SOMMERNUTZUNG SKIARENA
Eine Fellberg-Achterbahn das ganze Jahr über
Eine Vision, wie höhere Einnahmen im Sommer erreicht werden können, fordern Steinachs Stadträte: Kein Problem für den Geschäftsführer
Nach dem lauen Winter lastet Spardruck auf der Skiarena. Nicht nur über den fixen Zuschuss wollten Steinachs Stadträte auf ihrer vergangenen Sitzung befinden, auch über Stundenlöhne, Personalbestand bis hin zum Benzinverbrauch wurde diskutiert. Ideen für den Sommer wurden gefordert. Damit sind die Räte bei Geschäftsführer Gerhard Müller an den Richtigen geraten.
STEINACH – Vielleicht ist die Zeit reif für einen Befreiungsschlag, mögen sie sich am Silbersattel gedacht haben: Diesen Winter nur 37 statt der üblichen rund 120 Skitage; statt 45 000 Besucher wie im Vorjahr diesmal weniger als ein Viertel, die Zahl bleibt knapp vierstellig.
Steinachs Ruf von der Schneesicherheit geriet zwischen Dezember und März ziemlich ins rieseln und man merkt auch Gerhard Müller mit jedem Wort mehr an, dass er den Marsch durch die bedrückend exakten Zahlenkolonnen leid ist. Fast so, als ob der Skiarenachef diesen Winter selbst der Regenmacher gewesen sei. Schon kritteln und kratzen die Ersten wieder am Gesamtkonzept, vernimmt man leises raunen in der Brunnenstadt, wird die Idee des Wintertourismus für die Zukunft in Frage gestellt.
Die neuesten Klimamodelle kommen den Kritikern da natürlich zupass. Kurz: Es ist kein leichtes Umfeld, in dem Müller momentan manövrieren muss. Und so ist er bemüht, an diesem Pfingstsonntagnachmittag im Gespräch mit Freies Wort, vor dem Liftkartenhäuschen in den dunkelgrünen Plastikstuhl zurückgelehnt, wenigstens die Deutungshoheit über die Skiarena-Debatte für sich zurück zu gewinnen. Dafür eignen sich die Samstage und Sonntage, die Feiertage, dann dreht sich der Sessellift für Wanderer und Bergradler. Aus den Kiosk-Lautsprechern von nebenan dudeln vertraute Oldies, Gerhard Müllers Musik spielt bereits in der Zukunft: Wie ein Blitzschlag habe ihn die Erkenntnis getroffen, neulich auf der „InterAlpin“, der größten europäischen Messe in der Wintersportbranche. „Plötzlich stand ich vor Josef Wiegand, und wusste: das ist es, was wir brauchen.“ Josef Wiegand, das muss man vielleicht erklären, hat sich auf alpine Liftsysteme in allen denkbaren Varianten spezialisiert. Zu seinen Kunden gehören Betreiber von Sommerrodelbahnen genauso, wie jene aus den Wintersportgebieten.
Und natürlich hat auch der findige Unternehmer von dem gehört, was uns aus klimatischer Sicht dräut. Oder, was zumindest alle Wintersportfans in Mittelgebirgslage fürchten. Wiegands Lösung für das Problem besteht aus zwei Silben, die ein bisschen an das schnurlose Internet erinnern, und ist nach seinen Angaben nicht weniger als eine Weltneuheit: „WiLi“. Jetzt hat sich auch Gerhard Müller endgültig im Stuhl aufgerichtet: „Das muss man sich von der Konstruktion her als eine Art Achterbahn knapp über dem Boden vorstellen.“ Mit Begeisterung, die wohl nur ein GmbH-Geschäftsführer aufbringen kann, der selbst Wintersportler ist, erzählt er von seinem neuen Traum für die Hänge am heimischen Fellberg: Auf einer niedrigen Metallkonstruktion seien zwei Schienenstränge aufgesetzt, auf denen sich dann die Multifunktionswagen bewegen könnten.
Tolle Weiterentwicklung
Schlängeln soll sich der metallene Rundparcours in Müllers Vision vom Steinacher Stadion über mehrere Stationen bis hin zum Fellbergplateau, wo heute der Sessellift endet, und auf anderer Strecke zurück zum Stadion. „So könnte man vieles miteinander verzahnen, was ja immer gefordert wird. Die Touristen könnten zum Beispiel auf dem Marktplatz parken und hätten eine Anbindung vom Stadion, was die Infrastruktur stärken würde“ Und das tollste an der Sache: Mit „WiLi“ hätte die Skiarena nicht nur einen Lift, der die Skihasen mit ihren Brettern im Winter vom Stadion bis ganz nach oben brächte.
Zusätzlich könnten Müller und sein Team gleich noch ein Sommernutzungskonzept zusätzlich zum passabel funktionierenden Bike-Park aus dem Skihelm zaubern: Die neue Konstruktion wäre sommers wie winters auf dem Weg nach oben ein Lift und gen Tal eine Rodelbahn – nur eben auf Schienen. „Dieses Konzept wäre eine tolle Weiterentwicklung der Sommerrodelbahn und würde dem Sommergeschäft bei uns Auftrieb geben.“
Zumal die Anlage momentan noch ein „Alleinstellungsmerkmal“ sei, man also, das will Müller wohl damit sagen, die Zeit zum Zuschlagen nicht unbegrenzt ist.
Alles kein Problem, wäre da nicht das leidige Thema der Finanzierung. Mit etwa anderthalb Millionen Euro taxiert Gerhard Müller die Kosten für das Projekt, positiv gerechnet. Kein geringer Batzen. Auf diesen Einwand hat Müller wohl gewartet – er sucht das Heil in der Offensive: „Wir müssen die Frage anders herum stellen. Gerade weil dieser Winter so schlecht war, brauchen wir das Projekt.“ Dahinter steckt folgende Logik: Das Skigebiet ist einmal da, nun müssen die Nutzungsmöglichkeiten und Angebote nach und nach erweitert werden. Gerade in schlechten Zeiten müsse investiert werden, um das Interesse an der Arena neu anzukurbeln, um „Alleinstellungsmerkmale“ zu schaffen.
„Gerade jetzt brauchen wir Ideen, die uns voranbringen, die weitergehen.“ In Zahlen gemessen: „Wir müssen es schaffen, dass irgendwann mal 65 000 bis 70 000 Besucher im Jahr nach Steinach kommen.“ Diesen Elan, den Müller an den Tag legt, teilen wohl nicht alle. Der Skiarenachef sagt, er sei mit seiner Idee im Rathaus vorstellig geworden. Die Reaktionen aus der Gemeinde waren wohl eher verhalten – wie einige im näheren Umfeld der Skiarena überhaupt raunen, früher, vor der Bürgermeisterwahl, sei das mit der Begeisterungsfähigkeit für neue Projekte sowieso einfacher gewesen.
Unterdessen sind die Biker mit ihren aufgemotzten Rädern von ihrer siebten oder achten Bergfahrt zurückgekommen, machen glückliche Gesichter. Sie haben die neuen Sprünge ausprobiert. Gerhard Müller macht derweil noch einmal einen ziemlich großen Hopser hinein ins Grundsätzliche: „Industrialisierung, wie sie sich einige erhoffen, wird es hier nicht geben. Die ist längst anderswo. Hier gibt es sie nur über viele Touristen, die Wirtschaftskraft nach Steinach bringen, von der der Mittelstand wiederum profitieren kann.“ So funktioniert das in Müllers Welt, so muss es für ihn wohl auch funktionieren. Man brauche selber Vergnügen, um Spaß zu vermitteln. Ein typischer Müller-Satz. Seinen Aufsichtsrat und einige Stadtratsmitglieder will er von seiner neuen Idee übrigens schon bald überzeugen: Geplant ist eine Fahrt nach Klingenthal, wo schon eine „WiLi“-Anlage aus der Produktion von Wiegand steht. Ob der horrenden Kosten, und das weiß Müller natürlich selbst am besten, braucht es starke Argumente, damit dieses Projekt nicht das bleibt, was es bis hierhin ist: „Ein Gedankenblitz, eine Vision“. TOBIAS ROSS
Wieli für die Skiarena Fellberg
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Jay
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