Aufgrund der Besonderheit dieser Liftanlage werde ich hierzu jedoch einen gesonderten Thread erstellen, sodass unseren Nostalski-Fans hier im Forum nichts entgeht
Vergangenen Samstag war es nun endlich soweit - Schneelage, Wetter und meine persönliche Terminplanung machten den Erstbesuch des Skihangs Goldlauter möglich.
Schon eine Woche zuvor versuchten wir diese Anlage zu besuchen. Die über Nacht gestiegenen Temperaturen und der dadurch entstandene Eispanzer auf der Zufahrtsstraße hielten die Betreiber jedoch davon ab, den Lift öffnen zu können. Umso gespannter waren wir nun, ob wir eine Woche später doch noch erfolgreich sein werden. Denn schon ein Blick auf die Homepage des Skivereins zeigt, dass eine Öffnung hier immer individuell entschieden wird und kein durchgängiger Betrieb stattfindet.
Und tatsächlich, diesmal war die Zufahrtsstraße geöffnet! Beim Anblick ebendieser wurde allerdings auch klar, warum hier letzte Woche auf Skibetrieb verzichtet wurde.

Es handelt sich hier nur um einen unbefestigten Waldweg. In der vergangenen Woche betrug der Eispanzer noch 10cm. Durch die Lage im Biosphärenreservat Thüringer Wald - Vessertal darf hier auch kein Salz gestreut werden...
Die Sonne hat die Straße schon etwas freigelegt. Kein Wunder bei den aktuellen Temperaturen.

Dann standen wir endlich am Parkplatz und konnten einen ersten Blick auf den steilen, unteren Bereich des Hanges werfen, welcher auf 1100m Länge einen Höhenunterschied von 250m überwindet.

Schnell legten wir die Skiausausrüstung an und fuhren die wenigen Meter zur Talstation. Der stehende Lift deutete jedoch schon darauf hin, dass es mit dem pünktlichen Start um 9Uhr nichts wird.

Nachdem wir den Hang kurz bestaunt haben meldeten wir uns an der Kasse und kauften jeweils eine 10er-Karte. Schnell wurden wir auch als Mitarbeiter der Skiarena enttarnt - man kennt sich in der Thüringer Liftszene
So klärte sich auch schnell auf, warum der Lift noch nicht läuft. Am Freitagabend wurde kurzfristig noch eine defekte Rolle getauscht und es muss noch eine Kontrollfahrt durchgeführt werden, mit welcher der Betriebsleiter auch umgehend startete.
Zeit um sich mit den Liftwarten zu unterhalten und die Talstation ein wenig zu inspizieren.


Wer nun akribisch versucht, die Bilder nach Herstellerzeichen abzuscannen wird nicht fündig werden. Die Anlage ist ein 100%iger Eigenbau des Vereins - Made in GDR versteht sich.
Die Anlage wurde 1971 erbaut. Hierzu wurden die seinerzeit in Suhl in großer Zahl ansässigen Werkzeugmaschinenfabriken als Quell für die Bauteile verwendet. Getreu dem Motto "aus unseren Betrieben ist noch viel mehr herauszuholen"
Auch das Abspanngewicht ist kein Standardbauteil.

Lediglich die Gehänge sind ein Standardbauteil und sind dem ein oder anderen betagterem Forumsmitglied eventuell auch von alten Liftanlagen in Oberwiesenthal oder Tschechien bekannt.

Auch eine kleine Beschneiungsanlage für den unteren Bereich der Piste ist vorhanden. Dies hier im Schutzgebieten durchzusetzen war eine Meisterleistung.

Die Uhr zeigte übrigens mittlerweile 9:30Uhr. Noch immer warteten wir mit nur einem weiteren Gast auf die Öffnung. Man merkt schnell, dass der Lift hauptsächlich vom ansässigen Verein frequentiert wird und man erfährt schon vor Betriebsbeginn eine gewisse Entschleunigung
Doch dann ging es los. Wir bekamen vom Liftler der hölzernen Kurzbügel gereicht und starteten die erste Fahrt!

Ein erster Seitenblick steigerte die Freude auf diesen anspruchsvollen Hang

Im Detail habe ich mir nicht jede Stütze angeschaut, jedoch ähnelte nicht Eine der Nächsten

Die Hangneigung wird erkennbar

Nach dem ersten Steilstück wird es in der Mitte wieder etwas flacher


An diesem Zwischeneinstieg endete der Lift die ersten Jahre. Doch bereits 1974 wurde der Lift weiter nach oben verlängert

Dies erkennt man auch daran, dass die Stützenkonstruktion nun von Portal auf T wechselt

Seitenblick durch den im TW seltenen Laubwald

Im Flachstück


Nun geht es noch einmal steil bergan. Die nicht präparierte Trasse und die relativ unkomfortablen Bügel machen schnell klar, dass dieser Lift nichts für Anfänger ist.

Am Berg angekommen verließ ich wie üblich den Lift und wurde auch sofort vom Liftler (und wie sich später herausstellte Vereinsvorsitzenden) darauf hingewiesen, dass der Ausstiegsvorgang hier anders abläuft. Doch dazu später mehr.
Von der Bergstation geht es per kurzen Ziehweg hinüber zum Hang

Erster Blick auf den Hang. Im Hintergrund sind die höchsten Erhebungen des Thüringer Waldes zu sehen. Links der Bildmitte der große Beerberg mit Plänckners Aussicht und Suhler Hütte. Rechts davon der Schneekopf und die Schmücke mit Sendemast.

Blick zurück im flacheren Mittelteil

Schlusshang

Rückblick

Mitten im Hang befindet sich dieser Fels, da dieser nicht entfernt werden durfte.


Mittlerweile schiebt sich die Sonne über den Berg

Nun zum Highlight der Anlage, dem Ausstieg: Wie zu sehen ist die Umlenke als Portal ausgeführt. Die Seilscheiben stammen übrigens ursprünglich aus dem Bergbau.

Auf dem Bild wird deutlich, dass die Reißleine talseitig angebracht ist.

Schon bei der ersten Auffahrt fiel mir auf, dass die Beruhigungstrecke am Ausstiegt recht kurz ist, sodass ich den Bügel schnellstmöglich wegwarf - falsch gedacht!
Nach einer kurzen Einweisung kannte ich die richtige Verhaltensweise:
Man fährt mit dem Bügel weiter bis zum hinteren Totpunkt und hält den Bügel fest. Wenn das Gehänge auf der Talseite entgegen kommt lässt man das Gehänge einziehen und lässt den Bügel erst los, wenn das Gehänge talfahrend wieder unmittelbar neben dem eigenen Standpunkt ist. CLEVER
Von meinem Vater erfuhr ich später, dass diese Vorgehensweise bei vielen Liften der DDR und Tschechiens nichts ungewöhnliches war.
Ich habe auch ein Video davon, bei Interesse kann ich das noch nachreichen.
Auch wenn ich kein Nostalgie-Fan bin, versprüht die Anlage schon einen gewissen Charme. Von hier aus wird sogar der Blick bis auf die Wasserkuppe in der Rhön frei.


Nach einigen weiteren Fahrten verbrachten wir dann noch eine Stunde mit dem Liftler auf dem Sonnendeck der Vereinshütte des dort ansässigen Telemark-Vereins. Nach den bisherigen Eindrücken verwundert es da nur wenig, dass ein großer "Alagna Freeride Paradise"-Aufkleber die Fensterscheibe ziert.
Im Gespräch erkannte man deutlich, dass diese Anlage mit viel Herzblut und persönlichem Engagement von einer handvoll Aktiven betrieben wird. Selbst ohne Gäste würde die Anlage nur für den Verein weiterbetrieben. Doch ich bin mir sicher, dass die Jungs die Anlage dort gut im Griff haben. Wenn keine extremen Schäden entstehen, sollte dieser Lift auch noch viele weitere Jahre seine Runden drehen.
Fazit: Der Lift ist ein echter Geheimtipp für alle die, die auf alte Lifte oder anspruchsvolle Skihänge stehen. Mich hat dieser Hang auf jeden Fall auch nicht das letzte Mal gesehen. Das nächste Mal dann vielleicht nach einem starken Neuschneefall. Dann wird hier nämlich morgens nicht präpariert
Anfänger sollten um diese Anlage jedoch lieber einen großen Bogen machen.