Wintersport-Branche kämpfen gegen Umsatzrückgang

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Jay
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Wintersport-Branche kämpfen gegen Umsatzrückgang

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Handelsblatt
Wintersport-Branche kämpfen gegen Umsatzrückgang

Pistenfans gesucht

Von Joachim Hofer

Die Wintersportbranche geht neue Wege, um ihre jahrelange Talfahrt zu beenden. Mit einer neuen Skihalle in der Nähe von Hamburg sowie mit Show-Veranstaltungen in den Großstädten wollen Ausrüster und Wintersportorte neue Kundengruppen ansprechen. „Wir müssen zu unseren Kunden gehen, wenn wir sie für den Sport begeistern wollen“, sagt Jakob Falkner, Chef der Bergbahnen im Tiroler Skiort Sölden.

SÖLDEN. In der Ski-Industrie herrscht Alarmstimmung. Jahr für Jahr kaufen die Leute weniger Ski-Ausrüstung. „Auch dieses Jahr ist der Markt noch einmal leicht zurück gegangen“, klagt Michael Schineis, Chef von Atomic, dem größten Skihersteller der Welt. Für die laufende Saison hätten die Händler erneut weniger vorbestellt als noch im Jahr zuvor, heißt es in der Branche.

Zahlreiche Ski-Hersteller schreiben deshalb rote Zahlen. Drei der weltgrößten Anbieter – Völkl, Rossignol und zuletzt Salomon – wechselten in den vergangenen zwei Jahren den Besitzer, nicht zuletzt wegen ihrer schwachen Ergebnisse.

Dass die Kunden immer weniger Lust aufs Skifahren haben merken auch die Wintersportorte, denen vielfach vor allem die jungen Kunden fehlen. Den Abwärtstrend will die Branche nun endlich stoppen. „Wir brauchen dringend attraktive Veranstaltungen in den Städten, um ein junges Publikum anzuziehen“, sagt Reto Rindlisbacher vom Skiausrüster Nordica. Söldens Bergbahnchef Falkner erhofft sich durch die City-Werbung zudem, auch die Kinder von Einwanderern und Gastarbeitern anzulocken. Falkner: „Die Deutschen bekommen immer weniger Nachwuchs. Deshalb müssen wir jetzt auch Leute auf die Pisten bekommen, die bislang keine Beziehung zu den Bergen haben.“

Eine neue Skihalle in der Umgebung von Hamburg soll darüber hinaus dafür sorgen, dass auch die Norddeutschen mehr Gefallen am Pistenspaß finden. Bislang gibt es nur zwei Skihallen hier zu Lande, in Bottrop und in Neuss. Das Kalkül der Wintersportbranche: Wer einmal Freude am Skifahren – und am anschließenden Hüttenplausch – in der Halle hatte, der kauft sich irgendwann auch eine eigene Ausrüstung und fährt in die Alpen. Falkner sagt: „Jede Skihalle bringt uns neue Kunden.“

Doch das ist noch nicht alles. Künftig soll auch der Spitzensport verstärkt in den Metropolen Station machen. Hans Knauß, ehemaliger Weltklasse-Skifahrer aus Österreich, fordert ein Umdenken des Internationalen Skiverbands. „Der Verband ist ein Altherren-Club, der sich Veränderungen verschließt.“ Seiner Ansicht nach müssten Weltcup-Rennen auch in Städten ausgetragen werden, um die Leute für den weißen Sport zu begeistern.

Mit Werbung alleine will sich die Branche aber nicht zufrieden geben. Skifahren soll künftig auch deutlich bequemer werden. „2020 werden die 60-jährigen Frauen die größte Bevölkerungsgruppe bilden“, sagt Martin Lehner vom slowenischen Skiproduzenten Elan und ergänzt: „Darauf müssen wir uns rechtzeitig einstellen.“ Durch in den Ski integrierte Bindungen soll es schon in diesem Winter leichter werden, die Bretter zu steuern. Mit Innovationen wie beheizbaren Skistiefeln und vorgewärmten Sesseln an den Liften soll zudem der Komfort spürbar steigen.

Für die Skihersteller wird es allerdings immer schwerer, ihre Angebote überhaupt in die Geschäfte zu bringen. „Viele Händler verkaufen lieber Bekleidung als Geräte, weil dort die Margen höher sind“, sagt Peter Knoll, Chef der Sportmesse Ispo. Knoll warnt: „Zum Teil hat sich der Handel schon ganz von den Sportgeräten verabschiedet.“ Der Manager ist überzeugt, dass dies langfristig ein Fehler ist. Denn wer nicht auf die Pisten gehe, der brauche auch keine Skijacke. Und ein Sportgeschäft ohne Skier, Stöcke und Schlitten würde sich von einer Boutique kaum noch unterscheiden.


HANDELSBLATT, Dienstag, 01. November 2005, 13:44 Uhr

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