75 Jahre Bayrische Zugspitzbahn

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Jay
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75 Jahre Bayrische Zugspitzbahn

Beitrag von Jay »

Aus der Stuttgarter Zeitung:
Erstfahrt 8. Juli 1930
75 Jahre Zugspitzbahn

Schwerer Weg auf Deutschlands höchsten Berg


Garmisch-Partenkirchen - 5000 Menschen bringt die Zugspitzbahn täglich auf Deutschlands höchsten Berg. Doch bis am 8. Juli 1930 erstmals Passagiere von Garmisch-Partenkirchen aus auf den höchsten Berg Deutschlands fahren konnten, war es ein schwerer Weg. Und das nicht nur wegen der Unwegsamkeiten des Geländes: Ein Großbrand, tödliche Unfälle sowie der Erste Weltkrieg behinderten den Bau der Zahnradbahn über Jahrzehnte. Auch ein widerborstiger Prinz spielte eine Rolle.

Denn Luitpold von Bayern zeigte sich uneinsichtig und blockierte 1899 erste Pläne, die Zugspitze für Sommerfrischler und Bergfreunde erreichbar zu machen. Erst 15 Jahre später, 1914, genehmigte König Ludwig III. dann das Gesuch von Schweizer Ingenieuren zum Bau einer Zugspitzbahn. Doch dann sorgten der Erste Weltkrieg und die darauf folgenden Wirtschaftskrisen dafür, dass erst 1928 mit dem Bau begonnen werden konnte.

Am 1. April 1928 gab es schließlich die Zulassung für eine zwölf Kilometer lange "kombinierte Reibungs- und Zahnradbahn". Der Schienendamm der Reibungsbahn von Garmisch-Partenkirchen ins Zugspitzdorf Grainau wurde problemlos fertig. Eine gewaltige Herausforderung war dagegen der Tunnel den Berg hinauf zum Schneefernerhaus, mit einer Länge von 4453 Metern und einem Höhenunterschied von 1010 Metern. Die Ingenieure beschlossen, nicht einen einzigen Tunnel zu graben, sondern gleichzeitig mehrere kurze Röhren über fünf Fenster und Querstollen in der fast senkrechten Gebirgswand. Baurat Pforr von der AEG Berlin erinnerte sich in einem Brief von 1931: "Die erste Aufgabe bestand darin, die Baustelle für 800 Arbeiter herzurichten. Täglich waren zur Versorgung der Männer vier vollbeladene Güterwagen notwendig."

Als es endlich richtig voran ging, brach Ende 1929 in einer Kantine ein Großbrand aus, alle elektronischen Anlagen sowie die Räume der Belegschaft brannten nieder. Das Feuer kostete zwei Arbeiter das Leben, beim gesamten Bau der Zahnradbahn gab es zehn tödliche Unfälle. Innerhalb von zweieinhalb Jahren wurden immense Mengen Erde und Stein durch 197.000 Kilogramm Sprengstoff bewegt, dann passten die einzelnen Tunnelabschnitte genau ineinander, so dass am 8. Juli 1930 die ersten Passagiere den Berg hinaufgondelten.

Von Garmisch-Partenkirchen ging es nun in 19 Minuten durch das Loisachtal nach Grainau, dann weiter in 75 Minuten unterirdisch zum Schneefernerhaus. 1931 ging die Gipfelseilbahn in Betrieb, gleichzeitig mit dem Schneefernerhaus, Deutschlands höchstgelegenem Hotel. Ab 1945 kamen die ersten Skilifte dazu.

Doch die wechselhafte Geschichte der Bergbahn setzte sich auch auf den Pisten rund um die Zugspitze fort: Im Mai 1965 zerstörte eine Lawine die Idylle, zehn Menschen kamen ums Leben, mehr als hundert weitere wurden teils schwer verletzt.

Mittlerweile hat sich die Fahrzeit ab Grainau auf 40 Minuten verkürzt. Skifahrer und Snowboarder können mit 32 Bergbahnen und Liften fahren. Ab 1988, als die Betreiber einen neuen Tunnel eröffnen, wird die Zugspitze auf modern getrimmt: Es beginnt der Ausbau des Zugspitzplattes mit einem Restaurant für 1200 Gäste und einer Gletscherseilbahn zum Gipfel. 1992 wird der Hotelbetrieb am Schneefernerhaus eingestellt und auch der offizielle Fahrbetrieb durch die alte Röhre zum Zugspitzgipfel - die Zahnradbahn hält nur noch direkt am Zugspitzplatt.

340 Mitarbeiter Bergbahn AG sorgen heute dafür, dass die zahlreichen Passagiere sicher Richtung Gipfel kommen. Zum 75. Geburtstag können in diesem Jahr Besucher unter anderem mit alten Nostalgiezügen Richtung Gipfel fahren - und noch einmal zurückdenken an die vielen Kapitel der Geschichte rund um die Zahnradbahn.

dpa
04.07.2005 - aktualisiert: 04.07.2005, 14:37 Uhr

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