Übersetzung des Textes aus der Mail, mit
kursiven Anmerkungen meinerseits.
Wir waren bei der DDE (direction départementale de
l'équipement), um nach alten Aménagement & Montagne zu schauen, aber sie hatten bloß die aus den 90ern…das hätte interessant sein können, da das Magazin in der Ausgabe von 1990 sein 15. Jubiläum hatte, so dass es folglich 1975 das erste mal erschien !! Der Angestellte des Archivs hatte auch nicht viel Interessantes anzubieten. Wir sind schließlich in den Archiven des Departements gelandet, wo wir nach viel Blödsinn (man findet in den Archiven alles über Hochzeiten und Geburten seit 1800, aber wenig zeitgeschichtliches!) eine Studie über den Chavièregletscher zur Erschließung fanden (aber schlussendlich nichts interessantes außer dass er am Tag 6cm voranschritt). Weiterhin 20 Seiten eines Buches von 1998 mit dem Titel "Val Thorens, un défi", welches sehr gut die Entstehungsgeschichte der Station wiedergibt. Zusammenfassung der Inhalte :
Seit 1959 hatte man an der Erschließung des Vallée de Belleville gearbeitet, um eines Tages das Produkt „3 Vallées“ anbieten zu können. Man hatte also Les Menuires konstruiert, später Reberty. Aber man schaute mehr und mehr in Richtung des hohen Talschlusses, der den Anschein machte, ein unglaubliches Potential zu bieten. Man dachte also daran, einen Satelliten von Les Menuires zu errichten: Val Thorens
Das Projekt, diese Station aus dem Nichts zu erschaffen, gewann in den Jahren 1967 / 1968 Profil, als die Machbarkeit einer solchen Planung untersucht wurde. Danach ging alles sehr schnell: man schuf die SODEVAB (Société d’Aménagement de la Vallée de Belleville = Gesellschaft zur Erschließung des Bellevilletales), die sich um die Realisierung des Projektes kümmern sollte, finanziert durch die Caisse des dépots. Bald jedoch bezweifelten die Investoren die Ernsthaftigkeit des Projektes, weshalb man sich 1969 an Pierre Schnebelen wandte, der Dank seines Erfolges in Tignes, Val d’Isère und La Clusaz in Sachen Gebäude und Liftanlagen alle Eigenschaften mitbrachte, das Projekt zu unterstützen.
Diesen Absatz kann man so nicht stehen lassen, weil definitiv Schnebelen aufgrund der finanziellen Schwierigkeiten nach dem Gebäudedesater (siehe obiges Post) ins Boot geholt wurde, mit dem Deal, dass er Val Thorens nach seinen Ideen würde gestalten können. Die SODEVAB existierte auch von Beginn an und nicht erst mit der Idee zu dem Projekt Val Thorens!
Diese sehr eloquente und extravagante Persönlichkeit zögerte nicht eine Sekunde bekannt zu geben, dass man « 50.000 Betten in Val Thorens innerhalb der nächsten 10 Jahre“ schaffen werde. Bereits in diesem ersten Jahr provozierte er die ersten Skandale, indem er den Chavièregletscher in der Zentralzone des Nationalparks de la Vanoise für den Schilauf erschließen und Val Chavière konstruieren wollte – ebenfalls in der zone centrale des Parks, um sozusagen die Kommunen deren Terrain er nutzen wollte, zu entschädigen (
es ging ihm um die Nutzung des Chavièregletschers von Val Thorens aus, die er nicht ohne Zustimmung der Kommunen in der Maurienne, denen der Gletscher gehört, bewerkstelligen konnte, weshalb er ihnen anbot, eine weitere Station zu schaffen, so dass Modane sein Stück vom Kuchen abbekam /damals wie heute war die Maurienne gegenüber der Tarentaise touristisch unterentwickelt, was zu lokalpolitischen Reibereien führte, Modane hätte sicher nicht den Tarentaisern von St. Martin de Belleville zu deren Gunsten einfach so einen Gletscher überlassen, zumal auf Bellevilleseite nur ein Minigletscher – der Pécletgletscher – existierte. ).
Die Affäre erreichte schließlich eine nationale Ebene und der Präsident der République Francaise dieser zeit, Georges Pompidou, der soeben gewählt worden war, musste diesbezüglich Stellung beziehen. Viele der großen Tageszeitungen berichteten in diesen Tagen über das Projekt Val Thorens, den Park, Val Chavière etc.... Der Conseil General des Departements de Savoie entschied die Frage schließlich im Jahre 1970 (?), indem er die Erschließung des Gletschers in moderater Weise erlaubte, jedoch den Bau einer Station Val Chavière verbot.
Schnebelen, dessen Angewohnheit es war, solcher Art Beschränkungen überhaupt gar nicht erst abzuwarten, gab sich überrascht und verließ das Projekt. (
Ihm war zugegebenermaßen alles zugesichert worden, er hatte mehrere Jahre auf die Umsetzung gewartet, um am Ende dann doch ein „nein“ zum Projekt seitens der Administration zu erhalten! ). Nichstdestotrotz wurde am 18 Dezember 1971 die Station Val Thorens eröffnet, mit den dreit Schleppliften Golf, Lac und Montée du Fond.
(Die beiden erstgenannten waren kurze Schlepplifte, die vom Bereich der heutigen Péclet Funiteltalstation über den ersten kleinen Hügel bis oberhalb der Talstation der heutigen Sessellifte Moraine und Fond führten. Montée du Fond war ein Schlepplift, der den gesamten Hang hinauf bis auf den 3000m hohen Grat führte und im Prinzip die Funktion der späteren Sessellifte Fond I (Portette) und Fond II erfüllte, also beachtliches Terrain erschloss. ) Weiterhin wurde in dieser Zeit die Setam als Betreibergesellschaft der Lifte gegründet. Hier begann also die Geschichte der Station Val Thorens mit ihren Höhen und Tiefen, mit viel Unterstützung durch eine groß angelegte Werbekampagne (umgesetzt durch Marielle Goitschel, kotz!!).
Das Buch besagt weiter, dass es gegen 1975 / 1976 war, dass die Station eine gewisse Ernsthaftigkeit erlangte und sich von abgedrehten Projekten wie einer Stollenbahn direkt zum Péclet trennte. In diesen Jahren verabschiedete sich die Mannschaft, die Val Thorens erschaffen hatte und machte Platz für ein junges Team mit Pierre Josserand an der Spitze, der Assistent von Schnebelen gewesen war.
Soweit meine Erinnerungen aus der Lektüre dieses Buches. Es gab auf diesen Seiten allerdings jedemenge Verweise auf Zeitungsartikel der Epoche (
hm… Marius?
und ich denke, dass man dort weitersuchen müsste.
Es scheint auch, dass im Bürgermeisteramt von St. Martin de Belleville gesucht werden sollte oder sogar in der Office du Tourisme von Val Thorens, aber da kommt man halt nicht alle Tage vorbei.
… und sie wollen einem niocht so gerne helfen, derartige Dinge aus ihrer Vergangheit wieder auszubuddeln...