Kurier hat geschrieben:DIE AUTOMATISIERTE FRAU HOLLE
von Anita Staudacher
Ausgerechnet ein "Flachländer" sorgt derzeit für Staunen in der Welt der künstlichen Schnee-Erzeugung. Eine neu entwickelte Schneekanone der Firma E. Zottl GmbH aus Leobersdorf/NÖ schneit selbst dann noch, wenn andere Anlagen nur noch Wasser spucken.
"Wir schneien auch bei Plusgraden und sind damit den anderen Anbietern um gut drei bis vier Grad voraus", ist Geschäftsführer Johann Zottl stolz auf seine Innovation, die erst kürzlich am Semmeringer Hirschenkogel ihren Ersteinsatz erfolgreich absolvierte. Durch eine ausgeklügelte Mischtechnik von Luft und Wasser sowie einer Spitzen-Beschleunigung beim Schneeauswurf auf über 130 km/h sei eine Beschneiung bis drei Grad plus Umgebungstemperatur möglich - ganz ohne chemische Zusätze, erzählt Zottl. Zielgruppe für seine vollautomatisierte Hightech-Kanone sind vor allem niedrig gelegene Schigebiete.
Durch die zunehmend schneeärmeren Winter ist in Österreichs Wintersportzentren ein regelrechtes "Wettrüsten" um Schneekanonen und so genannten Schneilanzen ausgebrochen. Insgesamt versorgen 300 Beschneiungsanlagen rund 8000 Hektar Pistenfläche mit dem nötigen Weiß, das sind etwa 40 Prozent aller Skipisten. Jährlich werden fast 180 Mio. Euro für neue, immer modernere Schnee-Erzeugung "verpulvert". Wer ein Hektar Piste beschneien will, muss mit Anschaffungskosten von 140.000 Euro rechnen.
SNOW-BUSINSS Um den "Weltcup unter den Schneemachern" rittern einige wenige Großanbieter, die Gesamtanlagen offerieren, sowie mehrere kleine Hersteller. Zu den größten Schnee-Erzeugern weltweit zählen die schwedische Lenko, die mehr als 600 Skigebiete unter Vertrag hat, die Südtiroler Firma TechnoAlpin, das US-französische Unternehmen York Neige (Snowmax) sowie die Firma SUFAG aus Vorarlberg. Diese schloss sich vor zwei Jahren mit der schwedischen Areco zusammen und liefert in mehr als 20 Länder, darunter China. Jahresumsatz: 18 Mio. Euro. "Jetzt werden vor allem bestehende Anlagen automatisiert und modernisiert, z. B. durch höhere Pumpleistungen", erhofft sich Verkaufsleiter Anders Rydelius lukrative Um- und Nachrüstgeschäfte.
Ganz auf den "Outsourcing"-Trend setzt die Firma Wintertechnik aus Niederösterreich. Sie offeriert den Pistenbetreibern fixfertig beschneite Kunstschneepisten - zum Kubikmeterpreis.
Kurier hat geschrieben:Wasser + Luft = Kunstschnee
Für die Erzeugung von Kunstschnee braucht man nur zwei Zutaten: Wasser und Luft. Wasser wird mit Leitungen auf den Berg gepumpt, die Luft mittels Antrieb (Kompressor) dazu gemischt. Das Wasser-Luftgemisch wird dann in Düsen zu feinsten Tröpfchen zerstäubt und hinaus geblasen, bis zum Aufkommen am Boden bilden sich Schneekristalle. In der Regel funktioniert eine künstliche Beschneiung nur bei Minustemperaturen (ideal: -4 bis 5 Grad) und bei nicht zu hoher Luftfeuchtigkeit (unter 80 Prozent). Technische Lösungen für eine Ausweitung gibt es bereits. Für die Herstellung von einem Kubikmeter Schnee werden rund 300 bis 400 Liter Wasser gebraucht. Man unterscheidet im wesentlichen zwei Arten von Beschneiung:
Propellersysteme (Schneekanonen): Dabei wird das Wasser mittels Gebläse (meist eigener Kompressor) durch Düsen in die Luft gesprüht, wo es zu Schneekristallen gefriert. Auch Kompressor-lose Kanonen gibt es bereits am Markt.
Lanzensysteme: Eine Fallhöhe von 13 Meter ersetzt den Propeller zur Erzeugung des Luftstroms. Lanzen sind daher leiser und verbrauchen weniger Energie, erzeugen aber auch weniger Schnee.
Eine ganze Anlage besteht meist aus einer Kombination der beiden und wird mittels Software automatisch gesteuert.