Neues Konzept geplant
Über das neue Projekt ist bisher nur eines bekannt: Es wird teurer.
Bei einem der seit Jahrzehnten am heftigsten umstrittenen Infrastrukturprojekte gibt es nun offenbar eine entscheidende Wende: Das seit Jahren umstrittene Projekt für den Semmering-Basistunnel wird endgültig zurückgezogen.
Geheimsitzung im Kanzleramt
An seine Stelle soll ein neueres und modernes Vorhaben für den Semmering treten. Darauf haben sich die Landeshauptleute von Niederösterreich und der Steiermark, Erwin Pröll und Waltraud Klasnic (beide ÖVP), in einer Geheimsitzung mit der Regierungsspitze und ÖBB-Chef Martin Huber geeinigt. Alle Seiten zeigten sich mit dieser Vorgangsweise zufrieden.
Wahlhilfe für Klasnic?
Der Zeitpunkt - zwei Tage nach den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich und fünf Tage vor jenen in der Steiermark - ist wohl kaum zufällig gewählt: Für den vehementen Tunnelgegner Pröll entsteht kein politischer Schaden (Wahlen sind in nächster Zeit nicht zu schlagen).
Klasnic wird wohl versuchen, mit dem Tunnelprojekt im Wahlkampffinale den Schaden, der durch das Scheitern des Spielberg-Projekts entstand, zu minimieren.
Die Parteikollegen Pröll und Klasnic waren wegen des Bahntunnels in der Vergangenheit immer wieder heftig aneinander geraten. Sie hatten einander einen juristischen Nahkampf bis hinauf zum Höchstgericht geliefert.
Gorbach erfreut
Infrastrukturminister Hubert Gorbach (FPÖ) sieht nun die realistische Chance, das Semmering-Projekt gleichzeitig mit dem Koralmbahntunnel zu einem Ende zu bringen.
Klasnic hofft auf moderne Infrastruktur
Klasnic gab sich überzeugt, dass nun nach 15 Jahren der Diskussionen die Infrastruktur des 21. Jahrhunderts in der Region einziehen könne.
Pröll betonte, dass das alte Projekt überaltet gewesen sei. Nun müsse eine neue Variante gefunden werden, die sowohl den nötigen Sicherheitsstandards als auch den Anforderungen an die Umwelt entspreche. "Es gibt noch kein neues Projekt, es wird erarbeitet", betonte Pröll.
Schüssel: Altes Projekt ist "tot"
Das alte Projekt sei "tot", ein neues werde geplant, sagte auch Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP).
Fest stehe aber bereits, dass das neue Bauvorhaben teurer werde. Ein neues Tunnelprojekt soll in jedem Fall zweiröhrig werden. Statt mit Kosten von einer Mrd. Euro rechne man nun mit 1,2 Mrd. Euro, so Schüssel.
Alles wird neu geprüft
Natürlich werde es auch eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) geben. Auch alle anderen Fragen wie Wasserrecht usw. würden neu geklärt. "Zum ersten Mal sind alle in einem Boot", zeigte sich Schüssel erfreut. Zum ersten Mal wolle man gemeinsam etwas verwirklichen.
Neustart für Endlosprojekt
Ein neuer Bahntunnel durch den Semmering war bereits vor mehr als 14 Jahren - Ende 1989 - zum Bau freigegeben worden. Laut Generalverkehrsplan (GVP) sollte der umstrittene Bahntunnel ursprünglich bis 2011 fertig gestellt sein.
Wird das Projekt nun im Gleichklang mit dem Koralmtunnel zwischen Graz und Klagenfurt abgeschlossen, ist mit einer Inbetriebnahme des neuen Tunnels erst 2016 zu rechnen.
St. Pölten stoppte Bau
Ein Sondierungsstollen befand sich sogar schon in Arbeit, bis das Projekt durch einen niederösterreichischen Umweltschutzbescheid nachhaltig gestoppt wurde.
Semmering als Nadelöhr
Für den Bauträger, die ÖBB Infrastruktur Bau AG, gilt der Semmering-Basistunnel, der die bald 150 Jahre alte Semmeringbahn ersetzen soll, als "ein wesentliches Projekt zur Erneuerung und zur durchgehenden Leistungsverbesserung der Südbahn". Die Gesellschaft ist nun erneut mit der Neuplanung beauftragt worden.
Ein Straßentunnel durch den Semmering ist erlaubt. Ein Eisenbahntunnel nicht.
Während man für die Semmering-Schnellstraße (S6) im Vorjahr die Straßentunnel durch den Semmering eröffnete, lag der Eisenbahntunnel auf Eis. Die Bundespolitik und die Steiermark wollten den Tunnel, Niederösterreich wollte ihn nicht.
Um das Projekt Semmering-Bahntunnel tobt seit den späten 80er Jahren eine Polit-Schlacht. Alle Verkehrsminister seit Viktor Klima (SPÖ) haben sich daran die Zähne ausgebissen. Die Bauherren des Straßentunnels blieben jedoch von politischen Querschüssen unbehelligt.
Pröll blockiert Bahnprojekt
Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) kämpft seit Jahren gegen den Bahntunnel. So verschieden sind die Projekte dabei gar nicht: Insgesamt 7,9 km Tunnel bei der S6 stehen beim Bahntunnel auch nur zehn Kilometer tatsächlicher Tunnellänge gegenüber.
Zwar ist die Trasse des Bahntunnels 22 km lang - gut zwölf Kilometer der Strecke werden jedoch nur "überdacht" am Hang entlang geführt, betonte man immer in der Steiermark. Insgesamt waren für den Bahntunnel 800 Mio. Euro Baukosten veranschlagt.
Keine Probleme bei Tunnelbau
Wohl nicht von ungefähr wiesen auch die Tunnelbauer der S6 darauf hin, dass sie beim Bau keine Probleme mit Wassereinbrüchen gehabt hätten. Mit dem Argument der drohenden Wassereinbrüche hat Niederösterreich den Bau am Bahntunnel bisher verhindert.
Das Projekt für den Bahntunnel wäre heuer in sein 26. Jahr gegangen. Derzeit ist der Verwaltungsgerichtshof (VwGH) mit der Causa beschäftigt, und das nicht zum ersten Mal.
Höchstrichter-Ringelspiel
Niederösterreich hatte das Bauvorhaben 1998 mit einem negativen Umweltbescheid blockiert, woraufhin die Eisenbahn-Hochleistungsstrecken AG (HL-AG) den Verfassungsgerichtshof (VfGH) anrief. Der verwies die Sache daraufhin - zum ersten Mal - an den VwGH weiter.
Der VwGH verwies die Sache jedoch wieder zurück an das Land Niederösterreich. Das erließ prompt den nächsten negativen Bescheid und die HL-AG brachte wieder Beschwerde ein, diesmal beim VwGH. Eine Entscheidung wird für nächstes Jahr erwartet.
Treffen der Gegenspieler
Die steirische Landeshauptfrau Waltraud Klasnic (ÖVP) richtete den eigenen Parteifreunden in Sachen Semmering-Basistunnel immer wieder aus, man solle den "steirischen Panther nicht reizen". Doch seit dem Spielberg-Flop war der steirische Panther ohnedies nur noch ein Kätzchen.
Nach der gekippten Umweltverträglichkeitsprüfung für Projekte a la Spielberg sieht der plötzliche Kompromiss in Sachen Semmering zwei Tage nach der niederösterreichischen Gemeinderatswahl und eine halbe Woche vor dem ersten Wahlgang in der Steiermark in diesem Jahr mehr als wie eine Gesichtswahrung aus.
Semmering-Basistunnel: Neustart für das Projekt
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Semmering-Basistunnel: Neustart für das Projekt
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na hoffentlich wird der tunnel ENDLICH gebaut. es ist nicht zu verstehen, dass der schnellstraßentunnel durch den semmering gebaut werden durfte, aber der für die eisenbahn nicht. für die n-s verbindung im osten österreichs wäre es dringend erforderlich.
toll wäre es, wenn der unterirdische bahnhof auch gebaut würde. technisch ist das überhaupt kein problem.
noch wichtiger ist, dass mit den bauarbeiten am BBT (brennerbasistunnel) heuer oder spätestens nächstes jahr begonnen wird.
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nichts träumer. kennst du das projekt überhaupt? 
der tiroler lh ist kein tunnelverhinderer wie sein kollege in nö, ganz im gegenteil. die planungen sind voll im gange ganz wie die probebohrungen. tirol, DIE bundesregierung und auch die EU (sogar der verkehrskommissar) stehen hinter diesem projekt.
der bbt wird kommen noch vor dem sbt.
der tiroler lh ist kein tunnelverhinderer wie sein kollege in nö, ganz im gegenteil. die planungen sind voll im gange ganz wie die probebohrungen. tirol, DIE bundesregierung und auch die EU (sogar der verkehrskommissar) stehen hinter diesem projekt.
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wie gerade gemeldet wird (mittagsjournal um 12 uhr auf ö1) ist der früheste baubeginn für den sbt 2011!!! da geht sich 2015 nicht aus, das wird eher 2018. mit unterirdischem bahnhof 2020.
das ist wirklich krank!!!
die investitionen für bahn werden immer weniger, aber für die straße hat man das geld.
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Also den Brennerbasistunnel brauchen wir auf jeden Fall, keine Frage. Ob man allerdings im Osten Österreichs mal eben 3 Milliarden Euro in 2 Eisenbahntunnel vergraben sollte wag ich zu bezweifeln
Ich würde wegen einer halben Stunde kürzerer Fahrzeit deswegen auch nicht mit der Bahn von Wien nach Klagenfurt fahren, mit dem Auto ist man eben unabhängiger ... und billiger dürfte es wahrscheinlich auch sein...
Da sollten eher man die wichtigsten Straßenrouten ausgebaut werden. Wer will soll jetzt mich für diese Aussage steinigen aber das ist nunmal meine Meinung
Ich würde wegen einer halben Stunde kürzerer Fahrzeit deswegen auch nicht mit der Bahn von Wien nach Klagenfurt fahren, mit dem Auto ist man eben unabhängiger ... und billiger dürfte es wahrscheinlich auch sein...
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noch mehr straßen und autobahnen, nein danke! je mehr straßen gebaut werden, desto mehr autos und lkws wird es geben.
der sbt ist für die eisenbahn absolut notwendig. schon 30 min zeitersparnis sind ein grund dafür. der personenverkehr ist wichtig, noch wichtiger ist der güterverkehr. wenn ich einen tunnel habe, kann ich auf die doppel oder gar dreifach traktion verzichten. und dass sich wagen irgendwo auf dieser steilen strecke abhängen, würde dann auch nicht mehr vorkommen bzw. seltener. ein teil der züge werden ja weiterhin über den semmering fahren.
noch etwas zur eisenbahn in österreich: dort hat man auf den gebirgsstrecken seit über 100 jahren nichts mehr umgebaut. daher sind die kurvengeschwindigkeiten teilweise sehr gering. wenn man sich die gewaltigen brückenkonstruktionen der a13 (brennerautobahn) anschaut und dann diese mit der eisenbahnstrecke vergleicht, sieht man wie wenig man für die bahn in den letzten jahren gemacht hat.
in tirol gibt es nicht einmal einen takt im personenverkehr.
der sbt ist für die eisenbahn absolut notwendig. schon 30 min zeitersparnis sind ein grund dafür. der personenverkehr ist wichtig, noch wichtiger ist der güterverkehr. wenn ich einen tunnel habe, kann ich auf die doppel oder gar dreifach traktion verzichten. und dass sich wagen irgendwo auf dieser steilen strecke abhängen, würde dann auch nicht mehr vorkommen bzw. seltener. ein teil der züge werden ja weiterhin über den semmering fahren.
noch etwas zur eisenbahn in österreich: dort hat man auf den gebirgsstrecken seit über 100 jahren nichts mehr umgebaut. daher sind die kurvengeschwindigkeiten teilweise sehr gering. wenn man sich die gewaltigen brückenkonstruktionen der a13 (brennerautobahn) anschaut und dann diese mit der eisenbahnstrecke vergleicht, sieht man wie wenig man für die bahn in den letzten jahren gemacht hat.
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aus ORF-on
Der lange Weg zum Tunnel
Planung, Genehmigung und Bau - noch Jahre werden bis zum fertigen Semmering-Tunnel vergehen.
Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) werden rund drei Jahre für die Neuplanung des Semmering-Basistunnels benötigen. Bis 2008 werde man brauchen, bis das neue Projekt so weit geplant sei, dass mit der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) begonnen werden kann.
Das erklärte der Vorstand der ÖBB Infrastruktur Bau AG, Georg-Michael Vavrovsky, am Freitag im Ö1-Mittagsjournal.
Idee schon in den 80ern
Fix sei nach dem Entschluss zur Neuplanung derzeit lediglich, dass der neue Tunnel von Gloggnitz in Niederösterreich nach Langenwang in der Steiermark führen und zwei Röhren bekommen werde.
Ganz neu ist diese Variante nicht: Sie orientiert sich an Plänen aus den 80er Jahren. Diese seien jedoch nur Grobüberlegungen für Trassenvarianten gewesen, erklärte Vavrovsky. Die neuen Pläne würden aber "auf diesen Überlegungen aufbauen" - mehr dazu in oe1.ORF.at.
UVP-Start erst 2010
Nach Abschluss der Planung 2008, hofft Vavrovsky, könnten die UVP sowie die eisenbahnrechtliche und die naturschutzrechtliche Genehmigung in zwei Jahren, also bis 2010, abgeschlossen werden - vorausgesetzt, die Verfahren verlaufen ohne Probleme.
Das bereits in Bau befindliche, etwas kürzere Projekt zwischen Gloggnitz und Mürzzuschlag war ja nach einer jahrelangen Blockade durch das Land Niederösterreich endgültig ad acta gelegt worden.
Gleiche Trasse ohne Einspruch Niederösterreichs?
Nach Beteuerung der ÖVP glaubt auch Vavrovsky, dass es diesmal keinen Einspruch Niederösterreichs geben wird. Doch genau darüber wird bereits fleißig spekuliert: Denn auf der niederösterreichschen Seite wird sich, soviel man jetzt weiß, an der Trassenführung gegenüber dem ursprünglichen Projekt nicht allzu viel ändern.
So wäre das Portal bei Gloggnitz am schon bisher geplanten Ort, bestätigt auch Vavrovsky.
Fertigstellung in ferner Zukunft
Mit einem Baubeginn sei dann 2011 oder 2012 zu rechnen, eine Fertigstellung des Tunnels erst bis 2018 realistisch, so der Bahnbau-Vorstand. Infrastrukturminister Hubert Gorbach (FPÖ) hatte bei der ersten Präsentation der Pläne gemeint, der Tunnel könnte "schon" 2016 fertig sein.
Auch das wäre noch fünf Jahre nach der geplanten Fertigstellung des verworfenen Semmering-Basistunnels gewesen - ein Faktum, das auch die Opposition kritisiert.
Sondierstollen wird verwendet - irgendwie
Für den im Rahmen des nun eingestellten Projekts bereits errichteten Sondierstollen wollen sich die ÖBB "eine Nutzung überlegen". Die Kosten für diesen Stollen bezifferte Gorbach zuletzt mit 93 Mio. Euro.
Sollte man mit dem neuen Tunnel eine Wasserader "anfahren", habe man mit dem bestehenden Tunnel zumindest bereits eine Ersatzwasserversorgung geschaffen, so Vavrovsky weiter.
Unterirdischer Bahnhof zu teuer?
Weiter ungeklärt ist auch der Bahnhof Mürzzuschlag: Die zuletzt erwogene unterirdische Lösung hält Vavrovsky für technisch schwierig und teuer. Da müssten Kosten und Nutzen gegenübergestellt werden.