II. Geographisches
Die Hohen Tauern
Die etwa 150 km lange Teilstrecke des Alpenhauptkamms zwischen der westlichen Begrenzung Krimmler Ache – Tauferer Ahrntal und einer gedachten Linie Großarltal – Murwinkel – Katschbergpaß im Osten dürfte ihren Namen schon seit der vorslawischen Zeit beibehalten haben (indogermanisch:
(S)Teur = Stier, großer Berg). Möglich ist auch die Deutung des Namens „Tauern“ als „Übergang“, so enthalten die zahlreichen Pässe und Saumpfade über den Alpenhauptkamm „Tauern“ in ihren Bezeichnungen (Korntauern, Felbertauern, Obertauern, Hohentauern, die beiden letzten jedoch in den Niederen Tauern).
Die markante nördliche Grenze der Gebirgsgruppe ist das Salzachtal, von dem aus mehrere in Nord-Südrichtung verlaufende Täler bis an den Hauptkamm herankommen, zu nennen sind von Osten nach Westen Großarltal, Gasteiner Tal, Rauriser Tal, Fuscher Tal, Kapruner Tal, Stubachtal, Felber Tal, Höllersbachtal, Untersulzbachtal, Obersulzbachtal und Krimmler Tal. Es handelt sich um glaciale Trogtäler mit Geländestufen, Wasserfällen und Klammen (Gasteiner Klamm, Liechtensteinklamm, Kitzlochklamm). Die in diesen Tälern verlaufenden Zuflüsse der Salzach werden als Achen (z.B. Gasteiner Ache) bezeichnet.
Geologisch handelt es sich um eine Kombination aus kristallinen Gesteinen und Schiefern, der Aufbau des Gebirges ist jedoch durch das „Tauernfenster“, eine lokale tektonische Besonderheit ungewöhnlich kompliziert, was zu einer Vielfalt an Geländeformen von weiten Gletscherflächen, senkrechten Felswänden und scharfen Graten bis hin zu sanften Graskuppen, Hochmooren und zahlreichen Bergseen geführt hat.
Im Bereich des Alpenhauptkamms lassen sich den Hohen Tauen (wieder von Osten nach Westen, jeweils mit den höchsten Gipfeln) fünf Gebirgsgruppen zuordnen:
Ankogelgruppe (Hochalmspitze 3360m, mit Hafner- und Reißeckgruppe), Goldberggruppe (Hocharn 3254m), Glocknergruppe (Großglockner 3798m), Granatspitzgruppe (Großer Muntanitz 3236m) und Venedigergruppe (Großvenediger 3666m).
Die östlichen Nachbarn der Hohen Tauern sind die Radstädter Tauern, westlich schließen die Zillertaler Alpen an.
Die im folgenden Text beschriebenen Erschließungsprojekte betreffen nahezu ausschließlich die Goldberggruppe in der östlichen Hälfte der Hohen Tauern, sie befindet sich in etwa zwischen der Großglockner Hochalpenstraße (Fusch – Hochtor – Heiligenblut) und der Tauernbahn (Gasteiner Tal – Tauernschleuse – Mallnitzer Tal – Mölltal). Hauptzugangsmöglichkeiten von Norden sind das Gasteiner Tal und das Rauriser Tal, von Süden her erreicht man die Gruppe durch das Mölltal bzw. seine Nebentäler Mallnitzer Tal und Fraganter Tal. Wichtigste Gipfel sind neben dem Hocharn der Hohe Sonnblick (3105m) und das Schareck (3122m).
Nun einige Bilder dieser Berge:
Sonnblick (links) und Hocharn (rechts) vom Wurtenkees aus gesehen (2.9.06)
Rechts im Vordergrund der Sonnblick mit Wetterwarte und Zittelhaus, der weite Gletscher ist das Vogelmaier Ochsenkar Kees (2.9.06)
Das Schareck vom Sonnblick aus gesehen, im Vordergrund die „Wintergasse“ und die Fraganter Scharte (aus: Hans Schwanda, „Skiglück in den Tauern“, Verlag Das Bergland-Buch Salzburg – Stuttgart, 1967)
Aufstieg zum Kreuzkogel, Talboden Naßfeld und Ostflanke des Scharecks (aus: Schwanda: „Skiglück in den Tauern“,...)
Hoher Sonnblick, Nordwand (aus: Schwanda: „Skiglück in den Tauern“,...)
Hocharn, Südostflanke mit Hocharnkees (aus: Schwanda: „Skiglück in den Tauern“,...)
Gasteiner Tal
Das Gasteiner Tal ist das größte Seitental der Salzach und entstand durch den einstigen Gasteiner Gletscher, dessen Höhe in der Eiszeit vom heutigen Talboden aus über 1000 m betrug. Von Norden her erreicht man es durch die enge Gasteiner Klamm, dann öffnet sich das Tal und man passiert heute die Ortschaften Dorfgastein (830m) und Bad Hofgastein (858m). Die Stadt Bad Gastein (1002m) entstand an einer Geländestufe, als ihr Wahrzeichen gilt der Wasserfall der Gasteiner Ache. Nennenswerte Nebentäler sind das Angertal, das zwischen Hofgastein und Badgastein nach Südwesten in Richtung Silberpfennig zieht, sowie das Kötschachtal von Badgastein nach Südosten zum Keeskogel. Bei Böckstein (1131m) südlich von Bad Gastein befindet sich das Nordportal des Tauerntunnels der ÖBB, hier entsteht auch die Gasteiner Ache durch den Zusammenfluss des Anlaufbachs (aus dem Anlauftal vom Ankogel her kommend) und der Naßfelder Ache. Dieser Zufluß hat seinen Ursprung in der Hochfläche des Naßfeldes, eines großen nahezu ebenen Talbodens etwa 500 Höhenmeter oberhalb und 5km südwestlich von Böckstein. Dieser Talboden ist es auch, der in den 70-er Jahren den prestigeträchtigen Namen „Sportgastein“ erhielt.
Rauriser Tal
Nach dem steilen und engen nördlichen Zugang durch die Kitzlochklamm weitet sich der Talboden zum Hauptort Rauris hin, südlich bei Wörth teilt sich das Tal in das nach Südwesten zum Hochtor leitende Seidwinkltal und das in südlicher Richtung nach Kolm-Saigurn verlaufende Hüttwinkltal.
Mölltal
Die Möll hat ihren Ursprung im Glocknergebiet, der bekannteste Ort im oberen Mölltal ist Heiligenblut am Südende der Großglockner-Hochalpenstraße. Von dort zieht das Tal zunächst nach Süden, dann nach Osten bzw. Nordosten, zu nennen ist als Nebental das Fraganter Tal, durch das die ehemals weitläufigen Gletscher im Schareck- und Alteckbereich entwässert werden, bei Obervellach nimmt die Möll den von Norden aus dem Mallnitztal kommenden Mallnitzbach auf und wendet sich dann nach Südosten, um bei Möllbrücke in die Drau zu münden.