Ich bin das erste Mal seit vier Jahren mit einer Gruppe wieder am Arlberg zu Gast. Wunderbare Pistenverhältnisse am Rendl - ganz weit vorne mit dabei die schwarze 5, sensationell griffiger Pulver. Insgesamt sind dort wo der Schnee nicht verblasen wurde nach den massiven Neuschneefällen der letzten Woche die reinen Naturschneepisten nochmal besser als jene, wo zusätzlich maschinell beschneit wird.
Viel verblasen hat es an den Albonahängen, bei den Nordabfahrten liegt häufig die harte Grundlage frei, hinten runter zur Albonagratbahn teilweise noch einige Steine und an manchen Stellen recht schmal präpariert.
Ein paar Worte zur neuen Flexenbahn: Wer meine Berichte kennt weiß, dass ich nicht der klassische Massentourismus-Industrieskifahrer bin (was nicht unbedingt meine Wahl des Gebietes an sich beeinflusst, nur die Zeit und Art der Nutzung) und nach drei unmittelbar vorhergehenden Tagen in der Schweiz bin ich natürlich was Wartezeiten angeht aktuell wieder extremst verwöhnt gewesen, aber noch schwerer wirkt, dass ich die Woche davor in den Dolomiten in Corvara an der Sellaronda verbracht habe - einem was Verbindungen angeht über Jahrzehnte gewachsenen und optimierten Gebiet. Es bleibt abzuwarten, wie sich in den nächsten Monaten und Jahren die Skifahrerströme am Arlberg entwickeln werden und was mittel- und langfristig für infrastrukturelle Neuerungen hinzukommen. Vielleicht kommt aktuell noch der typische "neu"-Effekt dazu, aber nach meinen ganz persönlichen ersten Eindrücken stehe ich der Umsetzung der Arlberg Ost-West-Verbindung eher skeptisch gegenüber. Ich wohne momentan in Stuben - also eigentlich der optimale Standort zwischen Ost und West. Wie gesagt, abwarten, wie sich das Verhalten der Skifahrer weiter entwickelt, aber im Moment erscheint es mir so, dass morgens aus St. Anton ein Run Richtung Zürs losgeht - später fahren erscheint den Meisten wahrscheinlich unattraktiv, sonst schafft der Normalskifahrer ja keine zwei Abfahrten mehr in Warth. Um spätestens halb 10 explodiert aktuell die blaue 100 als Zubringerabfahrt zur Alpe Rauz förmlich - da die Flexenbahn heute wegen technischer Probleme erst verspätet startete, betrug die Wartezeit für die Auffahrt eine halbe Stunde. Die Übungshangbahn in Zürs schaufelt problemlos alles weg, was vom Trittkopf dann hinunter kommt, aber wahrscheinlich 95% der Ankömmlinge haben dann das selbe Ziel, entsprechend verlagert sich der Stau zur Madloch-DSB. Um 14:30 Uhr betrug zum Rückweg die Wartezeit an der PB auf den Rüfikopf 20 Minuten, um 15:30 in Zürs an der Talstation der Trittkopfbahn eine halbe Stunde, was die Touristenhorden zu panikartiken Szenen am Einstieg veranlasste, zumindest diejenigen, die noch nach St. Anton mussten. Um 16:40 Uhr war an der Alpe Rauz die Walfagehrbahn noch fleißig damit beschäftigt, die Massen Richtung St. Anton zurückzuschaufeln.
Mich persönlich tangiert das alles so recht wenig, ich bin diese Tage aus sozialer Indikation mit der Gruppe unterwegs und schwimme entspannt mit. Ich würde es sonst natürlich ganz ander machen, antizyklisch fahren wie immer, aber die letzten Tage waren wahrscheinlich ein ganz guter Indikator, wie es die Masse der Standard-Arlberg-Pistentouristen aktuell handhabt. Früh die Ost-West-Verbindung nehmen (wahrscheinlich morgens von Zürs nach Rauz genau so) und spät wieder zurück, weil es sich für den Normalo gar nicht so lohnt und den weißen Ring zu fahren ist offensichtlich eh Pflicht - bzw. besteht ja wenn Lech das Ziel ist, auch gar keine andere Möglichkeit. Und daran krankt es bei den aktuellen Bewegungen der Massen anscheinend: Der Ring ist nur in eine Richtung fahrbar, es gibt keine Alternativroute um von A nach B bzw. Z nach L zu kommen und auf dem Weg liegen nun mehrere kapazitätsschwache Anlagen, die zu Stoßzeiten auch außerhalb der Hauptsaison überlastet sind. Ich bin als auswärtiger Tourist sehr defensiv, was das Beurteilen von Seilbahninvestitionen angeht (anscheinend bin ich einer der ganz wenigen Deutschen im Forum, die nicht Skigebietsentwicklung studiert haben) und ich verstehe auch die Idee, warum Trittkopf und Flexenbahn so getrennt ausgeführt wurden, aber ich bin gespannt, ob sich das gewählte Konzept auf Dauer als die beste Lösung bewähren wird. Vielleicht wäre eine kapazitätsstarke, durchgängige Seilbahn Rauz-Zürs mit einer separat ausgeführten Sektion zum Trittkopf-Gipfel doch die bessere Variante gewesen - natürlich brächte das andere Probleme. Ich bin gespannt, wie die Skifahrerströme sich weiter entwickeln werden und welche Investitionen wir vor allen auf Zürser Seite in den nächsten 10 Jahren sehen werden (Stammtischgerede reicht von Ausbau Madloch bis Fahrbarmachung des Rings in die andere Richtung und übrigens auch von einem Ersatz der Albonagrat-DSB durch eine Zweisektions-EUB von St. Anton bis hoch auf die Albona + Talabfahrt...naja...wobei das die Ausführung der neuen Albona-II-EUB etwas mehr erklären würde). Ich bin gespannt!