Seilbahnen im Nationalpark
29.03.2004
Zur Pasterze, zum Messelingkogel, zum Schareck
SALZBURG (SN-heba). Der Nationalpark Hohe Tauern wird heuer 20 Jahre alt. Seine Grenzen wurden 1984 im Vertrag von Heiligenblut festgeschrieben. Ausgerechnet im Jubiläumsjahr tauchen nun neue Seilbahnprojekte auf. In Osttirol denken Lokalpolitiker laut über eine Einseilumlaufbahn im Bereich des Felbertauern-Tunnelportals nach. Dadurch soll eine Verbindung zum Messelingkogel hergestellt werden. Der Gast, so Hopfgartens Bürgermeister Franz Hopfgartner, sei nicht mehr gewillt, stundenlange Wanderungen auf sich zu nehmen, "um das Bergerlebnis oder den Gletscher genießen zu können". Mit Bussen und Seilbahnen sollten die Urlauber schneller und bequemer in den Nationalpark transportiert werden. Ein Seilbahnprojekt gibt es auch auf Kärntner Seite. Dort macht sich Landeshauptmann Jörg Haider für eine Schwebebahn im Bereich der Pasterze stark. Der Alpenverein ist entschlossen, diesen Eingriff in der Kernzone zu verhindern. In Salzburg startete Bad Gastein im Dezember 2003 abermals die Diskussion um eine Erschließung des Scharecks. Davon träumt man auch in Rauris. Über das Schareck ließe sich das auf Kärntner Seite gelegene Skigebiet am Mölltaler Gletscher erreichen.
Seilbahnen im Nationalpark?
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Seilbahnen im Nationalpark?
Ein älterer Artikel aus den SN ist mir heute beim Durchstöbern des Archivs untergekommen:
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berg
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Re: Seilbahnen im Nationalpark?
Der Gast, so Hopfgartens Bürgermeister Franz Hopfgartner, sei nicht mehr gewillt, stundenlange Wanderungen auf sich zu nehmen, "um das Bergerlebnis oder den Gletscher genießen zu können".
tolles argument! ich war der meinung, dass man auf einen nachhaltigen und sanften tourismus setzen wollte. dann sollen eben die touris die auf den berg oder gletscher wollen doch nach nordtirol auf einen der gletscher fahren! da gibts genug bahnen. es muss nicht jeder berg und nicht gletscher mit einer seilbahn erschlossen sein!
tolles argument! ich war der meinung, dass man auf einen nachhaltigen und sanften tourismus setzen wollte. dann sollen eben die touris die auf den berg oder gletscher wollen doch nach nordtirol auf einen der gletscher fahren! da gibts genug bahnen. es muss nicht jeder berg und nicht gletscher mit einer seilbahn erschlossen sein!
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Naja, man muss den armen Osttiroler Bürgermeister irgendwie schon auch verstehen. In den 80er Jahren hat man denen dort gross eingeredet, "sanfter Tourismus" wär eine gangbare Alternative etc. In Wirklichkeit hat sich der Tourismus allerdings (leider) ganz anders entwickelt. Was haben die Osttiroler nun davon, dass sie eine vom Massentourismus weitgehend verschonte Landschaft haben ? Im schlimmsten Fall müssen sie auspendeln/abwandern und vielleicht sogar in einem der Nordtiroler Skigebiete als Saisonniers arbeiten .... (zugegeben, bisschen konstruiert das Beispiel).
Hier haben die Alpenvereine m.E. auch einigen "Dreck am Stecken". In den 80er Jahren wurde zwar noch versucht gem. mit der Region interessante Tourismuspakete im Bereich "sanfter Tourismus" zu schnüren (z.B. im Virgental), aber wenn man sich heute so die Veranstaltungskalender der diversen Alpenvereinsektion bzw. der AV-Bergschulen/Skischulen ansieht, merkt man schnell, dass sich auch diese allzu häufig auf die intensiv erschlossenen (und daher beim "breiten" Publikum offensichtlich beliebteren) Regionen konzentrieren.
Im übrigen würd ich eine Seilbahn von Sportgastein aufs Schareck sehr begrüssen (und im allgemeinen zieh ich eigentlich persönlich einen unberührten Berg einer Seilbahn vor ...). Das würde die Erreichbarkeit vom Schareck ("Mölltaler" Gletscher) auf einen Schlag erheblich verbessern und gleichzeitig eine perfekte Angebotsabrundung für Gastein bedeuten. Die Auswirkung auf die "Natur" des Nationalparks wär übrigens gleich "Null" bzw. eine Seilbahnstütze mit ihrem Fundament irgendwo an einer Felsflanke ...
Hier haben die Alpenvereine m.E. auch einigen "Dreck am Stecken". In den 80er Jahren wurde zwar noch versucht gem. mit der Region interessante Tourismuspakete im Bereich "sanfter Tourismus" zu schnüren (z.B. im Virgental), aber wenn man sich heute so die Veranstaltungskalender der diversen Alpenvereinsektion bzw. der AV-Bergschulen/Skischulen ansieht, merkt man schnell, dass sich auch diese allzu häufig auf die intensiv erschlossenen (und daher beim "breiten" Publikum offensichtlich beliebteren) Regionen konzentrieren.
Im übrigen würd ich eine Seilbahn von Sportgastein aufs Schareck sehr begrüssen (und im allgemeinen zieh ich eigentlich persönlich einen unberührten Berg einer Seilbahn vor ...). Das würde die Erreichbarkeit vom Schareck ("Mölltaler" Gletscher) auf einen Schlag erheblich verbessern und gleichzeitig eine perfekte Angebotsabrundung für Gastein bedeuten. Die Auswirkung auf die "Natur" des Nationalparks wär übrigens gleich "Null" bzw. eine Seilbahnstütze mit ihrem Fundament irgendwo an einer Felsflanke ...
- trincerone
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Tja, das sagt ja irgendwie schon alles...Der Gast, so Hopfgartens Bürgermeister Franz Hopfgartner, sei nicht mehr gewillt, stundenlange Wanderungen auf sich zu nehmen, "um das Bergerlebnis oder den Gletscher genießen zu können". Mit Bussen und Seilbahnen sollten die Urlauber schneller und bequemer in den Nationalpark transportiert werden
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Was ich aber nicht verstehe... der Bahn wird projektiert am gleiche Strecke des Venedigerblick Sessellift. Dieser Bahn würde vor einigen Jahren zerstört durch einen lawine, also ungefährlich wäre das nicht. Da oben hat es damals auch noch einen schlepper gegeben, rentabel war das Skigebiet allerdings seit die schneearme Winter ende 80er Jahren nicht mehr. Sowieso ist das Gelände oberhalb des Felbertauerntunnels kein Nationalpark (wgn. Entluftungsschachten usw.). Ich glaube aber eher dass dieses Projekt genutzt wird zum Austausch für die Weiterentwicklung bestehender Skigebiete.
- Gletscherfloh
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Ich verstehe den Satz in diesem Zusammenhang nicht.trincerone hat geschrieben:Das Ding ist auch, dass so mancher Jugendlicher von heute vielleicht auch nicht mehr bereit ist, jede Ausbildungsstelle anzunehmen, schrauben wir deshalb das Arbeitslosengeld hoch? (zum Thema Diskrepanz Anspruch und Realität).
Natürlich sind die Aussagen und die Begehrlichkeiten des Ostiroler Bürgermeisters (die ja auch durchaus aus dem Zusammenhang gerissen in dem Artikel widergegeben sein könnten) von einer geradezu rührigen Naivität, aber im Prinzip hat er recht.
Ostirol hat übrigens die (v.a. für den Sommer/Herbsturlaub) vielleicht "schönste" bzw. unberührteste Landschaft Österreichs. Und wo fahren die Touristen hin (wenn sie überhaupt in die Berge fahren) ? Nach Ischgl (das im Sommer eher eine Zumutung fürs Auge ist) zum Mountainbiken (weil sie da bis 2700m mit dem Bike die Seilbahn hochfahren können) oder vielleicht überhaupt auf irgendeinen Nordtiroler Gletscherrest um auf in den Fels/Eis gesprengten Wegen/Pisten herumturnen zu können. Soll sogar schon Skifahrer geben, die sich über ein bisschen Schieben bzw. über SLs anstatt von KSBs erregen
Dass die Töne aus Osttirol ein wenig an die 70er erinnern ist auch nicht weiter verwunderlich. Dort hinter den sieben Bergen verstreicht die Zeit eben etwas langsamer als andernorts
Im Ernst: Was haben die Osttiroler nun - 20 Jahre nach der feierlichen Etablierung des Nationalparks - davon ?
- trincerone
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Der Satz bezog sich nicht auf den Bürgermeister, sondern auf die Haltung der Gäste (nach seiner Aussage). Ich wollte damit verdeutlichen, dass es gesellschaftlich imme und überall Anpruchshaltungen gibt, die aber im Interesse der Gesamtheit nicht immer zu erfüllen sind.
Natürlich gibt es Gäste, die am liebsten auf jedem Berg eine Seilbahn hätten und eine 8 spurige Autobahn ins Tal (überspitzt gesagt), aber das kann ja nicht der einzige Maßstab gibt. Genausowenig darf man meines Erachtens nur die Position der Osttiroler betrachten. Natürlich stellt sich auch die Frage, was haben die Osttiroler von dem Nationalpark. Aber erstens sollte bei der Antwort auf die Frage nicht nur nach wirtschafttouristischen Bilanzen geschaut werden, und zweitens steht diese frage nicht für sich allein da. Es gilt immer zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Interessen zu vermitteln. Natürlich gehört dazu auch das Interesse der ansässigen Gemeinden, eine ausreichend florierende Wirtschaft zu haben. Aber es gibt eben auch noch andere Interessen.
Und die meines Erachtens überzogenen Vorstellungen mancher Gäste, wie im übrigen auch die nicht selten etwas überzogenen Ansprüche mancher Umweltaktivisten sollte dabei nicht allein oder an erster Stelle dastehen.
Natürlich gibt es Gäste, die am liebsten auf jedem Berg eine Seilbahn hätten und eine 8 spurige Autobahn ins Tal (überspitzt gesagt), aber das kann ja nicht der einzige Maßstab gibt. Genausowenig darf man meines Erachtens nur die Position der Osttiroler betrachten. Natürlich stellt sich auch die Frage, was haben die Osttiroler von dem Nationalpark. Aber erstens sollte bei der Antwort auf die Frage nicht nur nach wirtschafttouristischen Bilanzen geschaut werden, und zweitens steht diese frage nicht für sich allein da. Es gilt immer zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Interessen zu vermitteln. Natürlich gehört dazu auch das Interesse der ansässigen Gemeinden, eine ausreichend florierende Wirtschaft zu haben. Aber es gibt eben auch noch andere Interessen.
Und die meines Erachtens überzogenen Vorstellungen mancher Gäste, wie im übrigen auch die nicht selten etwas überzogenen Ansprüche mancher Umweltaktivisten sollte dabei nicht allein oder an erster Stelle dastehen.