Heut ist wieder ein Artikel über die geplante Überdachung in unserer Tageszeitung, mit Bild. Quelle:
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Wie der Zufall so spielt: Rudolf Pondor aus Mainleus hat vergangene Woche in unserer Zeitung seine Idee eines Skipisten-Tunnels an der Ochsenkopf-Nordabfahrt vorgestellt – nicht wissend, dass exakt für so ein Großprojekt bereits eine detaillierte Planung vorliegt. Norbert Endrejat und Christof Seidel, zwei junge Diplom-Ingenieure (Fachrichtung Architektur), haben das Konzept einer „Indoor-Skipiste“ für ihre Diplomarbeit ausgetüftelt. Sie sind sicher: Das Projekt ist realisierbar.
BISCHOFSGRÜN – Norbert Endrejat aus Sparneck und Christof Seidel aus Bad Berneck sind Freunde und haben gemeinsam 2006 an der FH Coburg ihr Architektur-Studio abgeschlossen.
Vier Jahre vorher, in den Semesterferien 2002, wollten sie gemeinsam am Ochsenkopf Ski fahren, mussten aber feststellen: Es lag sehr wenig Schnee. Da entstand die Idee einer „Indoor-Skipiste“, einer 2,3 Kilometer langen Tunnel-Piste vom Ochsenkopf-Gipfel auf der Nordabfahrt hinab nach Bischofsgrün. Denn: „Wintersportgebiete wie das Fichtelgebirge sind die Verlierer des Klimawandels“, erklären Endrejat und Seidel. Also machten sie die Idee zum Thema ihrer Diplomarbeit, die sie 2006 mit Erfolg eingereicht haben.
Den beiden Ingenieuren war natürlich von Anfang an klar, dass so ein Projekt nicht nur kostspielig, sondern mit ökologischen Eingriffen verbunden wäre. Aber sie sind überzeugt: „Mit Hilfe modernster Technik und weichen Bauformen lassen sich die Auswirkungen auf Landschaft und Natur im vertretbaren Rahmen halten.“
Endrejat und Seidel sprechen von einem „sanften Eingriff in die Umgebung“: Die Überdachung soll – wie die Berge des Fichtelgebirges – leicht geschwungen sein und sich fast wie eine natürliche Erhebung dem Ochsenkopf harmonisch anfügen. Und: Das 2,3 Kilometer lange Bauwerk – die Piste darunter wäre 30 bis 40 Meter breit – soll begehbar sein und begrünt werden. So würde es Wildtiere nicht behindern. Außerdem könnte man innen und außen Wintersport treiben: Denn die ursprüngliche Nordabfahrt im Freien wäre – natürlich eingeengt – weiter benutzbar. Diese „Outdoor-Piste“, so planen die Ingenieure, würde das Tunnelbauwerk sogar zweimal überqueren – ein besonderer Kick für Snowboard-Fans, die gerne abheben.
Nicht nur die Sorge um die Zukunft der Touristenregion Fichtelgebirge steckt hinter der Idee der beiden Freunde. Sie halten zudem den Ochsenkopf aus handfesten wirtschaftlichen Gründen für so ein Projekt bestens geeignet: Der Ochsenkopf verfüge in Skifahrer-kreisen bereits über den nötigen Bekanntheitsgrad und habe im Vergleich zu anderen Skigebieten innerhalb Deutschlands eine zentrale Lage; die Infrastruktur – zum Beispiel die Seilbahn, Parkplätze und die Gastronomie – sei schon vorhanden; nicht nur Könner, sondern Skifahrer jeden Alters könnten die Indoor-Piste nützen; es seien kaum Baumrodungen nötig, da ja das Bauwerk auf der bereits bestehenden Piste errichtet würde.
Nach Ansicht der beiden Planer ein weiteres großes Plus: Die überdachte Abfahrt ließe sich zu großen Teilen auch im Sommer nutzen: im mittleren Teil zum Beispiel als „Indoor-Trail“ für Motorrad-Sportler, im Bereich der Talstation für Veranstaltungen wie Konzerte und Theater – und im oberen Teil vielleicht sogar auch in der warmen Jahreszeit als Skiabfahrt. „Das sind aber noch Gedankenspiele“, sagen Seidel und Endrejat. Keine Spielereien sind die Detailplanungen: Sie reichen von den Foyers an der Tal- und der Gipfelstation mit Umkleidemöglichkeiten und Toiletten über einen Bergwachtraum, ein Speiselokal („mit hervorragender Aussicht“) und ein Selbstbedienungsrestaurant bis zur aufwändigen Technik.
Das Pistendach würde aus Stahl gebaut. Das Innere bräuchte eine Temperatur von nur minus 1 Grad Celsius – und nicht minus 8 Grad wie bei herkömmlichen Schneekanonen. Denn die beiden Ingenieure setzen auf modernste Technik zur Erzeugung des künstlichen Schnees. Die Firma Innovag aus München habe ein Düsensystem entwickelt, bei denen sich die entweichenden Wassertropfen nach zehn Zentimetern Flug in Schnee verwandeln – unabhängig von der Raumtemperatur und der Luftfeuchtigkeit. Im Pisten-Tunnel würden die sogenannten „Schnee-Erzeuger“ am Dach hängen und die weiße Pracht gleichmäßig verteilen. Dann genügt minus 1 Grad, damit der Schnee nicht taut.
Eine „Absorptions-Kälte-Maschine“ würde für konstante Temperatur sorgen. Die beiden Planer wissen: „Dafür ist eine Menge Energie nötig.“ Doch diese ließe sich umweltschonend über ein Blockheizkraftwerk und mit nachwachsenden Rohstoffen wie Rapsöl oder Hackschnitzel erzeugen. „Die entstehende Wärme und Abwärme könnte weiter genutzt werden.“
Norbert Endrejat und Christof Seidel haben ihr Konzept so weit durchdacht, dass sie ihm absolut reelle Chancen zur Verwirklichung geben. Die Kosten wären natürlich immens: Sie dürften weit in die zig Millionen gehen. Jedoch: Angesichts der Möglichkeiten, die das einzigartige Projekt eröffnen könnte, würden sich die Investitionen rechnen, meinen die Planer. Zahlen nennen sie nicht, denn diese wären Spekulation: „Eine handfeste Kostenberechnung hätte den Rahmen unserer Diplomarbeit gesprengt.“
Sie haben das Konzept bereits dem Bischofsgrüner Bürgermeister Stefan Unglaub präsentiert, und der habe beeindruckt reagiert, berichten die beiden. Den Bayreuther Landrat Dr. Klaus-Günter Dietel, Vorsitzender des Tourismus-Zweckverbands im Fichtelgebirge, haben sie durch einen Brief informiert.
Die „Indoor-Piste“ am Ochsenkopf wäre weltweit einmalig. Endrejat und Seidel: „Sonst hätten wir es nicht gemacht.“
Am kommenden Freitag um 19 Uhr wird das Projekt im ehemaligen Kurhaus in Bad Berneck öffentlich vorgestellt.