schweizer öV-Netzes während eines Jahres und kostet mich im Moment ca. CHF 2000.- pro Jahr (entspricht ca. CHF 5.50/Tag). Dadurch ist der öV für mich persönlich auch konkurrenzlos günstig.
Ein anderer Punkt sind Einkäufe: Wasserkästen in der S-Bahn oder im Bus machen einfach keinen Spaß. Fahrrad ist auch nichts für jeden.
Einkaufen gehe ich in der Regel mit dem Fahrrad und dem Rucksack, teilweise auch direkt auf dem Nachhauseweg. Wasserkästen brauche ich keine zu schleppen, da ich seit jeher Hahnenwasser trinke. Und PET-Flaschen haben in der Schweiz glücklicherweise keinen Pfand, dafür können die in jedem Einkaufsladen und an jedem Bahnhof korrekt entsorgt werden.

@Taktfahrplan
Wenn ich mich in Frankreich und Deutschland aufhalte ärgere ich mich jeweils grün und blau, wie man ein solch unsystematisches Fahrplanangebot planen kann. Ich bevorzuge eine stündliche Verbindung von A nach B mit Umstieg in C, statt dass ich zwar zweimal täglich eine Direktverbindung von A nach B habe, aber ansonsten keine attraktiven Verbindungen. Denn sobald ich Verspätung habe, bin ich mit einem solch unsystematischen Angebot aufgeschmissen.

Andererseits ist die Pünktlichkeit der DB in meiner Region (Schaffhausen – Basel) eine absolute Katastrophe. Man kann an den Abfahrtsanzeigern in Schaffhausen die deutschen Züge alleine daran erkennen, dass sie eine Verspätung haben.
Skitage 17/18: 28 (8×Savognin, 6×Hoch-Ybrig, je 3×Andermatt-Sedrun, Pizol, je 2×Obertoggenburg, Laax, je 1×Saas-Fee, Davos Parsenn, Arosa-Lenzerheide, Engelberg)
Skitage 16/17: 22, Skitage 15/16: 17, Skitage 14/15: 20, Skitage 13/14: 19, Skitage 12/13: 19, Skitage 11/12: 14, Skitage 10/11: 16, Skitage 09/10: 13

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Re: Zukunft der Mobilität!?

Beitrag von B-S-G » 16.10.2018 - 19:05

War gestern im EC von Hamburg nach Interlaken unterwegs, allerdings nur auf einem Teilstück in Deutschland. In Basel hat der 30 Minuten Aufenthalt, da sieht man, welches Vertrauen die Schweizer in die DB haben :D. Zurecht, wie man gestern wieder gesehen hat: 13 Minuten hatten wir bis Karlsruhe schon wieder zusammen.

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Re: Zukunft der Mobilität!?

Beitrag von ThomasZ » 16.10.2018 - 20:48

Ich wohne knapp 30km von Köln entfernt in Kleinstadt (ca. 36.000 Einwohner) und muss zum Arbeiten in die Nachbarstadt (ca. 120.000 Einwohner) und bei uns ist für die meisten der ÖPNV einfach nicht nutzbar. Für mich geht der ÖPNV aufgrund der beruflichen Situation gar nicht, weil ich a) oft unregelmäßige Arbeitszeiten und b) regelmäßig Rufbereitschaft habe. Selbst wenn das nicht wäre, würde mir ein Umstieg schwer fallen, weil 20 Minuten mit dem Auto sehr verlockend sind anstatt mit zwei Mal 10 Minuten Fußweg ca 80-90 Minuten pro Strecke mit ÖPNV.

Für Schichtarbeiter ist der ÖPNV im Regelfall auch nicht nutzbar, weil entweder morgens so früh noch keine Verbindung geht bzw abends ab 20:00/20:30 Uhr keine Busse mehr fahren.

Also Taktverdichtung und Ausweitung der Fahrplanzeiten wäre nötig

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Re: Zukunft der Mobilität!?

Beitrag von Bergfan » 16.10.2018 - 21:33

margau hat geschrieben:
13.10.2018 - 22:00
Falls du den ÖPNV verwendest: Was müsste besser werden? Könntest du dir vorstellen, auf das Auto zu verzichten?
Fahrt zur Arbeit: 15 km.

Mit dem Auto: 18 Minuten
Mit ÖPNV: 95 Minuten, dazu noch der Fußweg von/zu den Haltestellen. Wenn ich bis Mitternacht arbeite, fährt der nächste Bus erst am nächsten Morgen.

Wie soll ich auf das Auto verzichten?

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