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Goldlauter 16.02.19 | Ostalgie-Kleinod im Thüringer Wald

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basti.ethal
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Goldlauter 16.02.19 | Ostalgie-Kleinod im Thüringer Wald

Beitrag von basti.ethal » 19.02.2019 - 10:33

Normalerweise ist dies die Fortsetzung meines Berichtes über die Saison 18/19 im Thüringer Wald. --> viewtopic.php?f=45&t=60976&p=5195370#p5190145
Aufgrund der Besonderheit dieser Liftanlage werde ich hierzu jedoch einen gesonderten Thread erstellen, sodass unseren Nostalski-Fans hier im Forum nichts entgeht :wink:

Vergangenen Samstag war es nun endlich soweit - Schneelage, Wetter und meine persönliche Terminplanung machten den Erstbesuch des Skihangs Goldlauter möglich.
Schon eine Woche zuvor versuchten wir diese Anlage zu besuchen. Die über Nacht gestiegenen Temperaturen und der dadurch entstandene Eispanzer auf der Zufahrtsstraße hielten die Betreiber jedoch davon ab, den Lift öffnen zu können. Umso gespannter waren wir nun, ob wir eine Woche später doch noch erfolgreich sein werden. Denn schon ein Blick auf die Homepage des Skivereins zeigt, dass eine Öffnung hier immer individuell entschieden wird und kein durchgängiger Betrieb stattfindet.

Und tatsächlich, diesmal war die Zufahrtsstraße geöffnet! Beim Anblick ebendieser wurde allerdings auch klar, warum hier letzte Woche auf Skibetrieb verzichtet wurde.

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Es handelt sich hier nur um einen unbefestigten Waldweg. In der vergangenen Woche betrug der Eispanzer noch 10cm. Durch die Lage im Biosphärenreservat Thüringer Wald - Vessertal darf hier auch kein Salz gestreut werden...

Die Sonne hat die Straße schon etwas freigelegt. Kein Wunder bei den aktuellen Temperaturen.
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Dann standen wir endlich am Parkplatz und konnten einen ersten Blick auf den steilen, unteren Bereich des Hanges werfen, welcher auf 1100m Länge einen Höhenunterschied von 250m überwindet.
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Schnell legten wir die Skiausausrüstung an und fuhren die wenigen Meter zur Talstation. Der stehende Lift deutete jedoch schon darauf hin, dass es mit dem pünktlichen Start um 9Uhr nichts wird.
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Nachdem wir den Hang kurz bestaunt haben meldeten wir uns an der Kasse und kauften jeweils eine 10er-Karte. Schnell wurden wir auch als Mitarbeiter der Skiarena enttarnt - man kennt sich in der Thüringer Liftszene :lach:

So klärte sich auch schnell auf, warum der Lift noch nicht läuft. Am Freitagabend wurde kurzfristig noch eine defekte Rolle getauscht und es muss noch eine Kontrollfahrt durchgeführt werden, mit welcher der Betriebsleiter auch umgehend startete.
Zeit um sich mit den Liftwarten zu unterhalten und die Talstation ein wenig zu inspizieren.
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Wer nun akribisch versucht, die Bilder nach Herstellerzeichen abzuscannen wird nicht fündig werden. Die Anlage ist ein 100%iger Eigenbau des Vereins - Made in GDR versteht sich.
Die Anlage wurde 1971 erbaut. Hierzu wurden die seinerzeit in Suhl in großer Zahl ansässigen Werkzeugmaschinenfabriken als Quell für die Bauteile verwendet. Getreu dem Motto "aus unseren Betrieben ist noch viel mehr herauszuholen" :wink:

Auch das Abspanngewicht ist kein Standardbauteil.
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Lediglich die Gehänge sind ein Standardbauteil und sind dem ein oder anderen betagterem Forumsmitglied eventuell auch von alten Liftanlagen in Oberwiesenthal oder Tschechien bekannt.
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Auch eine kleine Beschneiungsanlage für den unteren Bereich der Piste ist vorhanden. Dies hier im Schutzgebieten durchzusetzen war eine Meisterleistung.
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Die Uhr zeigte übrigens mittlerweile 9:30Uhr. Noch immer warteten wir mit nur einem weiteren Gast auf die Öffnung. Man merkt schnell, dass der Lift hauptsächlich vom ansässigen Verein frequentiert wird und man erfährt schon vor Betriebsbeginn eine gewisse Entschleunigung :D
Doch dann ging es los. Wir bekamen vom Liftler der hölzernen Kurzbügel gereicht und starteten die erste Fahrt!
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Ein erster Seitenblick steigerte die Freude auf diesen anspruchsvollen Hang
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Im Detail habe ich mir nicht jede Stütze angeschaut, jedoch ähnelte nicht Eine der Nächsten
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Die Hangneigung wird erkennbar
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Nach dem ersten Steilstück wird es in der Mitte wieder etwas flacher
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An diesem Zwischeneinstieg endete der Lift die ersten Jahre. Doch bereits 1974 wurde der Lift weiter nach oben verlängert
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Dies erkennt man auch daran, dass die Stützenkonstruktion nun von Portal auf T wechselt
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Seitenblick durch den im TW seltenen Laubwald
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Im Flachstück
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Nun geht es noch einmal steil bergan. Die nicht präparierte Trasse und die relativ unkomfortablen Bügel machen schnell klar, dass dieser Lift nichts für Anfänger ist.
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Am Berg angekommen verließ ich wie üblich den Lift und wurde auch sofort vom Liftler (und wie sich später herausstellte Vereinsvorsitzenden) darauf hingewiesen, dass der Ausstiegsvorgang hier anders abläuft. Doch dazu später mehr.

Von der Bergstation geht es per kurzen Ziehweg hinüber zum Hang
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Erster Blick auf den Hang. Im Hintergrund sind die höchsten Erhebungen des Thüringer Waldes zu sehen. Links der Bildmitte der große Beerberg mit Plänckners Aussicht und Suhler Hütte. Rechts davon der Schneekopf und die Schmücke mit Sendemast.
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Blick zurück im flacheren Mittelteil
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Schlusshang
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Rückblick
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Mitten im Hang befindet sich dieser Fels, da dieser nicht entfernt werden durfte.
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Mittlerweile schiebt sich die Sonne über den Berg
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Nun zum Highlight der Anlage, dem Ausstieg: Wie zu sehen ist die Umlenke als Portal ausgeführt. Die Seilscheiben stammen übrigens ursprünglich aus dem Bergbau.
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Auf dem Bild wird deutlich, dass die Reißleine talseitig angebracht ist.
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Schon bei der ersten Auffahrt fiel mir auf, dass die Beruhigungstrecke am Ausstiegt recht kurz ist, sodass ich den Bügel schnellstmöglich wegwarf - falsch gedacht!
Nach einer kurzen Einweisung kannte ich die richtige Verhaltensweise:
Man fährt mit dem Bügel weiter bis zum hinteren Totpunkt und hält den Bügel fest. Wenn das Gehänge auf der Talseite entgegen kommt lässt man das Gehänge einziehen und lässt den Bügel erst los, wenn das Gehänge talfahrend wieder unmittelbar neben dem eigenen Standpunkt ist. CLEVER :D
Von meinem Vater erfuhr ich später, dass diese Vorgehensweise bei vielen Liften der DDR und Tschechiens nichts ungewöhnliches war.
Ich habe auch ein Video davon, bei Interesse kann ich das noch nachreichen.

Auch wenn ich kein Nostalgie-Fan bin, versprüht die Anlage schon einen gewissen Charme. Von hier aus wird sogar der Blick bis auf die Wasserkuppe in der Rhön frei.
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Nach einigen weiteren Fahrten verbrachten wir dann noch eine Stunde mit dem Liftler auf dem Sonnendeck der Vereinshütte des dort ansässigen Telemark-Vereins. Nach den bisherigen Eindrücken verwundert es da nur wenig, dass ein großer "Alagna Freeride Paradise"-Aufkleber die Fensterscheibe ziert.
Im Gespräch erkannte man deutlich, dass diese Anlage mit viel Herzblut und persönlichem Engagement von einer handvoll Aktiven betrieben wird. Selbst ohne Gäste würde die Anlage nur für den Verein weiterbetrieben. Doch ich bin mir sicher, dass die Jungs die Anlage dort gut im Griff haben. Wenn keine extremen Schäden entstehen, sollte dieser Lift auch noch viele weitere Jahre seine Runden drehen.

Fazit: Der Lift ist ein echter Geheimtipp für alle die, die auf alte Lifte oder anspruchsvolle Skihänge stehen. Mich hat dieser Hang auf jeden Fall auch nicht das letzte Mal gesehen. Das nächste Mal dann vielleicht nach einem starken Neuschneefall. Dann wird hier nämlich morgens nicht präpariert :D
Anfänger sollten um diese Anlage jedoch lieber einen großen Bogen machen.
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Re: Goldlauter 16.02.19 | Ostalgie-Kleinod im Thüringer Wald

Beitrag von Skitobi » 19.02.2019 - 11:10

Sehr cooler Lift, von dem ich noch nie was gehört hatte - also danke fürs "Auslagern"!
Ist der benachbarte Lift am Döllberg auch zu empfehlen? Würde sich dann für eine Kombitour anbieten.
Aber die Betriebstage sind wahrscheinlich wirklich stark begrenzt, wenn es sowohl Schnee auf der Piste als auch wenig Schnee auf der Zufahrt braucht...

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Re: Goldlauter 16.02.19 | Ostalgie-Kleinod im Thüringer Wald

Beitrag von gerrit » 19.02.2019 - 11:12

Totpunktausstiege gab es früher öfters bei alten Schleppliften in den Alpen, der letzte an den ich mich persönlich erinnern kann, war der alte Hollhaushanglift auf der Tauplitz. Danke für den Bericht, das Gelände dort ist ja offenbar sowohl bei der Auf- alsauch bei der Abfahrt durchaus anspruchsvoll!
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Re: Goldlauter 16.02.19 | Ostalgie-Kleinod im Thüringer Wald

Beitrag von starli » 19.02.2019 - 12:14

Schaut nett aus. Plus natürlich der "Blaue-Stützen-Bonus" ;-)
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Re: Goldlauter 16.02.19 | Ostalgie-Kleinod im Thüringer Wald

Beitrag von kaldini » 19.02.2019 - 20:16

mal wieder so ein Bericht, warum ich auch nach vielen vielen Jahren das Forum so liebe!
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Re: Goldlauter 16.02.19 | Ostalgie-Kleinod im Thüringer Wald

Beitrag von GIFWilli59 » 19.02.2019 - 20:49

basti.ethal hat geschrieben:
19.02.2019 - 10:33
Lediglich die Gehänge sind ein Standardbauteil und sind dem ein oder anderen betagterem Forumsmitglied eventuell auch von alten Liftanlagen in Oberwiesenthal oder Tschechien bekannt.
Also von Transporta Chrudim?

Kann es eigentlich sein, dass der Lift in Liftworld gar nicht aufgeführt ist?

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Re: Goldlauter 16.02.19 | Ostalgie-Kleinod im Thüringer Wald

Beitrag von vovo » 19.02.2019 - 21:11

Danke für die Bilder...hab ich schon seit Jahren auf der Liste...ein Lift, bei dem man am liebsten sofort ins Auto springen und da hinauffahren möchte. Die Anfahrt scheint aber echt ein bisserl schwierig zu sein. München in der Rush-Hour finde ich weitaus weniger schlimm als verschneite oder vereiste Bergstraßen.


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Re: Goldlauter 16.02.19 | Ostalgie-Kleinod im Thüringer Wald

Beitrag von basti.ethal » 20.02.2019 - 12:43

vovo hat geschrieben:
19.02.2019 - 21:11
Danke für die Bilder...hab ich schon seit Jahren auf der Liste...ein Lift, bei dem man am liebsten sofort ins Auto springen und da hinauffahren möchte. Die Anfahrt scheint aber echt ein bisserl schwierig zu sein. München in der Rush-Hour finde ich weitaus weniger schlimm als verschneite oder vereiste Bergstraßen.
So schlimm ist die Anfahrt nun auch nicht. Natürlich wäre Allrad hilfreich, doch wird die Straße normalerweise regelmäßig geräumt. Daher ist die Zufahrt zwar leicht schneebedeckt aber griffig.
Das Problem bei unserem ersten Versuch war nur der Temperatursprung von -6 auf +3°C sowie der nächtliche Eisregen. Dies hatte selbst die Betreiber überrascht.
Somit sollte die Anfahrt kein Ausschlusskriterium sein ;)
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Re: Goldlauter 16.02.19 | Ostalgie-Kleinod im Thüringer Wald

Beitrag von basti.ethal » 21.02.2019 - 06:59

Passenderweise hier noch ein Bericht des ZDF

https://www.zdf.de/nachrichten/heute-in ... tor=CS5-95

Der Beitrag wurde wohl einen Tag vor meinem Besuch gedreht.
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Beitrag von Zottel » 22.02.2019 - 09:14

Super Bericht von einer besonderen Anlage, danke dafür! Toll, dass es sowas noch gibt :)

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