Auch wenn die Saison noch nicht ganz vorbei ist und mit der Lombardei-Rundfahrt auch noch ein Klassiker bevorsteht, wage ich mich bereits jetzt mal an ein persönliches Fazit für den Deutschen Profi-Radsport:
Bei den Männern war der Trend in diesem Jahr auf jeden Fall (allerdings auf überschaubarem Niveau) positiv. Während in 2024 für alle Deutschen Fahrer13 und in 2025 sogar nur 12 Profisiege, davon jeweils 2 Siege auf der World-Tour, zu Buche standen sind es dieses Jahr bereits jetzt 21. Davon waren 4 Rennen Teil der World-Tour. Zum Vergleich: Pogacar alleine hat 22 Profisiege. Auf Position 2 liegen derzeit in dieser Kategorie die Fahrer Evenepoel, del Toro, Milan, Vingegaard, Brennan und Merlier mit je 12 Siegen.
Erfreulich finde ich, dass insbesondere einige junge Deutsche Fahrer auf sich aufmerksam machen konnten und auch bei kleineren Rundfahrten Erfolge erzielten. Hervorheben würde ich hier vor allem Marco Brenner mit 2 World-Tour Siegen (davon eine Rundfahrt, nämlich Polen und eine Vuelta-Etappe) sowie den ehemaligen Eisschnellläufer Lennart Jasch. Letzterer ist mit insgesamt 4 Saisonsiegen, davon 3 incl. einer Rundfahrt auf der Pro-Tour, der erfolgreichste Deutsche Profi bislang. Da er erst vor nicht allzu langer Zeit zum Radsport gewechselt ist, besteht hier auf jeden Fall, wie bei Marco Brenner, noch die Möglichkeit auf weitere gute Entwicklung! Auch Florian Lipowitz hat, anders als 2025, 3 Siege gefeiert und bei der Tour bis zum Sturz eine gute Leistung gezeigt. Dennoch war leider ziemlich schnell klar, dass er hinter Remco nur die Nummer zwei im Team sein würde. Insofern würde ich mir für kommende Saison bei ihn eher Starts bei Giro und Vuelta wünschen. So lange weder Pogacar noch Vingegaard dabei sind, sollte er bei passender Form auf jeden Fall um den Sieg mitfahren können. Und nicht vergessen, auch Lipowitz ist gerade erst 26 geworden.
Für viele Siege fehlt uns derzeit einfach das, was uns jahrelang ausgezeichnet hat, nämlich ein sehr guter Sprinter wie Zabel, Greipel oder Kittel. Eine Rundfahrer- und Klassikernation waren wir, trotz eines Jan Ullrich, ja noch nie wirklich.
Bei den Frauen sieht es leider eher schlecht aus, was Topergebnisse angeht. Profisiege gab es lediglich 4 Stück, wovon 2 (nämlich die Deutschen Meisterschaften im Einzelrennen und im Zeitfahren) nicht "vermeidbar" waren

Positiv bewerten kann man aus Ergebnissicht (es gibt ja im Radsport auch Fahrerinnen mit anderen wichtigen Aufgaben) eigentlich nur Franzi Koch mit ihrem Sieg bei Paris-Roubaix und die junge Antonia Niedermaier, die mit einem zweiten Platz bei Giro sowie einem vierten Platz, wohlgemerkt als Nummer zwei im Team, bei der Tour tolle Rundfahrtleistungen gezeigt hat. Hier bin ich wirklich auf die kommende Saison gespannt. Alle drei Fahrerinnen, die bei der Tour vor ihr lagen, sind deutlich (zwischen 6 und 11 Jahren) älter als sie. Zudem wechselt ihre bisherige Kapitänin, Kasia Niewiadoma, das Team. Das kann natürlich auch nochmal andere Möglichkeiten bei den Rennen eröffnen.