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Castellammare di Stabia-Monte Faito: Zugseil gerissen. Vier Tote und ein Verletzter

ATV

Chimborazo (6310m)
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Italien und Pendelbahnen :rolleyes: :rolleyes: :rolleyes:
Am 17. April 2025 ereignete sich gegen 15:00 Uhr ein schwerer Unfall an der Seilbahn des Monte Faito in Castellammare di Stabia, Provinz Neapel. Das Zugseil der Seilbahn riss, wodurch die bergseitige Kabine mit fünf Insassen – vier Touristen und einem Mitarbeiter – in eine Schlucht stürzte. Drei Personen kamen dabei ums Leben, eine weitere wurde schwer verletzt, und eine Person wird noch vermisst.

Die talseitige Kabine, die sich in geringer Höhe befand, konnte durch das automatische Sicherheitssystem gestoppt werden. Die elf Passagiere, größtenteils ausländische Touristen, wurden von der Feuerwehr einzeln mit Gurten evakuiert.

Die Rettungsmaßnahmen werden von der Präfektur Neapel koordiniert. Beteiligte Organisationen sind unter anderem der Zivilschutz, der alpine Rettungsdienst und medizinische Notfalldienste. Die Arbeiten werden durch dichten Nebel und schlechtes Wetter erschwert. Die Staatsanwaltschaft von Torre Annunziata hat eine Untersuchung eingeleitet und die Anlage beschlagnahmt.

Die Seilbahn, die Castellammare di Stabia mit dem 1.200 Meter hohen Monte Faito verbindet, wurde erst am 10. April 2025 nach Wartungsarbeiten wiedereröffnet. Bereits 1960 kam es zu einem tödlichen Unfall, bei dem vier Menschen ums Leben kamen.

https://www.ilfattoquotidiano.it/2025/04/17/castellammare-stabia-funivia-faito-cavo-passeggeri/7956899/
 
Italienische Infrastruktur macht mal wieder italienische Infrastruktur Dinge... Es ist wirklich zum schämen wie nachlässig unsere Nachbarn teilweise sind. Aber Hauptsache mit Ganzjahresreifen darf man im Sommer nicht fahren 🤦🏼.
 
Modde schrieb:
Italienische Infrastruktur macht mal wieder italienische Infrastruktur Dinge... Es ist wirklich zum schämen wie nachlässig unsere Nachbarn teilweise sind. Aber Hauptsache mit Ganzjahresreifen darf man im Sommer nicht fahren 🤦🏼.
Das eine bringt Geld, das andere nicht...
 
Sammeln wir doch mal, was bekannt ist:
  • Die Seilbahn besitzt kein durchgehend gespleißtes Zugseil, sondern einen Vergusskopf.
  • Der Zugseilriss ist mutmaßlich kurz vor der Einfahrt in die Station passiert. (Position der Talseitigen Kabine (ZiB auf Facebook))
  • Infolgedessen ist die obere Kabine abgestützt, die untere Kabine wurde mittels Fangbremse gegriffen.
  • Mutmaßlich lässt sich also vermuten, dass die Fangbremse der oberen Kabine entweder nicht gegriffen hat oder aus anderen Gründen nicht funktioniert hat.

Spekulatius: Der Unfallablauf hat ne gewisse Ähnlichkeit mit dem Unglück am Monte Mottarone in 2021.

Und zuletzt noch die Informationen vom Technischen Informationsblatt in der Talstation
  • Name: Funivia del Faito
  • Strecke: Castellammare di Stabia – Vico Equense
  • Betroffene Gemeinden: 2
  • Fahrzeit: 8 Minuten
  • Betriebsgeschwindigkeit: 7,5 Meter/Sekunde
  • Höhenunterschied: 1.083 Meter
  • Höhe Talstation: 9 Meter ü. d. M.
  • Höhe Bergstation: 1.092 Meter ü. d. M.
  • Länge der Strecke: 2.945 Meter
  • Maximale Steigung: 60 %
  • Fassungsvermögen pro Kabine: 35 + 1 Personen
  • Stündliche Förderkapazität: 450 Personen/Stunde
  • Leistung Hauptmotor: 180 kW
  • Anzahl Stützpfeiler: 4
  • Antriebe: Hauptantrieb, Reserve, Notantrieb

Funivia_del_Faito.jpg
Ausgestellter Vergusskopf in der Talstation
 
RAI News.it berichtet ausführlich mit diversen Videos – derzeit noch auf der Frontseite Thema Nr. 2 ...

Aus Distanz gesehen sind einige Parallelen zum Monte Mottarone vom Unfallablauf her frappant (auch wenn die Gründe dafür noch nicht bekannt sind):
– kurz nach saisonaler Wiederinbetriebnahme
– bergseitiges Zugseil hat versagt
– abgestürzte Kabine im Bergstationsbereich
 
Man kann froh sein, dass die untere Kabine keine 30m weiter oben stehen geblieben ist. Da wäre eine Bergung aufgrund der Oberleitung der Bahnstrecke untendrunter deutlich aufwendiger geworden.
 
phifue schrieb:
Man kann froh sein, dass die untere Kabine keine 30m weiter oben stehen geblieben ist. Da wäre eine Bergung aufgrund der Oberleitung der Bahnstrecke untendrunter deutlich aufwendiger geworden.
Am 15. August 1960 war sie genau dort nicht einfach nur stehengeblieben, sondern auf das Bahngleis gekracht – 4 Tote damals ...
 
standseilbahnen.ch schrieb:
Sinnbild für den Zustand der Seilbahnen in Italien ! Nicht einsteigen !
... der Zustand ist das eine – die Schulung des Personals und die fachgerechte Handhabung der Anlagen ist ebenso ein nicht zu vernachläßigendes Element, an dem die Sicherheit auch hängt ...
 
Schlimm. Mein Beileid den Angehörigen. Bin gespannt ob hier ähnlich verzögert und verschleiert wird wie beim Mottarone-Unfall. :|
 
Ist die Schlaffseilüberwachung verpflichtend oder kann sein, dass alte Bahnen ohne Überwachung gebaut wurden und nicht nachgerüstet werden musste?

Am Jested wurde ja genau diese Tatsache zum Verhängnis, da eine manuelle Auslösung in der unmittelbar vom Riss betroffenen Kabine unwahrscheinlich ist…
 
Kann ich mir durchaus (ohne das italienische Recht zu kennen) vorstellen. In Österreich fahren ja auch noch genug Bahnen nach DSB 80 mit Verguss aber ohne Fangbremse rum (vor allem im halböffentlichen Bereich) - Die müssen dafür halt öfter den Verguss erneuern.
 
MMA schrieb:
Sammeln wir doch mal, was bekannt ist:
  • Die Seilbahn besitzt kein durchgehend gespleißtes Zugseil, sondern einen Vergusskopf.
  • Der Zugseilriss ist mutmaßlich kurz vor der Einfahrt in die Station passiert. (Position der Talseitigen Kabine (ZiB auf Facebook))
  • Infolgedessen ist die obere Kabine abgestützt, die untere Kabine wurde mittels Fangbremse gegriffen.
  • Mutmaßlich lässt sich also vermuten, dass die Fangbremse der oberen Kabine entweder nicht gegriffen hat oder aus anderen Gründen nicht funktioniert hat.

Spekulatius: Der Unfallablauf hat ne gewisse Ähnlichkeit mit dem Unglück am Monte Mottarone in 2021.

Das heißt, nach dem Zugseilriss hat die Fangbremse nicht funktioniert oder war sie da gar nicht vorhanden?
Und in folge dessen ist die Kabine am Tragseil talwärts gefahren, bis sie dann irgendwann aus dem Tragseil gehoben wurde und letztendlich abgestürzt ist? Diese Zeit muss für Insassen der Horror sein. :(

Ist es reiner Zufall, dass es nach 2021 wieder in Italien passiert ist?
 
Gibt es schon Infos über den Absturzort der Kabine? Wäre interessant zu wissen, ob die Gondel direkt an der Stelle des Seilrisses abgestürzt ist (durch Aufschaukeln etc) oder wieder beim „Abheben“ auf der Stütze.
 
In den N24 Nachrichten kam am Rande dass die Kabine erst einige Meter am Tragseil nach unten gerollt sei bevor diese abgestürzt sei weil die Sicherheitseinrichtung nicht funktioniert habe.... :naja:
 
Das Laufwerk ist etwas anders als das von Mottarone ausgeführt.

Es ist nur eine in Längsrichtung betrachtet einzelne mittig angeordnete Fangbremsenbremszange vorhanden.

Schlaffseilauslösung talseitig sowie Schlaffseilauslösung bergseitig sind beide vorhanden. Aufgrund des Bildmaterials vermute ich seitlich am Seilkopfsystem angebrachte mechanisch betätigte Hydraulikventile, je ein Stück pro Seilendbefestigung, ähnlich wie bei Mottarone (siehe die Schnittzeichnung des Seilkopfes im langen Mottarone Topic).

Allerdings konnte ich keine Hinweise, die auf eine hydraulische Vorspannnung der Schlaffseilauslösung wie bei Mottarone erkennen. Möglicherweise wird mittels Tellerfedern vorgespannt, ist jedoch nur eine Vermutung.

Bei Mottarone gehe ich davon aus, dass nicht abgeklärt wurde, ob die als absolut schwerwiegende Fehlkonstruktion zu betrachtende aktive hydraulische Vorspannung der Schlafseilauslösung sporadische Fehlauslösungen der Fangbremsen verursachte, was letztendlich zum fatalen Einsatz der Blockiergabeln ("Forchettone") führte.

Das Federkraftspeichersystem zur Schliessung der Fangbremsenzange ist interessanterweise länglich angeordnet, was nicht allzu üblich ist. ATV kann sicher was sachdienliches dazu beitragen. Kenne diesen Laufwerksaufbau nicht näher.

Jedenfalls versagte das obere Zugseilsystem, ob das obere Zugseil riss oder ob was mit dem konischen Vergusskopf oder sonst was bei der Befestigung versagte, kann mangels näheren Angaben nicht weiter beurteilt werden.

Das Fahrzeug der ersten Spur (links bergwärts von der talseitigen Station, hier Antriebssation, betrachtet) wurde wie bei Mottarone in Nähe der Talstation durch die auslegungsgemäss funktionierende Fangbremse sicher angehalten.
Aufgrund des Verlaufs des oberen Zugseils kann man davon ausgehen, dass die Fangbremse durch Schlaffseilauslösung automatisch ausgelöst wurde, wobei eine Handauslösung (roter Ventil-Betätigungshebel ohne Beschriftung) nicht ausgeschlossen werden kann.

Bzgl. Fahrzeuig 2 ist wie den Videoaufnahmen von Mottarone zu entnehmen ist, eine Handauslösung der Fangbremse bei schlagartigem Versagen der oberen Zugseilhalbschlaufe aufgrund der extremen Dynamik sehr unwahrscheinlich.

Die Steuerung ist ziemlich alt, meinte über 25 Jahret, kann mich jedoch irren. Es ist eine Erstfehleranzeige mit Logging vorhanden, tippe eher auf eine Relais-Steuerung oder evtl. eine mit Nicht-Sicherheits-SPS.
Im Ggs. zu Mottarone wurde die Steuerung nicht kürzlich komplett erneuert wobei die Steuerung vermutlich keine Rolle bzgl. Unfall spielte. Man beachte, dass bei dieser Pendelbahn kein Einziehen statt findet, da keine Nivellierung mit den (hier nicht vorhandenen) klassischen Perrons erforderlich ist, was demnach erhöhte Seilzugkräfte infolge des Einziehvorganges ausschliesst.

Irgendwann wurde eine ausgedehnte Videoüberwachung nachgerüstet. Kameras sind allgegenwärtig inkl. in der Kabine, am Gehänge, auf den Stützen, im Maschinenraum, Kommandoraun, Ein-/Ausstiegsnereich, usw.

Da die Absturzstelle sich in dichten Wald befindet wird vermutlich kaum brauchbares Bildmaterial auftauchen und CCTV-Videomaterial wie bei Mottarone wird wohl auch nicht mehr leaken obwohl dies für die Analyse des Geschehnisses extrem relevant wäre.

Zu erwähnen wären noch das NICHT vollverschlossene Tragseil... sowie das Aquarium im Maschinenraum.


Wie bei Mottarone führte das Zusammentreffen des Versagens der oberen Zugseilhalbschleife mit dem Versagen der Fangbremse (Tragseilbremse). Anhaltspunkte bzgl. etwaige Ursachen sind noch nicht vorhanden.

Ingesamt scheint die Anlange sind sonderbar sauber gepflegt wobei dies lediglich eine subjektive Einschätzung bleibt.

Zu beachten ist ebenfalls, dass sich der Unfall wie bei Mottarone kurz nach Wiederinbetriebnahme nach saisonaler Pause ereignete.


Sachdienliche Videos von Local Team, inkl. Nahaufnahmen des Laufwerks von Kabine 1 (vor Talstation stehend):
https://www.youtube.com/watch?v=0dVu_sAixkU
https://www.youtube.com/watch?v=u2-VUsqCc2Y

Video der Feuerwehr, nicht auf offiziellem Website verfügbar:
https://www.youtube.com/watch?v=tMgP6jqea7M

Video vor dem Unfall, habe die Originalquelle nicht weiter gesucht:
https://www.youtube.com/watch?v=SXwcAppWdiY

Allgemeines Video von April 2022:
https://www.youtube.com/watch?v=hsoqT-zO_vQ
 
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