Die Geschichte der Skiliftanlagen am Oberalppass hat sich nach einem Besuch im Tujetscher Gemeindearchiv nun wesentlich aufgehellt - Danke an Tarcisi Hendry für die Suche nach den Dokumenten.
Bisher konnt man in Chroniken lesen, dass 1951 ein nicht sehr funktionstüchtiger Seillift am Oberalppass stand sowie ab 1959 der erste fixe Bügellift. Beides scheint gemäss den vorliegenden Dokumenten nicht zu stimmen. Korrekt wäre 1955 und 1960.
Alle Erkenntnisse, die
hier mit Originaldokumenten belegt sind:
- Die Furka-Oberalp-Bahn will 1949 einen Skilift am Oberalppass erstellen; dazu kam es nie.
- Skischulleiter Alfred Decurtins (der schon 1947 den ersten Tellerlift im Dorf erstellt hatte -
alles dazu in diesemTopic) und Felici Monn lassen 1955 einen "Trainerlift" von Skima des Typs "Stemag" auf dem Alpsu bauen - die Anlage funktionierte aber offenbar nie richtig; ob wegen der Kälte oder wegen Fehlmanipulationen, werden wir wohl nie wissen. Die Folge war ein Rechtsstreit mit der Firma Skima, den am Schluss Anwälte ausfochten. Skima entfernte gar einmal den Motor, weil die Sedruner die Rechnung nicht zahlen wollten. Aus den Dokumenten kann man zumindest schliessen, dass es die beiden mit den notwendigen Bewilligungen nicht so ernst nahmen.
- Ob im Jahre 1951 schon ein Skilift auf dem Pass existierte, wie einige Quellen sagen, bleibt derzeit unklar. Die Geschichten rund um den angeblichen Skilift von 1951 passen jedenfalls haargenau zu jenem Lift, der laut den Quellen 1955 aufgestellt wurde.
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Hier und auf den folgenden Bildern ist dazu wohl erstmals ein Skima-Prospekt im Web zu sehen - die Anlage "Stemag" (genannt "Volksskilift") ist reichlich seltsam - wenn ich mich recht erinnere, funktionierte der Skilift "Figeller" in Wengen früher nach einem ähnlichen Prinzip (nur zwei Fahrer werden pro Fahrt hochgezogen, dann gleitet der Schleppapparat zurück zum Start) - kann das jemand bestätigen?
- Interessant ist in diesem Zusammenhang die Verbindung zum
Tebru-Topic; Theo Brunner arbeitete ja offenbar später bei der Firma Skima. Nun ist zumindest klar, dass er sie nicht gegründet hat - in zumindest leitender Position war dort 1955 vermutlich ein gewisser J.G. von Arx. Firmensitz war "Zürich 11, Murhaldenweg 16". Theo Brunner entwickelte seinerzeit in Oetwil noch die spätere WSO-Technologie, bevor er sich mit Walter Städeli überwarf.
- 1958 - zwei Jahre nach der Eröffnung der
Sesselbahn Cungieri - interessierten sich Benedetg und Fidel Venzin aus Selva um eine Konzession für eine Sesselbahn auf den Calmut. Die Gemeinde erteilt die Bewilligung, das Projekt scheitert aber an Ungenauigkeiten in der Planung. Die Sesselbahn - bereits von GMD geplant - hätte bis auf den Calmutgipfel geführt, quasi also die Strecke des heutigen WSO-Skiliftes bedient. Offenbar musste das Eidg. Post-und Eisenbahndepartement nach bereits erfolgtem Baubeginn im Sommer 1959 eingreifen... auch hier zeigte sich wieder, dass Bergler damals oft eine interessante Auslegung von Vorschriften hatten.
- Interessant sind Akten, welche belegen, dass die Sesselbahn Cungieri in den ersten Betriebsjahren Defizite einfuhr und sich gegen eine weitere Konkurrenz wehrte; Venzins wollten aber ihrerseits nicht mit Cungieri zusammenarbeiten.
- Lustig ist hierbei vor allem die aufmunternde Bemerkung des Kantons, es sei wegen des Landschaftsschutzes leider nicht möglich, die Anlage bis ganz auf den Gipfel zu bauen, doch dies sei durchaus als Vorteil zu sehen - die Skifahrer würden sich beim Schlussaufstieg zum Gipfel aufwärmen, was zu weniger Verletzungen führe... - Übrigens gab es scheinbar auch ein Konzessionsgesuch aus Andermatt.
- Nachdem Venzins eingesehen haben, dass das mit der Sesselbahn eine Nummer zu gross ist, versuchen sie es 1959 mit einem Skiliftprojekt, dass glatt durchkommt. Das Geld haben sie laut mündlichen Quellen aus den USA: Fidel Venzin gelangte urplötzlich zu rund 100'000 Franke, da irgend ein anderer (nicht mit ihm bekannter/verwandter) Fidel Venzin aus den USA beschlossen hatte, sein Vermögen einem anderen Fidel Venzin in der Schweiz zu vermachen (wo er seine Wurzeln hatte), mangels anderer Verwandten...
- Die Bewilligung für den Skilift wird am 14. März 1960 erteilt, die Anlage im Sommer 1960 durch GMD erstellt und am 13. Dezember 1960 abgenommen - bei schon anderthalb Metern Schneehöhe!
- Schon 1961 will man den Skilift bis auf den Gipfel verlängern, das Begehren wird aber abgelehnt.
- Ein weiterer Anlauf um Verlängerung kommt 1965 durch - man entscheidet sich für eine leichte Verschiebung nach rechts. Laut mündlichen Quellen spielte dabei die Hauptrolle, dass der Lift von 1960 sozusagen mitten auf der Piste stand.
- Die Anlage wird im Sommer 1966 durch GMD komplett neu gebaut, die Förderleistung beträgt nunmehr 800 Personen pro Stunde. Am 23. November 1966 wird der Skilift abgenommen - er sollte immerhin bis 1987 stehen.
- 1971 wollen auch die Ski- und Sessellifte Sedrun-Rueras einen Skilift am Oberalppass bauen, die Gemeinde erteilt dafür aber keine Bewilligung.
- 1982 verkaufen die Venzins den Skilift an die Bergbahnen Sedrun. Auch die Furka-Oberalp-Bahn hat sich dafür interessiert. Fidel war schon vorher aus der Gesellschaft ausgestiegen und ins Lugnez umgezogen. Benedetg verübte später Selbstmord. 1983 montieren die Bergbahnen Sedrun zuerst mal neue
Borer-Gehänge BSG77 an den Lift und lassen ihn so noch fünf Saisons laufen.
- 1987 erhalten die Bergbahnen die Bewilligung für den Abriss des GMD-Liftes und einen Neubau bis auf den Gipfel. Die Arbeiten werden im Sommer 1987 erledigt; am 5. Dezember 1987 geht der heute noch stehende Städeli-Lift mit der Kapazität von 1200 Personen pro Stunde in Betrieb.
Auf skiliftfotos.ch findet ihr alles rund um die Skilifte am Oberalppass:
- Originaldokumente (vor allem Briefe und Bewilligungen) aus dem Gemeindearchiv Tujetsch
- Skima-Prospekt
- GMD-Pläne
- Postkarten aus den 1960er-Jahren
- Fotos aus den 1980er-Jahren und von heute
- Bilder vom Abriss der GMD-Lifte und des WSO-Neubaus
- Satellitenfotos mit den Trassen aller Anlagen
- Fotos vom Herbst 2006 mit den noch sichtbaren Überresten der Müller-Lifte
- Betriebsanleitungen von WSO und Borer zum heutigen Lift
Viel Spass!