Bayerische Fischer kämpfen gegen Kufsteiner Schnee
Kufstein entsorgt den Räumschnee legal in den Inn. Die bayerischen Fischer steigen auf die Barrikaden.
In Kufstein wird der Schnee ganz legal in den Inn gekippt.
Bild: Hanusch
"Die Stadt Kufstein macht das seit 25 Jahren". Stadtchef Herbert Marschitz lässt sich von den Protesten der bayerischen Fischer nicht aus der Ruhe bringen. Dank eines gültigen Bescheids aus dem Jahr 1987 kippen die Kufsteiner den Räumschnee ganz legal in den Inn - das meist schmutzige Weiß bahnt sich seinen Weg dann ins bayerische Kiefersfelden.
Ministerium alarmiert
Für Hans Hanusch, 1. Vorstand des Sportfischervereins Kiefersfelden, eine ökologische Katastrophe. Der schmutzige Schnee mache aus dem Inn eine richtige Drecksbrühe, vom Müll gar nicht zu reden. "Wir haben inzwischen das österreichische Umweltministerium eingeschaltet", erklärt Hanusch. In Bayern sei das Einbringen von Schnee in Flüsse seit Jahren verboten. "Wir fordern, dass der Schnee wie in Bayern auch auf Felder deponiert und der Müll ordnungsgemäß entsorgt wird", betont Hanusch.
"Der Müll kommt nicht aus Kufstein, das ist eine Unverschämtheit", ärgert sich Bürgermeister Herbert Marschitz. Dass der Inn momentan ein braune Brühe ist, sei leicht zu erklären. Die Kraftwerke in Langkampfen und Kirchbichl werden derzeit geflutet, da die Schäden nach der Hochwasserkatastrophe im vergangenen Sommer repariert werden. "In den vergangenen Jahren gab es nie Probleme mit den Fischern", zeigt sich Marschitz verwundert und betont: "Wir haben eine unbeschränkte Genehmigung und werden daher weiter den Schnee in den Inn einbringen."
Von einer solchen Erlaubnis wie sie die Kufsteiner haben, kann Kirchdorfs Bürgermeister Ernst Schwaiger nur träumen - auf seinem Schreibtisch stapeln sich die Anzeigen der Bezirkshauptmannschaft.
Nur 48 Stunden
Im Bezirk Kitzbühel darf der Schnee nur innerhalb der ersten 48 Stunden nach dem Niederschlag in die Ache geschüttet werden. Schwaiger widersetzt sich dem jedoch und begründet, "dass die vorgeschriebene Deponierung ein Vermögen kostet."
Er könne den Kufsteinern "nur gratulieren, dass sie einen solchen Bescheid haben, so eine Lösung brauchen wir auch."
Da wird mit zweierlei Maß gemessen - die Kufsteiner kippen ihren Räumschnee mit Erlaubnis der Behörden in den Inn. Die Gemeinden im Bezirk Kitzbühel dürfen ihn aber nur während der ersten 48 Stunden in die Flüsse entsorgen. Dann muss deponiert werden - und das kostet viel Geld. Eine klare Regelung ist notwendig. Die Argumente der Fischer sind sicher richtig, aber auch die kilometerlangen Fahrten zu den Schnee-Deponien sind umweltschädlich. Hier sind Ökologie-Experten gefragt - die auch die finanzielle Seite beleuchten müssen.