Da mir die Diskussion etwas autolastig erscheint, möchte ich für die anderen doch mal etwas die Lanze brechen:
Der Anspruch, ich fahre mit meinem Wagen, meist alleine (wer von euch hat immer jeden Platz im 2-Tonnen-SUV voll besetzt?) in Bergregionen und die dort müssen da dann froh sein, bzw. schon alle Ortschaften auf dem Weg dahin, dass Abgase, Platzprobleme, Stau, Bodenverdichtung, Unfallgefahr, Lärm etc. direkt ihre Lebensgrundlage angreifen - den verstehe ich nicht. Jede mitteleuropäische Bergdestination ist bequem und hochfrequent mit öffentlichen Verkehrsmitteln, jede größere mit bequemen Zügen, erreichbar. Das Auto ist immer und für alle die schlechteste und teuerste Lösung.
Ein paar entkräftende Argumente:
- Instandhaltung von Wanderwegen, Stränden etc. werden üblicherweisen über Kurtaxen finanziert, nicht Parkplatzgebühren. Letztere sind oft gesetzliche Lenkungsmaßnahmen um Verkehr zu reduzieren - das ist kein Geschäft und auch keine Abzocke einer Bergbahngesellschaft, die dürfen oft nicht anders.
- Radfahrer bezahlen sehr wohl allgemeine Steuern, mit denen Straßen finaziert werden. Die diversen Steuern für Autofahrer finanziern nur ein Bruchteil der Infrastruktur. Jeder Radfahrer spart aber der Gesellschaft viel ein. Gesundheit, Platz, Infrastruktur etc. Jede Investition in Radinfrastruktur kommt also mehrfach zurück und wird nicht etwa wie hier vermutet als "Zusatzkosten" dem Autofahrer belastet, im Gegenteil.
- Es gibt genut Destinationen, die ein gutes Verkehrsmanagement vormachen. Autofreie Orte, Park+Ride, Shuttlesysteme (Bahn, Seilbahn, U-Bahn Serfaus etc.), Verekhrslenkung, Anreize zur Anreise per Bahn wie güstige Tickets (siehe SBB Schweiz, Nachtzüge ÖBB etc.) und vieles mehr können die unsinnige Anreise mit Autos reduzieren.
Was möglich ist:
Gepäck kann man günstig Tür-zu-Tür verschicken mit Bahntickets, niemand macht eine Woche Skiurlaub so spontan, dass ihm das nicht möglich wäre. Tagesausflüge können auf dieser Ebene mit Storagesystemen, Vor-Ort-Miete oder guten Gepäckflächen und einfachen Umstiegen in Zügen attraktiv gemacht werden. In der Schweiz, Italien, Frankreich etc. entsehen zurzeit gerade viele tolle neue multimodale Bahnhöfe (Grindelwald, Davos, Fiesch, Zermatt, Sion-Nendaz, Verbier, Arosa, Klosters, Andermatt, Wengen, Leysin, Kronplatz, Vierschach, Marilleva, Magland und viele mehr - das sind nur die aktuell gerade fertiggestllten oder im Bau befindlichen, viele andere Orte haben bereits solche Bahnhöfe), wo direkt vom Zug in die Seilbahn gestiegen werden kann. In Frankreich ist es üblich, das TGV und Eurostar-Züge die großen Destinationen direkt von London und Paris aus anfahren und die letzte Meile wird auch dort durch ÖPVN bzw. Seilbahnen gelöst (LesArcs, FuniFlaine, Chamonix). Und diese Züge sind oft viel toller, als das der Deutsche so kennt: Pünkltich, mit Loungewagen, Niederflureinstiegen, Kaffeeautomatten, Panoramadächern, Restaurants, Platz für Fahrräder und Koffer sowie spezielle Ski-Regale, Bahnsteigkanten direkt am Gondeleinstieg, Einstiegsbahnhöfe oder gar Zugpersonal verkaufen direkt Skipässe etc. An den Talstationen findet man Schließfächer, Umkleiden, Duschen und andere Annehmlichkeiten für Tagesgäste. Wer will, kann in bequemer Straßenkleidung und Turnschuhen ohne Stress an- und abreisen. Keine Staus, keine sumpfigen Parkplätze und lange Anmärsche vom Wagen bis zur Seilbahn, alles wettergeschützt und beheizt.
Digitalisierung hat ein großes Potential, man stelle sich eine App vor, in der ein Klick reicht und es wird der Sitzplatz im Zug, der Transfer, Gepäck, Locker an der Talstation, die Tageskarte, Mietmaterial, das Essen etc. gebucht und zeigt alle Fahrpläne, Daten etc. direkt geobasiert an. Die Shuheizung im Schließfach beginnt abgestimmt auf den Fahrplan die Skischuhe vorzuheizen usw. Man kann Alternativen zum Auto sehr bequem machen, wenn man will.
Das Narrativ vom geschröpften Autoopfer finde ich schwach. Das Auto verursacht nunmal die höchsten Kosten, auch für die, welche nicht mit dem Auto anreisen:
https://vision-mobility.de/news/t3-studie-autokosten-selbst-ein-corsa-kostet-600-000-euro-128356.html
Wir wissen, dass wir gerade radikal umdenken müssen und Alternativen nicht nice to have sind, sondern überlebenswichtig für uns alle. Jedes Parkhaus, jede ausgebaute Straße, jedes teure Umfahrungsprojekt lockt noch mehr Autofahrer an. Garmisch z.B. tut trotzdem noch genau das - und der Steuerzahler investiert noch Unsummen in diesen Blödsinn, anstatt bereits die unsausweichlichen Atlernativen zu fördern und entwickeln. Die Umfahrungen, die Autobahn, der Größere Abstand zwischen Bahnhof DB und Zugspitzbahn, die lausigen Zughaltestellen Hausberg und Kreuzeck... das ist Steinzeit. Elektroautos werden weder Verkehr, Lärm oder Parkdruck lösen und verursachen immer noch zu viel CO2 im Vergleich zu den in halb Europa gut etablierten Alternativen in Winterdestinationen. Gratis Parkplätze sind ausserdem kein Menschenrecht und überall viel teurer als in Deutschland. Wer sich diesen Luxus auf Kosten anderer weiter leisten will, der soll halt dafür auch die wahren Kosten tragen in Zukunft.