sidelhorn [goms, wallis, schweiz]
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sidelhorn [goms, wallis, schweiz]
im goms denkt man schon seit jahrzehnten an eine erschliessung des sidelhorns, das ist nichts neues. letzte woche war dazu ein [zu sehr?] optimistischer bericht in der RZ Oberwallis, sorry, dass ich den erst jetzt poste. mein statement weiter unten...
***
Bergbahnen Obergoms AG will Konzessionsgesuch bis Ende Februar einreichen
Sidelhorn-Promotoren wollens wissen
Oberwald / Die Obergommer Initianten geben ihren Traum vom Skigebiet am Sidelhorn nicht auf. Im nächsten Monat soll definitiv das Konzessionsgesuch beim Bund eingereicht werden.
Von German Escher
„Bis Ende Februar sollten wir das Dossier für das Konzessionsgesuch beisammen haben“, gibt sich Verwaltungsrat Hans Hallenbarter optimistisch. Das Dossier müsse in Bezug auf Umweltverträglichkeit und Wirtschaftlichkeitsnachweis noch ergänzt werden, fügt Albert Bass, ebenfalls VR-Mitglied der Bergbahnen Obergoms AG, hinzu. Die Haupthürde besteht darin, nachzuweisen, dass ein neues alpines Skigebiet im Obergoms genügend Frequenzen erzielen kann, um langfristig überleben zu können. Das weiss auch Albert Bass: „Aber seit über zwanzig Jahren spricht man im Obergoms vom Sidelhorn. Jetzt muss dieser Traum eine Wahrheit erfahren.“ Erste Vorgespräche mit den Bundesbehörden haben laut Hallenbarter bereits stattgefunden. „Wir hatten einen positiven Eindruck. Man hat uns jedenfalls klar gesagt, dass es keinen Beschluss gibt, wonach keine Neuerschliessungen möglich sein sollten.“
Kosten: 20 bis 30 Millionen
Das Gebiet Sidelhorn soll laut Hallenbarter ab dem Bahnhof Oberwald mit einer Gondelbahn bis Brunnji (2085 m ü. M.) sowie zwei Sesselliften, allenfalls aber auch mit zwei Skiliften, bis auf 2620 Meter erschlossen werden. Die Investitionen belaufen sich je nach Variante auf 20 bis 30 Millionen Franken. Für die heutige Bergbahnen Obergoms AG, in der vor allem die drei obersten Gemeinden mit je 75’000 Franken federführend sind, ist dies ein happiger Brocken. „Zur Finanzierung kann nicht wieder auf die Gemeinden zurückgegriffen werden. Dazu braucht es Investoren von ausserhalb. Die Wirtschaftskraft im Goms ist zu klein, um ein solches Projekt durch die Leute im Tal zu finanzieren“, räumt Hallenbarter ein. Am Rückhalt in der Bevölkerung indes zweifelt der Sidelhorn-Promotor nicht: „Ich werde auf der Strasse immer wieder dazu ermuntert, dass wir jetzt das Konzessionsgesuch einreichen sollten.“
Geeignetes Gebiet
Fachleute bezeichnen das Gebiet als äusserst attraktiv und schneesicher. Die breiten Hänge und die Höhenlage werden als Stärke hervorgehoben. Gerade deshalb habe dieses Skigebiet seine Berechtigung und seine Chancen, ist Hallenbarter überzeugt: „Das Sidelhorn gehört zu jenen Skigebieten, die im Oberwallis überleben können.“
Ums Überleben kämpft gegenwärtig das Skigebiet Hungerberg auf der gegenüberliegenden Talseite, das ebenfalls von der Bergbahnen Obergoms AG betrieben wird. „Für den Hungerberg ist es sehr schwierig“, gesteht Verwaltungsrat Hallenbarter. „Solange das Defizit mit Gemeindebeiträgen gedeckt werden kann, gehts. Aber die Anlagen müssten erneuert werden. Und das würde rund 15 bis 20 Millionen Franken kosten.“ Kommt hinzu, dass das Gebiet nicht ausgebaut werden kann. Deshalb ist für Hallenbarter klar: „Für den Hungerberg finden wir sicher keine Investoren.“ Die Geldsuche dürfte allerdings auch für das Sidelhorn nicht zum Spaziergang werden. „Ich mache mir keine Illusionen“, gesteht Hallenbarter. „Aber nichts tun, das können wir uns im Obergoms auch nicht leisten.“
http://www.rz-oberwallis.ch/news2005/Nr03-27jan/01.htm [COPYRIGHT RZ OBERWALLIS]
***
nun ja, grundsätzlich habe ich nichts dagegen, wenn man neue hänge erschliessen will, zumal dieser hang sich nicht von anderen unterscheidet - also sind dort meines wissens nach nicht irgendwelche siedlungen von berglurchen oder was auch immer durch das projekt gefährdet.
zudem zieht der hungerberg wirklich keine leute an, das skigebiet ist am ende das goms und klein, veraltet, nicht erweiterbar. das neue wär zwar immernoch von onerwald her erschlossen, aber würde direkt am bahnhof starten. logischerweise wäre es auch nicht veraltet...
in anderen regionen würde man sowas nicht tun, der neue berg ist ja auch nicht riesig. doch ich denke, dass die rechnung hier aufgehen könnte, da die gomser einwohner selbst bisher kein gutes skigebiet zur verfügung haben und das skigebiet einige familien mehr anlocken dürfte, das das angebot für familien verbessert werden könnte.
aber wie seht ihr das?
wenn ichs irgendwie schaffe, einen kartenausschnitt der region zu finden, wo das ganze aufgestellt werden soll, stell ich die natürlich online...
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Bergbahnen Obergoms AG will Konzessionsgesuch bis Ende Februar einreichen
Sidelhorn-Promotoren wollens wissen
Oberwald / Die Obergommer Initianten geben ihren Traum vom Skigebiet am Sidelhorn nicht auf. Im nächsten Monat soll definitiv das Konzessionsgesuch beim Bund eingereicht werden.
Von German Escher
„Bis Ende Februar sollten wir das Dossier für das Konzessionsgesuch beisammen haben“, gibt sich Verwaltungsrat Hans Hallenbarter optimistisch. Das Dossier müsse in Bezug auf Umweltverträglichkeit und Wirtschaftlichkeitsnachweis noch ergänzt werden, fügt Albert Bass, ebenfalls VR-Mitglied der Bergbahnen Obergoms AG, hinzu. Die Haupthürde besteht darin, nachzuweisen, dass ein neues alpines Skigebiet im Obergoms genügend Frequenzen erzielen kann, um langfristig überleben zu können. Das weiss auch Albert Bass: „Aber seit über zwanzig Jahren spricht man im Obergoms vom Sidelhorn. Jetzt muss dieser Traum eine Wahrheit erfahren.“ Erste Vorgespräche mit den Bundesbehörden haben laut Hallenbarter bereits stattgefunden. „Wir hatten einen positiven Eindruck. Man hat uns jedenfalls klar gesagt, dass es keinen Beschluss gibt, wonach keine Neuerschliessungen möglich sein sollten.“
Kosten: 20 bis 30 Millionen
Das Gebiet Sidelhorn soll laut Hallenbarter ab dem Bahnhof Oberwald mit einer Gondelbahn bis Brunnji (2085 m ü. M.) sowie zwei Sesselliften, allenfalls aber auch mit zwei Skiliften, bis auf 2620 Meter erschlossen werden. Die Investitionen belaufen sich je nach Variante auf 20 bis 30 Millionen Franken. Für die heutige Bergbahnen Obergoms AG, in der vor allem die drei obersten Gemeinden mit je 75’000 Franken federführend sind, ist dies ein happiger Brocken. „Zur Finanzierung kann nicht wieder auf die Gemeinden zurückgegriffen werden. Dazu braucht es Investoren von ausserhalb. Die Wirtschaftskraft im Goms ist zu klein, um ein solches Projekt durch die Leute im Tal zu finanzieren“, räumt Hallenbarter ein. Am Rückhalt in der Bevölkerung indes zweifelt der Sidelhorn-Promotor nicht: „Ich werde auf der Strasse immer wieder dazu ermuntert, dass wir jetzt das Konzessionsgesuch einreichen sollten.“
Geeignetes Gebiet
Fachleute bezeichnen das Gebiet als äusserst attraktiv und schneesicher. Die breiten Hänge und die Höhenlage werden als Stärke hervorgehoben. Gerade deshalb habe dieses Skigebiet seine Berechtigung und seine Chancen, ist Hallenbarter überzeugt: „Das Sidelhorn gehört zu jenen Skigebieten, die im Oberwallis überleben können.“
Ums Überleben kämpft gegenwärtig das Skigebiet Hungerberg auf der gegenüberliegenden Talseite, das ebenfalls von der Bergbahnen Obergoms AG betrieben wird. „Für den Hungerberg ist es sehr schwierig“, gesteht Verwaltungsrat Hallenbarter. „Solange das Defizit mit Gemeindebeiträgen gedeckt werden kann, gehts. Aber die Anlagen müssten erneuert werden. Und das würde rund 15 bis 20 Millionen Franken kosten.“ Kommt hinzu, dass das Gebiet nicht ausgebaut werden kann. Deshalb ist für Hallenbarter klar: „Für den Hungerberg finden wir sicher keine Investoren.“ Die Geldsuche dürfte allerdings auch für das Sidelhorn nicht zum Spaziergang werden. „Ich mache mir keine Illusionen“, gesteht Hallenbarter. „Aber nichts tun, das können wir uns im Obergoms auch nicht leisten.“
http://www.rz-oberwallis.ch/news2005/Nr03-27jan/01.htm [COPYRIGHT RZ OBERWALLIS]
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nun ja, grundsätzlich habe ich nichts dagegen, wenn man neue hänge erschliessen will, zumal dieser hang sich nicht von anderen unterscheidet - also sind dort meines wissens nach nicht irgendwelche siedlungen von berglurchen oder was auch immer durch das projekt gefährdet.
zudem zieht der hungerberg wirklich keine leute an, das skigebiet ist am ende das goms und klein, veraltet, nicht erweiterbar. das neue wär zwar immernoch von onerwald her erschlossen, aber würde direkt am bahnhof starten. logischerweise wäre es auch nicht veraltet...
in anderen regionen würde man sowas nicht tun, der neue berg ist ja auch nicht riesig. doch ich denke, dass die rechnung hier aufgehen könnte, da die gomser einwohner selbst bisher kein gutes skigebiet zur verfügung haben und das skigebiet einige familien mehr anlocken dürfte, das das angebot für familien verbessert werden könnte.
aber wie seht ihr das?
wenn ichs irgendwie schaffe, einen kartenausschnitt der region zu finden, wo das ganze aufgestellt werden soll, stell ich die natürlich online...
Zuletzt geändert von 7132qp am 31.01.2005 - 18:25, insgesamt 1-mal geändert.
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Habe den Artikel in der RZ gelesen, aber ich glaube es erst wie auch das Riederalp-Belalp Projekt daran wenn gebaut wird.
Ich denke die Idee ist gut, und auf der Alpinen Schiene könnte das Obergoms ruhig eine Frischzellenkur vertragen. Denn mit dem Hungerberg lockt man keine Leute hinter dem Ofen vor. Ich kenne den Hungerberg zwar nur vom Sommer, aber im Winter würde ich nicht von Lax nach Oberwald fahren und dort paar Schwünge zu setzen Maximal, wenn ich über die Furka heimfahren würde. Ich war zwar letzten Februar abends mal am Hungerberg, aber nur weil im Aletsch dichter Nebel war und ich einem Freund das Obergoms näher bringen wollte.
Am Sidelhorn ist sicher mehr Potenzial als am Hungerberg vorhanden, auch was den späteren Ausbau betrifft. Denn vielleicht könnte man ja auch später gegen die Grimsel erschließen. Was ja immer mal wieder im Zusammenhang mit dem Projekt genannt wurde. Schneesicher ist die Ecke ja alle mal. Denn an Beschneiung muss man ja im Obergoms nicht denken.
Ich persönlich würde es begrüssen und dann sicher auch nach Oberwald für einen Tag fahren... Oder auch mehr, natürlich je nachdem was dort realisiert wird. Nur ist die finanzielle Seite natürlich ein Problem, denn der Hungerberg stand ja letzten Sommer for dem Aus, aber vielleicht findet sich ja ein großzügiger Investor fürs Oberwallis...
Ich denke die Idee ist gut, und auf der Alpinen Schiene könnte das Obergoms ruhig eine Frischzellenkur vertragen. Denn mit dem Hungerberg lockt man keine Leute hinter dem Ofen vor. Ich kenne den Hungerberg zwar nur vom Sommer, aber im Winter würde ich nicht von Lax nach Oberwald fahren und dort paar Schwünge zu setzen Maximal, wenn ich über die Furka heimfahren würde. Ich war zwar letzten Februar abends mal am Hungerberg, aber nur weil im Aletsch dichter Nebel war und ich einem Freund das Obergoms näher bringen wollte.
Am Sidelhorn ist sicher mehr Potenzial als am Hungerberg vorhanden, auch was den späteren Ausbau betrifft. Denn vielleicht könnte man ja auch später gegen die Grimsel erschließen. Was ja immer mal wieder im Zusammenhang mit dem Projekt genannt wurde. Schneesicher ist die Ecke ja alle mal. Denn an Beschneiung muss man ja im Obergoms nicht denken.
Ich persönlich würde es begrüssen und dann sicher auch nach Oberwald für einen Tag fahren... Oder auch mehr, natürlich je nachdem was dort realisiert wird. Nur ist die finanzielle Seite natürlich ein Problem, denn der Hungerberg stand ja letzten Sommer for dem Aus, aber vielleicht findet sich ja ein großzügiger Investor fürs Oberwallis...
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sidelhorn = schwachsinn?!
es wurde neustens wieder hier im forum darüber diskutiert, wie sinnvoll und umsetzbar das sidelhorn-projekt ist.
nun, ich will da jetzt mal meine EIGENE meinung abgeben dazu:
ein neuse gelände mit touristischen anlagen zu erschliessen ist in der schweiz heutzutage ein extrem schwieriges unterfangen. doch trotzdem gibt es einige punkte, die für das sidelhorn sprechen:
- es wird ein anderes gelände [hungerberg] fürs neue skigebiet geopfert, das nachher wieder an die natur übergeben wird. am hungerberg dürften mehr tier- undpflanzenarten vorkommen als am sidelhorn, schlichtweg weil er tiefer liegt und es daher mehr grünflächen gibt. das sidelhorn dagegen ist eher einer dieser "braunen" berge, nimmt man mal die tieferen lagen vorweg. ganz oben ist dann im prinzip nur noch eine felslandschaft, soweit ich das gesehen habe.
- das goms, vor allem das obergoms, sind wirtschaftlich in einer nicht allzu rosigen lage und daher zum teil stark von der abwanderung betroffen. wenn jedoch das volk auswandert, schaut niemand mehr zur landschaft, was auch nicht richtig ist. das heisst: ein projekt wie das sidelhorn bringt wieder etwas mehr hoffnung und arbeit ins tal.
- als ferienregion für familien eignet sich das obergoms ideal: es gibt viel sonnenschein, ein paar dorfskilifte mit optimalen anfängerpisten und schlittelwegen. für die eltern gibt es eine weltweit bekannte langlaufloipe und viele winterwanderwege. zudem ist das gebiet noch weitestgehen natur, ohne irgendwelche "sattellitenbauten".
- schneesicherheit wird heutzutage gross geschrieben und das obergoms hat selten schneemangel.
- die hänge am sidelhorn liegen an der sonne - das mag teilweise auch ein nachteil sein, bringt aber mehr vorteile mit sich: den ganzen tag am licht, man friert nicht, etc. zudem würden sie sich für pisten wirklich eignen.
das ist mal so in etwa alles. natürlich gibt es auch gründe, wieso man jetzt diesen berg nicht erschliessen sollte...und die umweltschutzorganisationen werden sich diese zu nutzen machen. auch ich zweifle an der umsetzung des projektes, sowohl finanziell als auch staatlich. jedoch denke ich, dass eine erschliessung des sidelhorns mehr chancen hat als andere neurschliessungen in gebieten, wo schon zig skigebiete in der region liegen. das nächste skigebiet nach oberwald ist bellwald...bis man da unten ist dauerts ne ziemliche weile!
wenn wir grade bei bellwald sind: es wird auch in erwägung gezogen, ab einer der gemeinden im obergoms eine neue gondelbahn ins bellwalder skigebiet zu erstellen. das wäre wohl billiger und einfacher umzusetzen - ich bin aber eher für das sidelhorn-projekt...
gleich kommen noch ein paar texte aus der rz.
PS: es war mir, ich hätte mal gelesen, dass die bergbahnen am hungerberg nun definitif stillstehen - wahrscheinlich war das ein bericht im walliser boten. bei dem sind die beiträge online jedoch nicht verfügbar - zumindest nicht kostenlos. bei der rz aber schon...öööh...ja. hat hier jemand ein WB-abo?!
nun, ich will da jetzt mal meine EIGENE meinung abgeben dazu:
ein neuse gelände mit touristischen anlagen zu erschliessen ist in der schweiz heutzutage ein extrem schwieriges unterfangen. doch trotzdem gibt es einige punkte, die für das sidelhorn sprechen:
- es wird ein anderes gelände [hungerberg] fürs neue skigebiet geopfert, das nachher wieder an die natur übergeben wird. am hungerberg dürften mehr tier- undpflanzenarten vorkommen als am sidelhorn, schlichtweg weil er tiefer liegt und es daher mehr grünflächen gibt. das sidelhorn dagegen ist eher einer dieser "braunen" berge, nimmt man mal die tieferen lagen vorweg. ganz oben ist dann im prinzip nur noch eine felslandschaft, soweit ich das gesehen habe.
- das goms, vor allem das obergoms, sind wirtschaftlich in einer nicht allzu rosigen lage und daher zum teil stark von der abwanderung betroffen. wenn jedoch das volk auswandert, schaut niemand mehr zur landschaft, was auch nicht richtig ist. das heisst: ein projekt wie das sidelhorn bringt wieder etwas mehr hoffnung und arbeit ins tal.
- als ferienregion für familien eignet sich das obergoms ideal: es gibt viel sonnenschein, ein paar dorfskilifte mit optimalen anfängerpisten und schlittelwegen. für die eltern gibt es eine weltweit bekannte langlaufloipe und viele winterwanderwege. zudem ist das gebiet noch weitestgehen natur, ohne irgendwelche "sattellitenbauten".
- schneesicherheit wird heutzutage gross geschrieben und das obergoms hat selten schneemangel.
- die hänge am sidelhorn liegen an der sonne - das mag teilweise auch ein nachteil sein, bringt aber mehr vorteile mit sich: den ganzen tag am licht, man friert nicht, etc. zudem würden sie sich für pisten wirklich eignen.
das ist mal so in etwa alles. natürlich gibt es auch gründe, wieso man jetzt diesen berg nicht erschliessen sollte...und die umweltschutzorganisationen werden sich diese zu nutzen machen. auch ich zweifle an der umsetzung des projektes, sowohl finanziell als auch staatlich. jedoch denke ich, dass eine erschliessung des sidelhorns mehr chancen hat als andere neurschliessungen in gebieten, wo schon zig skigebiete in der region liegen. das nächste skigebiet nach oberwald ist bellwald...bis man da unten ist dauerts ne ziemliche weile!
wenn wir grade bei bellwald sind: es wird auch in erwägung gezogen, ab einer der gemeinden im obergoms eine neue gondelbahn ins bellwalder skigebiet zu erstellen. das wäre wohl billiger und einfacher umzusetzen - ich bin aber eher für das sidelhorn-projekt...
gleich kommen noch ein paar texte aus der rz.
PS: es war mir, ich hätte mal gelesen, dass die bergbahnen am hungerberg nun definitif stillstehen - wahrscheinlich war das ein bericht im walliser boten. bei dem sind die beiträge online jedoch nicht verfügbar - zumindest nicht kostenlos. bei der rz aber schon...öööh...ja. hat hier jemand ein WB-abo?!
Zuletzt geändert von 7132qp am 20.08.2005 - 17:14, insgesamt 1-mal geändert.
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news
hier mal sämtliche texte aus der RZ in einer zeitlichen abfolge bis heute:
[copyright www.rz-oberwallis.ch]
nummer 1, 12.02.2004
Klaus Zurschmitten, Verfasser der neusten Studie über die Bergbahnen im Wallis:
„Nur die Hälfte der Bergbahnen wir d übrig bleiben“
Die Bergbahnen sind fürs Wallis eine Schlüsselbranche. Dank den Kunden der Walliser Bergbahnen fliessen pro Jahr an die zwei Milliarden Franken in die Walliser Volkswirtschaft. Allerdings: 15 der insgesamt 51 Bergbahngesellschaften erzielen im Wallis 80 Prozent des Umsatzes. Viele mittlere und vor allem Kleinstunternehmungen kämpfen heute ums wirtschaftliche Überleben. Zu diesem Schluss kommt auch die von Klaus Zurschmitten im Auftrag des Kantons erstellte Studie. Die RZ hat nachgefragt.
Von German Escher
Sie haben eine Studie über Walliser Bergbahnen verfasst. Wie geht’s der Branche?
Den grösseren Bergbahnen geht es mehrheitlich gut, den kleinen mit einigen Ausnahmen schlecht. Die Umsätze stagnieren seit zehn Jahren, während der Investitionsbedarf immer grösser wird. Die Gesamtverschuldung konnte in den letzten zehn Jahren leicht abgebaut werden, sie ist im schweizerischen Vergleich aber immer noch hoch.
Vor allem im Sommer stimmt die Wirtschaftlichkeit nicht: Werden bald einmal im Sommer viele Bahnen still stehen?
Die Bergbahnen sind hier in einer heiklen Konfliktsituation. Auf der einen Seite stehen sie unter dem Druck, die Kosten zu senken, auf der anderen Seite sollten sie dem Sommergast ein optimales Angebot anbieten. Tatsache ist, dass die Sommersaison mit wenigen Ausnahmen defizitär ist. Die Bergbahnen fordern deshalb unisono, dass sich alle Leistungsträger daran beteiligen.
Sehen sich die Bergbahnen nicht häufig als Transport- und zu wenig als Tourismusunternehmungen, die auch stärker auf Marketing und Events setzen sollten?
Das ist richtig. Bergbahnen sind keine Transport-, sondern Freizeitunternehmen. Sie „verkaufen“ ihren Kunden Sport- und Freizeitvergnügen, Erholung und das „Erlebnis Berg“. Marketing, Kommunikation, Unterhaltung, Events etc. gehören schon heute zu den Kernaufgaben der Bergbahnen.
Entscheidend bleiben die harten Faktoren wie Infrastrukturen. Wie hoch ist der Investitionsbedarf der nächsten Jahre?
Die Walliser Bergbahnen haben einen grossen Nachholbedarf bei den Investitionen. Ich schätze den Investitionsbedarf für die nächsten fünf bis zehn Jahre auf rund 130 Millonen pro Jahr. Ohne diese Investitionen kann der Rückstand zu unseren Konkurrenten im Ausland nicht genügend abgebaut werden.
Und wie soll das happige Investitionspaket finanziert werden?
In der Modellrechnung gehe ich davon aus, dass 60 Prozent aus eigenen Mitteln (Cashflow und neues Aktienkapital), 15 Prozent durch die öffentliche Hand (zinslose Darlehen) und 25 Prozent durch Bankdarlehen/Leasing finanziert werden.
Zum einen will man die Bahnen entpolitisieren. Zum andern sollen Bund und Kanton laut Studie künftig pro Jahr je zehn Millionen zinslose Darlehen in die Branche pumpen. Ist das kein Widerspruch?
Nein. Im Ausland, vor allem in Österreich und Südtirol, erhalten die Bergbahnen viel mehr Geld von der öffentlichen Hand. Kanton und Bund sollen lediglich die Restfinanzierung sicherstellen. Ohne diese könnten viele Projekte nicht realisiert werden. Darum kann man das Postulat nach „Entpolitisierung“ der Verwaltungsräte genau so gut umsetzen.
Sie plädieren für Fusionen: Werden die Grossen immer grösser und die Kleinen immer ärmer?
Dies trifft in den meisten Fällen zu. Die „Kleinen“ können in der Regel mit ihren bescheidenen Umsätzen die steigenden Betriebs- und Unterhaltskosten nicht decken. Darum stehen auch keine Mittel für dringend notwendige Investitionen (z.B. Beschneiung) zur Verfügung. 80 Prozent der Bergbahnen im Wallis mit weniger als 1 Mio. Umsatz haben eine ungenügende Wirtschaftlichkeit.
Kleine Bahnen wie der Hungerberg können ohne jährliche Unterstützungsgelder nicht überleben. Ist eine solche Strukturerhaltung sinnvoll?
Viele Gemeinden können sich die jährlichen Defizitbeiträge nicht mehr leisten. Bund und Kanton werden in Zukunft nur Unternehmen unterstützen, die langfristig eine echte Überlebenschance haben. Neben einer genügenden Wirtschaftlichkeit gehören dazu auch gute Standortvoraussetzungen betreffend Schneesicherheit, Skigebiet, touristische Infrastruktur u.a.
Wie sieht die Walliser Bergbahnlandschaft in zehn Jahren aus?
Ich gehe davon aus, dass langfristig von den 51 Bergbahnen im Wallis nur noch knapp die Hälfte übrig bleiben wird. Der Abbau erfolgt sowohl durch Fusionen wie auch durch Betriebsschliessungen. Zu den grossen „Vier“ Zermatt, Saas-Fee, Verbier und Crans-Montana werden noch zwei bis drei weitere Grossunternehmen dazu kommen, die durch Fusionen entstehen werden. Viele kleine und mittelgrosse Bergbahnen werden ebenfalls gezwungen sein, sich zu grösseren und leistungsfähigeren Unternehmen zusammen zu schliessen.
***
nummer 2, 12.02.2004
portbahnen AG in Oberwald in Finanznöten
Magere Zeiten
am Hungerberg
Oberwald / Zahlreiche kleine Bahnunternehmungen im Oberwallis kämpfen ums Überleben. Aktuellstes Beispiel ist die Sportbahnen AG in Oberwald. Wenn bis Ende März nicht 200`000 Franken zusammen kommen, wird das Skigebiet am Hungerberg wohl stillgelegt.
Von German Escher
Seit 30 Jahren wird am Hungerberg Ski gefahren. Und seit jeher kämpft das Unternehmen mit Finanzsorgen. Die vergangene Wintersaison verlief mit einem Umsatz von rund 350`000 Franken zwar recht ansprechend. Trotzdem resultierte unter dem Strich ein Defizit von 80`000 Franken. Und das wird sich in Zukunft nicht ändern. „Wir budgetieren pro Jahr ein Defizit von 100`000 Franken“, gesteht Kurt Bächli, Verwaltungsratspräsident der Sportbahnen AG, gegenüber der RhoneZeitung. Der Unterstützungsverein Pro Hungerberg mit rund 250 Mitgliedern steuert rund 50`000 Franken bei. Die Gemeinden von Niederwald bis Oberwald kommen für die restlichen 50`000 Franken auf. Davon bezahlt die Standortgemeinde Oberwald alleine 20`000 Franken. „Der Hungerberg ist für den Tourismus im Dorf wichtig“, betont Gemeindepräsident Odilo Hischier. So haben viele Gäste in Oberwald eine Ferienwohnung gekauft, weil im Obergoms Langlauf und Skifahren möglich sind. Und Andreas Angst, Direktor von Goms Tourismus doppelt nach: „Der Hungerberg ist wichtig für die Vielfalt des touristischen Angebots.“
Trotz dem Bekenntnis zum Hungerberg kämpft das Unternehmen ums wirtschaftliche Überleben. Im November letzten Jahres wurde die Bilanz deponiert und zugleich der Antrag auf Konkursaufschub gestellt. „Bis Ende März benötigen wir 200`000 Franken“, erklärt Kurt Bächli. Der Verwaltungsratspräsident ist zuversichtlich: „Bis Ende Monat sollten wir die ersten 100`000 Franken beisammen haben.“ Auf Goodwill war die Sportbahnen AG bereits zu Saisonbeginn angewiesen. Die vom Bundesamt für Verkehr verlangten neuen Sicherheitsmassnahmen konnten nur verwirklicht werden, weil die Hälfte der Kosten von rund 40`000 Franken von einem Spender übernommen wurden.
Selbst wenn die Sanierung gelingt, wird sich der Verwaltungsrat nicht auf den Lorbeeren ausruhen können. Denn im Jahr 2008 läuft die Konzession aus. Weitere Investitionen scheinen unumgänglich.
Hungerberg auf VS 1: Wie`s am Hungerberg aussieht und welche Probleme sich stellen, zeigt auch der TV-Beitrag, der ab nächster Woche auf dem Oberwallis Kanal VS 1 ausgestrahlt wird.
***
nummer 3, 01.04.2004
Konkurs am Hungerberg noch nicht abgewendet – Sidelhorn-Projekt wieder aktuell
Projekt-Spagat im Obergoms
Oberwald / Während auf der einen Talseite von Oberwald die Bemühungen für den Erhalt der Sportanlagen am Hungerberg auf Hochtouren laufen, plant man auf der gegenüberliegenden Talseite bereits am nächsten Projekt. In den nächsten Wochen soll das Konzessionsgesuch für die Erschliessung des Sidelhorns eingereicht werden.
Von German Escher
RZ-Leser wissen: Letzten November haben die Bahnen am Hungerberg die Bilanz deponiert und zugleich den Antrag auf Konkursaufschub gestellt. Bis Ende Mai benötigt man 200`000 Franken, um das Schlimmste abzuwenden. Gerüchte, wonach die Rettung bereits geglückt sei, werden vom VR-Präsident Kurt Bächli relativiert: „Noch fehlen uns an die 100`000 Franken. Aber ohne Gläubigerverzicht wird es schwierig.“ Und selbst wenn der Konkurs abgewendet werden könnte, wird man weiterhin auf Hilfe angewiesen sein. Nur dank der Finanzspritzen des Unterstützungsvereins Pro Hungerberg und der Obergommer Gemeinden kann das jährliche Defizit von rund 100`000 Franken gedeckt werden. Kommt hinzu, dass 2008 die Konzession ausläuft und grössere Erneuerungsinvestitionen anfallen werden.
Konzessionsgesuch fürs Sidelhorn
Parallel zur Rettung des Hungerberg wurden deshalb auch die Pläne für ein Skigebiet am Sidelhorn vorangetrieben. „Das Konzessionsgesuch wird in den nächsten Wochen eingereicht“, bestätigt VR-Mitglied Hans Hallenbarter der RZ und betont zugleich: „Das heisst nicht, dass man jetzt sofort an die Sidelhorn-Erschliessung denkt.“ Dazu brächte man im Goms auch nicht die nötigen Gelder zusammen. Je nach Variante würde die Sidelhornerschliessung 20 bis 40 Millionen Franken verschlingen. Für die Sidelhorn-Initianten ist das Konzessionsgesuch vor allem ein strategischer Schritt, um für allfällige spätere Nachfrageentwicklungen gewappnet zu sein. Und auch VR-Präsident Kurt Bächli betont: „Das Konzessionsgesuch hat nichts mit dem Betrieb am Hungerberg zu tun.“
***
nummer 4, 01.07.2005
Der Konkurs der Bergbahnen Obergoms AG scheint vorerst abgewendet
Kein Sommerbetrieb am Hungerberg
Oberwald / Der Konkurs der Bergbahnen Obergoms AG, welche die Anlagen am Hungerberg oberhalb Oberwald betreiben, scheint vorerst abgewendet. Allerdings muss auch gespart werden: Diesen Sommer steht der Sessellift still.
Von German Escher
„Wir sind auf gutem Weg“, bestätigt Kurt Bächli, Präsident der Bergbahnen Obergoms AG, gegenüber der RZ. Das Geld sei weitgehend zusammen. Den Rest habe man über Gläubigerverzichte regeln können. Nähere Details will der Verwaltungsrat vorerst noch nicht bekannt geben. Der Grund: Im November hat man die Bilanz deponiert und zugleich den Antrag auf Konkursaufschub gestellt. Bis Ende Mai musste ein Loch von 200’000 Franken gestopft werden. Später wurde die Frist bis Ende Juni verlängert. Dieser Tage geht das Dossier nun an den Richter, der abschliessend über die Aufhebung des Konkursaufschubs entscheiden muss. Auch weil das Betriebsergebnis im letzten Winter besser ausfiel als erwartet, ist der Verwaltungsrat zuversichtlich gestimmt. Sparen ist trotzdem angesagt. Wie der VR-Präsident der RZ bestätigt, bleibt die Anlage diesen Sommer eingestellt. Eine Kommission soll sich nun über den Betrieb im kommenden Winter, den allfälligen Sommerbetrieb 2005 und die mittelfristige Zukunft Gedanken machen.
Erleichterung und Bedauern
„Es ist nicht die optimale Lösung, aber wir sind zufrieden, dass das Schlimmste verhindert werden konnte“, erklärt Beat Kreuzer, Präsident des Unterstützungsvereins Pro Hungerberg der RZ. Der Verein zählt an die 250 Mitglieder, mehrheitlich Chaletbesitzer und Gäste, die pro Jahr 200 Franken bezahlen und so – wie die Obergommer Gemeinden – einen Beitrag an die Defizitdeckung leisten. „Natürlich bedauern wir, dass diesen Sommer der Betrieb still steht“, meint Kreuzer weiter. Und Kurt Bächli fügt hinzu: „Vielleicht realisieren jetzt die Leute erst, wie wichtig der Hungerberg für das Goms ist.“
***
nummer 5, 23.09.2005
Bernhard Imoberdorf, Geschäftsführer der Region Goms
„Das Goms möchte seine neuen Strukturen selber bestimmen“
Münster / Im Kanton steigt der Druck auf die Gemeinden zu fusio-nieren. Auf Bundesebene werden die Weichen für eine neue Regionalpolitik gestellt. Neu sollen auch nicht nur das Berggebiet, sondern auch die Agglomerationen gefördert werden. Für Bernhard Imoberdorf, Geschäftsführer der Region Goms ist klar: Der Verteilkampf ist lanciert.
Von German Escher und Walter Bellwald
Der Bund will die Regionalpolitik neu ausrichten. Kämen Regionen wie das Goms dann unter die Räder?
Wenn die Regionalpolitik wirklich so umgesetzt wird, wie der Entwurf dies vorsieht, dann wäre das ganz klar eine Schwächung der Rand-gebiete. Eine Bergregion wie das Goms müsste in Zukunft sicher mit einer kleineren, finanziellen Unterstützung rechnen.
Der Bund will die bisherigen zinslosen Darlehen gemäss Investitionshilfegesetz (IHG) streichen. Was würde das konkret bedeuten?
Die zinslosen Darlehen sollen durch Pauschalbeiträge abgelöst werden. Unter dem Strich werden aber weniger Gelder in die Berggebiete fliessen. In den besten Jahren standen über 100 Millionen Franken für die Regionalpolitik zur Verfügung. Jetzt spricht man von 70 Millionen Franken pro Jahr. Davon sollen 30 Millionen für interkantonale Projekte eingesetzt werden. Also blieben noch 40 Millionen Franken für die Regionalpolitik im engeren Sinn. Gleichzeitig würde der Geltungsbereich eingeschränkt. Neu sollen nicht mehr primär Infrastrukturanlagen von öffentlichem Interesse, sondern in erster Linie
innovative, vernetzte Projekte aus der Wirtschaft unterstützt werden. Das ist eine eigentliche Neuausrichtung, die stark in die Richtung Wirtschafts- statt Regionalpolitik im eigentlichen Sinn zielt. Es kann ja nicht sein, dass über Regionalpolitik nur hervorragende Wirtschafts-projekte unterstützt werden. Weil solche Projekte in den Berggebieten eher rar sind, würde es für Regionen wie das Goms noch schwieriger.
...weil der Bund mit der neuen Regionalpolitik auch die Agglomerationen fördern will?
Ganz richtig. Der Regionalpolitik ist bisher per Definition auf die Regionen des Berggebietes ausgerichtet. Der Gesetzesentwurf bezieht sich neu auf die ganze Schweiz. Unsere Befürchtung ist klar: Die Städte werden einen Teil der Berggebietsgelder beanspruchen. Der Verteilkampf ist lanciert. Es stünden künftig weniger Gelder für mehr Nutzniesser zur Verfügung.
Geld ist das eine, die Strategie das andere. Ist die Entvölkerungsstrategie Teil der neuen Regionalpolitik?
Der Geist dieser Entvölkerungsstrategie ist sehr wohl spürbar. Aber niemand will sich heute festlegen, welche Talschaften künftig nicht mehr gefördert werden sollen. Meine Meinung ist klar: Solange der Lebenswille in einer Talschaft spürbar ist, verdient diese auch eine richtige Förderung.
Noch fliessen die IHG-Gelder -– auch für die Bergbahnen. Was soll Ihrer Ansicht nach mit den Skigebieten Hungerberg und Ernergalen geschehen?
Bei den touristischen Transportanlagen will die neue kantonale Politik vor allem die überlebensfähigen Bahnen unterstützen. Aber es gibt auch Bahnen, die eine regionale Funktion haben. Wenn sich die regionale Funktion mit einem relativ geringen Beitrag der Öffentlichkeit erkaufen lässt, soll dieses Geld auch durch Bund, Kanton und Gemeinden bereitgestellt werden.
Bund und Kanton bezahlen heute nichts am Betrieb dieser Bahnen. Würde sich die Region Goms mit IHG-Geldern an einer dringend notwendigen Erneuerung am Hungerberg oder Erner Galen beteiligen?
Das gilt es im Detail abzuklären. Die Frage der Vernetzung – beispielsweise des Erner Galens mit dem Aletschgebiet oder Bellwald – müsste genau geprüft werden. Vielleicht gäbe es Kooperationslösungen. Das heisst nicht, dass die Anlagen am Erner Galen am Tag X still gelegt würden. Aber es ist eine Option, die sich heute nicht ausschliessen lässt. Eines ist klar: Der Erner Galen und der Hungerberg sind grosse Problemgebiete. Ob diese Skigebiete mit einer Unterstützung der neuen Regionalpolitik rechnen können, ist sehr ungewiss.
Wären IHG-Gelder für die Erschliessung eines Skigebietes Sidelhorn überhaupt denkbar?
Man hört oder liest in den Medien von diesem Projekt. Aber ich kenne das neue Dossier Sidelhorn nicht. Ob das Konzessionsgesuch in Bern eingereicht wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. Ein solches Gesuch müsste aber auf allen Ebenen, also Gemeinde, Region und Kanton, geprüft werden und vom Bund in die öffentliche Vernehmlassung gegeben werden. Die interkommunale Abstimmung, die Akzeptanz der konzessionierten Mitbewerber, die Zustimmung der Umweltorganisationen und des BUWAL, die Finanzierung und damit die Erteilung der Konzession durch das UVEK sind schwieriger denn je.
Grundsätzlich hat man den Eindruck: Es fehlt im Goms an Aufbruchstimmung?
Ich stelle im Goms eine gewisse Resignation fest. Bei vielen Gommern fehlen die Perspektiven, teilweise auch bei den Meinungsmachern in Wirtschaft und Politik. Ich kann das nicht verstehen. Das Goms hat mehr Potenzial als viele andere Schweizer Bergregionen. Die Natur- und Kulturlandschaft ist einmalig. Das inneralpine Hochtal Goms sucht in Europa seinesgleichen. Deshalb haben wir im Wintertourismus kaum Probleme. In diesem Tal lässt sich einiges machen. Man kann den Pessimismus auch herbeireden. Objektiv gesehen: Das Goms hat eine Chance. Aber wir müssen die Stimmung verbessern.
Und wie machen Sie das?
Wir haben in den letzten Jahren beispielsweise zwei Zukunfts-konferenzen durchgeführt. Das hat die Stimmung zumindest vorübergehend verbessert. Die Innovations- und Kreativitätswerkstatt hatte das selbe Ziel. Mit einem Podiumsgespräch mit prominenten Wallisern und Referaten versuchten wir Perspektiven aufzuzeigen. Diese Reihe von Veranstaltungen wird weitergeführt. Der stete Tropfen höhlt den Stein.
Ziehen Sie eine selbstkritische Bilanz: Konnte die Abwanderung wirksam gestoppt werden?
Selbstverständlich. Anfangs der 60er Jahre war der Tourismus im Goms mit einigen Tausend Übernachtungen äusserst bescheiden. 15 Jahre später zählte das Goms schon 700’000 Logiernächte. Im Rekordjahr 1992 waren es sogar 1,4 Millionen Logiernächte. Das sind zehn Prozent der Übernachtungen im Wallis oder zwei Prozent der Logiernächte im Tourismusland Schweiz. Und das in der kleinen Region Goms mit nur 5’000 Einwohnern.
Und die Arbeitsplätze?
In den letzten 25 Jahren konnte die Zahl der Arbeitsplätze im zweiten und dritten Wirtschaftssektor, das heisst in Gewerbe, Industrie und Dienstleistungsbereich, inklusive Tourismus, verdoppelt werden. In derselben Zeitspanne nahm die Bevölkerungszahl um 15 Prozent zu. Man hat noch nie seit 1850 soviel Bewohner in der Region Goms gezählt wie bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000: nämlich 5261 Einwohner. Diese Resultate sind unter anderem auch auf die aktive Regionalpolitik zurückzuführen. Über die Regionalpolitik flossen in all den Jahren immerhin insgesamt 50 Millionen Franken ins Goms. Die Gewährung dieser zinslosen Darlehen ist aber nur ein Bruchteil der Regionalpolitik. Dazu gehören auch das Initiieren, Begleiten und Umsetzen von vielen regionalen Projekten.
Der Kampf zwischen den Zentren und dem Land wird härter. Trifft das auch aufs Oberwallis zu?
Das Oberwallis ist ein grosser Raum mit verschiedenen Teilgebieten, die wiederum spezifische Interessen haben. Es ist nicht mehr als legitim, dass die Verantwortlichen in diesen Talschaften und Regionen ihre Bedürfnisse und Ansprüche formulieren.
In der Politik ist der Ruf nach einer Zusammenführung der Regionen Goms, Brig-Aletsch, Visp-Westlich Raron und Goms in eine einzige Region unüberhörbar. Macht eine solche Zentralisierung Sinn?
Es gibt Möglichkeiten einer engeren Zusammenarbeit zwischen den vier Oberwalliser Regionen. Hier besteht ein gewisser Handlungsbedarf. Aber im weiten Bereich der Regionalpolitik gibt es viele, regionsspezifische Aufgaben, welche das übrige Oberwallis kaum interessieren. Und da spielt die Selbstbestimmung eine wichtige Rolle. Deshalb machte es wenig Sinn, alle Tätigkeiten an einen Standort zu zentralisieren, um irgendwelche administrative
Synergien zu nutzen. Die Reorganisation der Regionalpolitik im Oberwallis kann weder der Status quo, noch eine völlige Zentralisierung sein. Die Lösung wird irgendwo dazwischen liegen. Man darf das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Denn letztlich gehts um Folgendes: Den Prinzipien der Regionalpolitik, die wir vom Bund fordern, müssen wir auch im eigenen Kanton nachleben. Regionalpolitik lässt sich nicht analog der Wirtschaft in eine Aktiengesellschaft verpacken. Hier spielen Demokratie, Betroffenheit einer Talschaft usw.
hinein. Wenn die Delegierten aus dem ganzen Ober-wallis über die Regionalpolitik befinden, dann laufen das Goms und Leuk und andere Talschaften Gefahr, an den Rand gedrängt zu werden.
Reformbedarf besteht auch bei den Gemeinden. Gerade im Goms sind Gemeindefusionen stark vorangetrieben worden. Warum?
Nicht zuletzt die aktive Regionalpolitik hat Gemeinderäte und Bürger sensibilisiert, dass wir im Goms einen Schritt weiter gehen müssen. Dieser Prozess wird fortgesetzt werden.
Ein Unterwalliser Grossrat hat in der Debatte gesagt, es brauche im Goms nur eine Gemeinde. Wie nehmen Sie solche Äusserungen auf?
Das Goms möchte seine neuen Strukturen selber bestimmen. Es gibt in der Schweiz elf Kantone, die kleiner sind als die Region Goms. Die 5’200 Einwohner müssen die Kulturlandschaft und die Infrastruktur mit einem weitverzweigten Strassen- und Wegnetz, den Abwasserreinigungsanlagen, den Lawinenverbauungen usw. in diesem 650 km grossen Gebiet unterhalten. Deshalb ist es nicht mehr als recht, dass die Einwohner mit dieser grossen Flächenverantwortung und der dazugehörigen Restfinanzierung über Steuergelder dazu etwas zu sagen haben. Der Fusionsprozess muss zwar weiter gehen, er hat aber seine Grenzen. Eine Gemeinde Goms von Oberwald bis Grengiols ist weder realistisch noch sinnvoll. Wer öffentlich eine einzige Gemeinde Goms fordert, ist ein Ignorant der spezifischen Situation und handelt schon fast fahrlässig.
Das Verhältnis Unter- und Oberwallis verschlechtert sich zusehends.
Man kennt sich gegenseitig und die Gegebenheiten in den zwei Kantonsteilen zu wenig. Das Verhältnis zwischen Ober- und Unterwallis ist letztlich auch eine Mentalitäts- und Kulturfrage. Das Alemannische, das auf Selbstbestimmung pocht, hat uns geprägt. An der Raspille stossen wir an eine Barriere. Diese Unterschiede sind eine enorme Herausforderung für unseren Kanton.
Was halten Sie davon, wenn die Unterwalliser Grossräte die Gemeinde Ausserbinn zur Fusion zwingen?
Aus unserem Verständnis von Demokratie und Selbstbestimmung ist der Entscheid schwer zu verstehen. Wer das Problem durch die Brille des Kantons betrachtet und nur das geografische Gebiet, die Einwohnerzahlen und Finanzen sieht, kann den Beschluss nachvollziehen. Weil die Mehrheit der Unterwalliser Grossräte nur durch diese Brille sieht, ist auch der Entscheid klar. Aber es könnte eine kurzfristige Optik sein. Der Zwang zur Fusion könnte abschreckend wirken auf all jene Gemeinden, die noch bereit wären, über einen Zusammenschluss nachzudenken. Die Zwangsfusion von Ausserbinn könnte den Fusionsprozess im Wallis bremsen.
***
nummer 6, 27.01.2005
Bergbahnen Obergoms AG will Konzessionsgesuch bis Ende Februar einreichen
Sidelhorn-Promotoren wollens wissen
Oberwald / Die Obergommer Initianten geben ihren Traum vom Skigebiet am Sidelhorn nicht auf. Im nächsten Monat soll definitiv das Konzessionsgesuch beim Bund eingereicht werden.
Von German Escher
„Bis Ende Februar sollten wir das Dossier für das Konzessionsgesuch beisammen haben“, gibt sich Verwaltungsrat Hans Hallenbarter optimistisch. Das Dossier müsse in Bezug auf Umweltverträglichkeit und Wirtschaftlichkeitsnachweis noch ergänzt werden, fügt Albert Bass, ebenfalls VR-Mitglied der Bergbahnen Obergoms AG, hinzu. Die Haupthürde besteht darin, nachzuweisen, dass ein neues alpines Skigebiet im Obergoms genügend Frequenzen erzielen kann, um langfristig überleben zu können. Das weiss auch Albert Bass: „Aber seit über zwanzig Jahren spricht man im Obergoms vom Sidelhorn. Jetzt muss dieser Traum eine Wahrheit erfahren.“ Erste Vorgespräche mit den Bundesbehörden haben laut Hallenbarter bereits stattgefunden. „Wir hatten einen positiven Eindruck. Man hat uns jedenfalls klar gesagt, dass es keinen Beschluss gibt, wonach keine Neuerschliessungen möglich sein sollten.“
Kosten: 20 bis 30 Millionen
Das Gebiet Sidelhorn soll laut Hallenbarter ab dem Bahnhof Oberwald mit einer Gondelbahn bis Brunnji (2085 m ü. M.) sowie zwei Sesselliften, allenfalls aber auch mit zwei Skiliften, bis auf 2620 Meter erschlossen werden. Die Investitionen belaufen sich je nach Variante auf 20 bis 30 Millionen Franken. Für die heutige Bergbahnen Obergoms AG, in der vor allem die drei obersten Gemeinden mit je 75’000 Franken federführend sind, ist dies ein happiger Brocken. „Zur Finanzierung kann nicht wieder auf die Gemeinden zurückgegriffen werden. Dazu braucht es Investoren von ausserhalb. Die Wirtschaftskraft im Goms ist zu klein, um ein solches Projekt durch die Leute im Tal zu finanzieren“, räumt Hallenbarter ein. Am Rückhalt in der Bevölkerung indes zweifelt der Sidelhorn-Promotor nicht: „Ich werde auf der Strasse immer wieder dazu ermuntert, dass wir jetzt das Konzessionsgesuch einreichen sollten.“
Geeignetes Gebiet
Fachleute bezeichnen das Gebiet als äusserst attraktiv und schneesicher. Die breiten Hänge und die Höhenlage werden als Stärke hervorgehoben. Gerade deshalb habe dieses Skigebiet seine Berechtigung und seine Chancen, ist Hallenbarter überzeugt: „Das Sidelhorn gehört zu jenen Skigebieten, die im Oberwallis überleben können.“
Ums Überleben kämpft gegenwärtig das Skigebiet Hungerberg auf der gegenüberliegenden Talseite, das ebenfalls von der Bergbahnen Obergoms AG betrieben wird. „Für den Hungerberg ist es sehr schwierig“, gesteht Verwaltungsrat Hallenbarter. „Solange das Defizit mit Gemeindebeiträgen gedeckt werden kann, gehts. Aber die Anlagen müssten erneuert werden. Und das würde rund 15 bis 20 Millionen Franken kosten.“ Kommt hinzu, dass das Gebiet nicht ausgebaut werden kann. Deshalb ist für Hallenbarter klar: „Für den Hungerberg finden wir sicher keine Investoren.“ Die Geldsuche dürfte allerdings auch für das Sidelhorn nicht zum Spaziergang werden. „Ich mache mir keine Illusionen“, gesteht Hallenbarter. „Aber nichts tun, das können wir uns im Obergoms auch nicht leisten.“
[copyright www.rz-oberwallis.ch]
nummer 1, 12.02.2004
Klaus Zurschmitten, Verfasser der neusten Studie über die Bergbahnen im Wallis:
„Nur die Hälfte der Bergbahnen wir d übrig bleiben“
Die Bergbahnen sind fürs Wallis eine Schlüsselbranche. Dank den Kunden der Walliser Bergbahnen fliessen pro Jahr an die zwei Milliarden Franken in die Walliser Volkswirtschaft. Allerdings: 15 der insgesamt 51 Bergbahngesellschaften erzielen im Wallis 80 Prozent des Umsatzes. Viele mittlere und vor allem Kleinstunternehmungen kämpfen heute ums wirtschaftliche Überleben. Zu diesem Schluss kommt auch die von Klaus Zurschmitten im Auftrag des Kantons erstellte Studie. Die RZ hat nachgefragt.
Von German Escher
Sie haben eine Studie über Walliser Bergbahnen verfasst. Wie geht’s der Branche?
Den grösseren Bergbahnen geht es mehrheitlich gut, den kleinen mit einigen Ausnahmen schlecht. Die Umsätze stagnieren seit zehn Jahren, während der Investitionsbedarf immer grösser wird. Die Gesamtverschuldung konnte in den letzten zehn Jahren leicht abgebaut werden, sie ist im schweizerischen Vergleich aber immer noch hoch.
Vor allem im Sommer stimmt die Wirtschaftlichkeit nicht: Werden bald einmal im Sommer viele Bahnen still stehen?
Die Bergbahnen sind hier in einer heiklen Konfliktsituation. Auf der einen Seite stehen sie unter dem Druck, die Kosten zu senken, auf der anderen Seite sollten sie dem Sommergast ein optimales Angebot anbieten. Tatsache ist, dass die Sommersaison mit wenigen Ausnahmen defizitär ist. Die Bergbahnen fordern deshalb unisono, dass sich alle Leistungsträger daran beteiligen.
Sehen sich die Bergbahnen nicht häufig als Transport- und zu wenig als Tourismusunternehmungen, die auch stärker auf Marketing und Events setzen sollten?
Das ist richtig. Bergbahnen sind keine Transport-, sondern Freizeitunternehmen. Sie „verkaufen“ ihren Kunden Sport- und Freizeitvergnügen, Erholung und das „Erlebnis Berg“. Marketing, Kommunikation, Unterhaltung, Events etc. gehören schon heute zu den Kernaufgaben der Bergbahnen.
Entscheidend bleiben die harten Faktoren wie Infrastrukturen. Wie hoch ist der Investitionsbedarf der nächsten Jahre?
Die Walliser Bergbahnen haben einen grossen Nachholbedarf bei den Investitionen. Ich schätze den Investitionsbedarf für die nächsten fünf bis zehn Jahre auf rund 130 Millonen pro Jahr. Ohne diese Investitionen kann der Rückstand zu unseren Konkurrenten im Ausland nicht genügend abgebaut werden.
Und wie soll das happige Investitionspaket finanziert werden?
In der Modellrechnung gehe ich davon aus, dass 60 Prozent aus eigenen Mitteln (Cashflow und neues Aktienkapital), 15 Prozent durch die öffentliche Hand (zinslose Darlehen) und 25 Prozent durch Bankdarlehen/Leasing finanziert werden.
Zum einen will man die Bahnen entpolitisieren. Zum andern sollen Bund und Kanton laut Studie künftig pro Jahr je zehn Millionen zinslose Darlehen in die Branche pumpen. Ist das kein Widerspruch?
Nein. Im Ausland, vor allem in Österreich und Südtirol, erhalten die Bergbahnen viel mehr Geld von der öffentlichen Hand. Kanton und Bund sollen lediglich die Restfinanzierung sicherstellen. Ohne diese könnten viele Projekte nicht realisiert werden. Darum kann man das Postulat nach „Entpolitisierung“ der Verwaltungsräte genau so gut umsetzen.
Sie plädieren für Fusionen: Werden die Grossen immer grösser und die Kleinen immer ärmer?
Dies trifft in den meisten Fällen zu. Die „Kleinen“ können in der Regel mit ihren bescheidenen Umsätzen die steigenden Betriebs- und Unterhaltskosten nicht decken. Darum stehen auch keine Mittel für dringend notwendige Investitionen (z.B. Beschneiung) zur Verfügung. 80 Prozent der Bergbahnen im Wallis mit weniger als 1 Mio. Umsatz haben eine ungenügende Wirtschaftlichkeit.
Kleine Bahnen wie der Hungerberg können ohne jährliche Unterstützungsgelder nicht überleben. Ist eine solche Strukturerhaltung sinnvoll?
Viele Gemeinden können sich die jährlichen Defizitbeiträge nicht mehr leisten. Bund und Kanton werden in Zukunft nur Unternehmen unterstützen, die langfristig eine echte Überlebenschance haben. Neben einer genügenden Wirtschaftlichkeit gehören dazu auch gute Standortvoraussetzungen betreffend Schneesicherheit, Skigebiet, touristische Infrastruktur u.a.
Wie sieht die Walliser Bergbahnlandschaft in zehn Jahren aus?
Ich gehe davon aus, dass langfristig von den 51 Bergbahnen im Wallis nur noch knapp die Hälfte übrig bleiben wird. Der Abbau erfolgt sowohl durch Fusionen wie auch durch Betriebsschliessungen. Zu den grossen „Vier“ Zermatt, Saas-Fee, Verbier und Crans-Montana werden noch zwei bis drei weitere Grossunternehmen dazu kommen, die durch Fusionen entstehen werden. Viele kleine und mittelgrosse Bergbahnen werden ebenfalls gezwungen sein, sich zu grösseren und leistungsfähigeren Unternehmen zusammen zu schliessen.
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nummer 2, 12.02.2004
portbahnen AG in Oberwald in Finanznöten
Magere Zeiten
am Hungerberg
Oberwald / Zahlreiche kleine Bahnunternehmungen im Oberwallis kämpfen ums Überleben. Aktuellstes Beispiel ist die Sportbahnen AG in Oberwald. Wenn bis Ende März nicht 200`000 Franken zusammen kommen, wird das Skigebiet am Hungerberg wohl stillgelegt.
Von German Escher
Seit 30 Jahren wird am Hungerberg Ski gefahren. Und seit jeher kämpft das Unternehmen mit Finanzsorgen. Die vergangene Wintersaison verlief mit einem Umsatz von rund 350`000 Franken zwar recht ansprechend. Trotzdem resultierte unter dem Strich ein Defizit von 80`000 Franken. Und das wird sich in Zukunft nicht ändern. „Wir budgetieren pro Jahr ein Defizit von 100`000 Franken“, gesteht Kurt Bächli, Verwaltungsratspräsident der Sportbahnen AG, gegenüber der RhoneZeitung. Der Unterstützungsverein Pro Hungerberg mit rund 250 Mitgliedern steuert rund 50`000 Franken bei. Die Gemeinden von Niederwald bis Oberwald kommen für die restlichen 50`000 Franken auf. Davon bezahlt die Standortgemeinde Oberwald alleine 20`000 Franken. „Der Hungerberg ist für den Tourismus im Dorf wichtig“, betont Gemeindepräsident Odilo Hischier. So haben viele Gäste in Oberwald eine Ferienwohnung gekauft, weil im Obergoms Langlauf und Skifahren möglich sind. Und Andreas Angst, Direktor von Goms Tourismus doppelt nach: „Der Hungerberg ist wichtig für die Vielfalt des touristischen Angebots.“
Trotz dem Bekenntnis zum Hungerberg kämpft das Unternehmen ums wirtschaftliche Überleben. Im November letzten Jahres wurde die Bilanz deponiert und zugleich der Antrag auf Konkursaufschub gestellt. „Bis Ende März benötigen wir 200`000 Franken“, erklärt Kurt Bächli. Der Verwaltungsratspräsident ist zuversichtlich: „Bis Ende Monat sollten wir die ersten 100`000 Franken beisammen haben.“ Auf Goodwill war die Sportbahnen AG bereits zu Saisonbeginn angewiesen. Die vom Bundesamt für Verkehr verlangten neuen Sicherheitsmassnahmen konnten nur verwirklicht werden, weil die Hälfte der Kosten von rund 40`000 Franken von einem Spender übernommen wurden.
Selbst wenn die Sanierung gelingt, wird sich der Verwaltungsrat nicht auf den Lorbeeren ausruhen können. Denn im Jahr 2008 läuft die Konzession aus. Weitere Investitionen scheinen unumgänglich.
Hungerberg auf VS 1: Wie`s am Hungerberg aussieht und welche Probleme sich stellen, zeigt auch der TV-Beitrag, der ab nächster Woche auf dem Oberwallis Kanal VS 1 ausgestrahlt wird.
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nummer 3, 01.04.2004
Konkurs am Hungerberg noch nicht abgewendet – Sidelhorn-Projekt wieder aktuell
Projekt-Spagat im Obergoms
Oberwald / Während auf der einen Talseite von Oberwald die Bemühungen für den Erhalt der Sportanlagen am Hungerberg auf Hochtouren laufen, plant man auf der gegenüberliegenden Talseite bereits am nächsten Projekt. In den nächsten Wochen soll das Konzessionsgesuch für die Erschliessung des Sidelhorns eingereicht werden.
Von German Escher
RZ-Leser wissen: Letzten November haben die Bahnen am Hungerberg die Bilanz deponiert und zugleich den Antrag auf Konkursaufschub gestellt. Bis Ende Mai benötigt man 200`000 Franken, um das Schlimmste abzuwenden. Gerüchte, wonach die Rettung bereits geglückt sei, werden vom VR-Präsident Kurt Bächli relativiert: „Noch fehlen uns an die 100`000 Franken. Aber ohne Gläubigerverzicht wird es schwierig.“ Und selbst wenn der Konkurs abgewendet werden könnte, wird man weiterhin auf Hilfe angewiesen sein. Nur dank der Finanzspritzen des Unterstützungsvereins Pro Hungerberg und der Obergommer Gemeinden kann das jährliche Defizit von rund 100`000 Franken gedeckt werden. Kommt hinzu, dass 2008 die Konzession ausläuft und grössere Erneuerungsinvestitionen anfallen werden.
Konzessionsgesuch fürs Sidelhorn
Parallel zur Rettung des Hungerberg wurden deshalb auch die Pläne für ein Skigebiet am Sidelhorn vorangetrieben. „Das Konzessionsgesuch wird in den nächsten Wochen eingereicht“, bestätigt VR-Mitglied Hans Hallenbarter der RZ und betont zugleich: „Das heisst nicht, dass man jetzt sofort an die Sidelhorn-Erschliessung denkt.“ Dazu brächte man im Goms auch nicht die nötigen Gelder zusammen. Je nach Variante würde die Sidelhornerschliessung 20 bis 40 Millionen Franken verschlingen. Für die Sidelhorn-Initianten ist das Konzessionsgesuch vor allem ein strategischer Schritt, um für allfällige spätere Nachfrageentwicklungen gewappnet zu sein. Und auch VR-Präsident Kurt Bächli betont: „Das Konzessionsgesuch hat nichts mit dem Betrieb am Hungerberg zu tun.“
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nummer 4, 01.07.2005
Der Konkurs der Bergbahnen Obergoms AG scheint vorerst abgewendet
Kein Sommerbetrieb am Hungerberg
Oberwald / Der Konkurs der Bergbahnen Obergoms AG, welche die Anlagen am Hungerberg oberhalb Oberwald betreiben, scheint vorerst abgewendet. Allerdings muss auch gespart werden: Diesen Sommer steht der Sessellift still.
Von German Escher
„Wir sind auf gutem Weg“, bestätigt Kurt Bächli, Präsident der Bergbahnen Obergoms AG, gegenüber der RZ. Das Geld sei weitgehend zusammen. Den Rest habe man über Gläubigerverzichte regeln können. Nähere Details will der Verwaltungsrat vorerst noch nicht bekannt geben. Der Grund: Im November hat man die Bilanz deponiert und zugleich den Antrag auf Konkursaufschub gestellt. Bis Ende Mai musste ein Loch von 200’000 Franken gestopft werden. Später wurde die Frist bis Ende Juni verlängert. Dieser Tage geht das Dossier nun an den Richter, der abschliessend über die Aufhebung des Konkursaufschubs entscheiden muss. Auch weil das Betriebsergebnis im letzten Winter besser ausfiel als erwartet, ist der Verwaltungsrat zuversichtlich gestimmt. Sparen ist trotzdem angesagt. Wie der VR-Präsident der RZ bestätigt, bleibt die Anlage diesen Sommer eingestellt. Eine Kommission soll sich nun über den Betrieb im kommenden Winter, den allfälligen Sommerbetrieb 2005 und die mittelfristige Zukunft Gedanken machen.
Erleichterung und Bedauern
„Es ist nicht die optimale Lösung, aber wir sind zufrieden, dass das Schlimmste verhindert werden konnte“, erklärt Beat Kreuzer, Präsident des Unterstützungsvereins Pro Hungerberg der RZ. Der Verein zählt an die 250 Mitglieder, mehrheitlich Chaletbesitzer und Gäste, die pro Jahr 200 Franken bezahlen und so – wie die Obergommer Gemeinden – einen Beitrag an die Defizitdeckung leisten. „Natürlich bedauern wir, dass diesen Sommer der Betrieb still steht“, meint Kreuzer weiter. Und Kurt Bächli fügt hinzu: „Vielleicht realisieren jetzt die Leute erst, wie wichtig der Hungerberg für das Goms ist.“
***
nummer 5, 23.09.2005
Bernhard Imoberdorf, Geschäftsführer der Region Goms
„Das Goms möchte seine neuen Strukturen selber bestimmen“
Münster / Im Kanton steigt der Druck auf die Gemeinden zu fusio-nieren. Auf Bundesebene werden die Weichen für eine neue Regionalpolitik gestellt. Neu sollen auch nicht nur das Berggebiet, sondern auch die Agglomerationen gefördert werden. Für Bernhard Imoberdorf, Geschäftsführer der Region Goms ist klar: Der Verteilkampf ist lanciert.
Von German Escher und Walter Bellwald
Der Bund will die Regionalpolitik neu ausrichten. Kämen Regionen wie das Goms dann unter die Räder?
Wenn die Regionalpolitik wirklich so umgesetzt wird, wie der Entwurf dies vorsieht, dann wäre das ganz klar eine Schwächung der Rand-gebiete. Eine Bergregion wie das Goms müsste in Zukunft sicher mit einer kleineren, finanziellen Unterstützung rechnen.
Der Bund will die bisherigen zinslosen Darlehen gemäss Investitionshilfegesetz (IHG) streichen. Was würde das konkret bedeuten?
Die zinslosen Darlehen sollen durch Pauschalbeiträge abgelöst werden. Unter dem Strich werden aber weniger Gelder in die Berggebiete fliessen. In den besten Jahren standen über 100 Millionen Franken für die Regionalpolitik zur Verfügung. Jetzt spricht man von 70 Millionen Franken pro Jahr. Davon sollen 30 Millionen für interkantonale Projekte eingesetzt werden. Also blieben noch 40 Millionen Franken für die Regionalpolitik im engeren Sinn. Gleichzeitig würde der Geltungsbereich eingeschränkt. Neu sollen nicht mehr primär Infrastrukturanlagen von öffentlichem Interesse, sondern in erster Linie
innovative, vernetzte Projekte aus der Wirtschaft unterstützt werden. Das ist eine eigentliche Neuausrichtung, die stark in die Richtung Wirtschafts- statt Regionalpolitik im eigentlichen Sinn zielt. Es kann ja nicht sein, dass über Regionalpolitik nur hervorragende Wirtschafts-projekte unterstützt werden. Weil solche Projekte in den Berggebieten eher rar sind, würde es für Regionen wie das Goms noch schwieriger.
...weil der Bund mit der neuen Regionalpolitik auch die Agglomerationen fördern will?
Ganz richtig. Der Regionalpolitik ist bisher per Definition auf die Regionen des Berggebietes ausgerichtet. Der Gesetzesentwurf bezieht sich neu auf die ganze Schweiz. Unsere Befürchtung ist klar: Die Städte werden einen Teil der Berggebietsgelder beanspruchen. Der Verteilkampf ist lanciert. Es stünden künftig weniger Gelder für mehr Nutzniesser zur Verfügung.
Geld ist das eine, die Strategie das andere. Ist die Entvölkerungsstrategie Teil der neuen Regionalpolitik?
Der Geist dieser Entvölkerungsstrategie ist sehr wohl spürbar. Aber niemand will sich heute festlegen, welche Talschaften künftig nicht mehr gefördert werden sollen. Meine Meinung ist klar: Solange der Lebenswille in einer Talschaft spürbar ist, verdient diese auch eine richtige Förderung.
Noch fliessen die IHG-Gelder -– auch für die Bergbahnen. Was soll Ihrer Ansicht nach mit den Skigebieten Hungerberg und Ernergalen geschehen?
Bei den touristischen Transportanlagen will die neue kantonale Politik vor allem die überlebensfähigen Bahnen unterstützen. Aber es gibt auch Bahnen, die eine regionale Funktion haben. Wenn sich die regionale Funktion mit einem relativ geringen Beitrag der Öffentlichkeit erkaufen lässt, soll dieses Geld auch durch Bund, Kanton und Gemeinden bereitgestellt werden.
Bund und Kanton bezahlen heute nichts am Betrieb dieser Bahnen. Würde sich die Region Goms mit IHG-Geldern an einer dringend notwendigen Erneuerung am Hungerberg oder Erner Galen beteiligen?
Das gilt es im Detail abzuklären. Die Frage der Vernetzung – beispielsweise des Erner Galens mit dem Aletschgebiet oder Bellwald – müsste genau geprüft werden. Vielleicht gäbe es Kooperationslösungen. Das heisst nicht, dass die Anlagen am Erner Galen am Tag X still gelegt würden. Aber es ist eine Option, die sich heute nicht ausschliessen lässt. Eines ist klar: Der Erner Galen und der Hungerberg sind grosse Problemgebiete. Ob diese Skigebiete mit einer Unterstützung der neuen Regionalpolitik rechnen können, ist sehr ungewiss.
Wären IHG-Gelder für die Erschliessung eines Skigebietes Sidelhorn überhaupt denkbar?
Man hört oder liest in den Medien von diesem Projekt. Aber ich kenne das neue Dossier Sidelhorn nicht. Ob das Konzessionsgesuch in Bern eingereicht wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. Ein solches Gesuch müsste aber auf allen Ebenen, also Gemeinde, Region und Kanton, geprüft werden und vom Bund in die öffentliche Vernehmlassung gegeben werden. Die interkommunale Abstimmung, die Akzeptanz der konzessionierten Mitbewerber, die Zustimmung der Umweltorganisationen und des BUWAL, die Finanzierung und damit die Erteilung der Konzession durch das UVEK sind schwieriger denn je.
Grundsätzlich hat man den Eindruck: Es fehlt im Goms an Aufbruchstimmung?
Ich stelle im Goms eine gewisse Resignation fest. Bei vielen Gommern fehlen die Perspektiven, teilweise auch bei den Meinungsmachern in Wirtschaft und Politik. Ich kann das nicht verstehen. Das Goms hat mehr Potenzial als viele andere Schweizer Bergregionen. Die Natur- und Kulturlandschaft ist einmalig. Das inneralpine Hochtal Goms sucht in Europa seinesgleichen. Deshalb haben wir im Wintertourismus kaum Probleme. In diesem Tal lässt sich einiges machen. Man kann den Pessimismus auch herbeireden. Objektiv gesehen: Das Goms hat eine Chance. Aber wir müssen die Stimmung verbessern.
Und wie machen Sie das?
Wir haben in den letzten Jahren beispielsweise zwei Zukunfts-konferenzen durchgeführt. Das hat die Stimmung zumindest vorübergehend verbessert. Die Innovations- und Kreativitätswerkstatt hatte das selbe Ziel. Mit einem Podiumsgespräch mit prominenten Wallisern und Referaten versuchten wir Perspektiven aufzuzeigen. Diese Reihe von Veranstaltungen wird weitergeführt. Der stete Tropfen höhlt den Stein.
Ziehen Sie eine selbstkritische Bilanz: Konnte die Abwanderung wirksam gestoppt werden?
Selbstverständlich. Anfangs der 60er Jahre war der Tourismus im Goms mit einigen Tausend Übernachtungen äusserst bescheiden. 15 Jahre später zählte das Goms schon 700’000 Logiernächte. Im Rekordjahr 1992 waren es sogar 1,4 Millionen Logiernächte. Das sind zehn Prozent der Übernachtungen im Wallis oder zwei Prozent der Logiernächte im Tourismusland Schweiz. Und das in der kleinen Region Goms mit nur 5’000 Einwohnern.
Und die Arbeitsplätze?
In den letzten 25 Jahren konnte die Zahl der Arbeitsplätze im zweiten und dritten Wirtschaftssektor, das heisst in Gewerbe, Industrie und Dienstleistungsbereich, inklusive Tourismus, verdoppelt werden. In derselben Zeitspanne nahm die Bevölkerungszahl um 15 Prozent zu. Man hat noch nie seit 1850 soviel Bewohner in der Region Goms gezählt wie bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000: nämlich 5261 Einwohner. Diese Resultate sind unter anderem auch auf die aktive Regionalpolitik zurückzuführen. Über die Regionalpolitik flossen in all den Jahren immerhin insgesamt 50 Millionen Franken ins Goms. Die Gewährung dieser zinslosen Darlehen ist aber nur ein Bruchteil der Regionalpolitik. Dazu gehören auch das Initiieren, Begleiten und Umsetzen von vielen regionalen Projekten.
Der Kampf zwischen den Zentren und dem Land wird härter. Trifft das auch aufs Oberwallis zu?
Das Oberwallis ist ein grosser Raum mit verschiedenen Teilgebieten, die wiederum spezifische Interessen haben. Es ist nicht mehr als legitim, dass die Verantwortlichen in diesen Talschaften und Regionen ihre Bedürfnisse und Ansprüche formulieren.
In der Politik ist der Ruf nach einer Zusammenführung der Regionen Goms, Brig-Aletsch, Visp-Westlich Raron und Goms in eine einzige Region unüberhörbar. Macht eine solche Zentralisierung Sinn?
Es gibt Möglichkeiten einer engeren Zusammenarbeit zwischen den vier Oberwalliser Regionen. Hier besteht ein gewisser Handlungsbedarf. Aber im weiten Bereich der Regionalpolitik gibt es viele, regionsspezifische Aufgaben, welche das übrige Oberwallis kaum interessieren. Und da spielt die Selbstbestimmung eine wichtige Rolle. Deshalb machte es wenig Sinn, alle Tätigkeiten an einen Standort zu zentralisieren, um irgendwelche administrative
Synergien zu nutzen. Die Reorganisation der Regionalpolitik im Oberwallis kann weder der Status quo, noch eine völlige Zentralisierung sein. Die Lösung wird irgendwo dazwischen liegen. Man darf das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Denn letztlich gehts um Folgendes: Den Prinzipien der Regionalpolitik, die wir vom Bund fordern, müssen wir auch im eigenen Kanton nachleben. Regionalpolitik lässt sich nicht analog der Wirtschaft in eine Aktiengesellschaft verpacken. Hier spielen Demokratie, Betroffenheit einer Talschaft usw.
hinein. Wenn die Delegierten aus dem ganzen Ober-wallis über die Regionalpolitik befinden, dann laufen das Goms und Leuk und andere Talschaften Gefahr, an den Rand gedrängt zu werden.
Reformbedarf besteht auch bei den Gemeinden. Gerade im Goms sind Gemeindefusionen stark vorangetrieben worden. Warum?
Nicht zuletzt die aktive Regionalpolitik hat Gemeinderäte und Bürger sensibilisiert, dass wir im Goms einen Schritt weiter gehen müssen. Dieser Prozess wird fortgesetzt werden.
Ein Unterwalliser Grossrat hat in der Debatte gesagt, es brauche im Goms nur eine Gemeinde. Wie nehmen Sie solche Äusserungen auf?
Das Goms möchte seine neuen Strukturen selber bestimmen. Es gibt in der Schweiz elf Kantone, die kleiner sind als die Region Goms. Die 5’200 Einwohner müssen die Kulturlandschaft und die Infrastruktur mit einem weitverzweigten Strassen- und Wegnetz, den Abwasserreinigungsanlagen, den Lawinenverbauungen usw. in diesem 650 km grossen Gebiet unterhalten. Deshalb ist es nicht mehr als recht, dass die Einwohner mit dieser grossen Flächenverantwortung und der dazugehörigen Restfinanzierung über Steuergelder dazu etwas zu sagen haben. Der Fusionsprozess muss zwar weiter gehen, er hat aber seine Grenzen. Eine Gemeinde Goms von Oberwald bis Grengiols ist weder realistisch noch sinnvoll. Wer öffentlich eine einzige Gemeinde Goms fordert, ist ein Ignorant der spezifischen Situation und handelt schon fast fahrlässig.
Das Verhältnis Unter- und Oberwallis verschlechtert sich zusehends.
Man kennt sich gegenseitig und die Gegebenheiten in den zwei Kantonsteilen zu wenig. Das Verhältnis zwischen Ober- und Unterwallis ist letztlich auch eine Mentalitäts- und Kulturfrage. Das Alemannische, das auf Selbstbestimmung pocht, hat uns geprägt. An der Raspille stossen wir an eine Barriere. Diese Unterschiede sind eine enorme Herausforderung für unseren Kanton.
Was halten Sie davon, wenn die Unterwalliser Grossräte die Gemeinde Ausserbinn zur Fusion zwingen?
Aus unserem Verständnis von Demokratie und Selbstbestimmung ist der Entscheid schwer zu verstehen. Wer das Problem durch die Brille des Kantons betrachtet und nur das geografische Gebiet, die Einwohnerzahlen und Finanzen sieht, kann den Beschluss nachvollziehen. Weil die Mehrheit der Unterwalliser Grossräte nur durch diese Brille sieht, ist auch der Entscheid klar. Aber es könnte eine kurzfristige Optik sein. Der Zwang zur Fusion könnte abschreckend wirken auf all jene Gemeinden, die noch bereit wären, über einen Zusammenschluss nachzudenken. Die Zwangsfusion von Ausserbinn könnte den Fusionsprozess im Wallis bremsen.
***
nummer 6, 27.01.2005
Bergbahnen Obergoms AG will Konzessionsgesuch bis Ende Februar einreichen
Sidelhorn-Promotoren wollens wissen
Oberwald / Die Obergommer Initianten geben ihren Traum vom Skigebiet am Sidelhorn nicht auf. Im nächsten Monat soll definitiv das Konzessionsgesuch beim Bund eingereicht werden.
Von German Escher
„Bis Ende Februar sollten wir das Dossier für das Konzessionsgesuch beisammen haben“, gibt sich Verwaltungsrat Hans Hallenbarter optimistisch. Das Dossier müsse in Bezug auf Umweltverträglichkeit und Wirtschaftlichkeitsnachweis noch ergänzt werden, fügt Albert Bass, ebenfalls VR-Mitglied der Bergbahnen Obergoms AG, hinzu. Die Haupthürde besteht darin, nachzuweisen, dass ein neues alpines Skigebiet im Obergoms genügend Frequenzen erzielen kann, um langfristig überleben zu können. Das weiss auch Albert Bass: „Aber seit über zwanzig Jahren spricht man im Obergoms vom Sidelhorn. Jetzt muss dieser Traum eine Wahrheit erfahren.“ Erste Vorgespräche mit den Bundesbehörden haben laut Hallenbarter bereits stattgefunden. „Wir hatten einen positiven Eindruck. Man hat uns jedenfalls klar gesagt, dass es keinen Beschluss gibt, wonach keine Neuerschliessungen möglich sein sollten.“
Kosten: 20 bis 30 Millionen
Das Gebiet Sidelhorn soll laut Hallenbarter ab dem Bahnhof Oberwald mit einer Gondelbahn bis Brunnji (2085 m ü. M.) sowie zwei Sesselliften, allenfalls aber auch mit zwei Skiliften, bis auf 2620 Meter erschlossen werden. Die Investitionen belaufen sich je nach Variante auf 20 bis 30 Millionen Franken. Für die heutige Bergbahnen Obergoms AG, in der vor allem die drei obersten Gemeinden mit je 75’000 Franken federführend sind, ist dies ein happiger Brocken. „Zur Finanzierung kann nicht wieder auf die Gemeinden zurückgegriffen werden. Dazu braucht es Investoren von ausserhalb. Die Wirtschaftskraft im Goms ist zu klein, um ein solches Projekt durch die Leute im Tal zu finanzieren“, räumt Hallenbarter ein. Am Rückhalt in der Bevölkerung indes zweifelt der Sidelhorn-Promotor nicht: „Ich werde auf der Strasse immer wieder dazu ermuntert, dass wir jetzt das Konzessionsgesuch einreichen sollten.“
Geeignetes Gebiet
Fachleute bezeichnen das Gebiet als äusserst attraktiv und schneesicher. Die breiten Hänge und die Höhenlage werden als Stärke hervorgehoben. Gerade deshalb habe dieses Skigebiet seine Berechtigung und seine Chancen, ist Hallenbarter überzeugt: „Das Sidelhorn gehört zu jenen Skigebieten, die im Oberwallis überleben können.“
Ums Überleben kämpft gegenwärtig das Skigebiet Hungerberg auf der gegenüberliegenden Talseite, das ebenfalls von der Bergbahnen Obergoms AG betrieben wird. „Für den Hungerberg ist es sehr schwierig“, gesteht Verwaltungsrat Hallenbarter. „Solange das Defizit mit Gemeindebeiträgen gedeckt werden kann, gehts. Aber die Anlagen müssten erneuert werden. Und das würde rund 15 bis 20 Millionen Franken kosten.“ Kommt hinzu, dass das Gebiet nicht ausgebaut werden kann. Deshalb ist für Hallenbarter klar: „Für den Hungerberg finden wir sicher keine Investoren.“ Die Geldsuche dürfte allerdings auch für das Sidelhorn nicht zum Spaziergang werden. „Ich mache mir keine Illusionen“, gesteht Hallenbarter. „Aber nichts tun, das können wir uns im Obergoms auch nicht leisten.“
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noch neuer
da hab ich gleich nochwas von dieser woche, bitteschöön:
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Obergommer Geschäftsleute kämpfen für ein neues alpines Skigebiet
Petition fürs Sidelhorn
Oberwald / Das Obergommer Gewerbe setzt sich mit einer Petition für die Realisierung eines Skigebietes am Sidelhorn ein. Am Mittwoch erfolgte die Übergabe der Unterschriften an die Gemeindeverwaltungen.
Von German Escher
Rund 80 Obergommer Gewerbebetriebe haben die Petition zugunsten des Skigebiets Sidelhorn unterzeichnet. Das sind laut Angaben der Petitionäre 97 Prozent sämtlicher Betriebe in den Gemeinden Oberwald, Obergesteln und Ulrichen. Sie wollen damit den drei Gemeindeverwaltungen den Rücken stärken, die 1998 von den Urversammlungen den klaren Auftrag erhalten haben, ein entsprechendes Konzessionsgesuch einzureichen. Die Synergien des alpinen Skitourismus seien eine qualitative Bereicherung zum Langlauf und würden den Gemeinden Ulrichen, Obergesteln und Oberwald den dringend nötigen wirtschaftlichen Spielraum schaffen, um positiv in die Zukunft zu blicken, betonen die Petitionäre in ihrer Eingabe. Der gepriesene regionale Konsens sei nie gefunden worden, obwohl man Millionenbeiträge für die regionalen Entwicklungskonzepte opferte und keine Früchte ernten konnte, welche der rückläufigen Ökonomie des Obergoms gegensteuern.
Ein langer Weg
Was dabei allerdings wohl vergessen wird: Das Goms hat wie keine andere Bergregion in der Schweiz Infrastrukturanlagen mit zinslosen Investitionshilfegeldern von Bund und Kanton finanzieren können. Auch für die Erschliessung eines neuen Skigebietes werden die Obergommer auf Hilfe von ausserhalb des Tales angewiesen sein. Die Finanzierung und der Nachweis der Wirtschaftlichtkeit dürften denn auch die schwierigsten Hürden auf dem Weg zur Konzessionierung sein. So muss laut Auskunft des Bundesamtes für Verkehr unter anderem auch eine günstige Nachfrageentwicklung und ein ausreichendes Bedürfnis nachgewiesen werden. Ein weiteres Kriterium ist die Erreichbarkeit. Zudem darf ein neues Skigebiet bestehende Bergbahnbetriebe in der Region, die sich im Konzessionsverfahren ebenfalls äussern können, nicht wesentlich konkurrenzieren. Kein Wunder, räumt auch der BAV-Mediensprecher Gregor Saladin gegenüber der RZ ein: „Die Hürde für die Konzessionierung neuer Seilbahnen ist relativ hoch.“
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Obergommer Geschäftsleute kämpfen für ein neues alpines Skigebiet
Petition fürs Sidelhorn
Oberwald / Das Obergommer Gewerbe setzt sich mit einer Petition für die Realisierung eines Skigebietes am Sidelhorn ein. Am Mittwoch erfolgte die Übergabe der Unterschriften an die Gemeindeverwaltungen.
Von German Escher
Rund 80 Obergommer Gewerbebetriebe haben die Petition zugunsten des Skigebiets Sidelhorn unterzeichnet. Das sind laut Angaben der Petitionäre 97 Prozent sämtlicher Betriebe in den Gemeinden Oberwald, Obergesteln und Ulrichen. Sie wollen damit den drei Gemeindeverwaltungen den Rücken stärken, die 1998 von den Urversammlungen den klaren Auftrag erhalten haben, ein entsprechendes Konzessionsgesuch einzureichen. Die Synergien des alpinen Skitourismus seien eine qualitative Bereicherung zum Langlauf und würden den Gemeinden Ulrichen, Obergesteln und Oberwald den dringend nötigen wirtschaftlichen Spielraum schaffen, um positiv in die Zukunft zu blicken, betonen die Petitionäre in ihrer Eingabe. Der gepriesene regionale Konsens sei nie gefunden worden, obwohl man Millionenbeiträge für die regionalen Entwicklungskonzepte opferte und keine Früchte ernten konnte, welche der rückläufigen Ökonomie des Obergoms gegensteuern.
Ein langer Weg
Was dabei allerdings wohl vergessen wird: Das Goms hat wie keine andere Bergregion in der Schweiz Infrastrukturanlagen mit zinslosen Investitionshilfegeldern von Bund und Kanton finanzieren können. Auch für die Erschliessung eines neuen Skigebietes werden die Obergommer auf Hilfe von ausserhalb des Tales angewiesen sein. Die Finanzierung und der Nachweis der Wirtschaftlichtkeit dürften denn auch die schwierigsten Hürden auf dem Weg zur Konzessionierung sein. So muss laut Auskunft des Bundesamtes für Verkehr unter anderem auch eine günstige Nachfrageentwicklung und ein ausreichendes Bedürfnis nachgewiesen werden. Ein weiteres Kriterium ist die Erreichbarkeit. Zudem darf ein neues Skigebiet bestehende Bergbahnbetriebe in der Region, die sich im Konzessionsverfahren ebenfalls äussern können, nicht wesentlich konkurrenzieren. Kein Wunder, räumt auch der BAV-Mediensprecher Gregor Saladin gegenüber der RZ ein: „Die Hürde für die Konzessionierung neuer Seilbahnen ist relativ hoch.“
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Tages-Anzeiger 4.1.2006
Einsprache und Beschwerde gegen neues Skigebiet im Obergoms
OBERGESTELN - Die Umweltverbände Pro Natura, Stiftung Landschaftsschutz und WWF bekämpfen den geplanten Bau eines Skigebiets im Gebiet Sidelhorn bei Obergesteln VS. Sie reichten beim Walliser Staatsrat eine Beschwerde und eine Einsprache ein.
Die Eingaben richten sich gegen den Umzonungsentscheid der Gemeinde Obergesteln und gegen die öffentlichte Auflage des Umweltverträglichkeitsberichts. Dieser weise zahlreiche formelle Mängel auf, schreiben die drei Verbände in einer Mitteilung.
Kritisiert wird, dass zwar ein Umweltverträglichkeitsbericht, aber kein eigentliches Konzessionsgesuch publiziert wurde. Laut den Umweltverbänden fehlt auch die Abstimmung mit dem Richtplan, das Rodungsgesuch, ein Lawinengutachten, ein wirtschaftlicher Bedürfnisnachweis sowie weitere Unterlagen.
Die Umweltverbände lehnen ein neues Skigebiet im Bereich des Sidelhorns strikte ab. Es wäre dies die erste skitouristische Neuerschliessung seit über 20 Jahren, schreiben die Verbände. Die Nachfrage gehe heute eher in Richtung Konzentration auf Grossgebiete.
Die Erschliessung des 2870 Meter hohen Sidelhornes für den Wintertourismus ist keine neue Idee. Bereits 1988 gab es ähnliche Pläne, die sich nicht verwirklichen liessen. Schon damals war die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz gegen das Projekt.
Im Mai 2004 unternahmen die Bergbahnen Obergoms AG einen neuen Versuch. Mit Gondel- und Sesselbahnen, so die Pläne, sollen die Touristen künftig vom Bahnhof Oberwald VS auf eine Höhe 2600 Metern über Meer transportiert werden. Die Kosten werden auf 20 bis 30 Millionen Franken geschätzt.
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Ein Interview aus der RZ Oberwallis:
http://www.rz-online.ch/news2007/Nr15-19apr/09.htmObergesteln/Oberwald / Trotz Klimawandel und Hiobsbotschaften aus der Bergbahn-Branche: Hans Hallenbarter, Präsident der Bergbahnen Obergoms AG, kämpft unermüdlich für die Erschliessung des Skigebietes Sidelhorn oberalb Oberwald. Im RZ-Interview spricht der frühere Gemeindepräsident von Obergesteln über die Vorteile des Sidelhorn-Projekts, die Finanzierung, den Tourismus und sagt: „Im Goms wird zu kleinkariert gedacht.“
Von German Escher
Armin Bregy
Die Lifte am Erner Galen werden wohl für immer still stehen. Das Skigebiet Hungerberg ist ernsthaft bedroht. Ihre Sidelhorn-Euphorie muss diesen Winter doch einen kräftigen Dämpfer erhalten haben?
Das Gegenteil ist der Fall.
Wieso?
Es werden in nächster Zeit noch verschiedene Skigebiete eingehen. Vor 30 Jahren waren diese Anlagen vielleicht richtig. Aber die Voraussetzungen sind heute anders: Die Klimaveränderung, veraltete Anlagen und steigende Ansprüche der Gäste verlangen teilweise nach anderen, neuen Skigebietserschliessungen.
Auch im Oberwallis?
Der Strukturwandel wird sich auch im Oberwallis fortsetzen. Bisher sind nur die Schwächsten betroffen, aber es könnten in den nächsten Jahren noch weitere Skiliftunternehmungen den Betrieb einstellen.
Und trotzdem halten Sie am Sidelhorn-Projekt fest. Das braucht schon Courage?
Das mag so sein. Aber das Sidelhorn hat beste Voraussetzungen.
Wie sehen diese Standortvorteile denn aus?
Das Obergoms hat die NEAT schon seit 25 Jahren, nur nutzen wir sie zu wenig. Damit meine ich den Furkatunnel. Von Zürich oder Basel ist der Bahnreisende in zwei Stunden beim Bahnhof Oberwald und somit in der künftigen Talstation der Gondelbahn ins Sidelhorn-Gebiet. Die Skigebiete Oberalp und Sedrun leben vor allem von den Touristen aus der Zentralschweiz. Diese müssen in Andermatt auf die MGB umsteigen. Die MGB-Strecke Andermatt-Oberwald ist kürzer als die Strecke Andermatt-Oberalp-Sedrun. Zudem entsteht in Andermatt ein Ferienprojekt mit 4000 Betten – 20 Minuten entfernt von unserer Talstation.
Konkret: Wie realistisch ist das Sidelhorn-Projekt noch? Wie sieht der Fahrplan aus?
Wir erwarten täglich den Entscheid des Kantons. Bekanntlich haben Umweltorganisationen gegen die Umzonung eingesprochen. Auch nach einem für uns positiven Entscheid bleibt unklar, ob die Einsprecher den Rechtsweg bis ans Bundesgericht gehen werden. Deshalb ist es schwierig, einen zeitlichen Fahrplan festzulegen. Die Bundesbehörden stellen sich auf den Standpunkt, dass das ganze Gebiet zonenkonform sein muss. Ansonsten ist ein Konzessionsgesuch chancenlos.
Was ist genau geplant?
Vom Bahnhof Oberwald bis zur Mittelstation ist eine Gondelbahn geplant. Ob in der zweiten Sektion eine Gondelbahn oder zwei Sesselbahnen gebaut werden, ist noch offen. Die Nutzung im Sommer spricht eher für eine Gondelbahn. Das Sidelhorn-Gebiet ist ein hervorragendes Wandergebiet. Von der Mittelstation führt eine halbstündige Wanderung auf den Grimselpass. Von der Bergstation erreicht man in einer Viertelstunde das Sidelhorn und einer halben Stunde das Tourismusgebiet Oberaar.
Sie behaupten immer wieder, dass die Finanzierung der benötigten 25 Millionen Franken ohne öffentliche Gelder sichergestellt ist. Wer steckt hinter dem Projekt?
Der Investor ist vorhanden. Es gibt eine Gruppe, die heute klar sagt: Bringen Sie die Konzession, den Rest übernehmen wir.
Sie werden nicht im Goms um Aktien betteln?
Sicher nicht. Bestehende Gebiete sind noch eher über einheimische Geldgeber und Aktionäre zu finanzieren. Für neue Grossprojekte braucht es Investoren.
Haben Sie einen zweiten Sawiri wie die Andermatter in der Hinterhand?
(schmunzelt) Nein. Ich kann nur so viel verraten: Schweizer Investoren sind am Sidelhorn interessiert.
Die Investition ist das eine, der Betrieb das andere. Ist die Wirtschaftlichkeit wirklich gegeben?
Unsere drei Gemeinden verfügen über 4000 Fremdenbetten. Zudem verspreche ich mir einiges an Tagesausflüglern. Das Skigebiet am Oberalp lebt heute fast ausschliesslich vom Tagestourismus. In Sachen Erreichbarkeit sind wir durchaus konkurrenzfähig.
Mit wie viel Umsatz rechnen Sie?
Drei bis vier Millionen Franken sind durchaus realistisch. Im Zeitalter des Klimawandels haben wir einen grossen Vorteil: Mit wenig Aufwand ist das Skigebiet vollends schneesicher. Und zwar auch für den Langlauf. Wir können im Sidelhorngebiet ohne grosse Investitionen eine 15 Kilometer lange Loipe präparieren. Das wäre ein ideales Trainingsgebiet für Spitzenlangläufer. Auf den Punkt gebracht: Das Sidelhorn spricht Skifahrer, Snowboarder, Langläufer und Wanderer an.
Und die Betriebskosten?
Die Anlagen werden nach modernsten Erkenntnissen angelegt. Im Vergleich zu den heutigen Skigebieten mit veralteten Anlagen rechnen wir mit 25 Prozent tieferen Betriebskosten.
Trotzdem: Von wo nehmen Sie die Zuversicht? Gesamtschweizerisch haben die Bergbahnen im letzten Winter über fünf Prozent Umsatz verloren.
Es ist ein Trugschluss zu meinen, dass man nichts mehr investieren soll, nur weil einige Betriebe in der Branche Mühe haben. Vergleichen Sie die Situation mit der Hotellerie: Weil heute im Goms viele Hotels Mühe bekunden, heisst es noch lange nicht, dass man kein neues Hotel bauen soll. Im Gegenteil: Es braucht neue, modernere und grössere Hotels. Ähnlich verhält es sich mit den Bergbahnen. Es ist klüger, neue Gebiete mit modernen Anlagen zu erschliessen, als alte Lifte mit Mühe am Leben zu erhalten. Natürlich ist es für die Betroffenen hart, wenn ein Gebiet wie der Erner Galen still gelegt wird. Aber vielleicht bringts dem Tourismus mittelfristig mehr, den Betrieb einzustellen und dafür eine Busverbindung nach Fiesch und Bellwald anzubieten. Das gilt übrigens auch für das Skigebiet Hungerberg.
Die Konzession am Hungerberg, die im Herbst 2008 ausläuft, gehört den Bergbahnen Obergoms. Wie weit ist die Konzessionserneuerung?
Das Bundesamt für Verkehr soll uns aufzeigen, welche Massnahmen für die Konzessionserneuerung notwendig sind. Wir hoffen hier mit kleinen Investitionen eine Übergangslösung zu finden. Die Gemeinden Oberwald, Obergesteln und Ulrichen als Hauptaktionäre werden aber nicht bereit sein, mehrere hunderttausend Franken oder gar eine Million in den Hungerberg zu investieren. Wenn die Konzession nicht verlängert werden kann, müssen wir in der Übergangsphase bis zur Eröffnung des Sidelhorn-Gebietes das Gespräch mit den Bergbahnen in Fiesch und Bellwald führen. Oder es finden sich einige Idealisten, die den Weiterbetrieb des Hungerberg finanzieren.
Die Bergbahnen AG könnte der heutigen Betriebsgesellschaft Schwyberg AG den Hungerberg doch ganz abtreten?
Die Gemeinden wollen den Neuausbau am Sidelhorn. Deshalb werden wir die Konzession auch nicht abtreten. Die Bergbahnen Obergoms sind bereit Hand zu bieten bis zur Eröffnung des Sidelhorn-Skigebietes. Aber die Ausgangslage ist nicht einfach: Der Hungerberg lässt sich nicht mit dem Erner Galen vergleichen. Ich war übrigens erstaunt, dass man in Ernen keine Lösung gefunden hat.
Müssen Zweitwohnungsbesitzer zur Sicherung der Skiliftunternehmen stärker in die Verantwortung genommen werden?
Ich sehe die genaue Lösung auch nicht. Allerdings: Der Tourismus ist keine Sozialinstitution. Entweder können wir mit touristischen Unternehmungen Geld verdienen oder wir hören damit auf. Eine Schreinerei oder ein Verlag kann auch nicht jeden Herbst nach Unterstützung schreien, um die nächste Saison zu sichern. Dieser Grundsatz muss eigentlich auch für die Bergbahn-Branche und sogar für den Langlauf gelten. Es kann doch nicht sein, dass wir den Langlaufbetrieb auf die Dauer mit Steuergeldern finanzieren. Der Langläufer muss einsehen, dass er für die Loipenpräparierung tiefer in die Tasche greifen sollte.
Muss das Tourismusgesetz hier neue Grundlagen schaffen?
Der Zweitwohnungsbesitzer muss stärker zur Kasse gebeten werden. Das gilt aber grundsätzlich für die Infrastruktur, welche eine Tourismusgemeinde zur Verfügung stellen muss. Die hat einen gewissen Wert, der vom Ferienwohnungsbesitzer abgegolten werden muss. Beim Thema Bergbahnen werden aber viele Zweitwohnungsbesitzer entgegen halten, dass sie wie alle ihre Tages- oder Saisonkarte bezahlen und Skilifte nicht über Ferienwohnungen zu finanzieren sind.
Aber der Ferienwohnungsbesitzer weiss auch, dass seine Liegenschaft bei der Stillegung des Skigebietes schlagartig an Wert verliert?
Das stimmt. Aber vielen Ferienwohnungsbesitzern ist das egal – vor allem ältere Chalets sind bereits abgeschrieben. Gerade die Walliser Zweitwohnungsbesitzer, welche nicht an einer Vermietung interessiert sind, werden sich gegen eine zusätzliche Gebühr oder Steuer wehren. Ein Beispiel: Wenn eine Tourismusgemeinde die Kehrichtgebühr erhöht, sind die Walliser Chaletbesitzer die ersten, die reklamieren.
Das andere Problem ist die Vermarktung der Betten – und zwar in der Parahotellerie und der Hotellerie?
Viele Gommer Hotels kämpfen ums Überleben. Zwischen Niederwald und Oberwald können Sie gegenwärtig zehn Hotels kaufen. Das Hauptproblem ist die Wertschöpfung. Die Wintersaison ist einfach zu kurz. Vielfach steht auch ein Generationenwechsel an. Das erschwert das Ganze. Kommt hinzu, dass die Vermarktung – auch in der Parahotellerie – professionalisiert werden muss. Im Goms wird zu kleinkariert gedacht. Offenbar ist unsere Generation immer noch Bauer und nicht Tourismusunternehmer.
Das Obergoms braucht also nicht nur einen Bergbahn-Investor, sondern auch einen Geldgeber für neue Hotels?
(schmunzelt) Es gibt solche Ideen. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Grundsätzlich gilt für Hotels das- selbe wie für Bergbahnen: Wir müssen in grösseren Dimensionen denken und dem wachsenden Komfortanspruch der Gäste gerecht werden. Wir müssen in der Hotellerie nach neuen Lösungen suchen, indem beispielsweise die Obergommer Hotels noch von zwei Gesellschaften geführt werden.
Das tönt wie in der Politik, wo man sich den Kopf über Gemeindefusionen zerbricht?
Richtig. Aber solange in der Diskussion über die Gemeindefusion darüber gestritten wird, ob dann die Kehrichtgebühr nachher zehn Franken höher oder das Sprunggeld für Kühe angepasst wird, kann ich nur den Kopf schütteln.
Ist das nicht eine Mentalitätsfrage?
Das ist leider so. Wer ist schon bereit, fünf oder zehn Hotels in eine Gesellschaft zusammen zu führen? Vielleicht befiehlt uns das eines Tages ein anderer. Offenbar müssen wir zuerst noch etwas tiefer fallen, bevor wir uns zu neuen, mutigeren Schritten aufraffen können – zum Beispiel in Richtung Sidelhorn.
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Gemäss des aktuellen SBB Fahrplans sind es 2:28.2h von Zürich nach Oberwald mit dem Zug.....
Und das ist eigentlich nicht wahnsinnig viel.
Denn um von Zürich in die Skiorte des Berner Oberlands zu gelangen benötigt man auch so viel Zeit oder sogar mehr.
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Die Idee, das Sidelhorn zu erschliessen, ist eigentlich gut. Da stellt man sich nur die Frage: Gibt es in der Schweiz nicht schon genügend grosse Skigebiete? Natürlich wäre dann das Skigebiet Sidelhorn noch nicht so gross, dass man es zu den grossen in der Schweiz zählen kann. Es wäre ca. so in der Grösse des Lötschentals oder des Hoch-Ybrigs. Zudem stellt man sich die Frage: Was werden das Für Lifte? 2-er Gondeln und 1-er Sessellifte?(Ich übertreibe jetzt ein wenig) oder 8-er Gondeln und 6-er Sessellifte? Falls dieses Skigebiet kommen würde, müsste es dann schon so gebaut sein, dass man sagen kann: Es macht den anderen Konkurrenz.
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Geplantes Skigebiet Sidelhorn auf Eis gelegt.
http://www.blick.ch/news/sda?newsid=20071015brd076
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2024/25: Bäretswil Steig 1, Amden 2, Atzmännig 3, Pizol 4, Amden 5, Saas Almagell 6, Hohsaas 7-9, Amden 10, Wolzenalp 11, Wildhaus 12, Davos-Klosters 13-19, Elm 20, Adelboden 21 und Flumserberg 22 - Total 22 Skitage
2023/24: Atzmännig 1, Amden 2-4, Elm 5, Amden 6, Davos 7-13, Flumserberg 14, Pizol 15 - Total 15 Skitage
2022/23: Atzmännig 1, Amden 2, Melchsee Frutt 3, Pizol 4, Davos 5-11, Klewenalp 12, Splügen 13+14 - Total 14 Skitage
2021/22: Atzmännig 1, Flumserberge 2/3, Zuoz 4/5/6/7/8/9, Sattel Hochstuckli 10, Brunni Alpthal 11, Oberiberg 12, Amden 13, Flumserberg 14 - Total 14 Skitage
2023/24: Atzmännig 1, Amden 2-4, Elm 5, Amden 6, Davos 7-13, Flumserberg 14, Pizol 15 - Total 15 Skitage
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