Tag 2: Sonntag, 5.09.2004
Nachdem ich den Admin mehr oder weniger aus dem Bett geschmissen hatte - übrigens ein Paradigma, das sich bei dieser Tour noch ein paar mal wiederholen sollte - hatte ich schon beim Frühstück den Eindruck: Ja, genau so hab ich mir die Urlauber in dieser Gegend vorgestellt. Ich möchte nicht lästern oder sonstwie über irgend jemanden herziehen, jeder darf und soll urlauben wie's ihm gefällt. Aber ein norddeutsches Ehepaar, schon etwas älter, er in Jeans und im Polohemd, nicht gerade der untersten sozialen Schicht entstammend, die sich gerade mit der Vermieterin darüber unterhalten, dass sie schon seit '79 in dieser Gegend urlauben, aber ja vorher immer bei jemand anders gewohnt hatten... - sagen wir mal so, es erfüllt schon ein wenig die Klischees die man, auch dank einer gewissen deutschen fussballerischen "Lichtgestalt", als Außenstehender von dieser Gegend hat, und es ist nicht unbedingt das, was mich in die Berge zum Wandern oder Skifahren treibt.
Da wir nicht unbedingt gleich am ersten Tag das volle Mammutwanderprogramm haben wollten, entschlossen wir uns zur Bergfahrt mit der Fleckalmbahn (Doppelmayr mit Swoboda-Kabinen, Bj. 1984). Mit 14,50 Euro (bzw. 13,50 mit Gästekarte oder für Mitglieder alpiner Vereine(!)) zwar wiederum nicht gerade billig, aber dafür gibts bei Vorlage des Tickets für die Bergfahrt die Talfahrt gratis.
Die Sonne war gerade dabei, die letzten morgendlichen Nebelfetzen zu beseitigen, dennoch blieb uns der Blick auf den einen oder anderen Gipfel noch verwehrt. Auch die Fernsicht war ob des diesigen Wetters nicht überragend, bei strahlend blauem Himmel und optimalen Wandertemperaturen nahmen wir aber diesen kleinen Schönheitsfehler gerne in Kauf. Zügig wanderten wir an den Halbschuhtouristen vorbei in Richtung Steinbergkogel, wo wir erstmals einen Blick auf dieses gigantische Seilbahnbauwerk, das in diesem Sommer dort erstellt wird, werfen konnten. Immer auf der Höhe entlang erreichten wir rasch den Pengelstein, wo wir schnell feststellten, dass die Monteure von Doppelmayr und einigen lokalen Baufirmen auch am Sonntag keine Pause einlegen. Schade eigentlich, denn ich hätte euch gern mit ein paar Fotos von der Stationstechnik der 3S im Inneren der Station beglückt. So mussten wir uns leider auf neugierige Blicke und Fotos von außen beschränken, was wir dann aber auch über eine Stunde lang ausgiebigst taten.
Nach einer kurzen Überlegung, ob wir den Abstieg entlang der Bahnen Pengelstein 1 und 2 vornehmen und bei dieser Gelegenheit die Serie von 8erSessel bzw. Xtream mit Stationstechnik Leitner vs. Doppelmayr mit der Garaventa MCS-Talstation von Pengelstein 2 fortsetzen sollten, nahmen wir doch lieber den Weg zurück zum Steinbergkogel. Einerseits war schon an der Einstiegsluke in der Bergstation ein dickes Vorhängeschloß, andererseits kannten wir den Busfahrplan ab der Skirast nicht und letzten Endes waren uns auch die 1000 hm Abstieg ein wenig zu viel. Dafür begutachteten wir ausführlichst die Bergstationen der beiden fixen Sesselbahnen Steinbergkogel-Gipfel und Jufenalm und mussten dann natürlich auch noch hinüber zum alten ESL. Nach kurzer Rast stiegen wir entlang der schwarzen Abfahrten in diesem Bereich ab zu den Talstationen der beiden Steinbergkogel-SBs und weiter am Gegenhang hinauf zur Melkalm, wo unsere verspätete Mittagspause stattfinden sollte.
Auf der Terasse wurden wir sogleich von drei Einheimischen begrüsst, die offensichtlich bei reichlich Weißbier den Sonntagnachmittag genossen. Für mich persönlich, der ich mit ein paar neugierigen Fragen ("Alpinforum, wos is des?", "Ah, wart's bei der Seilbahn hinten?", "Macht's ihr des professionell?" etc.) kein Problem habe, und auch für den Admin, war's dann recht amüsant, wie die drei noch einigen anderen Gästen ein Gespräch aufzwangen und irgendwann von der Wirtin kein Bier mehr bekamen, weil der eine, wie sich herausstellte, noch zu seiner Alm fahren musste.
Schliesslich ging's dann über die Bergstation der Hahnenkammbahn zurück zur Fleckalmbahn, natürlich nicht ohne einen Blick ins Bergbahnmuseum, wo u.a. einige Pläne der 3S ausgestellt sind, sowie den Starthang der Streif zu werfen. Vor allem letzteres ist, wie auch schon von mehreren anderen hier im Forum bemerkt, äußerst beeindruckend und man muß auch meiner Meinung nach definitiv vor jedem den Hut ziehen, der sich diese Abfahrt in Schußfahrt hinunter traut.
Die Talfahrt mit der Fleckalmbahn bot noch einmal einen herrlichen Blick auf die Felswände des Wilden Kaisers, die nun in der Abendsonne glänzten. Unten angekommen, nahmen wir nach einer doch recht anstrengenden Sechs-Stunden-Wanderung etwas müde aber hoch zufrieden den Weg ins Inntal und weiter über den Brenner nach Gossensass in Angriff, wo wir dank eines Tips von Alpenkoenig auch schnell Quartier fanden.
Die Bilder:
Umlenkscheiben in der Talstation der Fleckalmbahn
Bergstation mit Garagierung
Nochmal
Umlenkscheiben in der Bergstation
Kurve am SL Ehrenbachhöhe
Blick zum Steinbergkogel...
...und zurück zur Ehrenbachhöhe
Der erste Blick auf den Saukasergraben mit dem Spannfeld der 3S
Pengelstein
Pistenbau unterhalb vom Pengelstein. Vermutlich war hier früher ein Ziehweg, der jetzt verbreitert wird
Stationsbaustelle der 3S
Umlaufförderer und Garagierungsgleis (vorne, grau)
Nochmal der Umlaufbereich
Beschleunigungsstrecke und Stationsausfahrt
Trasse und Spannfelder
Stationsgebäude komplett
Auf der Jagd
Stütze im Zoom
Gegenstation im Zoom
Und nochmal die ganze Strecke
Weitere Bilder von der 3S gibts gleich im
Kitzbühel-Topic.
Windenanker und Wegweiser am Steinbergkogel
Nochmal der Blick auf das Spannfeld über den Saukasergraben
ESL Steinbergkogel, Prädikat Kult!
Stütze an der Bergstation
Rollenbatterie bzw. Wippe
Zoom zum Kitzbüheler Horn...
...und zum Wilden Kaiser
Uraltes Relikt: Eine Schneekanone Typ "Whisper-Gun" von 1985