Schilthornbahn defekt (29.12.2004)

Medienberichte rund um den Wintersport: Aktuelle TV-Tipps, Presseartikel, Unfallmeldungen und Diskussionen zu Nachrichten aus der Alpinwelt.
sänger
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Beitrag von sänger »

Einen Bericht des CH-Fernsehens gibt's hier in CH-Dialekt:

http://www.sfdrs.ch/content/news/schwei ... d=20050106

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seilreiter
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Beitrag von seilreiter »

Berner Oberland Ztg. hat geschrieben: «Ein Novum», aber kein Sicherheitsrisiko
Warum und wie das Tragseil der Schilthornbahn vor einer Woche angerissen wurde, bleibt ein Rätsel.
Peter Feuz, VR-Delegierter der Schilthornbahn AG, informierte am Montagabend eingehend über die Umstände des Schadens am Tragseil der Sektion Mürren–Birg. Kein Techniker könne sich das erklären, warum vor einer Woche in der linken Seilspur der Schilthornbahn zum Birg ein Schaden entstand.


«Vereinzelte Litzenbrüche sind schon immer passiert. Dass aber sämtliche 21 Litzendrähte auf einmal reissen, ist ein Novum» sagte Feuz. Und stellt gleichzeitig fest: «Es bestand aber zu keinem Zeitpunkt die Gefahr eines totalen Seilrisses, da der Seilkern absolut gesund ist und die Anlage mit 3,26-facher Sicherheit betrieben wird.» Die 6 Millimeter dicken Z-Profil-Drähte bilden die Ummantelung der kompaktierten 40-Millimeter-Tragseile, welche die Laufwerke der Seilbahnkabinen paarweise tragen und mit 42 Tonnen gespannt sind (wir haben berichtet). Es gilt nun, die zwei 39-jährigen Seile zu je 3 Kilometern Länge auszuwechseln, was die Schilthornbahn auf über eine halbe Million Franken zu stehen kommen wird.
Eine Herausforderung wird auch der Transport der neuen, insgesamt 60 Tonnen schweren Seile von Stechelberg hinauf nach Mürren werden. Diese werden vertikal über die Fluh hinaufgezogen. Sobald das Seil in Stechelberg ist, werden für die Montage vier bis fünf Wochen benötigt.
Die Hochöfen beim Austria-Draht-Walzwerk in Donawitz (Steiermark) benötigen volle vier Tage bis zur Betriebstemperatur. Erst dann können die zur Herstellung benötigten Drähte in Produktion gehen. Die detaillierten Lieferfristen sind jedoch noch nicht bekannt.
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Oscar
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Am 6.1.05 im "Echo von Grindelwald"

Beitrag von Oscar »


Warten auf die neuen Seile
Schilthornbahn braucht schnelle Österreicher


Über Mürren hängt ein riesiges Fragezeichen: Wie lange bleibt die Schilthornbahn auf der Sektion Mürren-Birg noch geschlossen? Warum ist passiert, was eigentlich gar nicht passieren kann? Im Dorf und in der Unternehmung rätselt man. Nach Aussage von Schilthornbahn-Direktor Peter Feuz kann sich derzeit niemand die Ursachen des Mantelrisses am Tragseil erklären. Dies ist jetzt Gegenstand der Untersuchung der zuständigen Stelle im Bundesamt für Verkehr. Unklar bleibt auch, wie lange der Unterbruch dauern wird. Peter Feuz lässt sich keine Zeitangabe mehr entlocken, er spricht lediglich «von Wochen». Zumindest haben die Österreicher in ihrem Werk in der Steiermark die Hochöfen unterdessen angeworfen, um die für das Tragseil nötigen Drähte zu produzieren. Erst dann können die eigentlichen Seile in Romanshorn hergestellt werden. In Mürren selber schaut man den nächsten Wochen gefasst, aber doch mit einigen Sorgen entgegen.
Zuletzt geändert von Oscar am 08.01.2005 - 13:48, insgesamt 1-mal geändert.
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Oscar
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Beitrag von Oscar »

Hab da nochwas auf der Homepage der Schilthornbahnen gefunden:

Schilthornbahn: infolge Tragseilschadens bleibt der Betrieb der Sektionen Mürren-Birg und Birg-Schilthorn bleibt bis zum 11. März 2005 eingestellt.

http://www.schilthorn.ch/incms_files/do ... .01.05.pdf
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seilreiter
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Re: Am 6.1.05 im "Echo von Grindelwald"

Beitrag von seilreiter »

Oscar hat geschrieben: Erst dann können die eigentlichen Seile in Romanshorn hergestellt werden
Bei der Fa. Fatzer

was für ein Name für einen Seilhersteller ...
fatzen (schwäbisch) = reissen (hochdeutsch)

Finde die Sache jetzt nicht soooo harmlos ... und die Frage wie lange denn die Betriebspause dauert halte ich für eher unwichtig

Für mich klar ein Fall der beweist, das. 2. parallele TragSeil erfüllt eine wichtige Redundanzfunktion. Mögen Sich die anderen vor- und Nachteile der beiden Systeme 1 bzw. 2 Tragseile vielleicht aufheben (windstabilität usw.) jedenfalls sieht das Bild von Theo echt krass aus wer weiss was passsiert wäre wenn die Bahn nicht sofort angehalten hätte, evtl. wird da der -nun offenliegende- Kern auch noch geschwächt --> so und jetzt haben wir eine 1-Tragseil PB :?
HP
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Schilthornbahn

Beitrag von HP »

Wie alt dürfen denn Tragseile / Zugseile sein. Bei der Schilthornbahn sprach man von 40 jährigen Seilen.... ? Bestehen da Erfahrungswerte ?

Hat dieser Tragseilschaden ev. mit dem Alter oder ev. mit Materialermüdung zu tun ?
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GMD
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Beitrag von GMD »

Tragseile halten in der Regel sehr lange. Die Predigtstuhlbahn hat beispielsweise 80-jährige Kabel im Einsatz!
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HP
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Beitrag von HP »

80 jähriges Seil ist sicherlich eine Ausnahme.
Wann werden in der Regel die Tragseile / Förderseile (schadenfrei) aus Sicherheitsgründen (Materialermündungsrisiko ?ausgewechselt ? Hängt sicherlich auch mit der Seillänge, Beanspruchung zusammen.

nach 10, 20, 30, 40 oder mehr Jahren ?
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Schmalspurfan
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Beitrag von Schmalspurfan »

x x
Zuletzt geändert von Schmalspurfan am 11.01.2006 - 19:18, insgesamt 1-mal geändert.

sänger
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Beitrag von sänger »

In der Tat gibt es Anlagen, bei welchen schon sehr alte Tragseile eingelegt sind. Weshalb allerdings bei der Anlage A ein Tragseil 60 Jahre im Einsatz belassen werden kann, bei der Anlage B aber schon nach 20 Jahren ersetzt werden muss kann niemand erklären. Massgebend für die Lebensdauer dürften äussere Einflüsse (Klima, Gewitter), das Design der Anlage, die Seilpflege und andere Grössen (welche?) sein.
Das Ablegekriterium für ein Tragseil richtet sich nach der Querschnittsverminderung, welche sich aus Drahtbrüchen und Korrosion (im wesentlichen) zusammensetzt. Diese Querschnittsverminderung wird regelmässig durch das magnetinduktive Prüfverfahren erfasst. In der Schweiz muss das Tragseil im 1. Jahr und danach alle 6 Jahre magnetinduktiv geprüft werden (vorausgesetzt, der Prüfturnus muss nicht wegen schlechten Resultaten herabgesetzt werden).
Wie Schmalspurfan erwähnt, werden die Tragseile periodisch verschoben. In der Schweiz mindestens alle 12 Jahre. Das Verschieben der Seile muss nebst der gleichmässigeren Abnutzung aber auch aus folgendem Grund erfolgen: die magnetinduktive Prüfung kann verfahrensbedingt nur in den freien Seilfeldern erfolgen. Jene Tragseilabschnitte, welche auf den Stützen aufliegen, können also während max. 12 Jahren nicht geprüft werden. Deshalb werden die Seile vor dem Verschieben geprüft und nach dem Verschieben die nun frei gewordenen Abschnitte ebenfalls geprüft. Die Länge, welche das Tragseil verschoben wird, richtet sich dabei nach dem längsten Tragseilsattel.
HP
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Beitrag von HP »

nur alle 12 Jahre für das Tragseil auf der Stütze ?

Ist das nicht ein Sicherheitsrisiko oder gibt es da andere Prüfungsverfahren ?
sänger
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Beitrag von sänger »

Weshalb man gerade auf 12 Jahre kommt, kann ich auch nicht sagen. Hängt vermutlich mit dem normalen Prüfturnus der Tragseile (6 Jahre) zusammen. Bisher sind keine Probleme mit dem längeren Prüfturnus bei den Stützenauflagen bekannt. Bei verdacht auf eine Seilschädigung kann man das Seil immer noch abheben und eine magnetinduktive Prüfung oder besser eine Durchstrahlungsprüfung durchführen.
sänger
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Beitrag von sänger »

Berner Oberland Ztg. hat geschrieben: «Ein Novum», aber kein Sicherheitsrisiko
Warum und wie das Tragseil der Schilthornbahn vor einer Woche angerissen wurde, bleibt ein Rätsel.
Peter Feuz, VR-Delegierter der Schilthornbahn AG, informierte am Montagabend eingehend über die Umstände des Schadens am Tragseil der Sektion Mürren–Birg. Kein Techniker könne sich das erklären, warum vor einer Woche in der linken Seilspur der Schilthornbahn zum Birg ein Schaden entstand.


«Vereinzelte Litzenbrüche sind schon immer passiert. Dass aber sämtliche 21 Litzendrähte auf einmal reissen, ist ein Novum» sagte Feuz. Und stellt gleichzeitig fest: «Es bestand aber zu keinem Zeitpunkt die Gefahr eines totalen Seilrisses, da der Seilkern absolut gesund ist und die Anlage mit 3,26-facher Sicherheit betrieben wird.» Die 6 Millimeter dicken Z-Profil-Drähte bilden die Ummantelung der kompaktierten 40-Millimeter-Tragseile, welche die Laufwerke der Seilbahnkabinen paarweise tragen und mit 42 Tonnen gespannt sind (wir haben berichtet).
Keine Gefahr bestanden? Rechne: angenommen, das Tragseil ist ein Stahlzylinder mit 40mm Durchmesser. Das ergibt einen metallischen Querschnitt von 1257 mm2 und entspricht 3.26-facher Sicherheit. Nach dem Wegfallen der Profildrähte (6 mm) hat der Zylinder noch einen Durchmesser von 28mm Durchmesser; ergibt einen metallischen Querschnitt von 616 mm2 -> Sicherheit von noch 1.6. Diese Sicherheit von 1.6 ist in Wahrheit aber tiefer, weil das Seil im innern aus Kerndrähten besteht und nicht aus einem Stahlzylinder. Die Sicherheit dürfte also noch bei etwa 1.4 liegen. Beim Riss der Profildrähte dürfte noch ein dynamischer Effekt auf die Restdrähte hinzugekommen sein und die Sicherheit dürfte sich für einen Augenblick gefährlich nahe von 1 verkleinert haben. Ich bin überzeugt, das ganze wurde heruntergespielt und in Wahrheit ging man haarscharf einer Katastrophe vorbei. Dass man zwei Tragseile hat und dabei eine Redundanz habe lasse ich nicht gelten. Zwei Tragseile hat man aus rein praktischen Gründen: leichterer Transport der Seile, leichtere Montage, kleinere Radien der Stützensättel, kleinere Poller -> kleinere Gebäude etc. Ausserdem: wenn 2 Tragseile ein Redundanzfaktor wären, weshalb hat man dann nicht 2 Zugseile...
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seilreiter
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Beitrag von seilreiter »

sänger hat geschrieben: Dass man zwei Tragseile hat und dabei eine Redundanz habe lasse ich nicht gelten. Zwei Tragseile hat man aus rein praktischen Gründen: leichterer Transport der Seile, leichtere Montage, kleinere Radien der Stützensättel, kleinere Poller -> kleinere Gebäude etc. Ausserdem: wenn 2 Tragseile ein Redundanzfaktor wären, weshalb hat man dann nicht 2 Zugseile...
Auch wenn das 2. Seil nicht mit dem vorrangigen Ziel einer Redundanz verbaut wird (dann müsste ja beide Seile den Querschnitt haben , den das Seil einer entspr. 1-Tragseil PB hätte), hat man doch ein getrenntes System das zb gegenüber Folgebeschädigungen unempfindlicher ist

Warum keine 2 Zugseile ... es gibt Tragseilbremsen :)
sänger hat geschrieben: Ich bin überzeugt, das ganze wurde heruntergespielt und in Wahrheit ging man haarscharf einer Katastrophe vorbei.
Ganz deiner Meinung ...
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Beitrag von HP »

und es stellt sich nach vor die Frage:

Warum dieser Vorfall - trotz aller Kontrollen und x-fachen Seilreisssicherheit sowie bestem Material - dennoch passieren konnte ? Ich hoffe, dass dies in den nächsten 10 Jahren ein Einzelfall bleibt und in der Schweiz keine solchen Defekte auftauchen werden....

In der Konsequenz müssten ja alle Tragseile/Förderseile in der Schweiz speziell überprüft (nach Kenntnis der Ursache) werden. Wird dies auch so sein ?
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Oscar
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Beitrag von Oscar »

Jo das kann schon sein, haben wohl wirklich Schwein gehabt, am Vortag sind wir noch mit der Bahn gefahren!
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Beitrag von HP »

Sorry meinte

100 Jahre

HP
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Beitrag von HP »

Das grosse Warten auf Antworten
Nach dem Seilanriss bei der Schilthornbahn herrscht nun gespanntes Warten auf die Ergebnisse der Untersuchung. Gemäss Behörden und Seilbahnverband besteht kein Anlass, andere Betriebe einzustellen.
Reparaturarbeiten an Schilthornbahn / Keystone«Es wäre völlig unverhältnismässig, anderen Seilbahnen ihren Betrieb zu verbieten», sagt Pressesprecher Gregor Saladin vom Bundesamt für Verkehr (BAV). «Wir müssen nun einfach die Resultate der Untersuchung abwarten, um dann sofort die notwendigen Massnahmen zu ergreifen. Es hat keinen Wert, jetzt in Aktionismus zu machen.» Damit kontert er nicht zuletzt auch die in der «SonntagsZeitung» laut gewordenen Forderungen vereinzelter Parlamentarier wie SVP-Nationalrat Ulrich Gienzendanner, die eine sofortige Überprüfung oder gar Einstellung anderer Schweizer Seilbahnbetriebe verlangen.


Laufende Überprüfung


Abwarten empfiehlt auch der Verband Seilbahnen Schweiz seinen insgesamt 405 Mitgliedern. 124 von ihnen betreiben wie die Schilthornbahn AG eine Pendelbahn mit zwei Tragseilen. Verbandssprecher Felix Maurhofer: «Die Sicherheit steht an erster Stelle. Jedes Seil wird alle drei Jahre genauestens überprüft und richtiggehend geröntgt. Zudem kontrollieren die ausgebildeten Seilbahntechniker laufend alles Material.» Beim partiellen Seilriss der Schilthornbahn handle es sich um «einen bisher völlig einmaligen und absolut rätselhaften Vorfall». Entsprechend gross sei die Spannung auf die Resultate der Untersuchung, die, so Maurhofer, «halt so lange braucht, wies braucht».


Zuerst im Empa-Labor


Wie lange die Untersuchung dauert, ist noch völlig offen. Durchgeführt wird sie von der Unfalluntersuchungsstelle Bahnen und Schiffe (UUS) im Auftrag des Eidgenössischen Departementes für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek). Über das detaillierte Vorgehen konnte UUS-Leiter Markus Beer gestern noch keine Angaben machen: «Die weiteren Schritte hängen nun von der ersten Analyse ab.»


Rund 25 Meter des beschädigten Seiles werden gegenwärtig im Labor der Eidgenössischen Materialprüfungsanstalt (Empa) in Dübendorf untersucht. Gemäss Markus Beer kann dies «einige Tage» in Anspruch nehmen, da es sich um eine «aufwändige Abklärung eines bisher einmaligen, nicht vergleichbaren Schadens handelt». Die beiden bisher letzten abgeschlossenen Untersuchungen der UUS betrafen eine Förderseilentgleisung in Wangs und den Kabinenabsturz in Zermatt.


Material in Produktion


Nicht nur Behörden und Bahnen warten gespannt auf die Untersuchungsergebnisse. Grosses Rätselraten herrscht auch beim Seilhersteller, der Fatzer AG in Romanshorn. Hansueli Kreis, Verkaufsleiter Schweiz: «Wir können uns die Ursache dieses bisher einmaligen Schadens nicht vorstellen.» Das Seil war vor 40 Jahren von der Schweizerischen Seilindustrie AG in Schaffhausen geliefert worden.


Als führendes Unternehmen stellt die Fatzer AG jährlich rund 4500 Tonnen Seil her und zählt weltweit über 200 Pendelbahnen zu ihren Kunden.Laut Hansueli Kreis läuft die Produktion der von der Schilthornbahn bestellten vier neuen Tragseile bisher programmgemäss. Zurzeit produziert der österreichische Lieferant, mit dem die Fatzer AG schon seit Jahrzehnten zusammenarbeitet, das Drahtmaterial, das heisst, er giesst und walzt die Stahldrähte. Für den 6. Februar ist die Lieferung des ersten Seiles nach Stechelberg vorgesehen, für den 8. Februar diejenige des zweiten. Die neuen Tragseile sind mit vier Zentimetern zwar gleich dick wie die nun ausgetauschten (siehe Grafik), weisen jedoch zwei Lagen mit Z-Profil-Drähten auf.


bin auch gespannt, was da raus kommt....
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Beitrag von Theo »

Das hier stand vor ein paar Tagen im Blick. Jetz ist es auch auf der Hompage von Mürren.
Wer höher hinauf will kann jetz Helifliegen oder einfach hochlatschen.
Wenn die oberste Sektion der Schilthornbahn und der SL Engetal hinauf zum Birg offen wären, könnte man ja mal Hochfliegen aber nur für die zwei fixen SB ist der Spass dann doch zu teuer.
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Beitrag von k2k »

Lol, nice. Also ich würd da ja glatt hochlaufen ;-)
"Seilbahnen sind komplexe technische Systeme. Sie sind Werke innovativen vielschichtigen Schaffens und bilden ein spannungsvolles Zusammenspiel technischer und wirtschaftlicher, politischer, sozio-kultureller und landschaftlicher Faktoren." (Schweizerisches Bundesamt für Kultur)
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Beitrag von Downhill »

k2k hat geschrieben:Lol, nice. Also ich würd da ja glatt hochlaufen ;-)
Vergiss es, rentiert sich nicht :D
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Wege entstehen, indem man sie geht.
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Beitrag von Migi »

Naja, ich finds krank. Hab aber dann das Vergnügen das unseren Kunden auch noch zu erklären...
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Beitrag von TPD »

Das hier stand vor ein paar Tagen im Blick. Jetz ist es auch auf der Hompage von Mürren.
Na toll, und heute fand ich folgende Mitteilung. Das heisst, dass schon vor der Bewilligung Werbung für die Helikopterflüge gemacht wurde.
Schilthornbahn: UVEK bewilligt Helikopter-Luftbrücke

Bern. DPA/baz. Als Ersatz für die defekte Schilthornbahn dürfen im Skigebiet Mürren/Schilthorn während den kommenden fünf Wochen Personentransporte per Helikopter geflogen werden. Das UVEK hat ein entsprechendes Gesuch aus dem Berner Oberländer Kurort bewilligt.
Das Bundesamt für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) habe unter Auflagen die Bewilligung für die Helikopterflüge erteilt, sagte Beat Siegenthaler, Einsatzleiter der Air-Glaciers in Lauterbrunnen am Freitag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Bewilligt wurden laut Siegenthaler 50 Rotationen pro Tag zwischen dem Winterflugfeld Blumenthal oberhalb Mürrren bis zur Talstation des Sessellifts Kandahar. Geflogen werden darf zwischen 9.30 und 12 Uhr sowie zwischen 13 und 14 Uhr. Die Genehmigung ist befristet bis zur Wiederinbetriebnahme der zwei oberen Sektionen der Schilthornbahn, die für den 12. März geplant ist.

Mit einem vierplätzigen Helikopter vom Typ EC-120-Colibiri soll der Flugbetrieb bereits am Samstag aufgenommen werden, wie Siegenthaler sagte. Täglich können damit 200 Personen ins Skigebiet transportiert werden. Das Gesuch für die Helikopterflüge war von der Air Glaciers auf Initiative von Mürren Tourismus und des lokalen Hoteliervereins eingereicht worden.

Bei einem Zwischenfall war am 29. Dezember eines der vier Tragseile der Sektion Mürren-Birg der Schilthornbahn beschädigt worden, 53 Passagiere mussten aus einer Gondel evakuiert werden. Bis am 12. März sollen alle vier Tragseile der Sektion ersetzt und die Bahn wieder in Betrieb genommen werden.
Quelle BaZ 04.02.05 14:14
Jay
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Beitrag von Jay »

Ein top Artikel von espace.ch
Das Seil der Zuversicht
Spektakulär werden seit zwei Tagen die neuen Tragseile der Schilthornbahn montiert. Nach dem Seilanriss stellt sich die Frage: Können Stahlseile Sicherheit garantieren? Auf jeden Fall, sagen die Seilbahnbauer. In ihrer Welt sind Nerven wie Drahtseile selbstverständlich. Ein Ausflug in einen Kosmos der unvorstellbaren physikalischen Kräfte und des unerschütterlichen Vertrauens in Technik und Sicherheitsmassnahmen.

Auf der Tischplatte stehen kleine Querschnittmuster mächtiger Drahtseile. «Die Seile, die wir jetzt für die Schilthornbahn produzieren, sind schon etwas Besonderes», sagt Hansueli Kreis, Verkaufschef der Fatzer AG in Romanshorn am Bodensee, weltgrösster Hersteller von Seilbahnseilen. Nimmt man ein handlich scheinendes Seilmuster in die Finger, staunt man über das Gewicht. Reissen? Unvorstellbar.
Grandios überwinden Seilbahnbauer gähnende Abgründe und brachiale Felswände. An bedrohlich dünn scheinenden Seilen schweben immer grössere Kabinen. Unvorstellbar, welche physikalischen Kräfte die Seile bändigen. Unvorstellbar, was passieren würde, wenn ein Seil reisst. Deshalb muss unvorstellbar bleiben, dass ein Seil reisst.

Familiär und globalisiert

Im rustikalen Business, in dem Hansueli Kreis wirkt, ist Unvorstellbares normal. 4500 Tonnen Drahtseil verkauft die Fatzer AG mit ihren 60 Angestellten pro Jahr – in alle Welt. Trotzdem kennt man jeden Auftraggeber persönlich: «Seilbähnler sind wie eine Familie. Dieser Zusammenhalt ergibt sich automatisch, weil wir uns in einem speziellen, vielen Leuten fast unheimlichen Fachgebiet bewegen. Aber die Faszination befällt einem wie ein Virus.»

Genau so ist es. Ehrfürchtig steht man vor der gigantischen Spule. Darauf aufgerollt ein vier Zentimeter dickes Seil. Elf Kilometer lang. Auftraggeber: Eine Seilbahn in Hongkong, China. Mit einem Speziallastwagen wird das Monster nach Basel geführt, dann per Schiff in den fernen Osten. Ein globales Geschäft mit exotischem Spezial-Knowhow an der Grenze des Machbaren.

Kreis lacht: «Es wäre kein Problem, Seile zu produzieren, die noch bedeutend länger sind.» Die Grenzen setze nicht die Produktionstechnik, sondern das praktische Handling: Seilrollen zu transportieren, die über 100 Tonnen schwer sind, «stellt uns vor praktisch unlösbare Herausforderungen».

Wie Massanzüge

Angesichts dieser Grössenverhältnisse erscheinen die vier je drei Kilometer langen 28-Tonnen-Seile der Schilthornbahn als Routineauftrag. «Das täuscht», widerspricht Kreis. Drahtseile für Seilbahnen seien wie Massanzüge – sie müssten perfekt auf den Einsatzort abgestimmt sein. «Aussergewöhnlich am Fall Schilthorn sind der Termindruck und die Umstände.»

Vor allem die Umstände: Mürren konfrontiert die Familie der Seilbähnler mit einem irritierenden Störfall, wie es ihn in der schweizerischen Seilbahngeschichte noch nie gab. In der Sektion Mürren-Birg riss die Aussenhaut eines Tragseils. Alle 21 Drähte auf einmal. Dass ein Drahtseil, dessen Riss sich niemand vorstellen kann, wider Erwarten anreisst, wirkt auf Aussenstehende beunruhigend. Es könnte eben doch passieren, was nicht passieren darf. Die Familie der Seilbähnler damit aus der Ruhe zu bringen, ist allerdings unvorstellbar.

Am 29. Dezember, kurz vor 14 Uhr, gab es einen Knall im Seil, kurz nachdem die mit 52 Personen besetzte Gondel die Station Mürren Richtung Birg verlassen hatte. Der Maschinist stoppte die Seilbahn sofort, die Passagiere wurden in einer zweistündigen Routineaktion vom Helikopter am Seil aus der Kabine in Sicherheit geflogen. Seither stehen die beiden oberen Sektionen der Schilthornbahn still.

Hansueli Kreis war am 29. Dezember am Skifahren im Bündnerland, als sein Handy klingelte. Der Fatzer-Manager beorderte einen Spezialisten nach Mürren, der sich den rätselhaften Seilschaden unweit der Station Birg an der Longline des Helikopters aus der Nähe ansah. So etwas habe er noch nie gesehen, meldete er Kreis zurück. Auch fünf Wochen nach dem Vorfall ist Kreis «absolut schleierhaft», was passiert sein könnte. Klar war aber schnell, dass alle vier 40-jährigen Tragseile der Sektion Mürren-Birg aus Sicherheitsgründen ersetzt werden.

Solidarität der Bergler

Kreis kam ins Fieber. Massgeschneiderten Stahldraht, aus dem die Seile gedreht werden, hatte Fatzer nicht an Lager. Also suchte er während der Neujahrsferien unter den Mitgliedern der internationalen Seilbahn-Familie einen Drahthersteller. Per Handy stöberte er den Geschäftsleiter der «Austria-Draht» auf, der seinerseits in den Ferien weilte und die Hochöfen seiner Produktionsanlagen im österreichischen Bruck an der Mur abgeschaltet hatte. Harald Rauch erinnert sich an «turbulente Tage», in denen aber eine Art Solidarität zwischen Berglern aufgekommen sei: Die Seilbahn-Familie versteht sich auch als Aushängeschild eines innovativen Berggebiets. Zwar brauchten die Hochöfen vier Tage, bis sie auf Betriebstemperatur hochgeheizt waren, dann aber peitschte die Austria-Draht die Draht-Produktion für die Schilthorn-Seile in vier Wochen durch – anstelle der normalerweise benötigten 12 bis 14 Wochen Lieferfrist.

In Romanshorn drückte auch Kreis aufs Gas: Die Fatzer AG arbeitet derzeit rund um die Uhr sieben Tage in der Woche, um die Schilthorn-Seile zu fertigen. «Wir haben ein gutes Einvernehmen mit der Nachbarschaft und motivierte Mitarbeiter. Deshalb können wir unsere Flexibilität ausspielen.»

Ruhende Dinosaurier

Hansueli Kreis nimmt zwei Stufen auf einmal, wenn er Treppen steigt. Aber er rennt nicht. Das würde nicht zu ihm passen. In seinem Business ist Eile ein Marktvorteil. Hast aber könnte verhängnisvoll sein.
Zielstrebig geht Kreis voraus in die Produktionshalle. Man fühlt sich um Jahrzehnte zurückversetzt ins Industriezeitalter. Wie ruhende Dinosaurier liegen Dutzende langgezogener, rundbuckliger Maschinen in der Halle, an deren Seiten hintereinander unzählige Drahtrollen hängen. In der Luft hängt der Geruch von heissem Fett. Arbeiter in roten Überkleidern und mit grünen Stöpseln in den Ohren kontrollieren konzentriert die korrekte Funktion der lärmenden Geräte.

Kreis lenkt die Aufmerksamkeit auf eine mehr als mannshohe, sicher 30 Meter lange Maschine. An ihrem Rumpf hängen 54 Drahtrollen, die gleichzeitig im Zeitlupentempo abgerollt werden. Behutsam zieht die Maschine die Drähte nach vorne und führt sie in der Mitte zusammen, wo sie um den langsam rotierenden Seilkern gewickelt werden.

Das hektische High-Tech-Zeitalter scheint in der Romanshorner Fertigungshalle weit weg. «Im wesentlichen hat sich die Seilproduktion in den letzten Jahrzehnten nicht verändert», bestätigt Kreis: «Das perfekte Seil ist erfunden. Die Physik kann man nicht überlisten.»
Kurz berührt er die glatte Oberfläche des fertig gewickelten Seils der Schilthornbahn, das wenige Meter weiter vorne wie ein überdimensioniertes Spaghetti aus der Maschine fliesst und auf eine riesige Bobine gewickelt wird. Sechs bis sieben Franken kostet das Kilo Drahtseil bei Fatzer – macht rund 800 000 Franken für die vier Schilthornseile.

Wie eine Peitsche

Selbst der erfahrene Seilexperte Kreis wagt sich nicht vorzustellen, was passieren würde, wenn die von den Seilbähnlern gebändigten Kräfte bei einem Seilriss plötzlich entfesselt würden. Jedes Tragseil wird mit einen Gewicht von rund 40 Tonnen gespannt. Für den Laien ist unvorstellbar, dass die auf dem Felssporn exponierte Bergstation Birg einem Zug von 160 Tonnen entgegenzuhalten vermag. Für Seilbähnler ist der Fall klar: Man muss einfach mit genügend Beton das Gegengewicht herstellen. «Bei einem Riss würde ein Seil wohl wie eine Peitsche ausschlagen und einiges kaputtmachen», mutmasst Kreis. Dass so etwas passiert, ist für ihn «ausgeschlossen. Ich würde bedenkenlos in die Schilthornbahn steigen.»

Das würde auch der kritische Aviatik-Journalist Sepp Moser tun, der sich in einem Standardwerk mit den Schweizer Seilbahnen befasst hat: «Die Schilthornbahn gehört klar zu den Top-Shots», hält er auf Anfrage fest. Im Geschäftsjahr 2003 realisierte die Schilthornbahn einen Gewinn von 1,15 Millionen Franken. Jüngst hat das Unternehmen aber für 2004 einen Passagierrückgang von 10 Prozent bekannt gegeben.

Mit einer spektakulären Kommandoaktion bemühen sich die Schilthornbahnen nun, die Betriebspause so schnell wie möglich zu beenden. Seit vorgestern Donnerstag läuft die Montage der Tragseile, die von Romanshorn mit einem Speziallastwagen nach Stechelberg geführt werden. Dort wird das Seil über das Trassee der Materialseilbahn, die sich direkt über die klaffende Steilwand nach Mürren schwingt, abgerollt und oben mit einer Seilwinde wieder aufgerollt. Dann ziehen die Monteure mittels Hilfsseilen, die seit der Demontage der alten Seile zwischen Mürren und Birg gespannt sind, das fabrikneue Seil an seinem Bestimmungsort ein.

«Grosse Herausforderung

«Wir sind zwar routiniert und haben das Knowhow für solche Aufgaben. Aber das Schilthorn ist eine besondere Herausforderung», sagt Peter Baumann, Geschäftsführer des Seilbahnbauers Garaventa, der die Montage der Fatzer-Seile verantwortet. Speziell selbst für die Spezialisten ist, dass das Seil im Winter eingezogen wird. Vier Sattelschlepper mit Hilfsmaterial haben Baumanns Leute in den letzten Wochen nach Mürren transportiert – unter anderem für unzählige Portale, die über die Skipisten gezogen wurden, um für die Skifahrer jegliches Risiko auszuschliessen. Die Folge: Der finanzielle Aufwand für die Montage ist eher höher als die Produktionskosten für die Seile.

Zwar wird die Garaventa-Crew mit dem Helikopter zum Birg und zurück geflogen. Trotzdem sei die Schilthornbahn verpflichtet worden, auch das unbenutzte Skigebiet zwischen Schilthorn und Mürren zu präparieren und Lawinen zu sprengen, damit Baumanns Leute bei schlechtem Wetter mit Schneeschlitten und Pistenfahrzeugen gefahrlos aufs Birg gelangen könnten.

Der rätselhafte Seilanriss ist auch für Baumann kein Grund, an der Sicherheit der Seilbahn zu zweifeln: «Mögliche Schwachstellen bei Seilbahnen sind bekannt. Deshalb werden auch fixe Tragseile alle paar Jahre leicht verschoben, damit die Belastungsstellen vor den Tragmasten nicht immer am gleichen Punkt des Seils liegen.»
So sehr die Seilbähnler an die Sicherheit der Technik glauben, will der Garaventa-Geschäftsführer auch festgehalten wissen, dass die Arbeit am Schilthorn keine Routineangelegenheit sei: «Wir haben es mit gewaltigen Kräften zu tun. Ich weiss, dass bei meinen Leuten jeder Handgriff sitzt. Fehlen dürfen wir uns nicht erlauben. Was dann passieren würde, ist unvorstellbar.»

Der Autor: Jürg Steiner (juerg.steiner@bernerzeitung.ch) ist «Zeitpunkt»-Redaktor.
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Sicherheit

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Bern, 16. Februar 2005. Seilbahnen Schweiz ist erleichtert, dass eine eindeutige Ursache beim Seilschaden an der Pendelbahn Mürren-Birg gefunden wurde. Mit der zusätzlichen Kontrolle bei ungefähr 130 Anlagen werden die bereits hohen Sicherheitsstandards nochmals ergänzt.

Seilbahnen Schweiz nimmt mit Genugtuung die Feststellung der unabhängigen Unfalluntersuchungsstelle für Bahnen und Schiffe (UUS) zur Kenntnis, dass während des Zwischenfalls bei der Pendelbahn Mürren-Birg am 29. Dezember 2004 die Sicherheit der Passagiere zu keinem Zeitpunkt gefährdet war. Die konstruktiven Reserven des Seilsystems waren immer ausreichend vorhanden . Laut UUS haben zudem die Verantwortlichen der Schilthornbahn AG den Zwischenfall vorbildlich und professionell bewältigt. Die im Zwischenbericht der UUS festgestellte, eindeutige Ursache des Seilschadens ermöglicht jetzt auch entsprechend angepasste Massnahmen.
Die UUS empfiehlt zuhanden den Aufsichtsbehörden, dass bestimmte Seilabschnitte zusätzlich kontrolliert werden sollen. Bis Ende April sollen bei ungefähr 130 Anlagen mit ähnlichen Seilsystemen einzelne Seilabschnitte auf genau bestimmte, mögliche Schadensansätze überprüft werden. Damit sollte der in der Schweiz bisher einmalig aufgetretene Seilschaden künftig ausgeschlossen werden.

Die Schweizer Seilbahnen werden dadurch ihre weltweit bekannte Spitzenposition als sicherstes Verkehrsmittel auch in Zukunft behaupten können.

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