j-d-s schrieb:
Und das mit dem Verkehr stimmt nicht, laut der Umfrage finden fast 70% der Besucher die Situation in Sölden in Ordnung, nur die Einheimischen sind überwiegend unzufrieden...
Hmmm...Sozialforschung...ein paar Anmerkungen:
1. Die Studie stammt aus dem März 2007. Sie ist also 8 Jahre alt.
2. Es sollte nicht sein, dass die Zufriedenheit der Einheimischen irrelevant ist. Sie ist ein Wert an sich und für die Akzeptanz der wirtschaftlichen Ausrichtung von Sölden relevant. Ist die Akzeptanz einmal fort, bekommen die Probleme bei der Durchsetzung von allen möglichen Projekten.
3. Die Umfrage wurde im März 2007 durchgeführt, also außerhalb der Winterferien, außerhalb der Faschingssaison und außerhalb der Osterwochen. Die lagen in dem Jahr alle nicht im März.
4. Schauen wir uns einmal in einem anderen Thread (Wirtschaftliche Situation der Seilbahnbranche:
http://www.alpinforum.com/forum/viewtopic.php?f=37&t=37943 ) um, dann fällt sofort auf, dass der Winter 2006/2007 eben besagter extrem schneearmer Winter war. Beförderungszahlen:
2005/06: 52,7 Mio
2006/07: 43,7 Mio
2007/08: 53,2 Mio
Ohne nun genau zu wissen, in welchem Ausmaß das damals auf Sölden durchgeschlagen ist, sollten wir zmd. in Erwägung ziehen, dass dem so war und entsprechend auch die Verkehrssituation atypisch war.
5. Wer wurde befragt? Wie viele wurden befragt? Wurde nach Residenz befragt (Sölden, Innerwald, Außerwald...), wurde nach Herkunft, Alter, Geschlecht, Einkommen etc. pp. befragt. Anmerkung: Klug wäre es gewesen, die Studie jährlich durchzuführen um den Trend zu erfassen aber vlt. macht Sölden das ja und wir wissen es nur nicht.
Kurzum: Die beiden Grafiken da überzeugen mich nun nicht sonderlich. Schauen wir uns die Schlussfolgerungen von IMAD an:
"Dies lässt sich damit begründen, dass die meisten Gäste aus großen Ballungsgebieten stammen und hohe Verkehrsbelastungen gewohnt sind. Außerdem halten sich die Gäste während des Tages großteils im Skigebiet auf, weshalb die Verkehrssituation im Ort nicht im Vordergrund steht."
Punkt 2 ist zweifelsohne korrekt. Dem steht aber entgegen, dass der Falkner in einem Interview mit der Zeit (?) angemerkt hat, dass die Verweildauer auf der Piste nachlässt und weiter nachlassen wird. Zur Begründung nannte er die modernen Lifte. Der typische Gast hat also früher am Tag sein Pensum geschafft. Das ist natürlich eine These aber unter Berücksichtigung der durchschnittlichen Liftfahrten/Tag/Gast erscheint sie schlüssig. Zudem ändert sich die Altersstruktur der Gäste aufgrund des demographischen Wandels und die Herkunft der Gäste. Für Gäste aus Russland z.B., welche wirtschaftlich sehr interessant sind, steht eben nicht nur die Piste im Vordergrund. Die möchten Geld ausgeben, auch einmal einen Tag nach Innsbruck, abends schick Essen gehen etc. pp. Hier liegen ja Informationen aus anderen Studien vor.
Ich stelle einmal die These auf, dass letztgenannten Punkte ebenfalls die Verweildauer auf der Piste reduzieren.
Was nicht bedeutet, dass es nicht auch einen großen Anteil an Gästen gibt, die die verbesserten Liftkapazitäten nutzen wie die meisten hier: mehr Ski fahren und freuen.

Für den Umsatz im Ort und die Treue zum Ort sind aber eben jene relevant, die nicht den ganzen Tag Kilometer fressen.
Punkt 1: Hier verweise ich auf meine bereits gemachte These im vorherigen Kommentar. Für dich schwer vorstellbar aber das Auto verliert an Stellenwert und das ausgesprochen rasant, zumindest in Deutschland, Niederlande und (vermutlich) auch in AT. Abe es ist eben eine Entwicklung. Die besagte Generation kommt ja gerade, die waren zum Zeitpunkt der Befragung noch nicht volljährig oder Anfang 20. Der Trick um Sölden/Ischgl etc. langfristig erfolgreich zu positionieren besteht ja unter anderem darin, solche gesellschaftlichen Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig zu reagieren.
Wenn die das Verkehrsproblem erst lösen, sobald der Wert der Unzufriedenen bei >50% liegt ist es zu spät. Die Gäste sind dann weg.
Weiterhin sind 30% Unzufriedene ein hoher Wert. Als Tourismusverantwortlicher möchte ich nicht, dass 30% meiner Gäste mit einem Parameter unzufrieden sind. Vor allem dann nicht, wenn eine Lösung des Problems ja nicht bedeutet, dass die anderen 70% auf einmal Unzufrieden werden. Wer aktuell mit der Verkehrsituation zufrieden ist, wird nicht unzufrieden wenn diese sich verbessert. Er ist dann einfach nur noch zufriedener.
Es gibt natürlich Ausnahmen. Du bist eine davon.
EDIT: Weiterhin ist auch die Frage "Wie zufrieden sind die mit der Verkehrsituation" etwas einseitig. An Verkehrssituation denke ich, wenn ich im Stau stehe. Hier geht es ja auch um die Passanten. Da wären Fragen zu Verweildauer, Aufenthaltsqualität etc. als Passant noch ganz interessant gewesen.