Dann starten wir mal in das Abenteuer Via Lattea.
Ich darf einen Satz von der Website zitieren:
With its highest point at 2,800 m, the Vialattea ski resort offers a total of 400 km of skiable trails and modern ski lift facilities. A dream come true for all snow lovers.
Also, alles klar. Via Lattea ist neben Dolomitti Superski wohl das zweitgrößte Skigebiet Italiens - natürlich "nur" im Verbund mit dem französischen Ort Montgenevre. Die Fakten sind schon beeindruckend:
- 400 Pistenkilometer
- 249 Pisten
- 61 Liftanlagen
- Zwischen 1.100m und 2.853m
- Grenzüberschreitendes Skigebiet zwischen Italien und Frankreich
Das alles lockt Skifanaten wir uns natürlich mal in diese Ecke. Auf Grund meiner Erfahrung im Winter 2019 (
Bericht: Sparflamme) bin ich aber schon mit gemischten Gefühlen angereist. Aber was solls, man soll ja jedem eine zweite Chance geben, wieso dann nicht auch der ViaLattea? Ob es im Winter 2024 besser werden würde? Lassen wir uns überraschen.
Anders als beim vorherigen Versuch, haben wir uns diesmal gleich dafür entschieden die beiden Skigebietsteile getrennt von einander zu besuchen. Denn auch wenn es ein "zusammenhängendes" Skigebiet ist, ist genau dort im Zentrum der Verbindung die größte Schwachstelle. In der Mitte des Gebiets befindet sich der Ort Cesana Torinese. Weder von der Seite von Sestriere noch von der anderen Seite von Claviere ist eine Talabfahrt möglich. Man muss das Ganze also immer per Lift machen. Dabei ist das 1.345m nicht mal der tiefste Ort mit des Skigebiets (sondern Oulx). Dort hat man aber nie eine Abfahrt vorgesehen. Viel besser noch: Richtung Frankreich führt ein alter 2er Sessel. Na das macht natürlich absolut Sinn. Egal - das haben wir ja schon 2019 gelernt, dass das hier der Flaschenhals ist, weswegen wir beim ersten Besuch auch nur die französische Seite besuchten konnten. Also: Wenn ihr beide Skigebietsteile an einem Tag anschauen wollt: Unbedingt mit dem Auto den Wechsel einplanen!
Wir haben uns für den Start in die Safari den Olympiaort Sansicario auf 1.700m ausgesucht. Von dort führt die 4KSB Ski Lodge-La Sellette in den italienischen Skigebietsteil. Man könnte theoretisch auch tiefer starten bei der EUB Cesana - wenn man sich aber die Schneesituation vorher anschaut, lässt man das lieber. Kompletter Südhang - Schneeanlage Mangelware.
Dafür erwartet einen in Sansicario gleich mal der richtige Italo Trash-Ort schlechthin. Das Restaurant an der Talstation - verlassen und verkommen. Der Parkplatz, nicht befestigt. Die Häuser - Zweitwohnsitze oder verlassen. Tatsächlich baut dort aber echt Hilton ein neues Hotel hin. Mitten im Trash. Verstehe das wer will.
Na gut - was braucht man, um die Via Lattea entdecken zu können. Richtig! Einen Skipass.
Aber was meint ihr - gibt es dort an diesem Einstiegspunkt eine Skipasskasse? Natürlich nicht. Die Sparflamme geht weiter. Wir werden gezwungen über einen Automaten einen Skipass zu lösen. Wäre ja alles kein Problem, wenn der Automat ordentlich funktionieren würde...
Zum Glück kam dann eine Skilehrerin vorbei und hat uns bei dem Automaten geholfen. Man musste erst die App runterladen, dort den Skipass online kaufen um ihn dann dort am Automaten ausdrucken zu können. Das macht natürlich Sinn. Ich würde euch jetzt gerne den Skipass nennen - aber das geht auf der Website gerade nicht. Da steht nur "See you next season!"
https://www.vialattea.it/en/skipass/ Klar.
Also - wir haben es geschafft, und sind tatsächlich Richtung Sestriere unterwegs. Los geht die wilde Reise in der scheinbar unendlichen Milchstraße!
^^ In der Sesselbahn Sellette - macht immerhin 527 Höhenmeter und ist tatsächlich von Doppelmayr. Schaut nicht so aus. Den Schneereichtum links und rechts sieht man oder?
^^ Bergstation. Die Seite ist am Morgen komplett im Schatten. Und es ist kälter als es aussieht...
^^ Solche Hinweise zeigen eines: Es hat wenig Schnee. Selbst auf den Kunstschneepisten.
^^ Wir müssen weiter nach oben. Die Roccia Rotonda 4KSB will uns weiter führen. Wenn man auf den Pistenplan schaut, hat es dort scheinbar viele Pisten - aber eigentlich ist nur eine Variante pro Bahn geöffnet.
^^ Jetzt Leitner. Na gut - kalt ist es überall, egal mit welchem Hersteller!
^^ Die Schneelage erkannt man oder?
^^ Spaß ist, wenn man immer lacht - egal wie es außenrum ist.
^^ Oberer Teil der Rotanda KSB. Links kommt der dritte Bereich als Zubringer in Sicht: Ein Doppel Tellerlift namens Fraiteve.
^^ Blick zurück Richtung Montgenevre und Frankreich - mei wars da schön!
^^ Und weiter gehts mit der lustigen Reise. Tellerlift fahren...
^^ Selbst im Gipfelbereich, eigentlich kein Schnee vorhanden. Wie 2019 ist es dort mau mit Naturschnee.
^^ Blick ins Tal von Sestriere. Schaut nach mehr Schnee aus. Schaut aber auch nur so aus...
^^ Bergstation. Hier kommt die Verbindungs-EUB von Sestriere an. Der Gipfel hat immerhin 2.701m - gar nicht so niedrig.
Damit man aber ganz hoch kommt, muss man echt noch ein Förderband nehmen:
^^ Hier beginnt jetzt das Raten: Wie kommt man auf dem schnellsten Weg Richtung Sestriere, v.a. wenn es wenig Schnee hat? Ein Blick auf den Pistenplan lässt erahnen, es gibt eine blaue Abfahrt hintenrum. Die lange 46. Na das wird ja wohl der richtige Weg sein?
^^ Wieder der Blick Richtung Sestriere. Immerhin ist das Gelände weiß.
^^ Doch dann aber dieses Schild. Chiuso. Eh klar. Das kann man nicht ganz oben am Gipfel anschreiben? Vom sogenannten Col Basset bleibt dort nur der Weg Richtung Sauze D´Oulx. Das wollten wir eigentlich auslassen. Läuft ja...
^^ Hier nochmal der Pistenplan im Gebiet. Schon groß, gell?
^^ Uns war dann letztendlich so kalt, dass wir wirklich eine kleine Pause einlegen mussten. Immerhin sind die Preise italienisch. Das passt.
^^ Um aus dem Bereich von Oulx Richtung Sestriere zu kommen, muss man was nehmen? Eh klar - eine lange DSB. Das macht bei einem Großraumskigebiet natürlich Sinn, sowas als Verbindung hinzustellen...
^^ Wenn wir schon da sind, schauen wir uns natürlich den Bereich von Oulx auch an. Die 4SB Chamonier.
^^ Jetzt blicken wir in das Skigebiet von Oulx. Oben hat es recht viel Platz.
^^ Interssanter Mittelstationsbereich rund um Sportinia. Schaut verdächtig nach einer aufgelassenen Talstation aus.
^^ Wir sind jetzt weit runter gefahren - das müsste Sauze d`Oulx sein - aber bitte nicht festnageln...
^^ Erneut die Ansage: Willkommen im Italo Trash!
^^ Schaut doch gut gewartet aus...
^^ Oberer Bereich. Das ist eine Art Hochalpe mit zahlreichen Restaurants. Generell spürte man, dass Oulx eigentlich ein eigenes Skigebiet ist.
^^ Hier sieht man eine der recht schönen "Hütten" auf der Hochalpe. Hier könnte man durchaus mal einkehren - hätte man Zeit.
^^ Andere Hütten dort oben. Wenn man mehr Zeit hat, sollte man hier bleiben.
^^ Jetzt sind wir im fast östlichsten Bereich des Skigebiets mit einem Neubau, der italienisch typisch nicht fertig gestellt wurde. Es müsste "Clot Bourget" sein.
^^ Der fast äußerste Skilift im Gebiet: Die 3SB Cote Faure. Natürlich nicht im Betrieb.
^^ Alte aufgelassene Liftstation Pian della Rocca.
^^ Jetzt sind wir wieder in Sauze D`Oulx. Der Ort hat ja eigentlich 3 Zubringerbahnen. Hier zu sehen die Bergsation der Clotes 4SB und die weiterführende 4KSB Lago Nero.
^^ Nochmal der Blick in den geschlossenen Bereich rund um Moncrons. Aber eine Anlage lief dort doch...
^^ Der Tellerlift Bourget. Hier trainierten Skikinder.
^^ Ausblick von dort oben Richtung Autobahn. Hier ist es schon recht typisch italienisch.
^^ No snow, no show!
^^ Manche der eingezeichneten Pisten sind auch reine Ziehwege.
^^ Jetzt ein Sprung - wir begeben uns letztendlich wirklich Richtung Sestriere und müssen NATÜRLICH die 2SB Colo nehmen. Neubau im Jahr 2009. Ohne Worte...
^^ Bergstation oben - eigentlich der Hauptgipfel im Bereich Oulx - Sansicario. Aber wenn man noch eine 2SB bauen kann, wieso nicht?
^^ So, wir probieren es nochmal die Pistenverbindung Richtung Sestriere zu finden...
^^ Natürlich ist auch die Abfahrt zur Mittelstation der EUB geschlossen. Das hält uns jetzt aber nicht mehr wirklich ab und wir fahren "offpiste" Richtung Sestriere.
^^ Der Schnee reicht zum Glück bis zur Mittelstation. Es würde hier auch noch einen blauen Ziehweg weiter geben, der dann ins untere Ende von Sestriere Richtung Borgata führen würde. Das trauten wir uns dann aber doch nicht (dabei wäre es geganen!).
^^ Willkommen im "Alpendorf" Sestriere.
^^ Zweitwohnungsbesitzer Juhu!
^^ War das wirklich jemals hübsch? Echt jetzt? Das mit den turquiesen Balkonen ist übrigens das alte olympische Dorf. Sicher jetzt auch Zweitwohnungen. Und wer wohnt eigentlich in den Türmen?
^^Egal wie man es dreht und wendet - es ist hässlicher als Frankreich!
^^ Na gut, wir schaukeln weiter. Es braucht hier natürlich wieder eine fix geklemmte 4SB. Macht doch alles Sinn.
^^ Die Türme dominieren. Die Bettenburgen fallen eigentlich gar nicht so sehr auf. Dahinter der schneefreie Hang von Fraiteve.
^^ Einseitige Mittelsation der Garnel Bahn. Weiter hoch muss man nicht um weiterzukommen...
^^ Das ist mal Lift-Branding 2.0. Auch so kann man ein defizitäres Skigebiet finanzieren. Und das im Fiat Reich. Spannend...
^^ Wir nehmen hier die neueste Bahn im Skigebiet von Sestriere: Die Audi 6KSB Cit Roc.
^^ Ich kann es nicht lassen, die Bausünden zu dokumentieren. Dabei versteckt sich in diesem vorderen Gebäude tatsächlich eine alte Talstation.
^^ Wer erkennt`s? Die ehemalige Drehscheibe von Sestriere. Längst vergangene Zeiten...
^^ Bergstation der alten Alpete Bahn. Dort gibt`s jetzt Pizza. Wie eine aufgelassene Tankstelle in Deutschland - dort ist jetzt ein Dönerladen drin.
^^ Der Ausblick von dort oben ist durchaus nett. Was man aber auch wieder sieht: Es hat einfach gar keinen Schnee! Hinten erkennt man den Bereich, der nach Claviere/Montgenevre führt.
^^ Zoom zum Monte Sises. Der Lift lief natürlich wieder mal nicht.
^^ Das waren wohl die goldenen Zeiten in Sestriere und damals was das Skigebiet wirklich noch besonders. Alles ein Schatten seiner selbst.
^^ Na dann - lassen wir auch diesen Sektor hinter uns. Alles in allem hat es hier einfach zu wenig Beschäftigungspisten.
^^ Beste Bahn in Sestriere: Die 4KSB Chisonetto Banchetta. Baujahr 1989, Höhendifferenz 660m!
^^ Blick auf die rechte Seite Richtung Monte Sises. Links davon Hänge, die man tatsächlich offpiste fahren könnte. Scheint für mich der spannendste Bereich des Gebiets zu sein.
^^ Drin in der langen 4KSB. Hier könnte man tatsächlich einige Wiederholungsfahrten machen.
^^ Auch hier grüßt die Vergangenheit. Bergstation der alten Seilbahn von Monte Motta, die meines Wissens nach auch direkt aus Sestriere los ging.
^^ Coverbild - Sestriere!
^^ Die Bergstation ist scheinbar noch ein Hotel. Spannend. Von hier aus sieht es winterlicher aus, als es war.
^^ Jetzt sind wir im untersten Bereich von Sestriere. Borgata. Hier ist Italien zu Hause. Grandiose Stimmung!
^^ Espresso 1€ - Klo gehen 1€. Fair.
^^ Günstiges Mittagessen. Für mehr war mal wieder keine Zeit.
^^ Ein Kagummi muss noch sein. Jetzt aber zurück Richtung Sestriere Hauptort!
^^ Ach - so schön ists hier. Noch ein Erinnerungsfoto!
^^ Olympisches Dorf von 2006.
^^ Den Bereich kennen wir schon - ist jetzt menschenleer. Wir befinden uns auf der "Talfahrt" Richtung Ausgangspunkt Sansicario.
^^ Nochmal der Blick zurück. Sieht jetzt zugegebenermaßen schönes aus als am Morgen.
^^ Hier aber die eigentliche Wahrheit. Braune Skiabfahrten, die eigentlich mit einer Schneeanlage ausgestattet sind. Sparflamme lässt grüßen!
^^ Und da kommt man raus. "Skizentrum Sansicario".
^^ Vergangene Zeiten...
^^ Verlassene Infrastruktur...
^^ Und die Zukunft. Sicher erfolgreich...
^^ Das kann man sich eigentlich nicht vorstellen...
^^ ... wenn das gleich daneben steht. Es ist wirklich verrückt dort.
Zusammengefasst im Video:
Alles in allem ist es ein Skigebiet, das seine besten Zeiten längst, also wirklich LANGE schon hinter sich hat. Man spürt die Morbidität an allen Ecken und Enden. Dazu merkt man alleine in diesem eigentlich verbundenen Gebiet, dass die Verbindungen halbherzig gemacht wurden und sie wohl keiner wirklich wollte. Egal ob man von Sansicario nach Oulx wechseln will oder dann tatsächlich weiter nach Sestriere gelangen möchte - es hakt überall. Und dabei sind wir hier noch im gleichen Land. Wie soll dann das grenzüberschreitende Erlebnis möglich sein?
Also eines sollte klar sein: Ich werde damit nicht warm - egal welche Vergangenheit die Region hat.
Das ganze sollte sich in Frankreich fortsetzen - aber dazu später mehr...