Pitztaler Gletscher wird verpackt
Freitag, 17.06.05
Am Pitztaler Gletscher wird heuer wieder Spezialflies ausgelegt, um ein Abschmelzen des Gletschers zu verhindern. Ist die ganze Aktion nur ein teurer Spaß oder bringt es wirklich was? Das wird in einem Praxistest untersucht.
Sechs Hektar werden abgedeckt
Rechtzeitig vor Sommerbeginn wird heuer erstmals großflächig ein spezieller Sonnenschutz für den Gletscher ausgebracht. Exponierte Flächen, die im Hochsommer besonders abschmelzgefährdet sind, werden mit einem speziellen Flies abgedeckt. Fast sechs Hektar sollen in den kommenden Tagen so verpackt werden, das sind rund fünf Prozent der wirtschaftlich genutzten Pisten- und Lifttrassenflächen.
Jahrelange Voruntersuchungen
Diese Technik ist Ergebnis eines mehrjährigen Forschungs- und Versuchsreihe. Wissenschafter der Universität Innsbruck und der TU haben verschiedenste Materialien auf ihre Eignung untersucht - nicht nur als Sonnenschutz, sondern auch, ob sie ökologisch verträglich sind.
Koordiniert wird das Projekt vom Tiroler Forschungszentrum AlpS. Hier fließen wissenschaftliche Ergebnisse, öffentliche Förderungen und wirtschaftliche Kooperationen zusammen.
"Im Sinne der Nachhaltigkeit"
Eric Veulliet, GF Forschungszentrum AlpS: "Wir wollen nicht nur einfach rumprobieren, sondern das was getan wird, soll nach ökologischen und ökonomischen Gesichtspunkten untersucht werden auch im Sinne einer Nachhaltigkeit. Wenn man einen Gletscher als Wirtschaftsraum betrachtet, dann ist es auch unsere Aufgabe, diesen Wirtschaftsraum zu sichern."
Liftbetreiber hoffen auf gutes Gelingen
Eine Besonderheit des Projektes ist auch, dass die vier Tiroler Gletscherschiegebiete Pitztal, Kaunertal, Ötztal und Stubaital hier eng zusammenarbeiten. Was die Verpackung den Liftbetreibern bringt, wird erst im Herbst klar sein. Sie rechnen jedenfalls mit deutlich weniger Schneeverbringungsarbeiten vor Saisonstart.
Vermattung - Pitztaler Gletscher
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Vermattung - Pitztaler Gletscher
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Auf der website der Pitztaler Gletscherbahnen findet sich unter news ein genauerer Bericht über die Vermattungsaktionen am Gletscher (inklusive einiger Fotos!). Hier der Bericht:
Aktiver Gletscherschutz mit Gemeinschaftsprojekt in 4 Tiroler Gebieten
Vliesabdeckungen für exponierte Flächen im Pitztal
Mitarbeiter beim Anlegen eines Grabens zum Verlegen des Vliesanfangs; Bergmassiv
Verlegtes Vlies mit Bergstation Pitz Panoramabahn (3.440 m) und neugierigen Touristen beim Bestaunen der mühsamen Hochgebirgsarbeit
Mitarbeiter der Pitztaler Gletscherbahn bei Vliesver-legungsarbeiten im Steilhang des Brunnenkogel
Ein Pistengerät bring eine 5 m breite Vliesrolle und ein Kleinbagger bereitet einen Graben im Schnee vor, um den Vliesanfang fachgerecht zu befestigen
Die Belastungssäcke für die Abdeckflächen, die verhindern, dass Windböen Angriffsflächen haben
Nach den Extremtemperaturen im Jahrhundertsommer 2003 haben sich unter der Führung des AlpS Projektmanagement (Zentrum für Naturgefahrenmanagement - Innsbruck) die 4 Tiroler Gletscherskigebiete: Pitztal, Kaunertal, Sölden und Stubai zu einem gemeinschaftlichen Forschungs- und Praxistest koordiniert, um der sichtbaren Abschmelzung ihrer Gletscher aktiv entgegenzuwirken. In das im Sommer 2004 begonnene und nunmehr intensivierte Projekt sind die Institute für Meteorologie und Geophysik, für Zoologie und Limnologie der Universität Innsbruck als wissenschaftliche Begleitung eingebunden. Drei Schutzprojektvarianten zur Erhaltung der Gletschersubstanz bzw zum Neuaufbau von Gletschermasse stehen dabei im Mittelpunkt der Forschungsarbeit. Einerseits erprobt man das Injizieren von zusätzlichem Wasser(Sprühbalkenmethode) und das Verdichten der vorhandenen Schneedecke auf dem Gletschereis mittels Rüttelplatte. Schwerpunkt am Pitztaler Gletscher ist jedoch das Abdecken mit Vliesmaterial.
Mehrjährige Versuche nun wissenschaftlich begleitet
Hier konnte man bereits durch Abdecken von Liftstützen beim Übergang ins Gletschereis mit kleineren Vliesmatten früher gewonnene Erkenntnisse nutzen und hat seit dem Sommer 2005 zusätzliche, exponierte Flächen mit Vlies abgedeckt. Das im Pitztal verwendete weiße Material hat ein Gewicht von 350 Gramm pro qm, wird auf 5 Meter breiten Rollen mit jeweils 350 qm angeliefert und hatte sich zuvor im Straßenbau, Landschaftsschutz und Teichbau bewährt. Am Gletscher selbst werden dann die einzelnen Bahnen des Vlieses zu größeren Flächen zusammengefügt und mit einem Gasbrenner verschweißt, um den Windböen keine Angriffsfläche zu bieten. Am Anfang und Ende der abgedeckten Flächen werden zusätzlich ein Meter lange ,40 kg schwere Belastungssäcke aus dem gleichen Vliesmaterial ausgelegt, die zuvor mit Steinschotter gefüllt wurden.
Schutzvlies deckt 5,5 Hektar exponierte Fläche ab
Während der Sommermonate sind am Pitztaler Gletscher ca 5,5 Hektar mit diesem zusätzlichen Schutz der klimabedingten Abschmelzung abgedeckt. Das sind weniger als 5 % der gesamten präparierten Pistenfläche des winterlichen Skibetriebes. Der Schwerpunkt dieser „konservierten Flächen“ liegt dabei in der Abdeckung von südseitig geneigten Schleppliftspuren, exponierten Skiwegen, dem Nahbereich von Seilbahnstationen und den Liftstützen selbst. Rechtzeitig vor den ersten ergiebigen Neuschneefällen im Spätherbst werden die Vliesmatten wieder eingerollt und für den Schutzeinsatz im Folgejahr gelagert.
Erste Zwischenergebnisse der Wissenschaftler weisen nach, dass zwischen 1,00 und 1,50 Meter mehr Gletschersubstanz unter dem Vlies erhalten werden konnten. Da jedoch zahlreiche Parameter wie Sonnenscheindauer, Winterschneemenge, Temperaturentwicklung , Schneeschichtenaufbau bis hin zu eingewehtem Saharastaub diesen Wert beeinflussen , erwarten die Gletscherbahnbetreiber mit Spannung die kompletten Messreihen der Wissenschaftler zur Energiebilanz auf den Versuchsfeldern der Gletscher. Aufgrund des nicht unerheblichen Kostenfaktors für die Abdeckung mit Vlies und den Arbeitsaufwand für Auslegen und Einrollen kann jedoch ausgeschlossen werden, dass der komplette Pistenbereich abzudecken wäre. Früher noch übliche und notwendige Schneeschubarbeiten mit den Pistengeräten, um Gletscherspalten zu füllen oder Liftspuren zu erhalten, konnten nun jedoch erheblich reduziert werden.
Juli 05/W.K.