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Sturm: Mehrfache Seil-/Laufwerksentgleisung bei Karrenseilbahn

Von unten gesehen rechte Spur: beide Tragseile liegen nicht mehr in den Seilschuhen auf, ein Tragseil liegt im Bereich der Zugseilführung, ein Tragseil im Bereich des Querträgers.

Von unten gesehen linke Spur: Ein Tragseil in der Zugseilführung, ein Tragseil von der Stütze gestürzt(??).

Die untere Gondel (rechts) hängt somit nur noch mit dem Laufwerk auf einem Tragseil. Das Laufwerk ist komplett entgleist.

Von der oberen Gondel gibt es keine Nahaufnahmen, auf einem Foto sieht man jedoch, dass ein Tragseil viel tiefer hängt. Somit gehe ich davon aus, dass auch diese Gondel nur auf einem Tragseil steht/hängt - ich hoffe, das Seil hat nicht in der Kabine eingeschlagen.
 
Der Sturm kam nicht unvorbereitet. Hier in der Bodenseeregion gibt es schon seit gestern entsprechende Warnungen. Hier im Hegau (westlicher Bodensee) blieb es trocken. Aber immer wieder heftige Böen.

Ich hoffe Sie bekommen alle sicher raus. Aber bei dem Wind nicht ganz einfach.
 
Mittlerweile werden die Fahrgäste oben abgeseilt (19 Menschen und ein Hund). Die Bergretter wurden per Hubschrauber gebracht, die Rettungsgondel konnte aus naheliegenden Gründen nicht auf den Tragseilen zufahren.

Sieht so aus als gäbe es keine schwerer Verletzten zu beklagen, auch wenn die Leute vermutlich recht angespannt sein werden.
 
Hoffen wir, dass noch alles gut geht und es bei Glück im Unglück bleibt. Was TS-Entgleisungen bewirken können, haben wir ja schon vor Jahrzehnten in Squaw Valley gesehen…
 
Heilige Scheisse! Bei den Bildern auf denen die Laufwerke der Gondeln zu sehen sind wird mir ganz anders. Die Aussage des Bürgermeister das „die Fahrgäste zu jeder Zeit sicher waren“ mag ich tatsächlich mal in Frage stellen.

Puh. Das hätte leicht einen anderen Ausgang nehmen können. Dazu passt das man sich erst einmal länger beraten musste wie man die Gondeln technisch am Seil sichert, und das man sich ernste Sorgen um den Downwash der Helikopter sorgte.

Bin froh wenn dort alle evakuiert sind!
 
Ja, es gab Vorhersagen aber kurz vor dieser Böe gab es absolut keine Anzeichen. Die kam wirklich aus dem Nichts, live miterlebt. Da hats ja auch Dächer abgedeckt usw.
Richtig Glück gehabt, dass da nicht mehr passiert ist. Richtig wild muss man da auch als Retter drauf sein um sowas zu machen.
 
https://www.vn.at/vorarlberg/2025/06/23/sturm-beschaedigt-die-karrenseilbahn-19-fahrgaeste-muessen-per-heli-gerettet-werden.vn

Eigentlich von der Sicherheit her betrachtet doch ein *SEHR* relevantes Ereignis.

Bin gespannt, ob dazu einen Unfalluntersuchungsbericht erstellt wird. Im Ggs. zur CH SUST und dem FR BEA-TT habe ich für AT und DE kaum je Berichte gefunden.

Auf die unübliche formschlüssige Befestigung der Seilreiter komme ich später zurück (das entsprechende Tragseil oben umfassende U-förmiger Blechbügel anstelle der üblichen Klemmplatten mit Kreissegmentprofilrille bei denen das Tragseil bei niedrigeren Überbelastungskräften bei gleichem Tragseildurchmesser herausgerissen wird). Die Tragseilfänger der Laufwerke sind glaub klassisch ausgeführt.

Mal abwarten, ob Windmessaufzeichnungen was ergeben, wobei starke Böen einerseits sehr lokal wirken können (abseits der Windmessstellen) und andererseits sind elektromechanische Windmessgeräte, wie bei Seilbahnen nach wie vor üblich, nicht in der Lage so dynamisch und genau zu messen wie wesentlich zuverlässigere und robustere Ultraschallwindmessgeräte, welche keine bewegliche Teile aufweisen (habe diese problematik bereits Januar 2008 hier aufgeführt:
https://www.alpinforum.com/forum/viewtopic.php?p=403673#p403673
).

Interessant wären die Querkraftberechnungen für die Stützensätteltragseilauflagen, insbes. da sämtliche Seilfelder eher kurz sind (siehe Swisstopo Karte, da Dornbirn je nach Kartenmassstab noch dargestellt ist).

Schliessen die Befürworter der sog. integrierten Rettung (integrierte Bergung) ein solches Szenario mit ausreichender Wahrscheinlichkeit in den probabilistischen Sicherheitsanalysen aus?

Für mich erlaubt die integrierte Bergung lediglich zeitliche Auflagen für die Bergung zu umgehen. In der Praxis sollte man eher diese onehin irrealistischen Zeiten erhöhen (Zeitraum vom Stillstand der Seillbahn bis zur Bergung des letzten Fahrgasts) und dafür einen Bergekonzept erstellen. IMO sollten für sämtliche öffentliche Seilbahnen eine Bergung geplant sein, egal ob eine integrierte Bergung vorhanden ist oder nicht. Zahlreiche Zwischenfallszenari erlauben keine weitere Bewegung der auf der Strecke blockierten Fahrbetriebsmittel. Darüber bleibt meine Meinung unverändert (August 2009):
https://www.alpinforum.com/forum/viewtopic.php?p=4632420#p4632420
.
 
Es war anscheinend die letzte geplante Fahrt vor einem geplanten wetterbedingten Betriebsunterbruch. Die schuldige Bö kam früher als von den Wetterdiensten prognostiziert.

Die SUB vim Verkehrsministerium hat sich laut diverser Medienberichte eingeschaltet. Zur Zusatzinfo: die veröffentlichten Untersuchungsberichte findet man unter http://bmimi.gv.at/ministerium/sub/seilbahn/berichte
 
Lagorce schrieb:
Auf die unübliche formschlüssige Befestigung der Seilreiter komme ich später zurück (das entsprechende Tragseil oben umfassende U-förmiger Blechbügel anstelle der üblichen Klemmplatten mit Kreissegmentprofilrille bei denen das Tragseil bei niedrigeren Überbelastungskräften bei gleichem Tragseildurchmesser herausgerissen wird). Die Tragseilfänger der Laufwerke sind glaub klassisch ausgeführt.

Sind eigentlich ganz normale Klemmplatten mit ca. 250° Umschlingung
 
Ich hab die vermutlich selbe Front um 17:15 Uhr in Salzburg im 6. Stock erlebt. Man konnte zwar schon lange eine schwarze Wand aus Regen auf das Gebäude zukommen sehen, jedoch schien die Annäherung eher langsam zu sein. Und von einer Sekunde auf die andere war das Gewitter in voller Stärke da. Die gesamte Dachterrasse wurde leergefegt, alle Tische und Stühle lagen auf einer Seite der Terrasse gesammelt. Ein Stuhl wurde vom Wind fast über das Brusthohe Geländer befördert, dieser Stuhl flog quer über die Terrasse. Also echt heftig.
 
Latesn schrieb:
Sind eigentlich ganz normale Klemmplatten mit ca. 250° Umschlingung
Für mich sieht es so aus, als wäre links im Bild eine (hier verschiebbare) klassische Klemmplattenklemmung und rechts ein paar klemmplatten mit Umschlingungsblech, meinte die Schnittkante des U-Förmigen Blechs wäre erkennbar, mit dem darunterliendem Klemmplattenpaar.

Ebenfalls erkennbar sind Tragseilfänger des Laufwerks, nach unten V-förmig jedoch interessanterweise ohne V-förmigen Enden ("Ein-" sowie "Auslauf") parallel zur Tragseilachse. Formgestaltung der Tragseilfänger der Laufwerke ist je nach Laufwerksbauart unterschiedlich.

Zur zusätzlichen seitlichen Haltung der Tragseile werden bei Tragseilsätteln teils kurze erhöhte ggf. mit geschlossenen fangbremsen überfahrbare Führungsteile eingesetzt.
Recht selten sind hingegen sowas wie Rollsecure (von Roll Transportsysteme Markenname) Knickarmhalterungen, welche nur eine sehr eingeschränkte Längsbewegung der Tragseile erlauben (Tragseilhaltung mittels Klemmplatten, die identisch mit derjenigen der Seilreiter sein können).
 

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Um 14.51 Uhr gab es eine Böe mit 96km/h laut dortiger Wetterstation.

https://wetterring.at/wetterstationen/dornbirn-karren

Es macht aber wohl einen Unterschied, ob es ein kontinuierlicher zunehmender Sturm ist wie bei einem Sturmtief,
oder eine plötzliche Böe "aus dem Nichts".

Das Gewitter hatte sich schnell aufgebaut und aufgrund der starken Höhenströmung konnte sich ein mächtiger Outflow aufbauen, der entsprechend weit vorausgeilt ist.

In einem der ORF-Texte stand, dass sie nicht mit Sturm gerechnet hätten, es seien nur Starkniederschläge vorhergesagt worden. Das ist aber Unsinn,
denn bei einer so hochdynamischen Wetterlage mit starkem Höhenwind, vorher starker Aufheizung und hoher Labilität waren Sturmböen praktisch eine sichere Bank.

Lg, Felix
 
Exilfranke schrieb:
Es macht aber wohl einen Unterschied, ob es ein kontinuierlicher zunehmender Sturm ist wie bei einem Sturmtief,
oder eine plötzliche Böe "aus dem Nichts".

Eine einzelne Böe ist normalerweise auch nicht so schlimm, wenn mehrere im "richtigen" zeitlichen Abstand folgen und/oder sich verwirbeln, was ja bei plötzlich auftretenden Gewitterfronten normal ist, bringen sie lange Seilstrecken zum Schwingen. Zugseile sind da besonders anfällig dafür weil die nicht unter Last stehenden Anteile nicht so stark gespannt sind und sich aufschaukeln lassen bis es sie eben irgendwann überwirft.
 
Lagorce schrieb:
Recht selten sind hingegen sowas wie Rollsecure (von Roll Transportsysteme Markenname) Knickarmhalterungen, welche nur eine sehr eingeschränkte Längsbewegung der Tragseile erlauben (Tragseilhaltung mittels Klemmplatten, die identisch mit derjenigen der Seilreiter sein können).

Hallo Lagorce

Kurze Frage dazu, wenig zum Thema passend. Rollsecure, sind das diese Knickarmhalterungen die u.a. bei den Glacier-3000-Bahnen im Einsatz sind?
Siehe Foto
 
Im Dopplerwindradar von Memmingen hat sich schon abgezeichnet, dass da schwerer Sturm im Anmarsch war (siehe Farbintensität) in Zusammenhang mit den Gewitterzellen,

https://kachelmannwetter.com/at/regenradar/st-gallen/radar-05grad/20250623-1210z_srcde-vsweep-1km-mem.html

Nun könnte man die bestehenden Gewitterzellen über der Schweiz verlagern (einfache Propagation mit dem Höhenwind) und daraus errechnen, wann sie Dornbirn erreicht,
und das hätte dazu führen müssen, dass früher die Bahn stillgelegt wird und nicht zeitgleich mit dem Eintreffen des Gewitters. Automatisierte Gewitterwarnungen verwenden solche Propagations-Algorithmen,
sodass dann automatisch SMS versendet werden, sobald die Zugbahn abschätzbar ist.

Denn wenn man sich die zugehörige Reflektivität anschaut, dann lief der Outflow dem sichtbaren Niederschlagskern höchstens wenige km voraus.

https://kachelmannwetter.com/at/regenradar/st-gallen/radar-05grad/20250623-1250z_srcde-zsweep-1km-mem.html
 
News von gestern:
https://vorarlberg.orf.at/stories/3310854/

Im nachhinein ists immer leicht zu schreiben. Wie gesagt, ich habe das live miterlebt in Kennelbach. Bin gerade draußen gestanden und meinen Kaffee getrunken, dabei schon gesehen, dass es schwarz wird und die Front herkommt. Dann hat es leicht zu nieseln begonnen und mit einem Schlag war die Böe hier und hat alles durch die Gegend geworfen, dazu noch sintflutartiger Regen. Innerhalb von 5 min war das ganze Spektakel vorbei. In Dornbirn hats auch Dächer abgedeckt usw.

Anscheinend wäre es auch die letzte planmäßige Fahrt der Bahn gewesen...
 
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