Anfahrt: In 4,5 Stunden aus dem Rhein-Neckar-Raum. Viel Verkehr, aber trotzdem flüssig bis nach Interlaken, dann zäh aufgrund zahlreicher Baustellenampeln in Folge des Hochwassers. Rückfahrt erheblich flotter. Trotz der Ampeln unter 4 Stunden.
Wetter:
Freitag zunächst sonnig, nachmittags allmählich zugezogen, abends ein paar Tropfen Regen, Samstag sonnig, abends ein paar Regentropfen, Sonntag durchgängig sonnig
Temperatur:
Zwischen knapp 30 Grad im Ort und 5 Grad morgens auf dem Faulhorn alles geboten
Schneehöhe:
Tal 0/Berg relativ aper
Geöffnete Anlagen:
Firstbahn, Männlichen Bahnen von Grindelwald und Wengen, Wengernalpbahn, Jungfraubahn, Pfingsteggbahn
Gefallen:
alles
Nicht gefallen:
Rest
Fazit:
Abzüge: keine
Ich werde meinen Bericht tageweise unterteilen und häppchenweise servieren, je nach dem wie ich dazu komme, ihn aufzubereiten. Da es vom ersten Tag relativ wenig Bilder gibt, beschreib ich diesen Tag ausführlicher. An den folgenden Tagen, kann ich dann ja die Bilder sprechen lassen. Die absoluten Seilbahnfans seien gewarnt, am ersten Tag gibt’s keine Bahnen. Ihr werdet aber im zweiten und dritten Teil entschädigt.
1. Teil: Freitag, 02.04.05, Anfahrt - Grindelwald – Große Scheidegg – Blaugletscherli - Faulhorn
Um kurz nach halb sieben gehts am Freitag Morgen los. Relativ viel Verkehr, selten freie Fahrt. Einmal häng ich fast 4 Minuten hinter einem LKW, der meint mit 98,1 km/h einen anderen LKW überholen zu müssen, der Tempo 98 draufhat.
Ab Wilderswil kann man dann aber so ungefähr ermessen, was hier los war. Auch dort sind Straßen und Gehwege bereits wieder in perfektem Zustand, aber in den Gärten und auf Wiesen und Feldern sieht man noch dicke Schlammschichten. Aber überall wird kräftig geschaufelt und gebaggert. Richtig übel wird’s in Lütschental. Hier hat der Bach die Brücke weggerissen und auch die Bahnlinie ist unterbrochen. Das verheerende Ausmaß der Zerstörungen hat die Jungfraubahnen sogar dazu bewogen, 100.000 Franken zu spenden. Fotos hab ich von dort übrigens keine. Dazu hätte ich extra aussteigen müssen. Und dann ein paar Fotos zur Touri-Belustigung schießen, während die Leute dort um ihre Existenz kämpfen, find ich nicht so prickelnd.
Um den Verkehr nach Grindelwald wieder zu ermöglichen, ist eine einspurige Behelfstrasse eingerichtet worden. Nach neun Minuten Wartezeit an der Ampel geht’s weiter. Weitergehen triffts wahrscheinlich ziemlich genau: vor uns ein englischer Bus, der mit Tempo 15 den Berg hoch tuckert. Langsam wird die Zeit knapp, denn um 10 nach 11 startet unser Bus auf die Große Scheidegg. Der nächste Bus fährt erst eineinhalb Stunden später und dann wird’s zeitlich für die geplante Tour ziemlich knapp. Seit wann dürfen eigentlich englische Busfahrer auf schweizer Bergstrassen fahren.
Aber irgendwie schaffen wir es doch noch. Um 8 nach elf stehen wir ziemlich derangiert an der Haltestelle: Schuhe noch offen, Trekkingstöcke lose hängend am Rucksack. Mit denen schlag ich dann auf dem Weg zum letzten freien Platz auch die Hälfte der Businsassen bewusstlos. Aber endlich geht’s los. Von unserem Busfahrer könnte der Engländer von vorhin noch was lernen. Die Strasse, ein besserer Wanderweg, windet sich - nur minimal breiter als der Bus - den Berg hoch (Warntafel für Radfahrer: 928 Höhenmeter auf den nächsten 10 km). Kein Problem für unseren Alonso unter den Busfahrern. Mit ungefähr dem dreifachen Tempo des Engländers jagt er den Berg hoch. Kurzer Boxenstopp an einem Berghotel – Milchkannen abliefern, Post abholen - schließlich sitzen wir ja in einem Postbus.
Auf der Großen Scheidegg angekommen, genießen wir kurz das tolle Panorama und machen uns dann auf den Weg. Ziel ist das Faulhorn. Das lässt sich auf direktem Weg über die First-Bergstation in etwa 3 Stunden erreichen. Da man auf dieser Wanderautobahn aber alle 30 Sekunden über die Turnschuhe eines japanischen Touristen stolpert (wir sind ja keine Touristen, sondern ernsthafte Bergwanderer
Oben angelangt queren wir das Blaugletscherli, das seinem Namen keine Ehre mehr macht. Auch hier lässt sich das Gletschersterben beobachten. Im Winter lassen sich hier Tourenskifahrer blicken. An Rand des Gletschers kämpfen wir uns Geröllberge zwei Schritt vor, einen zurück hoch. Am höchsten Punkt unserer Tour auf über 2700m angekommen, rasten wir. Wir sind klitschnass geschwitzt, aber die Laune hat sich mittlerweile merklich gebessert. Mich übermannt allmählich ein unstillbarer Heißhunger auf Käsefondue. Von nun an wird die Strecke richtig schön. Es geht gemächlich hoch und runter, wir passieren 2 einsame Bergseen, beobachten Murmeltiere, genießen die Ausblicke ins Tal und wundern uns über scheinbar herrenlose Ziegen, die hier grasen. Irgendwann treffen wir wieder auf den Hauptweg vom First zum Faulhorn. Aber auch hier ist kaum noch was los, da die Tagestouristen sich mittlerweile sputen müssen, die letzte Gondel der Firstbahn zu erwischen. Der Schlussanstieg zum Faulhorn hats dann noch mal in sich. Aber dann ist es vollbracht. Im Nachhinein wars dann doch eine schöne Tour, die man Wanderern mit Kondition, Orientierungssinn und gutem Schuhwerk empfehlen kann.
Das Faulhorn ist ein besonderes Erlebnis. 2681 Meter hoch mit einem gigantischen Rundumblick. Auf seinem Gipfel thront das gleichnamige Hotel. Es ist das höchstgelegene Berghotel der Schweiz und hat schon 175 Jahre auf dem Buckel. Da die nächste Bergstation mehr als 1,5 Stunden Fußmarsch entfernt ist, erfolgt die Versorgung per Hubschrauber. Problematisch ist dort oben natürlich die Wasserversorgung. Es gibt ein Regenwasserreservoir und sogar ein kleiner Gletscher wird angezapft. Trotzdem kann das Wasser in trockenen Sommern knapp werden. Daher gibt es auf den Zimmern auch kein fließendes Wasser, sondern nur Wasserkrüge und Schüsseln. Toll auch das Nachtlager. Die Betten aus der Gründerzeit wurden original erhalten. Ziemlich klein aber sehr bequem. Durchs Fenster schaut man direkt auf Eiger, Mönch und Jungfrau. Zimmerschlüssel gibt es keine, wohin sollte der freundliche Herr Räuber auch mit seiner Beute abhauen.
In der Gaststätte werfe ich erst mal einen Blick auf die Karte, sinke zu Boden und danke dem Herrn: es gibt Käsefondue.
Trekking macht auch müde (oder wars doch das Bier?). Und so gehen wir zeitig in die Federn.
To be continued