Schneelage: ca. 1 m Schnee, teils pulvrig, teils vereist.
Wetter: Sonne mit ein paar Wolken, spätnachmittags diesig.
Geöffnete Anlagen: PB Fichtelberg, 4KSB Fichtelberg, SCHL Kleiner Fichtelberg + SCHL Nachtskilauflift, SCHL Himmelsleiter
Geschlossene Anlagen: ESL Kleiner Fichtelberg, ESL Schanze.
Geöffnete Pisten: Alle.
Gefallen: Vielseitigkeit und Größe des Skigebiets für ein Mittelgebirge.
Nicht gefallen: Langwierige Landstraßenanfahrt ab Chemnitz; beide ESLe geschlossen; Skirennen an der Himmelsleiter blockiert schöne Piste fast ganztägig.
Wertung: 5/6 Punkten
Pistenpläne hier und hier und hier.
Warum ein Skiausflug nach Oberwiesenthal, wenn man in Hannover wohnt?
Aufs Skifahren in Oberwiesenthal am 1214m hohen Fichtelberg bin ich im Winter 2003/2004 gekommen, als im Dezember der Harz mal wieder schneefrei war und es in anderen Mittelgebirgen und selbst am Alpennordrand auch nicht besser aussah. An welchen beiden Orten konnte man da in Deutschland skifahren? Klar, auf dem Zugspitzplatt ... und im 900m hoch gelegenen Oberwiesenthal! Das bestätigte meine Beobachtung Oberwiesenthals aus den vorhergegangenen Wintern, seine Einschätzung als zuverlässig schneesicheres Gebiet und den Ruf des Erzgebirges als "Sächsisch Sibirien".
Also entschied ich mich damals kurz vor Heiligabend 2003 trotz der langen Anfahrt für einen Tagesausflug nach Oberwiesenthal - und war von den vorgefundenen Verhältnissen positiv überrascht: Strahlende Sonne über vergleichsweise langen und anspruchsvollen Mittelgebirgspisten, relativ lange Liftanlagen und professionelle Kunstschneepräparierung. Das verlangte nach einer Wiederholung.
Der zweite "Gewaltausflug" ins Erzgebirge war also am 2. März 2005 dran, als das Wetter nach einer trüben Phase endlich wieder sonniger wurde. Die Landstraßenanfahrt erfolgte diesmal nicht über die bereits getestete Nebenstraßen-Route Stollberg-Zwönitz-Elterlein, sondern über die Hauptzufahrt B95. Das erwies sich als zeitfressende Angelegenheit und somit schlechte Wahl. Wegen dichter Besiedlung fährt man auf der B95 sehr viel innerorts, und es sind viele Lkws unterwegs, die quasi nicht überholt werden können. Außerdem kontrolliert gleich an mehreren Stellen die Verkehrspolizei. Nächstes Mal also wieder die Route über die Nebenstraßen.
Das Erzgebirge präsentierte sich tief verschneit. Endlich angekommen, erwies sich Oberwiesenthals Fichtelberg einmal mehr als klasse Mittelgebirgsskigebiet. Trotz einigen Betriebs gab es fast keine Wartezeiten. Einzige Wermutstropfen waren der (wie im Dezember 2003) geschlossene ESL Kleiner Fichtelberg und die fast ganztägige Sperrung einer der schönsten Pisten wegen eines Skirennens der Bundeswehr-Gebirgsjäger (!).
Die Liftanlagen am Fichtelberg:
- PB Fichtelberg-Schwebebahn, Deutschlands älteste PB (Länge 1175m),
- 4KSB Großer Fichtelberg ("Vierer-Sessellift", Girak-Garaventa, Länge 1002m),
- SCHL Himmelsleiter am Großen Fichtelberg (Heuss, Länge 1150m),
- SCHL Kleiner Fichtelberg (Heuss, Länge 1313m),
- dazu parallel verlaufend SCHL Nachtskilift (Heuss, Länge 800m),
- ESL Kleiner Fichtelberg ("Großer Sessellift", ATG Leipzig, Länge 734m),
- ESL Schanze, sofern man ihn mitrechnen möchte ("Kleiner Sessellift", ATG Leipzig, Länge 262m).
Für ein Mittelgebirgs-Skigebiet also eine noble Ausstattung.
Die Pisten:
- Schwarze Direktabfahrt unter der PB bzw. der 4KSB (Länge 1000m, Lanzenbeschneiung),
- zwei blaurote, sehr schöne Abfahrten an der Himmelsleiter (Länge jeweils 1300m, 1x mit Lanzenbeschneiung),
- oben rote, unten blaue Abfahrt von Kleinen Fichtelberg (Länge 1500m, Lanzenbeschneiung),
- der untere Teil davon ist die superbreite Skiwiese des Orts (Länge 800m, Lanzenbeschneiung),
- rote Abfahrt am ESL Kleiner Fichtelberg (Länge 750m),
- schwarze Abfahrt am ESL Fichtelberg (Länge 900m),
- dazwischen diverse Verbindungspisten (z.T. Beschneiung).
Gute Übersicht zu den Daten der Anlagen und Pisten hier.
Alle vom Kamm bis in Ortshöhe hinunterführenden Pisten überwinden 250-300 Höhenmeter. Wie man sieht, ist Oberwiesenthals Trumpf die konsequente Beschneiung der meisten Pisten. Lediglich die Pisten am ESL Kleiner Fichtelberg dürfen weder beschneit noch präpariert werden, weil es sich um unter Naturschutz stehende Bergwiesen handelt. Die Pisten des ESL werden übrigens auf fast ganzer Länge auch über den SCHL Kleiner Fichtelberg erschlossen. Das weiß bloß fast niemand, ich fuhr dort allein.
Mit der Beschreibung des Skigebiets Fichtelberg ist über Skifahren in Oberwiesenthal aber noch nicht alles gesagt. Die nächsten Jahre bieten hier ein großes wintersportliches Entwicklungspotential. Der Ort Oberwiesenthal konzentriert sich baulich auf nur eine Talseite. Der Bach in der Talmitte markiert auf mehreren Dutzend Kilometern nicht nur die deutsche Staatsgrenze, sondern derzeit auch die akribisch bewachte "Schengen-Außengrenze" der Europäischen Union (innerhalb des "Schengener Gebietes" der EU gibt es keine Grenzkontrollen mehr). Am anderen Bachufer beginnt Tschechien, inzwischen auch EU-Mitglied, aber dem "Schengener Gebiet" noch nicht zugehörig. Direkt am Bach und somit am Oberwiesenthaler Ortsrand starten auf tschechischer Seite weitere zwei kurze SCHL, die zum Nachbarort Loucna (Böhmisch Wiesenthal) gehören. Ich vermute, dass sie von Oberwiesenthal per Fußgänger-Grenzverkehr erreichbar sind. Wer unten die Fotos vom Ort genau betrachtet, kann den tschechischen Skihang hinter der Oberwiesenthaler Kirche unterhalb der Hangstraße erkennen.
Der Berg auf der gegenüberliegenden, tschechischen Talseite, der 1244m hohe Keilberg (Klinovec), ist geographisch Oberwiesenthal zuzuordnen, gehört politisch aber zur tschechischen Gemeinde Jachymov (Sankt Joachimsthal). Auch der Keilberg, höchste Erhebung des Erzgebirges, ist Skigebiet. Im Skipassverbund der Keilberg-Nordseite, die von Oberwiesenthal per Pkw über die Grenzstation erreichbar ist, erschließen 10 SCHL, die meisten davon den Fotos nach Tatrapomas, Pisten bis 1350m Länge. Auf der Keilberg-Südseite befindet sich der 1686m lange ESL Klinovec Jih (Jih=Süd; 428 Höhenmeter; Fahrzeit 12,8 min(!); Hersteller Transporta Chrudim), der zum Skigebiet Bozi Dar (Gottesgab)/Neklid mit weiteren 7 SCHL gehört, das gleich hinter der Grenzstation auf der Kammhöhe liegt. Laut Pistenplan kann man von den Neklid-Liften zum ESL abfahren, aber leider nicht umgekehrt.
Bei meinem Besuch in Oberwiesenthal hatte ich mir eigentlich vorgenommen, am Fichtelberg nur vormittags zu fahren und am Nachmittag zum Keilberg zu wechseln. Dafür hätte ich den Fichtelberg aber mittendrin abbrechen müssen, das wäre zu stressig geworden. Also wird es vielleicht im nächsten Winter einen reinen Keilberg-Tag geben.
Eine Liftverbindung von Oberwiesenthal über die langgestreckte Hangwiese zur Talstation des Skigebiets Keilberg gibt es (noch) nicht. Mit Tschechiens Unterzeichnung des "Schengener Abkommens" (ca. 2007) fällt aber die Überwachung der Staatsgrenze in der Talmitte weg. Dann würde ein lifttechnischer Direktzugang von Oberwiesenthal zum Keilberg Sinn machen und den tschechischen Liftbetreibern noch mehr deutsche Gäste bringen. Durch eine lifttechnische Zusammenlegung und Verbindung der Gebiete Fichtelberg, Keilberg und womöglich auch noch Bozi Dar/Neklid entstünde mit relativ wenig Investitionen eine pistenverbundene Skiregion mit 1 PB, 1 4KSB, 3 ESL und 18 SCHL, und das in schneesicherer Lage - für ein Mittelgebirge enorm! Vielleicht wird das ja mal realisiert, wenn wir kräftig hoffen ...
Hier nun die Fotos:
^^ Pistenplan Skigebiet Fichtelberg.
^^ PB und 4KSB Fichtelberg mit der schwarzen Direktabfahrt.
^^ Fahrt mit der 4KSB (Girak/Garaventa) ...
^^ ... an den Schanzenanlagen vorbei. Rechts von der Bildmitte der ESL Schanze.
^^ Nochmal die 4 KSB weiter oben.
^^ Wir nehmen die schwarze Direktabfahrt ("Rennstrecke") unter der 4KSB bzw. PB. Oben ist sie noch flach ...
^^ ... aber dann wird sie steil ...
^^ ... bis sie in den Auslauf übergeht.
^^ Nun fahren wir mit der PB (Deutschlands ältester) hoch. Talstation von außen ...
^^ ... von innen ...
^^ ... bei der Einfahrt in die Bergstation ...
^^ ... und oben angekommen.
^^ Jetzt fahren wir vom Fichtelberggipfel die Himmelsleiter ab.
^^ Auf der inneren Himmelsleiter-Abfahrt.
^^ Nochmal.
^^ Mit dem SCHL Himmelsleiter geht es wieder hoch auf den Fichtelberg. Talstation des SCHL ...
^^ ... Strecke ...
^^ ... und kurz vorm Ausstieg. Links die Bergstation der 4KSB.
^^ Nochmal die Himmelsleiter runter, diesmal die äußere Piste. Wir passieren den SCHL ...
^^ ... und schauen von der Piste in die Weite des Erzgebirges.
^^ Auf der Querung zum SCHL Kleiner Fichtelberg passieren wir die Schanzenanlage. Leider ist ihr ESL nicht in Betrieb.
^^ Nochmal der ESL Schanze. Mit ihm ist auch Jens Weißflog sicherlich oft gefahren.
^^ Jetzt aber auf zum Kleinen Fichtelberg! Rechts die Talstation des gleichnamigen SCHL, links die des parallelen, aber kürzeren SCHL Nachtskilift.
^^ Fahrt mit dem SCHL Kleiner Fichtelberg.
^^ Kurve des SCHL Kleiner Fichtelberg, daneben die Bergstation des SCHL Nachtskilift ...
^^ ... und weiter auf der Strecke ...
^^ ... noch weiter ...
^^ ... bis zum Ausstieg. Im Hintergrund der Keilberg auf der tschechischen/böhmischen Talseite.
^^ Blick vom Kleinen zum Großen Fichtelberg.
^^ Die Abfahrt vom Kleinen Fichtelberg mündet auf die weite Skiwiese über Oberwiesenthal, ...
^^ ... die wir weiter abfahren. Auf der Skiwiese ist viel Betrieb.
^^ Jenseits vom Lift ist mehr Platz auf der Piste.
^^ Die Oberwiesenthaler Skiwiese von der Talstation der SCHLe gesehen.
^^ Wir sind nochmal den SCHL Kleiner Fichtelberg hochgefahren und queren jetzt von dessen Bergstation zum ESL ("Großer Sessellift"). Im Hintergrund wieder der Keilberg.
^^ Leider ist der ESL Kleiner Fichtelberg nicht in Betrieb. Die Bergstation. Wer hier arbeitet, muss gut Schnee schaufeln können!
^^ Wir fahren die sehr enge Piste direkt am ESL ab. Nochmal der Keilberg.
^^ Rückblick von der Piste nach oben zum Kleinen Fichtelberg ...
^^ ... und nach unten zur Talstation des ESL.
^^ Nochmal die Talstation des ESL Kleiner Fichtelberg. Hier endet unsere Fichtelberg-Runde. Wir queren zurück zu den Talstationen von PB und 4KSB.