«Atzmännig-Betrieb läuft automatisch weiter»
Mehrheitsaktionär Heinz Egolf bietet sein Aktienpaket der Sportbahnen AG zum Verkauf - Echos sind geteilt
In Zeitungsinseraten werden seit kurzem Aktien der Sportbahnen Atzmännig AG zum Verkauf angeboten. Dahinter steckt Mehrheitsaktionär Heinz Egolf, der seine 2250 Aktien loswerden will. Was der Geschäftsführer als Affront bezeichnet, sieht der Verwaltungsratspräsident als unbedeutende Handänderung. Der Präsident des Tourismusvereins äussert sich besorgt.
Madeleine Stäubli-Roduner
Gestern tauchte auf einer Inserateseite des «Zürcher Oberländers» ein ungewöhnliches Inserat auf. Darin bietet eine nicht namentlich erwähnte Beteiligungs-Aktiengesellschaft dem Meistbietenden eine Aktienmehrheit von 2250 Aktien der Sportbahnen Atzmännig AG, Goldingen SG, zum Kauf an. Tags zuvor war diese Anzeige bereits in anderen Regionalzeitungen geschaltet worden.
Verkaufen möchte Heinz Egolf, Verwaltungsrat der Sportbahnen Atzmännig AG, Bauunternehmer aus Hinwil und unter anderem aufgrund diverser Firmenkonkurse kein Unbekannter im Oberland. Egolf habe den Verwaltungsrat nicht über sein Vorgehen informiert, heisst es im «TagesAnzeiger».
Der Verwaltungsratspräsident wusste Bescheid
Das ist nicht ganz korrekt: Theo Frei, Verwaltungsratspräsident der Sportbahnen Atzmännig AG, wusste nämlich bereits von den Verkaufsabsichten Egolfs, wie er auf Anfrage des ZO erklärt. Allerdings habe man erst an der Delegiertenversammlung vom 20. April über das Verkaufsangebot informieren wollen. «Doch ich habe gewusst, dass das Inserat erscheinen wird«, bekräftigt Frei.
Nichts gewusst hat dagegen Geschäftsführer Dominik Bachmann. Ja, das Inserat betrachte er als einen Affront, aber: «Im Aktiengeschäft läuft es eben so.» Was steckt dahinter? Er selber habe sich nicht überworfen mit Egolf, betont Bachmann, aber «die Chemie im Verwaltungsrat stimmt nicht». Dies wiederum will Verwaltungsratspräsident Frei nicht bestätigen. «Dicke Luft herrscht bei uns nicht.» Frei räumt lediglich ein, dass Egolf und Verwaltungsrat Anton Oberholzer «das Heu nicht auf der gleichen Bühne» haben.
Warum aber will Egolf verkaufen? «Am Geschäftsverlauf kann es nicht liegen», ist Bachmann überzeugt. Meistens schreibe man schwarze Zahlen und schütte eine Dividende aus, und der letzte Winter sei wieder gut verlaufen. Vielmehr glaube er, dass Egolf einfach seine Aktien loswerden und ein Geschäft machen wolle.
Dem Vorhaben Egolfs misst Verwaltungsratspräsident Frei keine allzu grosse Bedeutung bei. «Es handelt sich um eine schlichte Handänderung der Aktien», meint er. Dies sei keine Angelegenheit, die beunruhigen müsse. Denn ein allfälliger Verkauf habe keinen Einfluss auf den Betrieb im Atzmännig. «Alles läuft automatisch weiter», ist er überzeugt.
Fürchtet er nicht, dass ein neuer Hauptaktionär einiges auslösen könnte? Nein, diesen müsse man sich genau anschauen, und darauf habe man sich einfach wieder zu arrangieren.
Kaufpreis über zwei Millionen
Ausserdem erachtet er die Chancen als nicht sehr gross, dass Egolf einen Käufer finden wird. Zwar liege der Nominalwert der Aktie bei 500 Franken pro Stück und bei einer Million für das ganze Paket, gehandelt werde die Aktie aber über 1000 Franken, was einen Kaufpreis von über zwei Millionen Franken bedeute.
Auch Bachmann schätzt es als schwierig ein, dass die 2250 Aktien verkauft werden können. Trotzdem nimmt er die Sache nicht auf die leichte Schulter. Er stellt das Vorgehen in Frage - «Man wird vor den Kopf gestossen» - und macht sich Gedanken über die Zukunft.
Tourismusverein angesprochen
Ähnlich geht es Walter Honegger, dem Präsidenten des Tourismusvereins Sunneland-Oberland, in dem die vier Gemeinden Wald, Fischenthal, Goldingen und St. Gallenkappel mitwirken. Er erachtet es als sehr wichtig, dass der Atzmännig erhalten bleibt, und zwar «für das Tourismusgebiet um Wald, aber auch für die ganze Tourismusregion Zürcher Oberland». Der Verein müsse nun intern diskutieren, ob er eventuell einen Teil der Aktien übernehmen könne, so der Walder Gemeindepräsident. «Wir müssen schauen, was es für Möglichkeiten gibt, die Aktien zu sichern.»
Wie reagieren die Verantwortlichen der Sportbahnen AG auf diese Idee, würden sie einen eventuellen Kauf durch den Tourismusverein begrüssen? Die Aktien seien grundsätzlich für alle zu haben, meint Geschäftsführer Bachmann, doch habe er sich mit dieser Frage in dieser kurzen Zeit noch nicht auseinander gesetzt. Auch Frei möchte zu dieser Option noch nichts sagen.
Engagierter Investor gesucht
«Wir brauchen Investoren, die wirklich dahinterstehen», fordert Honegger. Die Sesselbahn müsse in den kommenden Jahren erneuert werden, eine grosse Investition, die auch von einem neuen Besitzer mitgetragen werden müsse. Noch ist es aber nicht so weit. Erst muss jemand gefunden werden, der für über zwei Millionen Franken rund 2200 Aktien eines kleinen, aber feinen Sport- und Freizeitzentrums übernimmt.
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