Das politische System in der Schweiz

... darf auch mal absolut nix mit dem Thema des Forums zu tun haben!
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GMD
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Beitrag von GMD »

Ich habe extra etwas übertrieben. Aber steter Tropfen höhlt eben den Stein. Wenn einem ständig immer wieder dasselbe vorgeworfen wird, geht einem das irgendwann auf die Nerven. Vor allem wenn es Dinge sind, auf die man selber keinen Einfluss hat.

Ohnehin geht mir dieses ewige rumnörgeln an der Schweiz langsam auf den Keks. Oft kommen diese Klagen von Leuten, die nicht einmal die kleinste Ahnung davon haben, wie dieses Land politisch funktioniert. Ich will damit keinesfalls die Dinge schönreden. Die hohen Preise beispielsweise. Die Schweiz ist ein Hochpreisland. Darunter leiden wir selber ja auch. Bei international tätigen Firmen ist manchmal sogar so, dass mit den Gewinnen aus dem überteuerten Schweizer Markt der Preiskampf in anderen Ländern, beispielsweise Deutschland, finanziert wird. So gesehen profitiert ihr in der EU sogar von der Hochpreisinsel Schweiz! Aktuelles Beispiel gefällig? Die Star Alliance verlangt für einen Flug nach Kanada im Februar zur Zeit in der Schweiz gut 300 Euros mehr als in Deutschland! Nach Abzug der Kosten für den Zubringerflug nach Frankfurt bleibt da immer noch ein hübscher Mehrgewinn übrig!

Die Wirtschaft hat logischerweise überhaupt kein Interesse daran, dass sich daran was ändert. Die Politik wäre also gefragt. Nur leider ist die Verfilzung zwischen Wirtschaft und Politik sehr stark. Griffige Gesetze gegen die Preistreiberei haben es darum sehr schwer. Es ist sogar schon vorgekommen, dass ein solches Gesetz, welche als Volksinitiative lanciert wurde, im Parlament dermassen verwässert wurde, dass bei der Abstimmung sogar die Initianten dagegen waren!

Bisher wurden die hohen Preise durch die ebenfalls hohen Löhne kompensiert. Aber leider sind diese, bedingt durch die in den letzen Jahren eher kriselnde Wirtschaft, weniger stark gestiegen als das Preisniveau. Mit anderen Worten: In der Schweiz findet seit einiger Zeit ein Abbau der realen Kaufkraft statt. Schon heute ist die Zahl derjenigen, denen das Salär nur knapp oder gar nicht zum überleben reicht, der sogenannten "working poor", ständig im steigen begriffen. Aber auch bei denen, die genug verdienen ist die Stimmung schlecht. Dies führt dazu, dass die Leute weniger konsumieren, sie sparen! Dieses nur allzu menschliche Verhalten ist aber Gift für die Wirtschaft. Was wiederum zu Entlassungen und Lohneinbussen führt, welches bei der Bevölkerung die Stimmung natürlich weiter in den Keller sacken lässt. Ein Teufelskreis, der nur sehr schwer zu durchbrechen ist. Die Medienmeldungen über die im Gegenzug stark angestiegenen Managerlöhne sind dann auch nicht unbedingt geeignet, die Stimmung in der Bevölkerung zu heben.

Ich weiss, diese Probleme gibt es nicht nur in der Schweiz. Aber hier treten sie in besonders ausgeprägter Form auf. Noch ist die Lage ruhig. Bereits gab es aber die ersten, noch kleineren, Streiks. Aber wenn es so weitergeht, sehe ich den Arbeitsfrieden ernsthaft gefährdet! Ein Generalstreik, wie es ihn zuletzt vor 72(!) Jahren gab, schliesse ich nicht mehr aus. Damals schlug die Armee den Streik nieder, welches um ein Haar zu einem Bürgerkrieg führte! Zugegeben, so schlimm wird es sicher nicht werden. Aber die Lunte an der Bombe brennt lichterloh! Wenn sie nicht bald gelöscht wird, wird die Schweiz politisch erbeben wie schon lange nicht mehr. Ob sich danach alles zum Guten wendet, ist mehr als fraglich...
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maartenv84
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Beitrag von maartenv84 »

hohen preisen kompensieren mit hohen Lohnen hat als erfolg höhere preisen (die Firmen wollen ihre höhere personalskosten wieder zurück verdienen). Dann wollen die leute wieder mehr Geld sehen wegen kaufkraft. Lohnen gehen wieder hoch usw. Das heisst auch Lohn/kosten Spirale. Einer der folgen so einen Spirale ist Inflation. So einen Spirale ist meistens ein grosses problem. Vorallem wieder aus die Spirale zu gelangen ist schwierig.
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Enigma
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Beitrag von Enigma »

Von außen kann ich das nicht berurteilen, aber die Schweiz hat doch im Grunde Vollbeschäftigung oder?

Eigentlich sollte es den Schweizern da eher ne ganze Ecke besser gehen, als z.B. uns in Deutschland.
Hier in meiner Stadt ist jeder 5. arbeitslos.
Viele davon bekommen sogar nur Hartz 4 (ALG 2), wenn man da überhaupt noch was raus bekommt.

Wenns schlecht läuft, und man nach 30 Jahren Arbeitsleben den Job verliert, lebt man ein Jahr später in ner 30 qm Wohnung, ohne alles und muss von der Hand in den Mund leben...
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GMD
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Beitrag von GMD »

Vollbeschäftigung? Schön wäre es! *seufz* Ausserdem kennen wir ja noch den Trick mit dem sogenannten Aussteuern. Man hat nur eine bestimmte Anzahl Tage Anspruch auf Arbeitslosengeld. Sind die verbraucht, wird man ausgesteuert und zur Sozialhilfe geschickt. Und nun kommt der Trick: Ausgesteuerte gelten in der Statistik als Sozialhilfeempfänger und nicht mehr als Arbeitslose! Oder anders gesagt: Langzeitarbeitslose werden in der Arbeitslosenquote nicht erfasst! Die Schweizer Politik hat aber noch mehr Kniffe auf Lager, um die Quote zu senken. Wenn ein Arbeitsloser eine Stelle findet, muss er mindestens sechs Monate arbeiten, um Anspruch auf eine neue Frist Arbeitslosengelder zu erhalten. Hat er das Pech, den Job vorher wieder zu verlieren, wird sein altes Guthaben weitergeführt!
maartenv84 hat geschrieben:ich versteh es nicht ganz. Was hat die Politik zu tun mit die preis/leistung verhältnis von die Bergbahnen Saas Fee und das vielleicht überteuerte essen in Restaurants im skigebiet??
Ganz einfach: Die Bergbahn muss Schweizer Löhne zahlen. Die Investitionskosten sind in der Schweiz ebenfalls höher. Auch die Hersteller von Seilbahnen werden in der Schweiz mehr für ihre Produkte verlangen als anderswo! Dasselbe gilt für das Restaurant. Der Wirt hat höhere Einkaufskosten als sein Kollege in Österreich, etc, etc.
maartenv84 hat geschrieben:Sehr OT: hohen preisen kompensieren mit hohen Lohnen hat als erfolg höhere preisen (die Firmen wollen ihre höhere personalskosten wieder zurück verdienen). Dann wollen die leute wieder mehr Geld sehen wegen kaufkraft. Lohnen gehen wieder hoch usw. Das heisst auch Lohn/kosten Spirale. Einer der folgen so einen Spirale ist Inflation. So einen Spirale ist meistens ein grosses problem. Vorallem wieder aus die Spirale zu gelangen ist schwierig.
Du hast die Problematik auf den Punkt gebracht. Genau in diesem Teufelskreis steckt die Schweiz! Da die Realeinkommen im Durchschnitt der vergangenen Jahre aber weniger stark als die Teuerung zunahmen, haben wir real gesehen sogar einen Kaufkraftverlust! Wenn die Preise nicht bald ins Rutschen kommen, wird das Leben hier langsam unbezahlbar. Leider haben es die Manager immer noch nicht kapiert, dass die Zitrone wohl endgültig ausgequetscht ist. Stattdessen jammern sie lieber über die zunehmende Konsumentationsunlust der Bevölkerung. Kein Gedanke daran, woran das wohl liegt. Lieber kurzfristig die Gewinne erhöhen, damit die Aktionäre zufrieden sind. Dass dabei langfristig das Unternehmen kaputt geht, ist denen egal. Entweder sind sie dann schon lange bei einer anderen Firma, oder dann fädeln sie einfach eine Übernahme durch einen Konkurenten ein und lassen sich dies dann auch noch mit satten Boni vergolden.

Sorry, für die harten Worte, aber wenn ich so sehe, wie die Schweizer Wirtschaft für den kurzzeitigen Gewinn systematisch kaputt gemacht wird, kann ich nicht anders!
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Enigma
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Beitrag von Enigma »

GMD hat geschrieben:Vollbeschäftigung? Schön wäre es! *seufz* Ausserdem kennen wir ja noch den Trick mit dem sogenannten Aussteuern. Man hat nur eine bestimmte Anzahl Tage Anspruch auf Arbeitslosengeld. Sind die verbraucht, wird man ausgesteuert und zur Sozialhilfe geschickt. Und nun kommt der Trick: Ausgesteuerte gelten in der Statistik als Sozialhilfeempfänger und nicht mehr als Arbeitslose! Oder anders gesagt: Langzeitarbeitslose werden in der Arbeitslosenquote nicht erfasst! Die Schweizer Politik hat aber noch mehr Kniffe auf Lager, um die Quote zu senken. Wenn ein Arbeitsloser eine Stelle findet, muss er mindestens sechs Monate arbeiten, um Anspruch auf eine neue Frist Arbeitslosengelder zu erhalten. Hat er das Pech, den Job vorher wieder zu verlieren, wird sein altes Guthaben weitergeführt!
Warum sollte es bei Euch anders sein als bei uns? Bis auf das die Leute ohne Anspruch auf Arbeitslosengeld in der Statistik bleiben ist es doch gleich.
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Downhill
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Beitrag von Downhill »

Das mit dem kurzfristigen Gewinndenken ist in DE schon seit Jahren so. Geplant wird nur noch von zwölfe bis mittags. Was nicht in 3 Monaten Gewinn abwirft, wird geschlossen oder verkauft.

Früher gab es mal "Unternehmer", das kommt von unternehmen = ein Wagnis eingehen, etwas erschaffen. Heute gibt's nur noch Manager. Was gut läuft wird verwaltet (= weitermachen wie bisher), was schlecht läuft wird dichtgemacht. Schuld sind (frei wählbar) die inkompetenten Vorgänger, die schlechte Wirtschaftslage oder die Bundesregierung :D

Die Reallöhne sind zwar in DE auch nicht mehr besonders angestiegen in letzter Zeit. Dafür sind die Supermarktpreise die billigsten in Europa (ehem. Ostblock mal ausgenommen). Verhungern tut man also so schnell nicht :wink:
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Petz
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Beitrag von Petz »

Realer Kaufkraftverlust ist leider nicht mehr wegzudiskutieren denn den spürt jeder am eigenen Leib und wenn es so weitergeht wird der Großteil der Bevölkerung bald zu den "working poor" zählen, ob die paar Reichen sich dann hier noch besonders wohl fühlen sei dahingestellt; diejenigen die soziales Engagement zeigen würden den Anfeindungen sowieso nicht unterliegen und der versnobte Teil dieses Menschenschlages fehlte mir sowieso nicht sodaß sie ruhig dort hingehen könnten wo der Pfeffer wächst.

Außerdem gehören endlich mal alle Steuersysteme so umgestellt daß sich erstens niemand mehr mit legalen Möglichkeiten an der Steuerpflicht vorbeischlängeln kann und es wären eigentlich aus verfassungsrechtlichem Gleichheitsprinzip alle Einkommen egal woher im selben Ausmaß zur Steuer - und Sozialbeitragspflicht heranzuziehen.
Ein weiteres Problem in Zusammenhang mit der Lohnentwicklung sehe ich in der Zusammenstellung des Warenkorbes zur Inflationsratenermittlung denn da gehörte getrennt erfasst:

1) die Dinge des täglichen Grundbedarfes (Wohnen,Essen, Kleidung und auch kleines Auto (da viele pendeln müssen))

2) der Rest

Und nur der erste Korb dürfte als Berechnungsgrundlage Preissteigerungsindex - Lohnerhöhungen herangezogen werden denn was nützt es wenn statistisch Fernostflugreisen billiger werden die nicht lebensnotwendig sind und den Index drücken, andererseits aber die Energiekosten explodieren denen man nicht entgehen kann und hier nicht in nötigem Ausmaß Einkommen erhöht wird.

Ein wirtschaftliches Grundübel sehe ich im getätigten Beitritt zur WTO, dadurch müssen wir faktisch ohne Ausgleichsmöglichkeiten mit Ländern konkurrieren die andere Umweltstandards und Lebenshaltungskosten haben wobei ich hier eine spezielle Form eines Strafzolls einführen würde:
Ich würde auf Importe aus den Ländern Strafabgaben in Abhängigkeit der differierenden Standards einführen aber diese nicht ins eigene Budget lenken sondern zweckgebunden in einen Entwicklungsfond stecken, der dann dort gezielt Projekte zur Verbesserung der Lebensbedingungen der dortigen Bevölkerung finanziert - dadurch kämen diese Länder schneller auf unseren Standard und somit wäre schneller eine faire Konkurrenz hergestellt und der Strafzoll obsolet.

Gegen drohenden Arbeitsplatzverlust müssten sich alle einfach dadurch zur Wehr setzen daß man konsequent Produkte boykottiert deren Hersteller zur Gewinnmaximierung Arbeitsplätze ins Ausland verlagern oder massiv Lohndumpingwünsche äußern, ich bin in dieser Richtung jedenfalls äußerst konsequent und führe eine Boykottliste auf die aber auch z. B. Firmen kommen die mich mit dümmlicher oder über ein normales Ausmaß hinausgehender Werbung verärgern weil ich nicht bereit bin dies mit meinen Käufen mitzufinanzieren.
Ich denke das die, darauf folgenden Umsatzeinbrüche die Herren Manager sehr schnell auf den Boden der Realität zurückführen würden wenn ihnen klar gemacht wird daß eigentlich der Kunde mit seinem Budget der eigentliche Machtfaktor am Markt ist und bestimmen kann wohin die Reise geht soferne er aus seiner diesbezüglichen Lethargie erwacht und konsequent handelt.
Petz setzt seine Aktivitäten mit Ende Juni 2020 stark zurück. Ich bleibe aber bis auf weiteres in Ausnahmefällen und per PN für Fragen, Hilfe beim Modellbau etc. noch aktiv.
Suedlaender
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Beitrag von Suedlaender »

ich bin unternehmer, habe meine eigene kleine firma. ich war bis 2000 angestellt als manager bei grossen, bekannten firmen. dies ist die ausgangslage. hier meine sicht der dinge:
Ausserdem gehoeren endlich mal alle Steuersysteme so umgestellt dass sich erstens niemand mehr mit legalen Moeglichkeiten an der Steuerpflicht vorbeischlaengeln kann
Dazu kann ich nur folgendes sagen: Du sagst es ja selbst: LEGALEN Moeglichkeiten. Diese wurden geschaffen in einzelnen Laender um attraktiv zu sein und um Investitionen anzulocken es hat also jeder das Recht davon gebrauch zu machen oder nicht. Das beste Beispiel ist doch die EU: Heute hat jedes europaeische Unternehmen das Recht von jedem Standort in der EU taetig zu sein. Das ist so gewollt und meiner Meinung nach auch richtig. Also warum den Hauptsitz nicht nach Holland verlegen, eine Holding gruenden und weit weniger Steuern bezahlen als mit Hauptsitz in Deutschland? Oder nach Zug/Schweiz, oder oder...
Ein guter Geschaeftskollege hat mir mal seine Zahlen vorgelegt: Er hat ein mittleres Unternehmen in Frankfurt/Main. Man hat es soweit gebracht das unter dem Strich die Steuern 70 % (!!!) betragen. Das heisst von 1 Mio. Gewinn nimmt Vater Staat 700'000.- und verteilt es irgendwie. Das sich da die Leute Gedanken machen ist doch logisch, oder? Es gibt zig Moeglichkeiten, mittlerweile werden teile der Geschaefte ueber UK, Schweiz und Holland abgewickelt und siehe da die Steuerbelastung ist bei ca. 40 %, was immer noch zu hoch ist.
Ich reise regelmaessig nach Hong Kong, ein sehr gutes Beispiel: Dort ist die Steuerbelastung unabhaengig Privat/kleines Unternehmen/Konzern 12 %, frueher 10 %. Es gibt einen Freibetrag von HKD 20'000.-, danach 12 % fuer alle. Kein Mensch findet das unsozial, die haben Vollbeschaeftigung, die Wirtschaft waechst und jeder arbeitet gerne 60 Stunden und mehr. Jeder kann es schaffen...
Und was ist hier in Europa, vor allem Deutschland, Frankreich: Ueber Jahrzehnte hat man den Versuch gemacht es "gerecht" zu verteilen, nen dicken Sozialstaat aufgebaut, die Steuern staendig erhoeht, das komplizierteste System der Welt aufgebaut. Und was ist das Resultat? 10 % Arbeitslose, frustrierte Unternehmer, Leute die seit Generationen vom Staat leben, die Reichen gehen weg. In Deutschland koennt ihr den Spitzensteuersatz ruhig auf 80 % erhoehen, es gibt eh keinen mehr der da ist und das auch bezahlt. Sind doch alle laengst weg.
Fazit: Ihr braucht keine "Steuerschlupfloecher" zu stopfen sondern einen anstaendigen Satz fuer alle, z.B. 15 % ohne Ausnahme ob Rentner, Arbeitnehmer, Sozialhilfeempfaenger, DAX-Unternehmen oder Firmengruender. Wetten das ihr das nie hinkriegt? Weil es sofort wieder heissen wird: Aber ich nicht, die anderen sollens bezahlen!
Das mit dem kurzfristigen Gewinndenken ist in DE schon seit Jahren so. Geplant wird nur noch von zwölfe bis mittags. Was nicht in 3 Monaten Gewinn abwirft, wird geschlossen oder verkauft
Das ist glaube ich nicht ganz richtig: Es gibt viele Unternehmen die investieren mittel- bis langfristig, vor allem die grossen. Aber natuerlich muessen diese Investitionen Gewinn abwerfen und zwar moeglichst schnell und wenn nicht, dann wirds geschlossen oder verkauft. Das ist doch logisch, oder? Unternehmen sind keine Wohltaetigkeitsveranstaltungen. Fakt ist jedenfalls das die europaeischen Unternehmen relativ wenig Eigenkaptial haben und die Gewinne zu klein sind. Bestes Beispiel ist die Deutsche Bank: Die machen eigentlich einen recht guten Job und sind das einzige deutsche Finanzinstitut das international einigermassen mithalten kann. Und was passiert in Deutschland? Die werden zur Sau gemacht, vor Gericht gezehrt, in Talk Shows immer als Negativbeispiel zitiert etc.

So das waers fuer den Moment...
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Beitrag von Emilius3557 »

Gutes Statement. Dachte vorher schon wir sind das Forum der "Linkspartei"... :D

Suedlaender
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Beitrag von Suedlaender »

ah ja nochwas: Das Topic heisst ja schliesslich " Das politische System der Schweiz", dazu folgendes:
Die Schweiz ist wahrscheinlich das konkurrenzfaehigste Land in Europa. Es ist politisch stabil, hat eine eigene, gute Waehrung und gut ausgebildete Menschen, die bereit sind zu arbeiten. Die Arbeitslosenquote ist gering (Tricks gibts ueberall), die Gewerkschaften haben wenig zu sagen und der Arbeitsmarkt flexibel. Die Staatsquote und die Steuern sind relativ gering, alles sehr positive Dinge. Was fehlt ist ein wenig mehr Selbstvertrauen und eines sollte schnellstens an die Hand genommen werden: Weniger Vorschriften, weniger Gesetzte, weniger Buerokratie. Dies ist ein wichtiger Faktor der sich am Ende eben auch im Preis eines Produktes niederschlaegt, beispielsweise bei den Bergbahnen.
Beispiel: Stadion Zuerich. Da haben die die EM zugesprochen bekommen und bringens fast nicht fertig in der groessten Stadt ein anstaendiges Stadion zu bauen. Es fehlt nicht das Geld sondern ein paar Klugscheisser koennen alles blockieren. Es gab ne Abstimmung, demokratischer gehts ja wohl nicht. Aber das heisst in der Schweiz noch lange nichts: Da kommt ein selbstherrlicher Klub und verhindert Millionenivestitionen. Da wuerde ich ansetzten: Verbandsbeschwerderecht gehoert in den Muelleimer und viele andere Vorschriften/Gesetze gleich mit. Ich denke das waer mal ein Befreiungschlag. Wetten dann waer auch wieder mehr Wachstum drin?
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Stefan
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Beitrag von Stefan »

Bestes Beispiel ist die Deutsche Bank: Die machen eigentlich einen recht guten Job und sind das einzige deutsche Finanzinstitut das international einigermassen mithalten kann.
also nun wirklich nicht. beim rest stimme ich dir gern zu, aber ausgerechnet die db? die ihre inländische mitarbeiterzahl von 1992 (59.916) bis 2003 (29.857/quelle: bankgeschichte.de) halbiert hat? die mittelständischen unternehmen (mein bekanntenkreis) den geldhahn zudreht? die ihre privatkunden vor die tür setzt bzw. das beratungsangebot auf ihre internet- bzw. direktbanktochter verlagert? die filialen selbst in mittelzentren dichtmacht und dafür drei automaten hinstellt (beispiel titisee-neustadt, 10.000 einwohner, ca. 30.000 im einzugsbereich)? die durch mehrere neuausrichtungen in der unternehmensstrategie nicht nur das klima unter den mitarbeitern ruiniert, sondern auch gleich noch image und den wert der aktie? und die erst im frühjahr wieder 6400 stellen abbauen wollte? also nun wirklich nicht.

eine anregung aus dem stern:
http://www.stern.de/wirtschaft/unterneh ... 4&nv=ct_cb
"Die Investoren kommen nicht von der Caritas", sagt Wincor-Nixdorf-Chef Karl-Heinz Stiller, der sie seit Jahren hautnah erlebt. Überraschenderweise killen sie aber selten Stellen, um die Kosten zu drücken. Vielmehr konzentrieren sie sich neben dem Cash-Flow darauf, die Belegschaft in die Pflicht zu nehmen. Bei Wincor Nixdorf beteiligten KKR und Goldman Sachs Capital Partners 230 Führungskräfte am Eigenkapital - wer lässt schon die Zügel schleifen, wenn es um das eigene Geld geht? Bilanz: Über 50 Prozent mehr Gewinn und 2400 neue Stellen in gut fünf Jahren.

Daran könnte sich die Deutsche Bank ein Beispiel nehmen: Wachstum, gerade im Dienstleistungsbereich, geht im großen Stil nur mit mehr Personal, nicht mit weniger. Prozentuale Renditeziele wie die 25 Prozent Ackermanns sind bei den Übernahmeprofis, vor denen sich der Bankchef so sehr fürchtet, längst aus der Mode. Bei ihnen zählt, wie viel Geld am Ende in der Kasse ist. Peter Wuffli, Ackermanns Pendant bei der Schweizer Großbank UBS, hat das schon verinnerlicht. Bei der Vorstellung der Bilanzzahlen sagte er zu Ackermanns Rauswurfplänen: "Wir halten gar nichts von solchen Massenprojekten. Wenn wir eines Tages herausfinden, dass wir bei der UBS 6000 Leute zu viel haben, müssten sie mich umgehend entlassen." Die UBS ist bei ähnlicher Größe an der Börse fast doppelt so viel wert wie die Deutsche Bank. Ihre weltweite Mitarbeiterzahl wuchs im vergangenen Jahr um zwei Prozent.
btw: hongkong ist - was unternehmen angeht - noch nicht das ende der fahnenstange. ein cousin von mir leitet eine drehteilfabrik eines schweizer unternehmens in südchina... DAS ist kapitalismus (im kommunistischen land, wohlgemerkt). 80 euro monatslohn, essen (nahrhaft und billig = reis) und wohnen auf dem fabrikgelände... und immense expansionspläne in den nächsten jahren.
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Beitrag von Mad Banana »

Ich finde, dass das Eröffnungsposting vom GMD etwas übertreibt. Fakt ist, dass die Schweiz zur Zeit ein sehr geringes Wirtschaftswachstum hat und dass sich daran etwas ändern muss, wenn man langfristig Wettbewerbsfähig bleiben will. Allerdings würde ich die Welt nicht so schwarz anmalen, denn es gibt einige gute Gründe, weshalb man in der Schweiz investieren sollte!

1. Die Schweiz ist politisch stabil
Natürlich mahlen die Mühlen in der Schweiz sehr langsam - aber dafür gründlich. Natürlich gibt es Gesetze über welche sich streiten lässt - aber sie sind nicht unbedingt unnötig. Durch das System von 2 Kammern im Parlament und der Volksabstimmung sind doch die meisten Entscheide wirklich vom Volk abgesegnet und können dann durchgezogen werden. Generalstreiks wie in Frankreich oder Italien sind bei uns zur Zeit nicht denkbar und politisieren à la CDU/SPD gibts auch nicht. Dadurch, dass alle Parteien an der Meinungsfindung und dem Entwurf von Gesetzen beteiligt sind wird EINMAL über den Atomausstieg diskutiert und nicht wie z.B. in Deutschland während 20 Jahren.

2. Die Schweiz hat eine konkurrenzfähige Währung
Während der Dollar ständig schwankt und sich weltpolitischen Ereignissen unterwirft bleibt der Franken relativ stabil. Es gibt keine Probleme mit einem Kaufkraftverlust durch die Einführung des Euros, einfach deshalb, weil wir keinen Euro haben. Mittlerweile kann man aber auch in der Schweiz fast überall mit Euro zahlen, allerdings machen das wirklich nur Touristen oder Bewohner des Grenzgebiets. Daneben ist die Inflation in der Schweiz äusserst gering, was wohl auch damit zusammenhängt, dass die Schweizerische Nationalbank jedes Jahr ein Inflationsziel (und nicht z.B. ein Geldmengenziel) vor Augen hat.

3. Die Schweiz hat ein sehr gutes Bildungssystem
Zwar haben auch wir bei der PISA Studie schlechter abgeschnitten als erwartet, doch darf man davon ausgehen, dass das Bildungssystem der Schweiz noch immer das Beste in ganz Europa ist. Ich vermag nicht zu genau zu erklären weshalb, aber ich denke es hat viel damit zu tun, dass die Schulen und Klassen in der Schweiz kleiner sind. Zudem gibt es für viele Berufe Spezialschulen/Ausbildungsstätten oder Hochschulen mit hervorragendem Ruf auf der ganzen Welt (ETH Zürich, Biozentrum Basel, Hotelfachschule Luzern etc.).

4. Steuern
Wieso sollte ich in Deutschland 70% meines Einkommens Vater Staat überschreiben, damit der mit MEINEM Geld den Umzug von Bonn nach Berlin finanziert? Oder damit ein extravagantes Kanzleramt gebaut wird? Oder damit das Geld in Ostdeutschland versickert?
Da versetze ich meinen Firmensitz doch lieber in die Schweiz... Auch wenn innerhalb der Schweiz das Steuergefälle stellenweise hoch ist (z.B. zwischen Basel und Zug), so zahle ich meine Steuern in der Schweiz doch immernoch sehr gerne. Erstens weil der Betrag wirklich gering ist und zweitens weil mein Geld selten zum Fenster rausgeworfen wird. Ich finanziere lieber den Bau der NEAT, welche aufgrund besserer verkehrstechnischer Anbindung die Wirtschaft ankurbeln wird, als dass von meinem Geld ein Beamter jede Woche von Bonn nach Berlin und zurück fliegt.

5. Know How
Vielleicht etwas weit her geholt, aber schaue man sich doch einmal an, welche Firmen sich in der Schweiz niedergelassen haben. Massenproduktion ist aufgrund der hohen Löhne fehl am Platz und so bleibt nur die Verlagerung in Richtung Industriegüter oder Dienstleistungen mit hohem Qualitätsanspruch. Beispiel ABB, der schwedisch-schweizerische Industriekonzern... Es gibt nur wenige Firmen auf der Welt, welche das Know How haben um ein Kraftwerk am 3-Schluchten Damm zu bauen. Bei der Uhrenindustrie genau das gleiche - bis auf Swatch gibts fast keine Massenproduktion und die Manufakturen im Jura und in Genf dürfen sich qualitativ als Weltmarktführer bezeichnen. Im Tourismus sehe ich das ähnlich, eine Branche mit starkem Kundenkontakt. Qualität kostet Geld, und diejenigen Unternehmen, welche Qualität anbieten haben im Schnitt auch weniger Probleme, Kunden für ihre Produkte zu finden.
High Tech oder High Touch sind also in der Schweiz angesagt...
Das Leben ist eine sexuell übertragbare Krankheit mit hundertprozentiger Mortalität.
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Beitrag von McMaf »

Suedlaender hat geschrieben:Und was ist hier in Europa, vor allem Deutschland, Frankreich: Ueber Jahrzehnte hat man den Versuch gemacht es "gerecht" zu verteilen, nen dicken Sozialstaat aufgebaut, die Steuern staendig erhoeht, das komplizierteste System der Welt aufgebaut. Und was ist das Resultat? 10 % Arbeitslose, frustrierte Unternehmer, Leute die seit Generationen vom Staat leben, die Reichen gehen weg. In Deutschland koennt ihr den Spitzensteuersatz ruhig auf 80 % erhoehen, es gibt eh keinen mehr der da ist und das auch bezahlt. Sind doch alle laengst weg.
Zu dem Thema fällt mir eine sehr interessante Sendung ein die die letzten Wochen erst auf ZDF und jetzt öfters auf meinem Heimkanal ;) "Phoenix" lief: Fall Deutschland
Die Sendung beschäftigt sich gerade mit dieser angesprochenen Problematik. Wie es schon bei Adenauer angefangen hat mit dem Rentensystem es über die Ölkrise ging die Gewerkschaften jedoch trotzdem noch 14% Lohnerhöhung ausgehandelt haben als ausgleich für höhere Preise bei Öl und sonstigem und bis zu Kohl (bzw. Blühm) die bedenkenlos an die Wohlfahrtspolitk Schmidts angeknüpft haben.
Die Sendung sollte man sich auf jeden Fall mal ansehen.
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Beitrag von Petz »

Das befremdliche für mich ist daß einerseits von der Wirtschaft immer wieder auf den Kostendruck aufgrund der Weltmarktkonkurrenz (eben auch China) hingewiesen und mit diesem Argument eine Verbilligung des Faktors Arbeit gefordert wird nur konnte mir noch niemand sagen wie man mit, wie angeführt 80 Euro pro Monat hier überleben und dann noch die Wirtschaftsprodukte kaufen sollte um Wachstum zu erzielen.

Deshalb kann die Lösung nur in einem fairen Wettbewerb liegen und der ist ohne Angleichungsabgaben wie von mir oben beschrieben eben erst dann machbar wenn die Bedingungen in etwa gleich sind, das betrifft weniger die Eurozone denn da wird sich über kurz oder lang eine Harmonisierung der Steuersysteme einstellen als vor allem den Weltmarkt.
Grundsätzlich gehört jedenfalls ein einfaches transparentes Steuersystem mit fixen Sätzen und ohne jede Ausnahmeregelung sowie Fluchtmöglichkeiten her dann würde die Akzeptanz dafür wieder steigen wenn jeder im gleichen Maße zahlt.

Bei den Sozialabgaben wirds noch haariger denn unsere Politiker haben sich ja zu dem "Generationenvertrag" hinreißen lassen, meines Erachtens nach damit die, durch den Krieg ausgebliebenen Sozialabgaben nicht dem Allgemeinbudget zur Last fallen. Irgendein Wissenschaftler hat jedenfalls mal ausgerechnet daß jeder die dreifache Rente bekommen würde wenn seine bezahlten Beiträge auch nur zum Eckzinssatz angelegt worden wären.
Das damit die Lohnnebenkosten auf einem konkurrenzfähigerem Niveau landen könnten ist klar, außerdem gehörte insoferne mehr Wettbewerb rein als das zwar eine klare gesetzliche Vorgabe eines Versicherungsschutzes gegeben sein müßte aber andererseits allen freigestellt wird wo der Betreffende dann zu diesen Anforderungen diesen abschließt.

Die Schweiz hat sich durch den Nichtbeitritt zur EU ein paar mehr Freiheiten aber auch einige Nachteile eingehandelt andererseits war die Schweiz - und das ist heute ihr Vorteil nie ein Massenkonsumgütererzeuger und insoferne fällt ihr die Umstellung leichter weil sie auch von Ruf her teuer aber gut zu sein keine ganz großen Restrukturierungsmaßnahmen machen mußte, Deutschland hatte außerdem im Gegensatz zu den europäischen Mitbewerbern die Kosten der Wiedervereinigung zu tragen wenn diese nicht gewesen wären sähe auch um einiges besser aus.
Petz setzt seine Aktivitäten mit Ende Juni 2020 stark zurück. Ich bleibe aber bis auf weiteres in Ausnahmefällen und per PN für Fragen, Hilfe beim Modellbau etc. noch aktiv.
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Beitrag von Stefan »

Kosten der Wiedervereinigung
das wird in orf und kronenzeitung aber stets bestritten, wenn mal wieder leise darauf hingewiesen wird, um wie viel besser als die deutsche doch die hervorragende österreichische regierung arbeitet. petzi, also wirklich: zwei billionen hin oder her, das kann ja nun wirklich nicht die frage sein. eine konservative regierung hätte das problem längst gelöst und würde überschüsse ohne ende produzieren.

[\ironie, \OT]
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Chasseral
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Beitrag von Chasseral »

Mad Banana hat geschrieben:2. Die Schweiz hat eine konkurrenzfähige Währung
... Es gibt keine Probleme mit einem Kaufkraftverlust durch die Einführung des Euros, einfach deshalb, weil wir keinen Euro haben. ...
Nur so am Rande: Der Euro hat seit seiner Einführung gegenüber dem Franken ständig an Wert gewonnen. 2003 habe ich noch 1,43 CHF für 1 Euro gekriegt, heute krieg ich 1,56 CHF für 1 Euro. Die D-Mark hatte vorher jahrzehntelang gegenüber dem Franken nur veloren.

Wenn man heute in Deutschland auf der Straße Leute nach der Stabilität von D-Mark und Euro befragt, dann sagen die meisten aus Unwissenheit: "Die D-Mark war die härtere und damit bessere Währung". Diese Auffassung ist in 2facher Hinsicht falsch.

1. Der Euro ist tatsächlich "härter" (im Vergleich zu anderen Währungen) als die D-Mark.
2. Eine "harte" Währung ist nicht automatisch positiv. Dadurch, dass die Inflation des Euro so gering ist, sind die Zinsen im Verhältnis zur Inflation höher. Und diese relativ höheren Zinsen verhindern Investitionen.

Daher müsste die Aussage eher heissen: "Die D-Mark war besser weil sie weicher war". Dies würde aber kaum einem Deutschen plausibel erscheinen.

Es gibt keine Probleme mit einem Kaufkraftverlust durch die Einführung des Euros, einfach deshalb, weil wir keinen Euro haben.
Zur Kaufkraft: Die Kaufkraft in Deutschland hat sich seit der Einführung nicht nennenswert geändert. In einigen Bereichen ist sie schlechter geworden, in anderen Bereichen besser. Die Medien führen - wie wir hinreichend wissen - normalerweise nur negative Effekte an, weil sich mit negativen Botschaften mehr Geld verdienen lässt. Daher ist die überwiegende Meinung, dass es einen Kaufkraft-Verlust gegeben hat, rein populistisch geprägt.

Einschub an dieser Stelle: Diese populistische Einpeitscherei finde ich übrigens ganz schlimm. Gestern hat ein deutscher Nachrichtensender viele Hörer nach ihren Erwartungen einer Steuerreform befragt. Diese Hörer (eher ein Sender für gebildete Kreise) haben ausschliesslich inhaltslose und unsinnige Phrasen von sich gegeben. Da war keine einzige verwendbare, nachvollziehbare Aussage dabei. Das waren alles irgendwelche Phrasen, die man mal von Politikern der jeweils bevorzugten Partei oder als Schlagzeilen in den Medien gehört hat.
Politik und Medien betreiben systematische Volksverdummung.

Zusammenfassend zum Euro: Wenn ich die verschiedenen positiven und begativen Effekte der Euro-Einführung bewerte, ziehe ich für mich den Schluss, dass es für die Mehrzahl der Bürger keine nennenswerten Auswirkungen durch die Euro-Einführung gegeben hat. Das ist halt lediglich ein schönes emotionales und populistisches Thema, mit dem man die Leute kirre reden und in ihrer Meinung beeinflussen kann.
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Beitrag von Jojo »

Oliver Frank hat geschrieben:
Es gibt keine Probleme mit einem Kaufkraftverlust durch die Einführung des Euros, einfach deshalb, weil wir keinen Euro haben.
Zur Kaufkraft: Die Kaufkraft in Deutschland hat sich seit der Einführung nicht nennenswert geändert.
Sorry, diese Aussage kann und will ich nicht so stehen lassen!
Natürlich hat sich die Kaufkraft in Deutschland nach Einführung des Euros verändert-ganz schön sogar! Und zwar zum negativen hin!
Nehmen wir zum Beispiel die Gruppe der Rentner/Pensionäre:
Angenommen ein(e) Rentner(in) hat vor der Einführung 1200 DM pro Monat erhalten. So bekommt der/diejenige jetzt noch etwa 600 Euro. Aber dadurch, dass die Lebensunterhaltskosten, besonders die Lebensmittel teilweise bis zu 150% teurer geworden sind (natürlich sind einige wenige Sachen auch nicht oder nur unwesentlich teurer geworden) müssen die Leute sehen, dass sie alles bezahlen können und müssen dadurch sparen um über die Runden zu kommen....
Der Bundesgesundheitsminister warnt:
Der vorangegangene Beitrag kann Spuren von Ironie, Zynismus und Sarkasmus enthalten. Sollten sie mit einer dieser Substanzen
in Konflikt geraten oder einfach nicht in der Lage sein, diese zu erkennen, so konsultieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker.
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Nuno
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Beitrag von Nuno »

Jojo hat geschrieben:besonders die Lebensmittel teilweise bis zu 150% teurer geworden sind
öhm, hast du auch beweis dafür? Ich weiss dass in die Niederlande jedenfalls die Preisen im Lebensmittelgeschäft letzter Jahren bis 5% gesunken sind. Nur frische Gemüse sind sehr teuer im Vergleich; aber ob dass mit dem Euro oder eher mit dem geführten Politik im EU zu machen hat, weiss ich nicht.
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Downhill
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Beitrag von Downhill »

Da hätte ich auch gern mal glaubwürdige statistische Belege dafür... :wink:

Gejammert wird in DE ja grundsätzlich...
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Beitrag von lenni »

in D sind die Lebensmittel im europäischen Vergleich am günstigsten. Das war vor Euroeinführung schon so und ist auch nach der Euroeinführung so geblieben.
und gerade Lebensmittel sind eben NICHT deutlich teurer geworden.
Knorr Nudelsauce 1,99DM -> 0,97EUR
Buko Frischkäse 1,89DM -> 0,95EUR
Kiste Wasser 2,99DM -> 1,49EUR (seit 2004 Aldi/Lidlplörre für 1,14)
Die Ofenfrische 4,49DM -> 2,29EUR
SB-Brot 2,99DM -> 1,59EUR
DM-Preise von 2001, EUR-Preise von 2004/05, jeweils Marktkauf

um nur einige Beispiele zu nennen.
Wirklich teurer geworden sind viele Dienstleistungen, die Gastronomie und (zuerecht und nicht wegen Euro) Energie.
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Chasseral
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Beitrag von Chasseral »

^^ Wollte hier nichts mehr schreiben, muss aber weil ich mich mit dem Stichwort Gastronomie persönlich angegriffen fühle:

@Jojo: Umfassende, objektive Statistiken sagen eben, dass es im Mittel nicht teurer geworden ist (wie Downhill und lenni bestätigen). Du selbst bist offenbar dem Populismus aufgesessen - wie es leider so vielen geht.

@lenni: (-> Gastronomie) Wir betreiben zu Hause ein Restaurant (die Familie - ich hab nen anderen Beruf, arbeite aber teilweise mit). Wir haben bei der Euro-Einführung am 1.1.2002 exakt umgerechnet (Faktor 1,95583) und auf 10 ct. gerundet - nach oben wie nach unten - je nach dem was näher war. Und wir haben exakt diese Preise noch heute! Und wir haben nicht vor der Umstellung explizit die Preise angezogen.
Daher verwahre ich mich gegen das pauschale Geschimpfe auf die Gastronomie!! Schwarze Schafe gibt es überall.
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Beitrag von Downhill »

Oliver Frank hat geschrieben:Daher verwahre ich mich gegen das pauschale Geschimpfe auf die Gastronomie!! Schwarze Schafe gibt es überall.
*hüstel* Gut daß ich nichts gesagt hab :D
Da gab es in der Tat ein paar Betriebe... allerdings ging das glaub ziemlich nach hinten los. Die Leute haben das jeweils durchaus bemerkt...

Viele (die meisten!) haben's aber eher so gemacht wie OFrank. Die allgemeine Konsumlust ist sowieso nicht gerade angestiegen in den letzten Jahren, da kann sich drastische "Erhöhungen des Gewinns wegen" eh fast niemand mehr erlauben... nur die schlechten Beispiele bleiben halt lange in Erinnerung :wink:
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Beitrag von Emilius3557 »

n D sind die Lebensmittel im europäischen Vergleich am günstigsten. Das war vor Euroeinführung schon so und ist auch nach der Euroeinführung so geblieben.
Die Preise für teure Konsumgüter wie z.B. Computer, DVD-Player sind ordentlich gefallen. Auch Telefonieren etc. ist billiger geworden.
Für die hohen Energiekosten kann der Euro nichts, im Gegenteil, der gute Kurs im Verhältnis zum Dollar dämpft den Effekt sogar.
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Beitrag von lenni »

Oliver Frank hat geschrieben:Daher verwahre ich mich gegen das pauschale Geschimpfe auf die Gastronomie!! Schwarze Schafe gibt es überall.
-> in der Gastronomie sind die Preise halt im Mittel stärker gestiegen als in anderen Branchen. Einige Ausreißer nach oben ziehen das Mittel eben auch hoch.
Also - nicht angegriffen fühlen ;)
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Beitrag von GMD »

An der ganzen Diskussion störrt mich das pauschalisieren. Es ist nicht die Schweiz, welche teuer ist. Sondern die Wirtschaft ist es, welche die Preise nach oben treibt. Und die besteht nun mal beim besten Willen nicht nur aus Schweizern Unternehmen! Ausländische Unternehmen sahnen bei uns genau so ab! Ein aktuelles Beispiel gefällig? Bitte sehr!

VW Golf 1.6 Comfortline
Basispreis Deutschland: ¤ 17'975.--
Basispreis Schweiz: ¤ 18'308.-- (+1.85%)
Wobei ich die Ausstattung nicht verglichen habe.

IKEA Regal Billy Grundmodell
Basispreis Deutschland: ¤ 70.--
Basispreis Schweiz: ¤ 88.50 (+26.4%)

Noch krasser ist es beispielsweise bei Medikamente. Da bezahlen wir bis zu 40% mehr. Soviel mehr wie die Dinge bei uns kosten, verdienen wir gar nicht. Die Schweizer haben so gesehen also sogar die kleinere Kaufkraft wie die Deutschen!
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