Lungau || 29.12.03 - 30.12.03

Austria, Autriche, Austria
Forumsregeln
Antworten
Benutzeravatar
Tschechen Conni
Massada (5m)
Beiträge: 9
Registriert: 05.12.2004 - 14:47
Skitage 25/26: 0
Ski: nein
Snowboard: nein
Ort: Österreich
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Lungau || 29.12.03 - 30.12.03

Beitrag von Tschechen Conni »

Hallo, ich freue mich, hier zu sein und endlich den Weg in euer sehr interessantes und nicht minder informatives Alpinforum gefunden zu haben.
Als meinen persönlichen Einstieg kommt hier nun ein etwas anderer Bericht über meinen letztjährigen Winterurlaub ins schöne Lungau. Und los geht's:

Lungau – terra incognita – unbekanntes Land, so wird Salzburgs südlichster Gau oft bezeichnet, gelegen hinter den Hohen Tauern weit abseits der Touristenpfade und fern jeglichen Rummels, bekannt oft nur durch die extreme Kälte, die hier während der langen Winter herrscht.

Und genau dieses geheimnisvolle, sagenumwobene, von schroffen, Furcht einflößenden Bergriesen umkranzte Tal sollte das Ziel unseres heurigen Trips in die Alpen sein. Sieben Personen waren ursprünglich Feuer und Flamme, um sich auf dieses winterliche Abenteuer einzulassen (Frau Conni, Frl. Sonni, Frau Thomas, Mrs. Lehner, Herr Birgit, Herr Thomas und Justus), doch musste Mrs. Lehner aufgrund mangelnder Fitness im letzten Moment erkennen, dass sie den hohen physischen Anforderungen, die eine solche Exkursion erfordert, nicht gewachsen war und zog freiwillig seine Teilnahme zurück mit dem Vorsatz über den Sommer hart an sich zu arbeiten um im nächsten Jahr den anderen ebenbürtig zu sein.

Die Fahrt konnte losgehen, je weiter südlich wir auf der Tauernautobahn unterwegs waren, desto schlechter wurde das Wetter. Gab es in Flachau noch etliche blaue Flecken am Himmel, empfing uns das Lungau, nachdem wir den Tauerntunnel passiert hatten, mit leichtem Schneefall und wolkenverhangenen Berggipfeln.

Schließlich mussten wir auch noch ein anderes Skigebiet anfahren, da vom Schneetelefon des Katschbergs, das ich zuvor angerufen hatte, mitgeteilt wurde, dass einige Sessellifte wegen starken Windes außer Betrieb seien. So beschlossen wir kurzerhand 5 Kilometer weiter nach Mauterndorf zu fahren, hier waren im Skigebiet Speiereck-Großeck sämtliche Lifte geöffnet.

Justus, der über kein zeitgemäßes Wintersportgerät verfügt, musste erst noch zum Skiverleih, um sich ein Paar Carver zu leihen. Hier konnte Herr Thomas – ohne angeben zu wollen - sein erworbenes Wissen als Sportberater einsetzen und empfahl dem hilflosen Jungen „sportliche Allrounder“ – so nennt man in Fachkreisen einen gutmütig - komfortablen, leicht drehbaren Ski, der sich auch im höheren Tempobereich durch besondere Laufruhe und gute Eisgriffigkeit auszeichnet. Nachdem Her Thomas an der Kassa 6 Tageskarten für jeweils 28 Euro erstanden hatte, eilte Justus schon aus dem gegenüberliegenden Sportgeschäft und präsentierte uns mit leuchtenden Augen seine „Mörderlatte“ – einen funkelnden Atomic C:9.2.

Herr Birgit, der schon zuvor nicht wahrhaben wollte, dass sich die erste Bergfahrt wegen Justus um einige Minuten verzögern würde, brüllte während dessen Abwesenheit derbe Schimpfwörter in die Menge wartender Touristen an der Kasse und rieb, während sich bereits Schaum an seinen Mundwinkeln sammelte, wehrlosen Kleinkindern die empfindlichen, zarten Gesichtchen mit eisigem Neuschnee ein. Als er ihn dann erblickte, ließ er von einem kleinen blonden Schwedenjungen, der bereits bitterlich weinte, ab, und stürzte mit hochrotem Kopf in Riesenschritten zur Gondel.

Nach etwa zehn Minuten Aufenthalt am Parkplatz in Mauterndorf bestiegen wir also eine runde 8-Personen Gondel der Einseilumlaufbahn aufs 2050 Meter hohe Großeck, das uns mit eiskaltem Wind, Schneetreiben und übelsten Sichtverhältnissen empfing.

Alle Teilnehmer waren körperlich topfit und ließen sich von den widrigen Wetterverhältnissen keineswegs beirren: Justus rief uns allen noch ein vergnügliches „Ski-Heil“ zu und stürzte sich furchtlos in den ersten Steilhang, Frau Conni posierte aufreizend in ihrer eng anliegenden Jethose vor einer Gruppe bayrischer Volksschüler, wurde aber ob ihrer etwas antiquiert anmutenden Skikleidung nur verspottet, Herr Birgit, der sich in den Kopf gesetzt hatte die zuvor verlorene Zeit wieder wettzumachen, rammte Frau Thomas, der ihm gerade ein Küsschen auf die Wange zu geben versuchte, einen Skistock in den Bauch, brüllte „aus da Bau, du Ochs“, und begab sich sofort in tiefe Abfahrtshocke und Frl. Sonni, überglücklich mit ihren neuen Kurzskiern, die sie von ihrem Vater „Siggi“ tags zuvor geschenkt bekommen hatte, pflügte fröhlich vor sich hin summend ihre gleichmäßigen, wohlüberlegten Bahnen in den Schnee.

Nachdem wir einige Male mit der Vierersesselbahn, die sogar über einen Schutz gegen Taubenkot verfügt („Bubble“, Mrs. Lehner nennt es treffend „Schissschutz“), bis zum Gipfel auf 2400 Meter gefahren waren, wurde die Sicht vor allem im oberen baumfreien Bereich immer schlechter, der Wind wurde von Minute zu Minute stärker und so blieb uns nichts anderes übrig, als uns in Richtung Tal zu orientieren, wo wir in der urigen Skialm einkehrten, um bei Speis und Trank wieder zu Kräften zu kommen.

Hier der Speiseplan unserer Gruppe:

Frl. Sonni: Spinatspätzle, dazu 0,5 Liter Skiwasser
Frau Conni: Fritattensuppe, ½ Skialmtoast, dazu 0,5 Liter Skiwasser und ein zweites Skiwasser
Frau Thomas: Grillwürstl mit Pommes, dazu 0,5 Liter Skiwasser
Justus: Lungauer Kaspressknedlsuppe, Spinatspätzle, dazu 0,5 Liter Skiwasser
Herr Birgit: Lungauer Kaspressknedlsuppe, Spinatspätzle, dazu 0,5 Liter Skiwasser
Herr Thomas: Lungauer Kaspressknedlsuppe, ½ Skialmtoast, dazu 0,5 Lier Skiwasser

Herr Birgit, der durch seinen riskanten Fahrstil (immer den kürzesten Weg Schuss in direkter Falllinie) am Vormittag oftmals nur um Haaresbreite eine Kollision vermeiden konnte, wurde in der Skialm von vielen Touristen wieder erkannt und laufend als „Wahnsinniger“, „Voinoar“, von Ausländern auch gern als „Motherfucker“ und „Asshole“ beschimpft, ein aufgebrachter Kärntner Mitte 70 war derartig verstimmt, dass Herr und Frau Thomas ihn nur mit vereinten Kräften davon abhalten konnten, mit den Fäusten auf Herrn Birgit loszugehn.

Nun gut, Herrn Birgit ließen diese Vorkommnisse völlig kalt, anscheinend war er es gewohnt; kaum das letzte Spätzle hinuntergewürgt, befand er sich schon wieder im Laufschritt am Weg zur Seilbahn.

Nachmittags befuhren wir noch einige Male die selektive Talabfahrt durch den lichten Lärchenwald – hier war die Sicht hervorragend und wir genossen den bärigen Neuschnee.

Nachdem wir um 16 Uhr zum letzten Mal die Gondel erreicht hatten, begaben wir uns unter ständigem Gemaule von Herrn Birgit, der nicht einsehen wollte, dass die Lifte bereits geschlossen waren zu unseren Autos.


to be continued..

Benutzeravatar
Downhill
Moderator a.D.
Beiträge: 6672
Registriert: 13.11.2002 - 21:58
Skitage 25/26: 0
Ski: ja
Snowboard: nein
Ort: Germering
Hat sich bedankt: 576 Mal
Danksagung erhalten: 673 Mal

Beitrag von Downhill »

Erstmal herzlich willkommen im Alpinforum! :hallo:

Mal ne ganz neue Art von Berichten!
Ich hab mich köstlich amüsiert! :rofl:
Dove vai senza sci?
Wege entstehen, indem man sie geht.
Benutzeravatar
GMD
Ski to the Max
Beiträge: 12577
Registriert: 25.02.2003 - 13:09
Skitage 25/26: 0
Ski: ja
Snowboard: nein
Hat sich bedankt: 35 Mal
Danksagung erhalten: 197 Mal

Beitrag von GMD »

Auch von mir ein herzliches willkommen. Das neue Europa wird nun auch im Alpinforum aktiv. Sehr gut, wir haben ja noch ein gewisses Defizit was Berichte aus der Tatra betrifft.
Probably waking up
max
Feldberg (1493m)
Beiträge: 1754
Registriert: 18.06.2003 - 18:44
Skitage 25/26: 0
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Beitrag von max »

was soll ich sagen... einfach zum lachen :biggrin:
ich hoff es kommen noch mehr solche berichte von dir!
Antworten

Zurück zu „Österreich“