airolo, andermatt, sedrun, disentis

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benjamin
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Beitrag von benjamin »

Wintersport im Gotthardgebiet
Airolo will mit Andermatt zusammenspannen

«Wir müssen unser Konzept radikal ändern», fordert der Tessiner Tourismus-Unternehmer Giovanni Frapolli, der die Skistation von Airolo–Pesciüm leitet. Er trifft sich nächste Woche mit Vertretern von Andermatt, Disentis und Sedrun. Sein Ziel ist eine trikantonale Kooperation. Das sei aus wirtschaftlicher und kultureller Sicht sinnvoll.


Geht es nach dem Willen von Giovanni Frapolli, dann erhält der Inhaber einer so genannten Ticinocard künftig nicht nur im Südkanton Vergünstigungen, sondern auch beim Benutzen der Transportmittel der Gotthard Oberalp Arena. Ein Urner wiederum, der ein entsprechendes Abonnement für die Wintersportanlagen im Urserental besitzt, soll dafür auch in der Leventina zu deutlich günstigeren Tarifen Skifahren oder Snowboarden können.
Eine solche Zusammenarbeit zwischen Andermatt, Disentis, Sedrun und Airolo wäre – laut Giovanni Frapolli – sowohl aus kultureller als auch aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll: «Zum einen würde das Bewusstsein der Bevölkerung für die Gesamtheit des Territoriums gefördert, zum anderen entstünde so eine loyale Konkurrenzsituation. Die Skistationen könnten vom gegenseitigen Know-how und Beziehungsnetz profitieren», sagte er gegenüber dem «Urner Wochenblatt».

Preissenkungen in Airolo

Gross ist der Nachholbedarf vor allem in Airolo, wo die Sankt Gotthard Luftseilbahn AG in diesem Frühling definitiv Konkurs gegangen ist. Die von Giovanni Frapolli kontrollierte Centri Turistici Montani SA mit Sitz in Lodrino wird diesen Winter für den provisorischen Betrieb der Skistation Airolo–Pesciüm verantwortlich sein. Eröffnet wird die Wintersaison voraussichtlich Anfang Dezember.
Giovanni Frapolli würde die Konkursmasse gerne definitiv übernehmen und seinem Imperium einverleiben, zu dem bereits die Stationen von Carì oberhalb von Faido und Bosco Gurin gehören. «Es ist höchste Zeit, dass die Tessiner Skidestinationen endlich eine klare, einheitliche Strategie erhalten. Dazu gehört ein zentrales Management der Betriebe.» Er verspricht sich durch die Verknüpfung von Airolo, Carì und Bosco Gurin wesentlich geringere Betriebskosten. Davon sollen auch die Wintersportler profitieren: Giovanni Frapolli will in Airolo um 20 Prozent günstigere Tickets als im vergangenen Jahr anbieten. Für ihn selbst wird die Rechnung dieses Jahr noch nicht aufgehen. Aber: «In drei bis vier Jahren wird die Skistation Airolo schwarze Zahlen schreiben.»

Angst vor einem Monopol

Ob er allerdings den Betrieb bis dann noch leiten wird, ist noch nicht sicher. Denn für die Konkursmasse interessiert sich nebst Giovanni Frapolli auch eine Gruppe von lokalen Unternehmern. Diese haben ihre Karten in den vergangenen Tagen auf den Tisch gelegt und fordern, dass sich die Gemeinde Airolo und das örtliche Patriziat am Erwerb der Seilbahn beteiligen. Politischen Support bekommen sie vom FDP-Grossrat Franco Celio, der in einem parlamentarischen Akt vor der Monopolsituation warnt, die entstehen würde, sollten auch die Anlagen in Airolo in den Besitz Giovanni Frapollis übergehen.
Dieser hat für seine Widersacher nicht viel übrig: «In den vergangenen 20 Jahren haben im Tessin viele Leute bloss Rauch verkauft und öffentliche Gelder verpulvert.» Giovanni Frapollis Selbstbewusstsein nährt sich zum grossen Teil aus der Tatsache, den Tourismusbetrieb des Walserdorfes Bosco Gurin in die Gewinnzone geführt zu haben: «Ich habe dort gezeigt, dass eine Skistation auch auf der Alpensüdseite erfolgreich funktionieren kann.» Zudem hätten sowohl die Tessiner Regierung als auch das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) seine Pläne für einen gemeinsamen Betrieb von Airolo, Bosco Gurin und Carì gutgeheissen.
Die Gemeinde Airolo will Giovanni Frapolli trotzdem nicht blindlings folgen. Sie hat vor einer Woche einer Treuhandfirma den Auftrag gegeben, die Vor- und Nachteile der beiden Projekte genau zu prüfen.


Omar Gisler

Urner Wochenblatt 05.11.2005

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