Alpenverein gegen Strafen bei Lawinen im freien Skiraum

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trincerone
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Beitrag von trincerone »

@nachlawinen: Nur mal Interesse halber: hat jemand sowas schon mal beobachtet oder gibt belegte Berichte (Bergwacht oder so) darüber wie genau der Verlauf der Lawinen war? Als ich meine, dass erst ein Teil des Hanges abgeht und dann noch ein anderer auf demselben Hang, das dürfte es so eigentlich nicht geben... oder?

Zur Erläuterung meiner blöden Frage: Nach meinem Kenntnisstand funktioniert eine Lawine folgendermaßen. Es findet ein Initialbruch statt, und zwar aufgrund basaler Scherspannung. Sprich: schichtparallel reißt die Verbindung zwischen zwei Schichten an einer Stelle (und nicht etwa senkrecht zur Schicht aufgrund von Zugspannungen wie ja noch in den 70ern viel behauptet wurde, von wegen Hanganschneiden und so!). Die Tatsache, dass das Stück Schnee der oberen Schicht basal jetzt nicht mehr von der unteren Schicht getragen wird führt dazu, dass in direkt Umfeld die Spannung im Schnee sich erhöht: und zwar sowohl die Zugspannung (oberhalb des Bruchs) bzw. Druckspannung (unterhalb des Initialbruchs)senkrecht zur Schicht als auch die Scherspannung zwischen den beiden Schichten, die ja außerhalb des Initialbruchbereichs noch verbunden sind. Nun gibt es zwei Fälle: 1. Die Zugfestigkeit oder Druckfestigkeit der oberen Schicht ist geringer als die Scherfestigkeit. In dem Fall reißt an den Stellen jeweils die Schneedecke und das basal nicht mehr mit der unteren Schicht verbundenen Schneestück rutscht nach unten weg. Oder aber (und das ist der Normalfall) 2. Die Zug- und Druckfestigkeit der oberen Schneedecke übersteigt die Scherfestigkeit des Verbundes beider Schichten. Dann lösen sich auch im Umfeld des Initialbruchs beide Schichten von einander was im Umfeld dieses neuen großen losen Schneestücks wieder zu erhöhten Scherspannungen zwischen beiden Schichten führt und wir haben eine Kettenreaktion! Schlagartig dehnt sich der Initialbruch aus und es reißt die beiden Schichten auseinander. Und zwar solange, bis der sich ausdehnende Bruch eine Stelle erreicht, wo der Verbund zwischen beiden Schichten wieder stabiler und daher die Scherfestigkeit größer ist als Zug- und Druckfestigkeit. In diesem Augenblick reißt genau dort die obere Schicht. Oberhalb des Initialbruchs entseht genau dort wo gilt: scherfestigkeit > zugfestigkeit die Anriss kannte. Unterhalb des Initialbruchs hat man genau dort, wo gilt Scherfestigkeit > Druckfestigkeit den Stauchwall. Das "lose" Schneebrett dazwischen gleitet dann ab.

Das kann man in der Natur an angegangenen Brettern auch mit unter sehr schön beobachten. Das erklärt auch, warum man durchaus oft Schifahrerlawinen sieht, wo die die Spur um einiges unterhalb der Anrisskante in die Lawine führt oder aber den Lawinenbereich gar nicht tangiert (Fernauslösung).

Jedenfalls ergibt sich aus dieser Theorie ein Umkehrschluss: Das was nicht abgegangen ist hält, sonst wäre es nämlich schon beim ersten Lawinenabgang mit abgegangen. Natürlich gilt das nur im direkten Umfeld des Brettes, was danach kommt kann durchaus wieder instabil sein. Dennoch führt das i.A. dazu, dass ein Hang bis kurz unter den Grat oder die nächste flache Stelle abgeht - eben da wos steil genug ist und wo z.B. der Triebschnee liegt. Das kann man in der Natur sehr sehr gut beobachten. Man wird wohl kaum Bretter finden, wo oberhalb der Abrisskannte noch 100m Steilhang bis zum Grat gehalten haben. Warum sollte dort auch plötzlich die Zugfestigkeit höher sein als die Scherfestigkeit, wenn es im darunter liegenden Teil des Hages nicht so ist?

Für Nachlawinen heißt das aber, dass sie eigentlich nur von einem anderen Hang kommen können, der entweder höher gelegen ist und durch ein flachstück oder ähliches vom unteren abgegangenen Hang getrennt ist, oder der seitlich gelegen ist, aber aufgrund des anderen Winkels ebenfall zu einer Verschüttung des gleichen Gebietes führt (Tobel etc).

De facto hab ich auch noch nie in der Natur zwei sich kreuzende Lawinen beobachtet - die gehen immer schön eine neben der anderen ab und lassen sich gegenseitig in Ruhe. D.h. das i.a. ein bestimmter Hangbereich, der bereits verschüttet wurde, anschließend erstmal relatic sicher - es sei denn erliegt gleichtzeitig im Einzugsgebiet eines anderen Hanges, was aber eher die Ausnahme ist.

Eure Meinung?

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Gletscherfloh
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Beitrag von Gletscherfloh »

Üblicherweise wird bei Unglückslawinen die Unfallstelle von Alpingendarmen/Lawinenexperten aufgenommen, dh im wesentlichen wird die Höhe, Schneeprofil etc. der Anrisskante bestimmt. Die Ermittler verlassen sich dabei - denke ich - auf die von dir oben beschriebenen Parameter. Tatsächlich kann ich mich ad hoc in jüngerer Zeit nicht an einen Fall erinnern, wo eine sogenannte Nachlawine die Retter verletzt etc. hätte.

Allerdings ist so eine Schneedecke ein komplexes System, vorhersehen (im deterministischen Sinn) kann man da wohl kaum was. Und die Bergretter werden wohl einen Grund haben, bei Rettungsmassnahmen extra Beobachter abzustellen. Angeblich wurde Matthias Zdarsky 1916 (?) bei Rettungsmassnahmen durch eine Nachlawine verschüttet (er überlebte extrem schwer verletzt, mit gezählten 80 Knochenbrüchen).

Wie unvorhersehbar das Ganze ist, kann man gut bei Lawinensprengungen beobachten. Wir konnten mal beobachten, wie ein Hang einmal bei extremer "Lawinenträchtigkeit" (ca. 2m Neuschnee mit starker Windeinwirkung) trotz mehrerer Sprengversuche vom Hubschrauber aus stabil blieb, während zwei Jahre später im gleichen Hang nach einem Neuschneefall von ca. 50 cm (auch mit viel Wind) eine imposante Schneebrettlawine mit starkem Stiebanteil sofort beim ersten Sprengversuch abging.

Interessante Fotos (Lawinen-Erkundungsflüge etc.) von den jüngsten Starkschneefällen finden sich übrigens derzeit unter


http://www.lwz-salzburg.org/ereignisse.asp
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trincerone
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Beitrag von trincerone »

Danke für die Infos.

Dass ein Hang bei großen Mengen Neuschnee stabil bleibt trotz Sprengversuchen ist kein seltenes Phänomen. De facto kann eine mächtige Neuschneeschicht extreme Spannungen übetragen und damit zu Brettern enormen Außmaßes führen, weil die Bruckfortpflanzung sehr weit geht. Aber: der Initialbruch ist viel schwieriger auszulösen. Die von der Schneeoberfläche kommende Spannung verteilt sich ja mit der Tiefe der Schicht. D.h. die Kraft, die auf die Oberfläche einwirken muss, um in zwei Meter Tiefe einen Initialbruch auszulösen, ist gigantisch!! Aber wenn mans erstmal schafft, dann ist das Außmaß der Lawinen genau so gewaltig. Die dicke Schneedecke kann natürlich auch höhere Zugspannungen übertragen und somit kommt der Punkt, wo Zugfestigkeit < Scherfestigkeit gilt viel später und man hat ein mordsbrett.

Darin liegt übrigens gerade bei Triebschnee eine besondere Gefahr: diese Ablagerung sind ja meist linsenförmig, als am Rand dünn und in der Mitte dick. Damit kann man aber am Rand sehr schön einfach ein Brett auslösen, dass sich dann extrem weit ausdehnt, weil die dicke Schicht in der Mitte die Spannungen so schön überträgt.

Dass die Schneedecke sehr komplex ist, möchte ich nicht bestreiten. Dennoch genügt sie physikalischen Gesetzen und de facto kann man in der Natur sehr oft erstaunlich gut zum Modell passende Beobachtungen machen - viel besser als ich es erwartet hätte. Dies darf einen nicht dazu irreleiten zu glauben, man könne gefährdete Bereiche mit 100% Sicherheit bestimmen. Anderseits stellt man immer wieder fest, dass die Komplexität der Schneedecke mitunter gerne auch zu extrem dargestellt wird. Es gelten durchaus Regeln und stehen im Einklang mit der Physik. Manchen kennen wir, andere noch nicht. Solange das so ist, kommen einem die Lawinenabgänge sicherlich noch um einiges willkürlicher vor, wie es ja immer ist, wenn man ein Phänomen noch nicht vollständig erforscht hat.

Jedenfalls hat sich schon herauskristallisiert, dass beispielsweise Munters Modell der völlig inhomogenen Schneedecke falsch ist. Er hat falsche Schlüsse aus seinen Beobachtungen gezogen, und kam daher zu diesem Modell. In Wahrheit ist dei Schneedecke wohl doch um einiges homogener als teilweise in den 90ern behauptet. Das passt auch besser zu den Beobachtungen draußen.
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gerrit
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Beitrag von gerrit »

Ich habe im Lauf der Jahre schon verschiedenste Modelle der Lawinenforschung bzw. Unfallvermeidung erlebt, kann aber nicht sagen, daß mich eine der Methoden 100%-ig überzeugt hat (ausgenommen die Möglichkeit, Varianten nur nördlich von Bayern zu befahren).
Meinen Erfahrungen nach ist die Lawinensituation in den Alpen viel schwerer zu beurteilen als etwa in den Rocky Mountains bzw. deren westlichen Parallelketten.
Das in Eurpa herrschende Westwetter ergibt zusammen mit der West-Ost-Ausrichtung der Alpen während eines Winters in der Regel sehr unterschiedliche Witterungsverhältnisse. Starke Temperaturdifferenzen können zu Schwimmschnee (kaltes Wetter über längere Zeit bei geringer Schneedecke verwandelt die Schneekristalle in richtige Kugellager) führen, der dann bei nachfolgenden Schneefällen extrem gefährlich ist, Tauwetter bis in hohe Lagen und anschließendes Frieren führt zu Gleithorizonten, zusätzlich sorgt der Wind für oft massive Verfrachtungen und führt damit zu immensen Triebschneebrettern.
Anders in Nordamerika: Der Nord-Süd-Verlauf der Gebirge bietet keine freie Bahn für den Westwind, die Temperaturen sind den Winter über nicht so extremen Schwankungen ausgesetzt wie in den Alpen, es schneit eher gleichmäßig über die Saison verteilt, was zu einer insgesamt homogeneren Schneedecke führt.
Vielleicht ist es nur Einbildung, aber ich glaube (hoffe) im Lauf der Jahre doch irgendwie ein "Gefühl" bezüglich der Lawinengefahr entwickelt zu haben, jedenfalls hab ich mich in den Alpen (auch bei geführten Touren) oft wesentlich unsicherer bezüglich der Lawinengefahr gefühlt als je in Kanada.
Was eigentlich an Stellenwert verloren hat in den letzten Jahren sind Methoden zur lokalen Gefahrenbestimmung wie das Graben eines Schneeprofils, die Rutschblock- oder Norwegermethode.
Ist aber (gerade in gefährlichen Jahren) sehr lehrreich und beeindruckend, wenn man einmal einen Graben in den Schnee buddelt und auf eine Schwimmschneeschicht stößt.

Gibt übrigens noch eine Methode um festzustellen, ob ein Hang sicher ist:
Die Holländer-Methode.
Man sucht eine Gruppe von holländischen Skifahrern und schickt sie in den zu beurteilenden Hang. :lol:
Kann ich aber nicht empfehlen.
Warum:
Wenn die Holländer in den Hang fahren und die Lawine geht ab, dann ist der Hang kaputt.
Wenn sie in den Hang fahren, und die Lawine geht nicht ab, dann ist der Hang aber auch kaputt. :lol:
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Beitrag von Tyrolens »

trincerone hat geschrieben:Habt ihr einen Straftatbestand "Gefährdung der körperlichen Sicherheit" in Österreich?! 8O

Ja. Ihr etwa nicht?

§ 89 StGB: Wer in den im § 81 Abs 1 Z 1 bis 3 (Anm. hier also unter besonders gefährlichen Verhältnissen) bezeichneten Fällen, wenn auch nur fahrlässig, eine Gefahr (Anm. diese muß konkret sein) für das Leben, die Gesundheit oder die körperliche Sicherheit eines anderen herbeiführt, ist mit Freiheitsstrafe bis zu 3 Monaten oder mit Geldstrafe bis 180 Tagessätzen zu bestrafen.
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Beitrag von trincerone »

Nein. Wir haben ohnehin wenige Gefhrdungsdelikte, die meisten des Hauptstrafrechts befinden sich im Bereich der Straßenverkehrsdelikte (sowohl abstrake wie auch konkrete Gefährdungsdelikte). In Bezug auf Leib und Leben fällt mir nur der Sonderfall der Aussetzung ein, wobei das ein sehr weit reichernder Straftatbestand ist, der vor allem seit der Reform weit über den klassischen Begriff der Aussetzung hinausgeht. Jedoch nichts vergleichbares mit Eurem § 89. Interessant! :)

@gerrit: da hast Du sicher recht. Ich kan nur sagen, dass ich dennoch oft erstaunt war, wie oft man das, was das Modell erwarten lässt, in der Natur auch findet. Man schaut sich über längere Zeit die Wetterlage an, und siehe da, wenn man etwas buddelt, findet man oft auch das was man erwartet (eben zum Beispiel eine aufgebaute Schicht etc. - schrieb ja schon oben, dass ich teilweise selber überrascht war, wie krass das nach Kegel- oder Walzenlager ausshauen kann).
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gerrit
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Beitrag von gerrit »

Um aber nochmals auf das eigentliche Topic (Bestrafung - Gefährdung) zurückzukommen:
Es gibt noch einen Aspekt.
Wenn ich bei blinkenden Lawinenleuchten auf eigene Gefahr im freien Skiraum fahre, dann kann ich das wahrscheinlich soweit beurteilen, daß ich weder mich noch andere gefährde. Ich hab aber kein Schild am Rücken montiert, wo das draufsteht.
"Normalskifahrer" in dem Gebiet sehen also lediglich jemanden, der außerhalb des erlaubten Gebiets fährt, nicht verschüttet wird und offenbar großen Spaß daran hat. Dann ist natürlich der Anreiz, das ebenfalls zu versuchen, noch größer (Vorbild-Nachahmungseffekt). Wenn dann aber überhaupt keine Kenntnisse bezüglich Lawinengefahr und sicherer Routenwahl etc. vorliegen, dann fährt bald jemand in Hänge hinein, die alles andere als sicher sind.
Man könnte natürlich sagen - selber schuld, nur die starken kommen durch - aber schließlich könnte es ja dann auch sein, daß jemand in einem unsicheren Hang ein Schneebrett auslöst, das mich an einer meiner Ansicht nach sicheren Stelle im freien Skiraum dann doch irgendwie erwischt.
Die Beurteilung des freien Skiraums muß also für den Erfahrenen nicht nur eine mögliche Spontanauslösung und die Auslösung durch die eigene Spur sondern auch die Möglichkeit der Auslösung durch einen Wahnsinnigen und/oder Ahnungslosen auf einer abartigen Route berücksichtigen, was das ganze natürlich nicht einfacher macht.

Nur, wie war das doch gleich?
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Beitrag von trincerone »

@gerrit: Das ist auch ein ernstzunehmender Aspekt. Das Problem ist aber, dass man meines Erachtens am Ende nur sehr begrenzt Verantwortlichkeit für andere übernehmen kann, weil man sonst einfach gar nichts mehr machen könnte. Das gleiche Problem hat man ja auch auf Gletschern: kennt man die Gletscher und umfährt die gefährlichen Bereich, findet sich dennoch im Zweifel irgendein Trottel, der hinterherfährt und denkt: "boah, das links hats ja noch viel geileren Tiefschneee!" Aber was soll's, selbst wenn einen die Leute wie im Falle von Lawinen selbst mitgefährden - man wird es nicht verhindern können.

Ich denke schon lange, dass mit dem Zero Risk was wir heute in Schigebieten haben (das war ja früher mal sehr anders) und der Massentauglichkeit des Schisports (keine alpinistischen Kenntnisse mehr nötig), die Gefahrenbeurteilung extrem gelitten hat. Die Leute kommen wegs dem Fun (um mal diese Sprache zu benutzen), und haben gar keinen Plan davon, dass 50m links oder rechts einen Unteschied von Tag und nach Bedeuten können etc.

Ich weiß nicht, ob's was bringen würde, aber aber deutlichere und aggressievere Warnungen seitens der Schigebiete wären vielleicht ein Ansatz. Z.B. in den Wartehallen der EUB mal so fette Bildtafeln mit einem vorher-nachher Photo von einem geilen Tiefschneehang, wo dann ein Schneebrett abgegangen ist mit der Frage "Hättest Du's gewusst?" . Oder keine Ahnung was. Gleichzeitig sollte es zentral im SChigebiet einen Infopoint geben, wo die Lawinenlage für die einzelnen pistennahen Tiefschnee Areale mal explizit und aktuell dargestellt ist. So hnlich wie beim Lawinenlagebericht, aber eben speziell auf die Hänge im Schigebiet gemünzt.

Klar ist das ein gewisser Aufwand, aber ein guter Service wärs sicherlich. Ich fürchte nur, das Lawinen kein sehr marketingtaugliches Thema sind, und daher wohl nicht an die große Glocke gehängt werden (seitens der Schigebietsbetreiber jedenfalls.
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Beitrag von gerrit »

@trincerone
Genau das ist das Problem, kein Skigebiet kann es sich leisten, Negativwerbung durch zigarettenpackung-ähnliche Strategien ("Skifahren kann Ihre Gesundheit gefährden") zu betreiben.
Richtig ist, daß Risikovermeidung überall massiv verfolgt wird und heute im Zweifelsfall Lifte oder ganze Teile des Skigebiets gar nicht geöffnet werden, bis wirklich alle Lawinen abgesprengt worden sind. Jeder Lawinenunfall macht negative Schlagzeilen für das Skigebiet, auch wenn letzlich der Betroffene durch Eigenverschulden verschüttet worden ist.
Nur wenige Touristen sind sich bewußt, daß ein Restrisiko nicht immer komplett auszuschalten ist, sei es, daß wegen Sturm oder Stromausfall der Lift abgeschaltet werden muß (und dann immer ein "Schuldiger" gesucht werden muß) oder daß eben doch auch einmal eine Lawine im kontrollierten Skigebiet abgehen kann oder im Katastrophenfall ein ganzes Tal betroffen ist wie es im Paznauntal immer wieder vorkommt.
Wenn man dieses Risiko komplett ausschalten möchte, dann muß man in der Skihalle oder im Mittelgebirge bleiben, je hochalpiner es wird, desto kleiner ist die Möglichkeit, alle Risiken auszuschalten.
Für den Variantenfahrer gibts dann eben nur die Möglichkeit, für sich selbst das Risiko auszuloten (und eventuell unwissende Nachahmer zu riskieren) bzw. die Skigebiete anzufahren, die eher auf Geländefahrer ausgerichtet sind und deshalb von vornherein mehr Eigenverantwortung verlangen.
Aus dem, was ich von Euch gelesen habe, ist Alagna sicher der Prototyp für ein solches Gebiet, in Österreich ist das Dachsteingebiet zu nennen, in dem es auch im Bereich der Aufstiegshilfen mehr beschriebene Varianten als kontrollierte und markierte Abfahrten gibt, diese Varianten sind auch so weit von präpariertem Pistengelände weg, daß sie meist auch nur von Leuten befahren werden, die gewisse Grundkenntnisse haben.

Aber, um die Gefährdung durch Lawinenunfälle mit der Erfahrung am Berg zu korrelieren:
Ich kann jetzt zwar keine spezielle Statistik zitieren, aber ich weiß, daß unerfahrene Variantenfahrer nicht die Mehrheit der Lawinenopfer darstellen, oft sind es erfahrene Tourengeher, die irgendwann doch in eine Lawine geraten.
Daraus kann man zwei Schlüsse ziehen: entweder, sie haben dann doch einen Fehler gemacht und die Lage falsch beurteilt, oder Lawinen sind einfach nicht so berechenbar, wie wir uns das wünschen, und mit der Dauer und Häufigkeit der Exposition steigt einfach die Wahrscheinlichkeit, einmal in eine Lawine zu kommen.

Je länger diese Diskussion hier dauert, (die ich übrigens sehr schätze), desto mehr überlege ich, doch einen Airbag-Rucksack anzuschaffen (nur brauch ich´s dann insgesamt 3 mal ...).
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Beitrag von Gletscherfloh »

gerrit hat geschrieben:...Ich kann jetzt zwar keine spezielle Statistik zitieren, aber ich weiß, daß unerfahrene Variantenfahrer nicht die Mehrheit der Lawinenopfer darstellen, oft sind es erfahrene Tourengeher, die irgendwann doch in eine Lawine geraten.
Daraus kann man zwei Schlüsse ziehen: entweder, sie haben dann doch einen Fehler gemacht und die Lage falsch beurteilt, oder Lawinen sind einfach nicht so berechenbar, wie wir uns das wünschen, und mit der Dauer und Häufigkeit der Exposition steigt einfach die Wahrscheinlichkeit, einmal in eine Lawine zu kommen
Ich glaub, dass die jährlichen Gesamtberichte über Lawinenunfälle eine derartige Gliederung aufweisen. In der Tat stellen "klassische" Tourengeher das Gros der Lawinenopfer.

Was auch zu beobachten ist, dass der Schwierigkeitsgrad (und damit meist verbunden die prinzipielle "Lawinenanfälligkeit") der Touren deutlich zugenommen hat. Die bessere Ausrüstung und das insgesamt gestiegene Fahrkönnen sind diesbezüglich sicher die Hauptursachen (so gesehen würde diese Entwicklung das sicher auch vorhandene "bessere" Wissen in Bezug auf Schnee und Lawinen ausgleichen). Gleichzeitig werden Touren mehr und mehr zu atypischen (Jahres-)Zeiten gegangen, ausgesprochene Frühjahrs(Firn-)Ziele z.B. schon im Hoch-, wenn nicht gar im Frühwinter.
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Beitrag von trincerone »

Mag sein, dass statistisch gesehen erfahrene Tourengeher öfter Lawinenofper werden als Anfänger. Das ist aber nicht ganz leicht einzuschätzen, weil man dafür die exakten Erhebungsmaßstäbe der Statistik kennen müsste (was ist den ein "erfahrener Tourengeher"?). Nichtsdestotrotz sind in der Tat entsprechende psychologische Effekte bekannt. Mal abgesehen davon, dass man wohl wie düsterem, wolkigem WEtter die Lawinengefahr immer gerne höher einschätzt als bei ruhigem sonnigen Wetter, gibt es beispielsweise den sog. risky-shift Effekt. Gemeint ist die Tatsache, dass sich die Grenze zu dem Bereich, der subjektiv als riskant bzw. nicht mehr akzeptabel erscheint, nach oben verlagert, je mehr abseits der Piste unterwegs ist. Dazu führen v.a. zwei EFfekte: 1. neigt man dazu zu denken, dass, wenn ein Hang gehalten hat, ein andere ähnlicher Hang auch halten müsste und wird dadurch ein seiner Beobachtung nachlässig. 2. (und das ist der Hauptpunkt), neigt man dazu zu vergessen, dass man - solange man auf der sicheren Seite ist der Risikoabschätzung ist - keine Aussage darüber machen kann, wie man von der Grenze entfernt ist. Man kann nur sagen, dass der Hang gehalten hat. Aber ob er völlig sicher war, oder man gerade so davongekommen ist, kann man überhaupt nicht einschätzen. Dennoch wiegt man sich in einer trügerischen Sicherheit und fägt an unterbewusst die Anforderungen zu steigern bis man eben genau jene Grenze erreicht, man sucht sie geradezu. Schließlich gibt es auch noch gruppendynamische Effekte. Allein neigt man dazu Risiken immer höher einzuschätzen als in einer Gruppe.

Diese eher kurzfristigen Effekte lassen m.E. in ähnlicher Form auch auf langfristige Beobachtungen übertragen. Das ist ähnlich den Autofahrern. Vielfahrer und excellente Autofahrer, die ihr Fahrzeug gut kennen und sehr umsichtig fahren, neigen trotzdem mitunter dazu, eher Unfälle zu machen, als mittelmäßige Fahrer, die mit ihrem Fahrzeug nicht so gut umgehen können und weniger vorausschauend fahren. Der Grung liegt ganz einfach darin, dass man dazu neigt mit besseren Kenntissen und höherer Erfahrung sich gewissen Grenzen stärker zu nähern, weil man die Risiken viel besser abschätzen kann. Dabei wird aber der nötige Sicherheitsabstand zur Grenze, der das Unerwartete und nicht Einschätzbare beim Mittelmaßfahrer abpuffert, zu drastisch reduziert, so dass plötzlich eine nicht mehr kontrollierbare Situation auftritt. Dies ist wieder eine Form des risky shift Effekts: man tendiert einfach dazu fälscherlicherweise etwas, was 50 mal gut gegangen ist, als sicher anzusehen (Erfahrungswert!), und vernachlässigt dann die Kontrolle.

Noch eine ganz andere Sache: Wenn es im Gebirge keine Gefahren gäbe, wenn es perfekt gesichert und kontrolliert wäre, wenn man keine Erfahrung und Verantwortung bräuchte, um alpinistisch unterwegs zu sein - wo sollten wir dann diese einzigartigen Erlebnisse haben, wie man sie nur im Gebirge hat?
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Beitrag von gerrit »

@ trincerone: Stimmt absolut, dem ist nichts hinzuzufügen!
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Beitrag von Tyrolens »

Kleiner Exkurs: In Österreich gab es in der heurigen Saison zwischen Dezember und Jänner 25.000 Ski-, bzw. Snowboardunfälle. Auch nicht schlecht, oder ;)
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Beitrag von gerrit »

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aus dem Lenzerheide-Bericht von fxgrossrgb:
thomasg hat folgendes geschrieben::
Zitat:
In dieser Lawine waren 2 Leute, die sich allerdings selbstständig befreien konnten.

ähm, erschreckt das nur mich? finde ich dann doch etwas heftig, da ich davon ausgehe, dass die piste offiziell geöffnet war?


Die Piste war offiziell geöffnet, allerdings befanden sich die zwei Leute, die diese Lawine selbst ausgelöst haben!, oberhalb der Piste in einem deutlich abgesperrten Lawinenhang.
Ich kann solche Leute nicht verstehen. SIe gefährden damit sich und andere.
_________________
Gruss, Felix (fxgrossrgb)
Soviel zur Gefährdung von anderen durch Variantenfahrer. (Bild unten).
Dateianhänge
t_0502churw_f2846_109[1].jpeg
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Beitrag von Tyrolens »

Hätte in einem solchen Fall nicht die Piste gesperrte werden müssen?
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Beitrag von trincerone »

Ich würde sagen ja - jursitisch weiß ichs nicht. Üblicherweise müsste eine solche Piste aber gesperrt sein. On Val Thorens wurde anfang der 90er die halbe Führungsrige verklagt, weil genau so eine Lawine eine Piste verschüttete, die nicht geschlossen war. Dort gab es damals mehrere Tote.

@gerrit: das widerlegt zugegebenermaßen meine obige Aussage. Dennoch halte ich solche Fälle für die große Ausnahme. Ich beobachte meist recht genau in Schigebieten und mir is es noch nicht unter gekommen, dass Lawinenhänge nicht abgesprengt waren und die Piste offen war.
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Beitrag von gerrit »

Ich würd schätzen, in Österreich passiert sowas ca. einmal im Jahr, meist gibt es aber keine Verletzten, weils nur kleinere Lawinen bzw. Schneebretter sind.
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Beitrag von Gletscherfloh »

Passt ja gut zur Diskussion. Aus dem ORF-on (Vorarlberg):
Skilehrer: 8.000 Euro für Einsatz zu bezahlen
Drei Skilehrer haben am Montag in Lech eine Lawine ausgelöst. Ihr Arbeitgeber, die Skischule Lech, überlegt nun die Kündigung. Fest steht, dass sie Skilehrer die Kosten für den Rettungseinsatz zahlen müssen, insgesamt mehr als 8.000 Euro.

Drohende Kündigung
Die Skilehrer hätten den ganzen Berufsstand in Verruf gebracht, so Skischulleiter Stefan Schneider. Darum müsse es Konsequenzen geben.

Ob die Skilehrer gekündigt werden, überlegt sich Schneider noch. Zwei der Skilehrer waren neu, alle waren zwischen 26 und 29 Jahre alt.

Mehr als 8.000 Euro Kosten
Fix ist, dass die Skilehrer die Kosten des Rettungseinsatzes zahlen müssen. 70 Bergretter waren zwei Stunden im Einsatz, das kostet 3.800 Euro. Der Hubschrauber der Firma Wuchter flog rund eine Stunde, das kostet 4.000 Euro.

Gefährdung der Öffentlichen Sicherheit
Außerdem werden die Skilehrer von der Gendarmerie vermutlich wegen Gefährdung der Öffentlichen Sicherheit angezeigt.

Drei Skilehrer haben am Montagnachmittag in ihrer Freizeit eine Lawine in Lech losgetreten. Zwei wurden verschüttet, einer davon wurde schwer verletzt. Er prallte gegen eine Lawinenverbauung.
Anm.: Die ausgelöste Lawine hat - Medienberichten zu Folge - auch eine darunter befindliche Piste verschüttet. Der Lawinenkegel wurde daher vorsichtshalber nach weiteren Verschütteten abgesucht (daher auch die hohe zahl an beteiligten Bergrettern).
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trincerone
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Beitrag von trincerone »

Also, in dem Fall scheint es ja doch leichter zu sein, eine Piste zu verschütten, als ich dachte, was eigentlich gegen die Schigebietsbetreiber spricht, weil ich von einem gesicherten Skiraum erwarte, dass er sicher ist! Wie gesagt, die Ecken, die ich kenne, da ist das i.A. auch so.

Muss man den Rettungseinsatz nicht immer selber bezahlen? Alles andere fänd ich schon seltsam.

Kündigung? Heulbojen, ehrlich.
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gerrit
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Beitrag von gerrit »

Es stellt sich natürlich die Frage, wie ein Skigebiet auf die aktuelle Lawinensituation zu reagieren hat. Klar ist, daß eine Abfahrt nur dann geöffnet werden kann, wenn Spontanabgänge durch Sprengungen ausgeschlossen werden können. Nicht abgesprengt werden können jedoch oft kleinere Schneebretter im unmittelbaren Abfahrtsbereich, die - wenn sie nicht durch Belastung losgetreten werden - in der Regel keine Gefahr für die Piste darstellen.
Wenn der Betreiber des Skigebiets spontane Auslösung mit höchster Sicherheit ausschließen kann, jedoch die Gefahr einer Auslösung durch Skifahren im freien Skiraum besteht, gibt es zwei Möglichkeiten:
1. Die Abfahrt bleibt gesperrt, damit kann nichts passieren.
2. Die Abfahrt wird geöffnet, die Lawinenleuchten blinken und Skifahren abseits der Piste ist verboten. Wenn sich alle dran halten, dann wird nichts passieren, wenn jemand, der die Gefahr nicht einschätzen kann, das Schneebrett auslöst, wird die Piste verschüttet (meist sind es aber eher kleine Lawinen oder Schneebretter, die ihre Anrißkante in unmittelbarer Nähe der Piste haben, da große Lawinen von weiter oben dann in der Regel schon gesprengt sind). Der Betreiber kann dann natürlich (mit Recht) die Schuld auf den Skifahrer schieben, der verbotenerweise off piste unterwegs war.

Nur, was ist die bessere Möglichkeit:
Wenn die Piste gesperrt bleibt, dann verlieren die "braven" Pistenfahrer an diesem Tag gute Abfahrtsmöglichkeiten, wofür dann aber eigentlich nur potentielle "illegale" Tiefschneefahrer verantwortlich sind, wenn die Piste geöffnet wird, dann hat der Betreiber durch Absprengen der großen Lawinen und ein Verbot des Fahrens neben der Piste zwar "rechtlich" alles getan, um Unfälle zu verhindern, praktisch ist jedoch damit zu rechnen, daß trotzdem jemand in die Tiefschneehänge hineinfährt und etwas auslösen kann. Hier spielt dann natürlich wieder die Vorbildwirkung eine Rolle, wenn jemand, der sich auskennt, im Gelände unterwegs ist, ohne eine Piste zu gefährden, und damit unerfahrene Nachahmer dazu "verführt", die vermeintlich (da in der Nähe der Piste liegenden) sichereren Hänge zu versuchen und damit erst recht sich und andere in Gefahr bringt.

Wie ist Eurer Ansicht nach dieses Dilemma zu lösen?
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gerrit
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Beitrag von gerrit »

Wie man übrigens oben sehen kann, korreliert das Tragen eines Skilehreroveralls nicht mit Erfahrung und Kenntnissen....

Allerdings muß man auch anführen, daß die Skilehrer (vor allem in klassischen "Variantengebieten" oft massiv unter Druck stehen, bei Neuschnee mit ihren Gruppen / Kunden ins Gelände zu fahren, ich erwähne nochmals das oben schon beschriebene Erlebnis am Arlberg, bei dem meinen Frau und ich von einem Skilehrer vom Schöngrabenlift aus beschimpft worden sind, als wir - ohne jemals eine Piste gefährden zu können - links (bei Blick ins Tal) vom Lift (bei blinkenden Lawinenleuchten) unterwegs waren, gleichzeitig aber gezählte 3 Skilehrer der gleichen Skischule mit Gruppen / Kunden im Gelände waren.

Die oben beschriebene aktuelle Geschichte mit den Skilehrern ist zwar schlimm genug, aber immerhin sind sie nicht mit Kunden im Gelände unterwegs gewesen.
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