Kris schrieb:
Wenn wir schon bei radikaler Innovation angelangt sind: Statt dem 10er Sessel schlage ich den Traumsessel einer jeden indigenen Bergbevölkerung vor: Den 0er Sessel. Also Null Sitzplätze. Lediglich ein Gehänge, wobei die Sitzbank mit Schliessbügelautomatik und allem nur etwa 1cm breit angedeutet bzw. ausgeführt wird.
Wie soll das nun funktionieren ist sicher eine berechtigte Frage. Es bedarf zunächst einer gewissen organisatorischen Vorbereitung des entsprechenden Tourismusvereins: Denn der Kunde überweist an diesen von Zuhause aus den Gegenwert eines zu definierenden Tagesbedarfs an Leistungen, den sog."Erlebnisbeitrag" für Hotel, Verpflegung, Skipass usw. Das besondere ist hier somit, dass der Gast gar nicht erst anreist, er bleibt schlicht und einfach Zuhause und freut sich von dort aus bequem im Sofa sitzend im Flow des Skierlebnisses!
Beispielsweise könnte sich ein "Erlebnisbeitrag Niederzillertal" in der Preisregion von etwa 99,80Euro pro Person und Übernachtung bewegen. Bewusst sollte versucht werden, Qualität nicht dem Preisdumping auszusetzen, denn Qualität hat seinen Preis. Wozu der TVB entsprechende Veranstaltungen und politische Interventionen durchführt. Ein Treuepunktesystem hilft bei der langfristigen Kundenbindung.
Kris schrieb:
Eine vielfache Win-Win Situation ergibt sich: Die tourismusgeplagte Bergbevölkerung wird vom Massengast erlöst und behält dennoch ihr redlich verdientes goldiges Auskommen bei. Der Gast ist nicht weiter unfreundlich zwiederem Personal ausgesetzt. Bergbahnen sparen sich signifikante Energiekosten durch Nichtbeförderung auf 0er-KSBs. Die Umwelt wird spürbar entlastet, der notorische wochenendliche Dauerstau im Zillertal entfällt zugunsten der freien Fahrt für lokale Bevölkerungssegmente.
Gesamtberuteilung: Höchste Zufriedenheit aller Stakeholder. Das verstehe ich unter optimaler freier Marktwirtschaft.
Hier muss bedacht werden, das nicht nur die tourismusgeplagte Bergbevölkerung ihr goldiges Auskommen beibehalten soll. Wie sollen die Arbeitsplätze in der Ausrüstungs- und Sportbekleidungsbranche erhalten werden bzw. ersetzende Konsummöglichkeiten für die nicht mehr benötigten Outdoorartikel geschaffen werden? Es müssten also Kleidungsstücke entwickelt werden, in deren Zwischenfutter ein sensibles Impulsgebersystem integriert wäre, welches am Körper des Trägers das Gefühl sportlicher Bewegung erzeugt, ohne das dieser selbst etwas leisten muss. Vorzuschlagen wären Overalls mit Modellnamen wie "Carving Devil", "Snowboarders Heaven", "Powder Angel" oder "Firncracker". Sie könnten dem potientiellen Käufer die Auswahl des von ihm bevorzugten Skifeelings ermöglichen, da die vom elektronischen Innenleben der Sportswear ausgehenden, durch entsprechende Bedienelemente zu steuernden, stufenweise steigerbaren Impulse ein reales Ski- und Snowboard - Erlebnis vermitteln. Ein in den Anzug integrierbares Simulationsprogramm verschiedenster Aufstiegshilfen-Modelle - also nicht nur 10erSessel, sondern auch Kabinenmodelle verschiedenster Größenordnungen sollte dazu angedacht werden, um das Urlaubserleben vom Sofa aus zum ganzheitlichen Happy-Winter-Holidaypaket zu vervollständigen. Das Angebot solcherlei Waren würde die Erhaltung von Arbeitsplätzen in der Textilbranche sichern, es müssten keine Sportartikelgeschäfte schließen und auch das Verkaufspersonal ginge seiner Arbeitsplätze nicht verlustig.
Das Auskommen der Skihersteller könnte ebenfalls gesichert werden: Sie werden einen einheitlich gestalteten Ski entwickeln, in dessen Bindung Programme eingesetzt werden, aus denen die Lieblingsschneequalität ausgewählt werden kann. Über eine Steuerung wählt der bequem seine Füße mit den angeschnallten Ski unter seinem Wohnzimmertischchen parkende Konsument dann aus, ob es Hochwinter, Frühlings- oder Sommerski-Urlaub sein soll, sowie die bevorzugte Schneequalität. Hier könnten unendliche Möglichkeiten geboten werden: Endlich kann der kältescheue Gast sich Sommerskitemparaturen mit allerfeinstem Winterpulverschnee zusammenstellen!
Kris schrieb:
Selbstredend bedarf es zur Zielerreichung noch gewisser Anstrengungen. So ist zu erwarten, dass sich Betriebe im Ort streiten werden, nach welchem Schlüssel die vom Tourismusverein erhobenen Erlebnisbeiträge untereinander aufgeteilt werden sollen. Die Herleitung der Aufteilungsmodalitäten stellt sicher eine Schwachstelle mit kontinuierlichem Optimierungspotential dar. Insbesondere innerhalb von Skiverbünden dürften heftigste Konflikte ausbrechen. Desweiteren würden Lifthersteller weiter Innovieren müssen, um beispielsweise die Seitenwindstabilität der bauartenbedingt eher leichten Nullersessel in den Griff zu bekommen.
Hier wäre ein Verteilungsschlüssel nach Höhenlage und Transportkapazitäten unter Berücksichtigung der jeweiligen Fahrbedingungen anzudenken.
Kris schrieb:
Zusätzlich werden multidisziplinäre Marketingabteilungen an einem kohärenten Leitbild arbeiten und dieses in einer gemeinsamen Anstrengung umsetzen. Nur so wird sichergestellt, dass der Gast hinreichend konditioniert wird, um sein Erlebnis mit voller Freude von Zuhause aus zu geniessen und hierfür seinen persönlichen Erlebnisbeitrag zu überweisen.
Kris schrieb:
Hier wird in jeglicher Hinsicht Neuland betreten. Bedenkt man jedoch, dass es heute bereits gelingt, im Unterbewusstsein von Skigästen jene ausgewählten Automodelle zum späteren Kauf zu verankern, die neuerdings inflationär in Skigebieten prominent auf Podesten aufgestellt werden, so sollte das Pionierkonzept "Erlebnisbeitrag als zukunftsorientierte Incoming Strategie" problemlos einen nachhaltigen Weg in eine neue Zukunft weisen !
Das Erlebnis wäre noch wesentlich steigerungsfähig über die menschliche Nase. Immerhin gibt es inzwischen Geruchsdesigner, ausgebildete Chemiker, die beispielsweise eine bestimmte Duftnote für eine Hotelkette komponieren, die in sämtlichen Filialen weltweit verdampft wird, um den Gast über die wiedererkannte, als angenehm empfundene Duftnote an das Haus zu binden. Eindeutig handelt es sich bei diesem Angriff über die Nasenwege um "Verankerung im Unterbewusstsein"! Wie also riecht Schnee, Eis, Bäume, Skiwachs, ein bestimmter Ort in einer bestimmten Höhenlage, alpentypische geistige Getränke sowie alpentypische Nahrungsmittel, deren Düfte der Gast im Unterbewusstsein mit Ski-Urlaubsfreude verbindet. Das Hinzufügen einer passenden Duftnote würde das "Erlebnis" unverwechselbar machen.
LG Amarra