Skigebiete: Die "neue Marschrichtung". Was meint I

Neuigkeiten zur Infrastruktur in Skigebieten weltweit: Informationen und Diskussionen über neue Lifte, Pisten, Beschneiung und Bauprojekte.
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Kris
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Skigebiete: Die "neue Marschrichtung". Was meint I

Beitrag von Kris »

Im folgenden Text sind Ausschnitte aus der Berichterstattung von Seilbahn.net über das " 16. TFA TourismusForum der Alpenregionen in Davos" zusammengefasst.

Dargelegt wird eine Strategie für einen "cheap and chic" Massentourismus, der aus Sicht der Experten die "neue Marschrichtung im Aplentourismus" darstellen solle.

Was meint Ihr als begeisterte Skifahrer zu dieser sich sich (gewollt?) abzeichnenden Entwicklung?
[...]Wie Schellhorn erläuterte, gebe es eine aufstrebende Discountmentalität im Tourismus.

[...] Zegg fordert deshalb Qualität zu tiefen Kosten und mehr Fokus auf Lifestyle und Erlebnis. [...]

Beispiele von Sölden, Ski Amadé, Vail Resorts und Arosa unterstrichen, dass eine Inszenierung des Angebots wichtig ist und der Gast unterhalten werden will. Hans-Kaspar Schwarzenbach (Arosa) zeigte mit Begeisterung auf, dass All-Inclusive Angebote beim Gast ungeahnte Zusatzausgaben auslösen.
[...]


Tourismus Charta 2008

Zum Abschluss des Forums wurde gemeinsam mit den Teilnehmern die Tourismus Charta 2008 ausgearbeitet und über deren Inhaltspunkte abgestimmt. Das Ziel ist, Besseres am gleichen Standort günstiger zu produzieren. Hierzu braucht es Kosteneinsparungen durch Mengeneffekte sowie ein bestimmtes Gästevolumen, das nur mit „Cheap und Chic“ Angeboten zu erreichen ist. Billigmärkte sind enorme Märkte, die eine hohe Wertschöpfung und Gewinnpotenzial in sich tragen. Die anwesenden Touristiker waren sich am Schluss einig, dass dies die neue Marschrichtung im Alpentourismus sein muss.
>> Die unaufhaltsame Industrialisierung des Skiraums führt zu Banalisierung und somit zum Verlust der magischen Skisportfreude<<

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Gletscherfloh
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Beitrag von Gletscherfloh »

Hm ....

Interessant ist sicher, dass man von der einseitigen Betonung des Mittel- und Hochpreissegmentes (4-Sterne plus ...) abzurücken beginnt. Offensichtlich scheint sich die Erkenntnis zu verbreiten, dass sich nicht jeder ausschliesslich in diesem Marktsegment positionieren kann. Dies erscheint mir in der Tat eine doch recht deutliche Richtungsänderung zu den typischen Slogans der Tourismusberater/Wunderwuzzis der 90er Jahre zu sein. Mit "Cheap and Chic" scheints ja nun auch eine modernisierte und auch sprachlich angepasste Version des "Geiz ist geil" zu geben (wer gibt schon gerne zu, dass er im Urlaub sparen muss ?).

Zum Thema Inszenierung und Alpen-Disney-Land:

Offensichtlich gibts hier in der Tat konkrete Nachfrage von Seiten der Kunden bzw. reagiert zunehmend das alpine Angebot auf die noch mehr inszenierten (und dadurch auch besser standardisierbaren !!) Angebote im mittlerweile ja Standard gewordenen Bade-Aktiv-Sonnenurlaub (mit je nach individuellem Geschmack zusätzlichen oder hauptsächlichen Fress&Sauf-Komponenten). Was mich nur immer stutzig macht, ist die Tatsache, dass in der Urlaubsmotivforschung immer wieder solche items wie "Sehnsucht nach Ursprünglichkeit/Authentischem", "Wunsch nach Individualität/Spontaneität" etc. sehr weit oben gereiht werden. An sich wär das ja total im Widerspruch zur blossen Inszenierung a la Disneyland. Aber offensichtlich ist das Simulacrum dann doch attraktiver als die Realität :roll: :?.
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Chasseral
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Beitrag von Chasseral »

Das ist mir alles Wurscht! Ich will Ski fahren - und das möglichst in einer Vielzahl von Skigebieten - auch in den kleineren. Preisniveau finde ich nicht das Thema. Erstens liegen die Preisspannen nicht so furchtbar breit und zweitens bin ich ziemlich anspruchslos und kann einen Ski-Aufenthalt ziemlich sparsam verbringen.
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Beitrag von trincerone »

Interessant ist erstmal folgendes: Wir hatten zum selben Thema vor nicht allzu langer Zeit einen Medienbericht, wo einer der Verantwortlichen von Ischgl (das ja eigentlich genau in die Reihe der genannten Orte passen würde) genau das Gegenteil äußerte. Sein Tenor war in etwa, dass Schiurlaub etwas exklusives haben soll, eben nicht etwas, was sich jeder leisten kann.

Die Tendenz, dass mehr drumherum geboten werden muss (soll), äußern viele Verantwortliche aus dem Sektor. Eigentlich eine logische Konsequenz einer Entwicklung, in deren Verlauf sich Schigebiete immer ähnlicher werden. Wenn plötzlich alle Schigebiete moderne KSB und Funitel haben und alle Pisten durch entsprechenden Ausbau auf einen Standard gebracht werden, können Pisten und Liftkomfort ja wohl kaum noch als Kritierien der Standortwahl dienen. Beim aktuellen Ausbau von technischen Beschneiungsanlagen scheint auch die Schneesicherheit in den Hintergrund zurücken, da hier zu Not nachgeholfen wird.

Ob es billig sein muss, ist wohl eher eine Frage der Zielgruppe. St. Anton und Zermatt laufen ja auch höchst erfolgreich, wohl auch gerade weil sie eben eine gewisse Exklusivität bieten, und damit die Ansprüche ihres Publikums befriedigen.

Dass Schisport und alles drumherum ein extrem den Moden unterworfenes Buiseness ist, ist ja auch nichts neues. Insofern ist auch hier klar, dass entsprechend finanzkräftige Unternehmen, ständig an entsprechenden Änderungen basteln. Das war auch schon in den 70ern so. Möglichst viel drumherum bieten, was gerade in ist.

Anderseits kommen gerade die franzöischen Schigebiete mit ihrem "Schi Pur" Konzept auch gut zu Rande. Das spricht wieder für die Zielgruppentheorie.

Eines dürfte klar sein: die Kunden sind heute flexibler in ihrer Gebietswahl und vergleichen genauer Preis und Leistung. Wenn also ein Gebiet wie Amadé geländetechnisch nicht mit den Westalpen mithalten kann und in Sachen (Natur-)Schneesicherheit gegen die meisten Konkurenten im eigenen Land verliert, muss es sich anderweitig profilieren. Moderne Liftanlagen, kein Hochhausambiente, viel Après-Ski etc. sind entsprechende Möglichkeit. Und über Massenkompatiblität werden günstige Pauschalangebote erreicht, die dann für den entsprechenden Besucherstrom sorgen.

Das Klientel dort ist auch ganz anderes als in den Westalpen oder in Italien oder auch an den Tirolergletschern. Solange man sich also in der Nische, wo man punkten kann, bewegt und sich dort entsprechend verkauft, scheint das Geschäft zu laufen.

Schigebiete mit tausenden Billigliften, wie es sie in den 80ern gab, beeindrucken heute niemanden mehr. Eine Sitzheizung im 6er anscheinend schon...
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