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22./23.8.2005 Die Jahrhundertflut in den Alpen - Mein Ischgl"Urlaub" vor 20 Jahren

Die Jahrhundertflut in den Alpen - Mein Ischgl"Urlaub" vor 20 Jahren
22./23.8.2005

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Let It Rain, Let It Rain
Till the sun comes back again
The answer is your only friend
So Let It Rain, Let It Rain
Yes, I know we'll meet again
We will be there until the end
(aus: "Let it rain" von Gotthard)


Prolog
Bereits der Juli 2005 war ein recht nasser im Alpenraum gewesen und auch die erste Augusthälfte war mit markanten Niederschlagsereignissen deutlich zu feucht. Ich bin am 27.8.1982 geborener und sah gerade meinem 23. Geburtstag entgegen. Ich hatte erst wenige Tage zuvor den sehnlichst erhofften Bescheid über einen Studienplatz im Nachrückverfahren von der ZVS (Zentrale Vergabestelle für Studienplätze) erhalten. Im Paznaun hatte ich 1990 Skifahren gelernt und als Kind diverse Familienurlaube dort verbracht. Warum gerade der recht enge Talgrund in Ischgl mir als ein attraktives Ziel für einen Wanderurlaub mit meiner damaligen Freundin erschien, weiß ich heute nicht mehr. Wir waren am Sonntag, 21.8. angereist. Für diejenigen unter uns, die NOCH jünger sind als ich: 2005 bedeutete Fotos im Urlaub machen noch, dass man auch für Standard-Schnappschüsse eine Digicam besitzen und mitschlörren musste. Videos damit aufzunehmen ging schon, aber Auflösung und Qualität waren auch bei Tageslicht nicht sonderlich gut und in der Dämmerung eigentlich zu vergessen.
Ab Dienstag Nachmittag war endlich besseres Wetter angesagt, bis dahin würden wir uns schon ausreichend beschäftigen. Aber der Urlaub endete, bevor er begann. An viele Szenen kann ich mich gut erinnern, der Rest ist aus der Chronologie meiner Aufnahmen rekonstruiert.

22.8.2005 - Die Flut kommt
Die Wetterberichte wiesen bereits auf ergiebige Regenfälle hin. Mobiles Internet war noch nicht etabliert und Datennutzung im Ausland schon gar nicht. Tech-Nerds hatten höchstens ihren Laptop dabei und hofften auf WLAN. Praktisch gesehen war man meistens aber einfach offline und hörte gelegentlich mal Radio für einen aktualisierten Wetterbericht. So wussten wir, dass es bis Dienstag Mittag noch durchzuhalten gäbe und wir dann endlich zu ein paar Touren aufbrechen könnten, doch es sollte anders kommen.


Unsere Unterkunft befand sich im kleinen Weiler Kichali fußläufig vom Ischgler Zentrum auf der anderen Seite des Flüsschens Trisana nahe der Mündung des Fimbabachs.


Der Tag war so ungemütlich, dass wir nur ein bisschen durch den Ort spaziert und Mittags während einer Regenpause mit dem Auto zum Koopsstausee hochgefahren sind. Das Foto ist von 12:54 Uhr.

niederschlag-kappl.jpg

Stündliche Niederschlagssummen der Wetterstation Kappl-Oberhaus des Hydrographischen Dienst des Landes Tirol. Mit jedem Kilometer weiter westlich sind die Mengen noch größer gewesen. Als der Regen am Mittag langsam wieder einsetzt um bis in die Nacht hinein an Stärke stetig zuzunehmen, wird er bis zum nächsten Morgen nicht mehr aufhören und ein Jahrhundertereignis auslösen. Vorangegangen war bereits im Juli im Rahmen eines Vb-Tiefs eine markante Hochwasserlage in Teilen der Alpen. Die Böden waren bis in den August hinein vollständig gesättigt.


Das vom Balkan Richtung Polen ziehende Tiefdruck-Gebiet (keine ganz klassische, aber eine Vb-artige Wetterlage) führte von der Adria östlich um die Alpen herum feuchte Luft mediteranen Ursprungs in einem Bogen von Deutschland aus gegen die Alpen und drückt so am 22.8. ein langes Band von Starkniederschlägen von Norden gegen das Allgäu, Tirol, Vorarlberg, und Teile der Ost-Schweiz. Von all dem wissen wir zu dem Zeitpunkt allerdings nichts, wir sehen nur, dass es immer stärker regnet.

18:41 Uhr

Ich fotografiere die Trisana vom Balkon unserer Ferienwohnung. Von einem kleinen plätschernden Sommerbach ist sie ein trübe rauschendes Flüsschen geworden.

19:36Uhr

Innerhalb einer Stunde hat sich nicht mehr viel getan am Wasserstand. Im Rückblick spannend, dass ich zu einer Zeit, wo die Kapazität von Speicherkarten noch in MB angegeben wurde, weil ein GB oder gar mehrere noch technische Utopie waren, mehrfach die Trisana fotografiert habe. Als ob ich es schon geahnt hätte.

Wir entschließen uns, raus zum Abendessen nach Mathon zu fahren und kehren in der Walserstube ein. Ich erinnere mich noch sehr genau, wie ich beim Bezahlen die Kellnerin frage, ob hier Hochwasser im Tal eigentlich ein Thema sei. Sie winkt ab "Ah, die isch noch nie überkchimme!" Im Forum anwesende Tiroler mögen mich gerne in meiner Dialekt-Immitation korrigieren.

21:44Uhr

Wir sind vom Essen zurück im Apartment. Um in der Dunkelheit überhaupt irgendetwas mit den damaligen technischen Möglichkeiten ablichten zu können, knipse ich dieses Mal flussaufwärts den Fimbabach.
Wir öffnen eine Flasche Rotwein. Irgendwann klopft es an der Wohnungstür. Unsere Vermieterin hat vom Nachbarn der bei der Freiwilligen Feuerwehr ist eine Warnung bekommen, um absolut sicher zu gehen, doch vielleicht die Autos ein Stückchen umzuparken. Mit Blick auf das junge Pärchen in trauter Zweisamkeit nimmt sie lachend meinen Autoschlüssel mit. Wir sollen doch mal lieber schön auf dem Sofa bleiben, sie macht das schon.

In der nächsten Stunde ist die Stimmung im Weiler irgendwann umgeschlagen. Draußen auf der kleinen Straße sammeln sich Leute, der Hotelier von gegenüber beginnt die Zufahrt zu seiner Tiefgarage zu verbarrikadieren. Man will sich gegen das kleine Regenwasser-Rinnsaal auf der Straße absichern.

23:20 Uhr

Als ich das erste Mal nach unten gehe, entsteht gerade nur für alle Fälle gegen das Regenwasser ein improvisierter Schutz im Haupteingang, der am unteren Ende des Bintawegs liegt.

23:22 Uhr

Der einen Meter tiefer gelegene St.Antonisweg auf der anderen Seite der Häuser, also der dem Flussbett abgewandten Seite ist selbst zu einem kleinen Fluss geworden. Jetzt ist klar, dass die Trisana oberhalb über die Ufer gegangen sein muss und den Weiler umspült. Jetzt geht es auf jeden Fall alles ganz schnell. Ein kleines Rinnsaal schlammig braunen Wassers kommt nun auch den Bintaweg zwischen den Häusern hinab geflossen.

23:25 Uhr

Ein Anhänger steht Bintaweg Ecke St-Antoniusweg mit den Reifen wenige Zentimeter im Wasser.

23:26 Uhr

Der improvisierte Schutz in der Einfahrt der Tiefgarage des Hotels Castel.

23:26 Uhr

Gerade noch denkt man, das müsste jetzt eigentlich der Höhepunkt sein und man muss halt schauen, dass die Barrikaden so lange möglichst dicht bleiben. Unsere Vermieter sind gerade dabei, mit allem was geeignet erscheint, den Damm in ihrer Eingangstür zu verbessern.

23:28 Uhr

Das Wasser ist in nur drei Minuten so schnell gestiegen, dass der Anhänger sich nicht mehr hält und fortgespült wird.

23:32 Uhr

Der Bintaweg liegt im Moment noch den entscheidenden Meter höher, so dass das Wasser hier noch Gummistiefel-Tiefe hat und sich gut mit einfachen Mitteln abhalten lässt.

0:09 Uhr

Ich fotografiere noch einmal hinter das Haus auf die Trisana. In der letzten halb Stunde ist das Wasser nicht mehr merklich gestiegen, der Scheitel scheint erreicht.

0:14 Uhr

Selbst die einfachsten Dämme tun ihren Dienst.

0:16 Uhr

Ich gehe nochmal ums Haus, auch der zwar dramatisch rauschende Fimba-Bach scheint sich in der letzten halben Stunde nicht mehr verändert zu haben.

0:41 Uhr

Dachten vor zwanzig Minuten noch alle, es sei im großen und ganzen ausgestanden, brechen nun wörtlich wie sprichwörtlich alle Dämme. Der Wasserstand macht binnen Minuten riesige Sprünge, die Tiefgaragen beginnen vollzulaufen, der Bintaweg wird zu einem immer reißenderen Strom und die Menschen haben sich in ihre Häuser geflüchtet. Man hört nichts mehr außer dem immer stärker werdenden Getöse der Wassermassen.

Ich weiß noch, dass wir zu dritt - der Vermieter, sein Bruder und ich - auf einem Berg aus allerlei Zeug hockend, versuchen, den Eingangsbereich irgendwie gegen die Wassermassen zu halten, während die Frauen noch hastig ein paar Dinge aus der Erdgeschosswohnung tragen. Ich erinnere mich noch an eine ausgehängte und quer vor den Haupteingang gelegte Tür. Doch irgendwann ist klar, die Schlacht ist verloren, das Haus wir vollaufen. Wir schließen die gläserne Tür des Windfangs im Eingangsbereich und alle bringen sich in die erste Etage in Sicherheit.

1:13 Uhr

Ich gehe als letzter die Treppe hinauf, drehe mich noch einmal um und drücke auf den Auslöser. Es ist keine optische Täuschung. Das Wasser steht im Windfang bereits einen Meter hoch und quillt durch alle Ritzen. Erstaunlich, dass das Glas hält. Offenbar noch solide tiroler Wertarbeit.


Das letzte Foto - der Versuch die Erdgeschosswohnung zu schützen war gut gemeint. Irgendwann brechen die Türen und das Wasser steigt und steigt.

Wir und die Vermieter-Familie sind die einzigen im Haus. Wir verbringen die Nacht in der 2. Etage, das Wasser erreicht im Treppenhaus nur um zwei Hand breit nicht das 1. Stockwerk. Die Geräuschkulisse ist unbeschreiblich und man hat das Gefühl, das ganze Gemäuer vibriert in der Frequenz des dumpfen Getöses des Wassers. Der Strom ist längst ausgefallen, es ist dunkel und draußen peitscht der Regen. An eine Flucht irgendwomit irgendwohin ist natürlich nicht zu denken. Möge dieses Haus halten. Die nächsten Stunden bringen ein paar fahrige unruhige Stunden aus Schlafen und Wachliegen.


In der ersten Morgendämmerung offenbaren sich langsam die Dimensionen dessen, was hier heute Nacht passiert ist. Die ersten Hubschrauber sind in der Luft und verschaffen sich einen Überblick über die aus den Häusern zu rettenden Menschen.


Das muss so gegen 6:30 Uhr sein bei etwas mehr Helligkeit.

6:26 Uhr

Der St.Antoniusweg und das Hotel Castel.

6:26 Uhr

St.Antoniusweg und die kleine Kapelle. Erstaunlich, dass der Transporter sich gehalten hat.

6:27 Uhr

Das Wasser hatte es beinahe bis in die 1. Etage geschafft. Gesunken ist es bis jetzt kaum.


Der Rettungshubschrauber des ÖAMTC unternimmt einen Versuch zum Direktanflug auf den Dachbalkon zur direkten Personenaufnahme über die Kufe, der Dachüberstand ist aber zu groß.


Ein Hubschrauber der Bergrettung übernimmt und bereitet die Rettung per Tau vor.


Als erstes werden die Kinder ausgeflogen. Wir werden nicht in den Hubschrauber hinaufgezogen sondern am Tau gemeinsam mit dem Flugretter in die Höhe und dann an einem größeren Platz im Dorf abgesetzt und gesammelt.


Im Hotel Salnerhof, welches einem anderen Mitglied der Familie unseres Vermieters gehört, werden wir freundlich aufgenommen. Nach der ersten warmen Dusche und einem Blick vom Balkon Richtung Trisana denke ich da noch, dass dieses Hochwasser auf tragische Weise ein paar besonders nah am Fluss gebaute Häuser hier im Ort betroffen hat.
Die nächsten Stunden am Radio und meine ersten kleinen Erkundungsgänge bringen dann die Gewissheit, dass der Begriff "Jahrhundertereignis" hier womöglich keine Übertreibung sein sollte.
Und auch wenn wir aus der Gefahr gerettet sind, hat unser kleines Abenteuer erst angefangen.

Es wird Tage dauern, bis wir das Tal überhaupt verlassen können. Die Schäden, die wir und andere in der Folge dokumentieren, übertreffen unsere Vorstellungskraft als junge Bergtouristen.

To be continued...
 
Wahnsinn. Habe letztens einen Artikel über die Spätfolgen des Ahrtal Hochwassers gelesen und da stand auch viel von der Geräuschkulisse, die einige der Betroffenen noch heute verfolgt...
 
23.8.2005 - Dokumentation des Ausmaßes in Ischgl


Die Talstraße am Ortsausgang talauswärts vor der ersten Lawinengalerie ist durch eine Mure verschüttet.


Der große Tagesparkplatz der Silvrettabahn ist ein Delta.


Weiler Paznaun am oberen Ende des Dorfs




Die überspülte Brücke




Durch die Unterführung vollgelaufener Bauhof und alte Kegelbahn









Überspülte Brücke zum Weiler Brand. Rechts im Bild steht heute die neue Therme.


Selbe Brücke.


Zerstörtes Bett des Madleinbach.


Weiler Kichali. Das eigentliche Flussbett ist am rechten Bildrand und geht dann rechts der Häuser entlang. Dort, wo jetzt die großen Wassermassen nach links zwischen den Häuser abbiegen, verläuft der St.Antoniusweg mit der oberen Abzweigung des Bintaweg.


Hier ist eigentlich kein Flussbett sondern der St. Antoniusweg.


Selbe Perspektive etwas weiter weg mit der Aufspaltung in das natürliche Bett der Trisana rechts und dem überspülten St.Antoniusweg links.


Überflutetes Hotel Fatlar.


Pension Bernina


Bernina und dahinter Apart Bianca.




Brücke über den Fimbabach.




Mure auf der Bundesstraße.


Die Aufräumarbeiten beginnen, bevor die Katastrophe richtig vorbei ist.


Freundlicher Hinweis. Mutet beinahe schone Deutsch an das Schild. Ich bin unterwegs den Bödalaweg hinauf.




Bis zu der Stelle, wo die Mure quert.


Fimbabach an der alten 4er-EUB.


Alte Fimbabahn (die wiederum die recycelte 1. Sektion der alten 6er Silvretta-EUB war)




Der Rechen am Ausgang des Fimbatals ist voller Geschiebe


Und das Wasser hat sich seinen Weg rechts durch den Hang davon geknabbert.




Im Laufe des Tages haben die Behörden das Gebiet überflogen und Luftbilder veröffentlicht. Die Fotos sind PublicDomain.


Galtür


Galtür



Galtür - Weiler Tschafein.


Galtür - Weiler Wirl


Mathon


Mathon - der Ort blieb verschont, er liegt deutlich oberhalb des Talgrunds.


Wildpark Mathon


Ischgl mit dem Weiler Kichali als Insel


Ischgl


Kappl - Diasbach mit abgegangener Mure.


Kappl - Weiler Ulmich


Kappl - Weiler Lochau mit der damals neuen Mittelschule Paznaun


Kappl - Mure des Diasbach und verschüttete Bundesstraße. Im Hintergrund erkennt man bei genauerem Hinsehen die Talstation der 4EUB Diasbahn.


Mure Kappl Weiler Sinsen mit zur Hälfte weggerissenem Haus (links hinter der Tanne)


Kappl - Weiler Nederle mit gekipptem Haus.


Langstreckig weggerissene Bundesstraße und teils unterspülte und eingebrochener Lawinentunnel.


See


Weggerissene Volksschule Sinsen


Kraftwerk Wiesberg am Zusammenfluss von Trisana und Rosana am Taleingang.


To be continued...
 
Wahnsinn!
Ich habe das gar nicht so in Erinnerung, dass es 2005 so arg war.

Danke für diesen aufwühlenden Bericht!
 
TONI_B schrieb:
Wahnsinn!
Ich habe das gar nicht so in Erinnerung, dass es 2005 so arg war.

Danke für diesen aufwühlenden Bericht!

Hat halt von Tirol nur alles westlich von Landeck getroffen. Innsbruck war hauchdünn vor einer Katastrophe durch den Inn, Vorarlberg, Allgäu und Teile der Westschweiz sind reihenweise allzeit-Rekorde gefallen. Hab ich alles noch Material zu, kommt hier Stück für Stück hinterher. Aber erstmal muss die kleine Geschichte bis zur erfolgreichen Heimkehr ja noch zu Ende erzählt werden. ;-)
 
bastian-m schrieb:
TONI_B schrieb:
Wahnsinn!
Ich habe das gar nicht so in Erinnerung, dass es 2005 so arg war.

Danke für diesen aufwühlenden Bericht!

Hat halt von Tirol nur alles westlich von Landeck getroffen. Innsbruck war hauchdünn vor einer Katastrophe durch den Inn, Vorarlberg, Allgäu und Teile der Westschweiz sind reihenweise allzeit-Rekorde gefallen. Hab ich alles noch Material zu, kommt hier Stück für Stück hinterher. Aber erstmal muss die kleine Geschichte bis zur erfolgreichen Heimkehr ja noch zu Ende erzählt werden. ;-)
da muss ich aber meinen aktuellen Wohnort Wörgl doch erwähnen! Aufgrund von Dammbrüchen gab es einige schwere Überflutungen (z.B. das Wave Schwimmbad und viele Häuser). Ein paar Bilder hier am Ende: https://vero-online.info/hochwasser-2005-betroffene-fordern-endlich-massnahmen/
 
bastian-m schrieb:
TONI_B schrieb:
Wahnsinn!
Ich habe das gar nicht so in Erinnerung, dass es 2005 so arg war.

Danke für diesen aufwühlenden Bericht!

Hat halt von Tirol nur alles westlich von Landeck getroffen. Innsbruck war hauchdünn vor einer Katastrophe durch den Inn, Vorarlberg, Allgäu und Teile der Westschweiz sind reihenweise allzeit-Rekorde gefallen. Hab ich alles noch Material zu, kommt hier Stück für Stück hinterher. Aber erstmal muss die kleine Geschichte bis zur erfolgreichen Heimkehr ja noch zu Ende erzählt werden. ;-)


Hierzu auch ein aktueller Artikel zum Allgäu: https://www.allgaeuer-zeitung.de/immenstadt/20-jahre-nach-der-flutkatastrophe-erinnerungen-und-dramatische-berichte-zum-hochwasser-am-22-august-2005-110633498

Und ein Bild: https://www.br.de/nachricht/hochwasser-2005-kempten-100~_v-img__16__9__xl_-d31c35f8186ebeb80b0cd843a7c267a0e0c81647.jpg?version=81b17

Ich Erinnere mich auch noch an viele Geschichten von meinem Vater welcher damals mit der Wasserwacht im Dauereinsatz war und sie einfach mit Motorbooten über Felder fahren konnten, nach dem Bekannten Dammbruch bei Fischen im Allgäu
 
Danke für den Reminder mit den heftigen Bildern aus dem Paznauntal.

Kann mich noch dunkel an das Hochwasser erinnern und dass es hier bei uns in der Region das KWT schwer erwischt hat (war durch einen Murenabgang von der Außenwelt abgeschnitten und Riezlern hatte keinen Strom) und die Breitachklamm bei Oberstdorf hatte es nahezu vollständig zerstört. Die schwimmenden Wohnwägen bei Sonthofen waren damals in der Zeitung, den Campingplatz hatte es meine ich auch schon beim Pfingsthochwasser 99 schwer erwischt als auch in Sibratsgfäll das halbe Dorf "abrutschte". Bei uns im Dorf selbst kamen wir bis auf eine unterspülte Brücke recht glimpflich davon. Im Tannheimertal gab es einige kleinere Muren an den Hängen, eine waren sogar bis vor wenigen Jahren noch zu sehen.

Viele Grüße
 
24.8.2005 - Der Tag danach

In jenen Tagen nach der Katastrophe liefen manche Dinge langsamer ab. Seit der Flut war der Mobilfunk und für eine Weile auch das Festnetz ausgefallen. Mittlerweile war allen im Dorf klar, welche Ausmaße die Katastrophe hatte. Es ging nicht mehr nur um ein paar nahe am Wasser gebaute Häuser in denen das Erdgeschoss nass geworden war. In Kappl hatten Häuser teils nicht mehr stand gehalten und sage und schreibe 30% der Paznauntalstraße (also von Galtür bis Wiesberg) waren zerstört und die meisten Brücken weggerissen. Die meisten Dörfer und Weiler waren nun auch untereinander nicht mehr erreichbar. Die tiroler Täler haben aus den Wintermonaten alle ja so ihre Erfahrungen mit dem Zustand, von der Außenwelt abgeschnitten zu sein. Der Lawinenwinter 1999 (mit der Galtür-Lawine im Februar) ist zu dem Zeitpunkt noch gar nicht so lange her und auch ohne Katastrophe war eine tageweise Sperrung ja keine Seltenheit. Entsprechend gab es zumindest was die Funkkommunikation, den Aufbau von Luftbrücken und Versorgungsimprovisation der Gäste anging, Übung und Erfahrung.

Für uns war das damals so eine Sache - wir waren ja nur mit dem aus dem Haus ausgeflogen worden, was wir gerade am Körper hatten. Heutzutage würde ich um ehrlich zu sein halt mit den Schultern zucken, ein offenes Geschäft suchen und versuchen, nicht all zu sehr abgezockt zu werden und das nötigste besorgen. Damals wurschtelte ich mich gerade durch das finanzielle Vakuum zwischen Ende meines Freiwilligen Sozialen Jahres und dem Beginn des Studiums im Oktober. Ein einfacher Wanderurlaub in Österreich (Anreise aus dem Ruhrgebiet damals stilecht in meinem roten Opel Corsa B, 1l/3Zylinder/55PS) bedeutete eh schon ein Ausschöpfen der ohnehin nicht vorhandenen finanziellen Reserven. Den Vortag hatten wir zuerst in den Klamotten der Nacht und dann nur im Bademantel auf dem Hotelzimmer verbracht, während eben jener einzige Satz Kleidung nach einer groben Handwäsche auf dem Ofen trocknete - immerhin schnelltrocknende Funktionssachen. Man hatte uns ja wie schon erwähnt in ein 4S+-Hotel übergesiedelt, also ein Ort, der damals quasi mein persönliches Anti-Habitat darstellte. Das wir zwei die "Ausgeflogenen" waren, brauchte sich gar nicht erst groß herumsprechen. Wir waren beim ersten 4*-5-Gänge-Abendessen bereits ausreichend aufgefallen ... in unseren Outdoor-Klamotten ... auf Socken weil wir die Bergschuhe dann doch nicht im Haus anziehen wollten.
Es gab also durchaus einen gewissen Ansporn, mich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie weit das Wasser denn schon zurückgegangen ist und ob die alte Unterkunft irgendwie zu erreichen sein könnte und so ging ich auf Erkundungstour.


Die Trisanna führt nach wie vor überdurchschnittliche Wassermengen, aber absolut kein Vergleich mehr zum Vortag. Der Weiler Kichali mit unserer eigentlichen Unterkunft ist nach wie vor eine Insel. Durch das natürliche Flussbett auf der rechten Seite fließt kaum noch Wasser. Das meiste fließt links über den nun wohl eher ehemalige St.Antoniusweg.


Über das Rest-Wasser im ursprünglichen Flussbett hat jemand bereits eine Planke gelegt. Ich beschließe, hinüberzugehen.


Die Verwüstung ist grauenhaft. Man macht sich das wahrscheinlich vorher gar nicht klar - ich zumindest nicht - was es bedeutet, wenn ein Gebirgsfluss Hochwasser führt. Die Mengen an mitgeführtem und abgeladenem Geröll und Schlamm sind gigantisch. Ein Teil der Häuser ist bis zum 1. Stockwerk eingegraben.


Ich stehe Ebenerdig zum 1. Stockwerk auf dem Schutt.


Der Bintaweg. Die Erdgeschösser der Häuser sind größtenteils verschüttet.


Der St.Antoniusweg bzw. jetzt das temporäre neue Flussbett der Trisanna.


Casa Ovetta und AlpinApart.


Hotel Castel.


Man beachte die Wasserstandlinie.




Auf Knien krieche ich durch den Haupteingang.


Und weiter durch den Eingangsbereich


Bis zum Treppenhaus.


Der Blick von unserem Balkon auf die Zufahrt zur Tiefgarage des Hotel Castel. Man sieht in den beiden Flut-Videos vom frühen Morgen vor unserer Bergung genau jene Perspektive.


Ohne Worte.


Mit meinem Rucksack voller Klamotten (wahrscheinlich 30% meine, 70% ihre - schon damals hatte ich einen gewissen Überlebensinstinkt in zwischenmenschlichen Fragen) krieche ich zurück.


In diesen Tagen sind Existenzen versunken.


Und Autos.


Die Brücke hatte ein wenig zu früh ein heldenhafter Baggerfahrer versucht, von den davor aufgestauten Trümmern zu befreien, war mit seinem Kettenfahrzeug ins Wasser gerutscht und musste dann selbst vom Hubschrauber wieder eingesammelt werden.
Karl Jehle hatte den Moment festgehalten: https://youtu.be/Jn8xqMuiWsE?t=298


Man hat sich dann zum temporären kompletten Trockenlegen des eigentlichen Trisanna-Bettes entschieden, um es neu anzulegen und ausbaggern zu können.




Mittlerweile wird durch den Pendelflugverkehr des Bundesheeres immer mehr Mensch und Material eingeflogen. Soweit ich mich erinnere, kamen am 24. bereits zahlreiche auswärtige freiwillige Feuerwehren und später dann auch Soldaten. Die Telekom Austria flog einen Container mit Mobilfunkbasisstation und Sat-Antenne ein, so dass zumindest Sprachverbindungen und SMS bald wieder möglich waren.


Dieser Aushang hat dann den restlichen Verlauf bis zu unserer Abreise massiv geprägt. Wir haben den Zettel nachmittags am Sumpermarkt entdeckt und sind auf dem Rückweg direkt bei der freiwilligen Feuerwehr vorbeigegangen. Da merkte man, dass Ischgl nicht gerade ein Bergsteigerdorf ist und anderes Klientel anzieht, denn selbstverständlich beteiligte sich jeder Einheimische irgendwo irgendwie bei den anlaufenden Hilfsmaßnahmen, Touristen hatten sich beider Feuerwehr bisher aber nur ganz vereinzelt gemeldet. Man fand noch zwei halbwegs für uns passende Gummihosen und Stiefel und bat uns, am nächsten Morgen wieder her zu kommen, wir würden dann einem Trupp zugeteilt. Das war damals das erste Mal, das ich in einem dieser Touristenorte hinter die Kulissen dieses Disneylands geschaut habe und meine Rolle als 0-8-15-Tourist verlassen und nie wieder so ganz eingenommen habe.
Zurück im Hotel habe ich dann all meinen Mut zusammengenommen und den Hotelier angesprochen, dass meine Eltern wenn ich wieder zu Hause bin, mich bestimmt unterstützen werden, ich so aus dem Stehgreif aber eine solche Unterkunft nicht zahlen kann. Er legt mir seine Hand auf die Schulter und bedeutet mir, lieber das Essen zu genießen als mir Sorgen zu machen.
Ich erinnere mich auch noch dunkel, dass wir uns vom ersten Abend an mit einer der Kellnerinnen in unserem Alter angefreundet hatten. Irgendwie gab es da im nächsten Winter auch noch ein Wiedersehen, aber dann hat sich der Kontakt glaube ich schnell verloren gehabt, ich weiß es tatsächlich nicht mehr so richtig. Sind halt auch einfach 20 Jahre her. So sehr ich manchmal die sozialen Netzwerke kritisiere, hätten damit vielleicht solche losen Kontakte irgendwie eher überdauert.
Beim Essen erfahren wir dann noch, dass die Gemeindeverwaltung noch nicht sagen kann, ab wann eine Ausreise möglich sein wird. Durch einen schweren Schaden an der Brücke bei der Gfäll-Galerie direkt am Taleingang sei aber schonmal sicher, dass es wenn irgendwann nur über die Silvretta Hochalpenstraße ins Montafon hinaus gehen wird. Mein Auto hatte ich den Tag über bereits gesichtet - aber nur aus der Ferne. Es stand zwar sicher auf der anderen Flussseite den Brandweg hinauf geparkt, aber von da würde es dank fehlender Brücken auch in den nächsten Tagen sicher nicht wegzubewegen sein.

To be continued...
 
kaldini schrieb:
da muss ich aber meinen aktuellen Wohnort Wörgl doch erwähnen! Aufgrund von Dammbrüchen gab es einige schwere Überflutungen (z.B. das Wave Schwimmbad und viele Häuser). Ein paar Bilder hier am Ende: https://vero-online.info/hochwasser-2005-betroffene-fordern-endlich-massnahmen/
Da hast du vollkommen Recht. Ich meinte, hab es aber so nicht geschrieben, das die schweren Niederschläge überwiegend westlich von Landeck an niedergegangen sind. Der Inn hat in seinem gesamten Verlauf nachfolgend bis zur deutschen Grenze Schäden angerichtet. Da sind einige Allzeit-Pegelrekorde gefallen. Innsbruck ist nur um Haaresbreite der Katastrophe entgangen.
 
25.8.2005 - Bis aufs Blut


Morgens an der Feuerwehrhalle. Skeptisch beäugt aber dennoch willkommen geheißen.


Wir wurden dann passenderweise dem Trupp zugeteilt, der den Weiler Kichali wieder ausbuddeln sollte.


Viele Gebäude waren im Erdgeschoss ja fast vollständig mit Schlamm ausgefüllt. Hier lässt sich mit schwerem Gerät kaum etwas ausrichten. Einen Großteil des Tages sind wir einfach nur damit beschäftigt, immer und immer wieder unsere Schubkarren mit einem Spaten vollzuschaufeln und nach draußen zu fahren.




Die Erfahrenen wussten zu berichten, dass mit jedem Tag diese Masser härter und schwerer wegzuschaufeln wird.




Da kommt positiv zum Tragen, dass in den tiroler Tälern im Sommer ja allenthalben sehr rege Bautätigkeit herrscht. Es standen jetzt akut ja nur die Bagger zur Verfügung, die gerade im Ort eigentlich anderweitig eingesetzt waren. Von außen ließ sich noch kein Großgerät hineinfahren. Man hatte am Vormittag begonnen, das eigentliche Flussbett wieder freizubaggern.






Eine 20 Jahre jüngere Ausgabe meinerselbst. Was aus meiner damaligen Freundin geworden ist, weiß ich nicht. Die Spuren haben sich wenige Monate nach dem Urlaub wieder verloren.






Die Dame hatte aber irgendwann eine für die Hände wesentlich schonendere Tätigkeit gefunden.


Dieses Aufgabenspektrum war weniger ihr Ding. Sie blieb im Radlader.






Am Nachmittag hatte man das alte Bachbett dann provisorisch wieder hergestellt und begann damit, die Trisanna wieder dorthin umzuleiten und den St.Antonius-Weg trockenzulegen.


Oder was davon noch übrig geblieben war.


Denn eigentlich war das hier mal eine Straße.






Die Baumstämme werden mit einer Seilwinde über die Trisana gezogen und bilden ab dem Abend die erste provisorische Brücke vom Dorf zum Weiler Kichali.










Es bleibt noch viel Arbeit übrig, aber irgendwann zum Abend hin ist dann erstmal Schluss. Nicht auszudenken, was da in den Häusern mit Keller oder Tiefgarage noch alles wartet.


Hier sah es heute morgen noch ganz anders aus.


Über die pünktlich zum Feierabend fertig gewordene Behelfsbrücke geht es zurück.

Wir sitzen zwar geduscht und in sauberen Klamotten, aber mit blutigen Händen und müden Augen beim Abendessen im Hotel. Die uns gebrachten Portionen waren ungefragt doppelt so groß wie der Rest.

Es geht das Gerücht um, dass morgen eventuell für ein paar Stunden mit einer geführten Kolonne die Ausfahrt über die Silvretta-Hochalpenstraße möglich ist. Zumindest für Leute mit eigenem Auto.

To be continued...
 
Lieber Basti,

vielen Dank für das Mitnehmen in diese schier unglaubliche Stunden im Paznauntal.
Anhand deiner Bilder und v.a. auch durch deine Worte lässt sich etwas erahnen, wie es euch damals ging.
Eigentlich ist es ja schon erstaunlich, mit welchen Katastrophen dieses Tal schon zu kämpfen hatte: Galtür 1999, Hochwasser 2005, Corona 2020.
Und immer wieder ist es auferstanden und stärker geworden als je zuvor.

Ich denke, wir können die Mentalität der Paznauner als Auswertige nur wenig verstehen. Diese Bilder helfen dabei!

VIELEN DANK!
 
Auch von mir vielen Dank für den eindrucksvollen Bericht. So etwas ist unvorstellbar wenn man nur "normale" Hochwasser kennt.

Im April 2006, also nur 8 Monate später, war ich in Mathon. Dort war man ja nicht direkt betroffen, aber auch sonst war nicht mehr viel von den Schäden zu sehen. Oberhalb von Kappl war ein Stück der Strasse noch provisorisch geschottert, breit genug für Begegnungsverkehr. Die Häuser sahen zumindest von aussen wieder so aus wie immer.
 
Ich finde es immer bemerkenswert wie geländegängig diese großen Bagger sind.
Bei der Mure die diesen Sommer in Niedernsill abgegangen ist, bin ich minutenlang gestanden und habe gerätselt wie dieser Riesenbagger der gerade dabei war die Schäden zu beseitigen, mittendrin reingekommen ist und vor allem war ich mir sicher, dass der nie wieder rauskommt aus dem Bachbett. 5 Tage später war fast alles wie neu und der Bagger hatte sich offensichtlich seine eigene Ausfahrt aus dem Bachbett geschaufelt.

Auch von mir vielen Dank, das hier gehört für mich zu den besten Berichten im Forum.
 
Wirklich ein interessanter Bericht, gerade wenn man die Region selbst gut kennt. Vielen Dank dafür.
Wirklich Wahnsinn wie das damals aussah.

Ich war auch im darauf folgenden Winter in Ischgl. Als damals Jugendlicher weiß ich nicht mehr jedes Detail, aber ich kann mich erinnern dass wir bei der Buchung unserer Vermieterin kein Fax (ja sowas benutzte man zu der Zeit so selbstverständlich wie heute Email) schicken konnten, weil das Gerät im Hochwasser drauf ging.
Und bei der Anreise kann ich mich bruchstückhaft erinnern das relativ weit unten im Tal eine Straße relativ provisorisch war. Irgendwie in einem engen Tobel aus einem Tunnel raus, über ne Brücke in einen gegenüber liegenden Tunnel rein. Zumindest hab ich es so in Erinnerung.
Im Ort selbst merkte man im Winter aber in der Tat nichts mehr davon.
 
A long way home
26. & 27.8..2005

26.8.2005

Die Offiziellen haben seinerzeit mit regelmäßigen Aushängen an markanten Stellen im Dorf (an die Supermärkte erinnere ich mich z.B. noch - damals gab es noch den Spar-Markt recht zentral in Dorfmitte gegenüber der Feuerwehr) den Stand der Dinge kommuniziert. Am 26.8. sollte von Ischgl aus laut Aushang am Vorabend dann die Ausreise über die Silvretta Hochalpenstraße, teils über behelfsmäßige Forstwege, Schotterpisten usw. in einer geführten Kolonne über die Silvretta-Hochalpenstraße möglich sein. Ich kann es nicht mehr sicher rekonstruieren, aber ich meine, dass bereits am 25. darauf verwiesen wurde, dass die Organisation für Gäste, die jetzt keinen PKW mehr besaßen oder keinen Zugriff mehr darauf hatten, mehr Zeit in Anspruch nehmen würde.


Bereits am frühen Vormittag hatte sich eine lange Kolonne im Ort formiert. Wann genau diese hinausgeführt werden sollte, war unklar. Wer 100%ig sicher sein wollte, nicht zurückbleiben zu müssen, verbrachte ein paar Stunden an oder in seinem Auto. Wann gestartet wurde weiß ich nicht mehr, aber als irgendwann offiziell verkündet wurde, dass frühestens für den Folgetag ein Bus für die PKW-losen zur Verfügung steht, sind wir wieder losgezogen und haben nochmal zwei Stunden beim Schaufeln unterstützt.


Bemerkenswert, was die in 24h schon alles weggeschaufelt haben.


Auch die ersten Forststraßen waren provisorisch rekonstruiert.


Auch die Häuser waren innerhalb von 24h bereits vom gröbsten Schutt befreit.


Anders die Situation im unteren Weiler Kichali, hier sind noch deutlich größere Mengen zu bewegen.


Und auch von diesen Brücken gab es bereits mehrere.




Provisorisch wieder hergestelltes Flussbett in seinem natürlichen Verlauf.


Das Bundesheer hatte mittlerweile Soldaten eingeflogen zur Unterstützung bei den Aufräumarbeiten.

Später beim Abendessen kam der Hotelier dann mit offiziellen Informationen von der Gemeinde zu uns an den Tisch. Am morgigen Tag steht ein Bus bereit, mit dem die Gäste über die Silvretta Hochalpenstraße durch das Montafon bis nach Feldkirch zum Bahnhof gebracht werden. Damit tritt für mich zum ersten Mal diese Vorarlberger Stadt in mein Leben, die später über Jahre immer wieder eine Rolle spielen wird. Und damit heißt es dann wohl morgen Abschied zu nehmen aus dieser Situation zwischen Spielfilm und Alb(p)traum. Wir genießen ein letztes Mal die 4*+-Küche. Ich bin etwas aufgeregt, als ich anschließend, ausgestattet mit meinem finanziellen Vakuum, an die Rezeption trete und um die Abrechnung unserer Unterbringung bitte. Es wir eine Rechnung ausgedruckt. Darauf stehen ein paar Getränke von den Abendessen. Mehr nicht.

Am Abend stellt das Kuratorium für Alpine Sicherheit des Landes Tirol neue Luftbilder zur Verfügung, die am Tag gemacht wurden.


Galtür


Galtür


Weiler Höferau


Ischgl


Ischgl


Ischgl


Ischgl


Ischgl


Kappl


Kappl


See


See


See


Weiler Sesslebene


Weiler Sinserau




Weiler Waldhof


Wiesberg


Wiesberg. Möge sich jeder, wenn er das nächste Mal ins Paznaun einfährt, an der Stelle jenes Foto vor Augen führen, während er genau über dieses Stück Straße fährt und sich vorstellen, was das an dieser Stelle geheißen haben muss, welche unvorstellbaren Wassermassen hier nach dem Zusammenfluss aus dem Stanzer- und Paznauntal gewütet haben müssen.



27.8.2005
Wer sich an den Prolog aus dem Eingansposting erinnert, bemerkt vielleicht meinen dort erwähnten Geburtstag am 27.8.1982 und so ist es mein 23. Geburtstag, als wir morgens in einen Reisebus steigen, der über teils sehr holperige Behelfsstraßen Richtung Galtür startet. Talauswärts wäre zu diesem Zeitpunkt noch undenkbar gewesen. Schaut man sich die geposteten Luftbilder an, werden mit jedem Kilometer flussabwärts die Schäden an der Infrastruktur größer.


Ich erinnere mich noch an zugezogenes Wetter, an ein paar holperige Schotterwege und einen Halt an der Staumauer des Silvrettasees im Nebel. Keine Ahnung mehr, warum der Bus da gehalten hat.


Auf der Rampe hinab zum Vermuntsee reißt die Wolkendecke dann auf.


Entlang der Straße sieht man viele kleinere und größere Abrinnspuren von Muren.


Es sieht aus wie ein ganz normaler sonniger Spätsommermorgen.


Ich weiß nicht, ob die Speicherkarte voll war oder ich leer. Jedenfalls ist das das letzte Foto. Dort hinten am Horizont kommt das hintere Montafon in Sicht. Über dich Durchfahrt kann ich mich überhaupt nicht mehr erinnern. Wahrscheinlich waren die offensichtlichen Schäden entlang der Straße nicht so ausgeprägt wie drüben im Paznaun. In einem Eurocity geht es von Feldkirch ohne Umsteigen bis nach Dortmund, womit dieses Kapitel dann vorerst endete.

Schon nächsten Monat werde ich noch einmal zurückkehren, als mich die Nachricht erreicht, das mein Auto abholbereit ist. Erst bei dieser Tour im September wird uns so richtig klar, welche noch größeren Schäden im unteren Paznauntal angerichtet wurden...

(Creative-Commons-Lizenz, Aufgenommen von Roland Siegele

To be continued...
 
David93 schrieb:
Ich war auch im darauf folgenden Winter in Ischgl. [...]
Und bei der Anreise kann ich mich bruchstückhaft erinnern das relativ weit unten im Tal eine Straße relativ provisorisch war. Irgendwie in einem engen Tobel aus einem Tunnel raus, über ne Brücke in einen gegenüber liegenden Tunnel rein. Zumindest hab ich es so in Erinnerung.
Im Ort selbst merkte man im Winter aber in der Tat nichts mehr davon.

Darauf gehe ich in Teilen noch ein. Da hat's noch was an Material aus September 05, Winter 05/06 und Sommer 06 :-)
 
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