Vier Große beherrschen die Skiresorts der USA. In der Schweiz kauft die Compagnie des Alpes ein. Salzburg droht die Globa- lisierung in den Tälern.
heinz bayersalzburg (SN). Die Aussichten sind nicht rosig. In zwanzig Jahren wird es im gesamten Alpenraum nur mehr 80 Skigebiete geben. In Salzburg dürfte es kaum noch ein Dutzend sein. Der Rest wird stillgelegt.
Das heißt: Vielen Tälern drohen wirtschaftlicher Niedergang und Entvölkerung. Arbeit gibt es nur mehr in den Zentralräumen. Jene Skiregionen aber, die weiter existieren, werden von internationalen Konzernen gelenkt. Ohne regionale Bezüge. Mit ausschließlicher Ausrichtung auf maximalen Profit.
Die Skiorte verwandeln sich in riesige Freizeit- und Vergnügungsparks. Verträumte Skidörfer, die heute noch den Charme Österreichs ausmachen, wird es nicht mehr geben.
Dieses Szenario zeichnete der Wissenschafter Werner Bätzing bei einem Expertengespräch von Ski amadé. Am Beispiel der USA erklärte er: "Vier Unternehmen mit jeweils dreistelligen Millionen-Dollar-Umsätzen zeigen die Entwicklung der Skigebiete zu multifunktionalen Freizeitkonzernen: Intrawest, American Skiing Company, Vail Resorts und Booth Creek beherrschen zusammen mehr als dreißig Prozent des Marktes."
US-Marktführer Intrawest hält bereits knapp zwanzig Prozent an der französischen Compagnie des Alpes. Die CDA dient den Amerikanern als Sprungbrett nach Europa.
Bätzing legte den anwesenden Seilbahnern und Hoteliers eindringlich ans Herz, der Entwicklung durch Gründung von Genossenschaften gegen zu steuern. Die hätten in den Alpen eine große Tradition. Diese Genossenschaften müssten nicht nur horizontal kooperieren (Bergbahnen untereinander), sondern auch vertikal (Tourismusverbände, Hotels, Skiverleih, Skipass-Systeme). Es gehe um eine regional verankerte, dezentrale Tourismusentwicklung.
Nur so könne Salzburg der kalten Globalisierung in seinen Tälern vorbauen. Die Compagnie des Alpes schiele längst nach Österreich. Strategie dieser staatlich kontrollierten Gesellschaft aus Frankreich sei es, Bergbahnen aufzukaufen, die als "Filetstücke" gelten. Unprofitable Anlagen werden stillgelegt.
Bereits vor drei Jahren gab es Gerüchte um einen Einstieg der Franzosen bei den Gletscherbahnen Kaprun. Der Verbund will bekanntlich seine Anteile von 40 Prozent verkaufen. Jetzt, nachdem das Oberlandesgericht die Freisprüche der nach dem Gletscherbahnunglück Angeklagten Manager bestätigt habe, könnte das Interesse der Franzosen neu erwachen, befürchten Insider.
Bätzing forderte, dass politische Verantwortungsträger in die Zusammenarbeit eingebunden werden. Der Tourismus müsse ein wichtiger Teil einer ausgewogenen Regionalentwicklung bleiben.
Bätzing: "Die Alpen stehen heute zwischen Verstädterung - wie es im Großraum Bischofshofen und St. Johann zu sehen ist - und wirtschaftlicher Entsiedelung. Rein marktwirtschaftliche Lösungen werden diese Entwicklung auf beiden Seiten stark beschleunigen"
© SN.
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Ein interessanter Artikel, auch wenn er meiner Meinung nach ein bisschen überspitzt ist. Prinzipiell muss man davon ausgehen, dass die globale Entwicklung die sich momentan auf allen Bereichen auswirkt, auch irgendwann einmal die österreichischen Bergdörfer erreichen wird. Bleibt die Frage, wie und in welchem Umfang?
Wenn man sich heute Orte wie Ischgl, Sölden oder das Zillertal anschaut, dann scheint dieser "totale Skikonsum" Tatsache zu werden. Ich glaube aber, dass das Verlangen nach kleinen beschaulichen Orten und Skigebieten nicht erlöschen wird. Das ist nicht mit den USA zu vergleichen.
Wenn man sich heute Orte wie Ischgl, Sölden oder das Zillertal anschaut, dann scheint dieser "totale Skikonsum" Tatsache zu werden. Ich glaube aber, dass das Verlangen nach kleinen beschaulichen Orten und Skigebieten nicht erlöschen wird. Das ist nicht mit den USA zu vergleichen.
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Wirklich interessanter Artikel, v.a. ist der zitierte Autor nicht irgendwer, sondern ein ausgewiesener Experte zum Thema Regionalentwicklung in den Alpen. Allerdings versteht er vom Skitourismus deutlich weniger als von seinen eigentlichen Schwerpunkten
.
Der Vergleich Europa-USA ist zwar immer aufschlussreich, aber er hinkt halt schon sehr. Insbesondere was das hier angesprochene Thema - Skitourismus - angeht. Der Stellenwert vom Skilaufen ist z.b. in den USA ein ganz anderer (dort ists ein eindeutiges Oberschichtsphänomen und relativ gesehen recht unwichtig).
Die US-Unternehmen sind auch nicht mit den herkömmlichen österr. Skigebietsbetreibern zu vergleichen. Die regionale Verankerung und die von Bätzing eingeforderte vertikale Integration ist in Österreich vielfach "automatisch" gegeben, einfach weil die Teilhaber/Aktionäre der Skigebietsbetreiber die lokalen/regionalen Hoteliers und sonstige regionale Stakeholder (z.B. TVBs etc.) sind (in Ischgl z.B. sind alle alteingessenen Hotelfamilien Aktionäre).
In den USA sind die Skigebietsbetreiber börsennotierte AGs, die eigentlich eher als Immobilien-Developer mit angeschlossenen Freizeit-Angeboten (die die Vermarktung der Immobilien garantieren) aktiv. Gerade im Zuge des jüngsten Immobilienbooms in den USA hat sich dieser Trend nochmal deutlich verstärkt. Für Europa (und schon gar in den Alpen - allerdings mit Ausnahmen - vgl. Chamonix) lässt sich das nicht so einfach übertragen. Und zwar angebotsseitig (Knappheit und Regulierung, siehe Raumordnung) als auch nachfrageseitig (in Europa bzw. in Österreichs Tourismusherkunftsländern gibts einfach genug Nachfrage nach "normalen" Skitourismus, die wollen nicht unbedingt Condominiums in irgendeinem Skigebiet kaufen und damit Altersvorsorge und/oder Spekulation betreiben).
Somit gebe ich hier die aus meiner Sicht hundertprozentige Wette ab, dass die Skiatlanten des Jahres 2025 noch immer mehr als 80 Skigebiete enthalten werden (zum Vergleich: allein Bergfex.at listet für Österreich merh als 300 Skigebiete auf !). Ich glaube fast, dass da eher der Klimawandel (was ich nicht hoffe) auf die Zahl der Skigebiete begrenzend wirken wird, als die von Bätzing befürchteten Konzentrationstendenze aufgrund der Skigebietsindustrie.
Der Vergleich Europa-USA ist zwar immer aufschlussreich, aber er hinkt halt schon sehr. Insbesondere was das hier angesprochene Thema - Skitourismus - angeht. Der Stellenwert vom Skilaufen ist z.b. in den USA ein ganz anderer (dort ists ein eindeutiges Oberschichtsphänomen und relativ gesehen recht unwichtig).
Die US-Unternehmen sind auch nicht mit den herkömmlichen österr. Skigebietsbetreibern zu vergleichen. Die regionale Verankerung und die von Bätzing eingeforderte vertikale Integration ist in Österreich vielfach "automatisch" gegeben, einfach weil die Teilhaber/Aktionäre der Skigebietsbetreiber die lokalen/regionalen Hoteliers und sonstige regionale Stakeholder (z.B. TVBs etc.) sind (in Ischgl z.B. sind alle alteingessenen Hotelfamilien Aktionäre).
In den USA sind die Skigebietsbetreiber börsennotierte AGs, die eigentlich eher als Immobilien-Developer mit angeschlossenen Freizeit-Angeboten (die die Vermarktung der Immobilien garantieren) aktiv. Gerade im Zuge des jüngsten Immobilienbooms in den USA hat sich dieser Trend nochmal deutlich verstärkt. Für Europa (und schon gar in den Alpen - allerdings mit Ausnahmen - vgl. Chamonix) lässt sich das nicht so einfach übertragen. Und zwar angebotsseitig (Knappheit und Regulierung, siehe Raumordnung) als auch nachfrageseitig (in Europa bzw. in Österreichs Tourismusherkunftsländern gibts einfach genug Nachfrage nach "normalen" Skitourismus, die wollen nicht unbedingt Condominiums in irgendeinem Skigebiet kaufen und damit Altersvorsorge und/oder Spekulation betreiben).
Somit gebe ich hier die aus meiner Sicht hundertprozentige Wette ab, dass die Skiatlanten des Jahres 2025 noch immer mehr als 80 Skigebiete enthalten werden (zum Vergleich: allein Bergfex.at listet für Österreich merh als 300 Skigebiete auf !). Ich glaube fast, dass da eher der Klimawandel (was ich nicht hoffe) auf die Zahl der Skigebiete begrenzend wirken wird, als die von Bätzing befürchteten Konzentrationstendenze aufgrund der Skigebietsindustrie.