Staatsgeld für Schneekanonen

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Jay
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Staatsgeld für Schneekanonen

Beitrag von Jay »

Aus dem Tages Anzeiger:
Staatsgeld für Schneekanonen

Insbesondere kleine und mittlere Bergbahn-Gesellschaften könnten ohne Subventionen kaum überleben.

Die Bergbahnen sollen weniger Staatshilfe bekommen. Die Realität sieht im Moment aber noch anders aus.

Von Marcel Odermatt

Der Winter nimmt in diesen Tagen seinen ersten Anlauf. Für die Schweizer Bergbahnen steht damit die wichtigste Jahreszeit an. 727 Millionen Franken Umsatz erzielten sie in der letzten kalten Saison. In den heissen Sommermonaten kamen sie auf gerade mal auf 154 Millionen.

Dazu, dass diese Gelder in die Kassen der Bergbahnunternehmen flossen, hat der Steuerzahler einiges beigetragen. In den letzten 30 Jahren kassierten 250 Bahnen insgesamt 350 Millionen in Form von zinslosen Darlehen.

Der Bundesrat will die Auflagen für staatliche Kredite nun aber verschärfen (TA vom Donnerstag). Kein Wunder, denn für den Staat geht die Rechnung in vielen Fällen nicht auf. «Wir rechnen damit, dass rund ein Drittel der ausstehenden Darlehen gefährdet sind», sagt Eric Scheidegger, Direktor für Standortförderung beim Staatssekretariat für Wirtschaft. In Zukunft sollen deshalb Investitionen nur noch mitgetragen werden, wenn sie Teil eines regional gut abgestützten Projektes sind.

Beim Verband der Seilbahnen unterstützt man diesen Schritt. Gleichzeitig wird jedoch betont, dass staatliche Mittel weiter notwendig seien. «Die Leistungsfähigkeit der Bahnen hat sich in letzter Zeit zwar verbessert. Die Investitionsfähigkeit bleibt aber weiter ungenügend», sagt Sprecher Felix Maurhofer.

Eine halbe Milliarde für Beschneiung
Das Problem ist der gewaltige Investitionsbedarf. Er beträgt in den nächsten vier Jahren eine Milliarde Franken. Dabei geht es nicht nur um die Erneuerung von Anlagen. Wegen der immer härteren Konkurrenz mit ausländischen und inländischen Skistationen wird die künstliche Beschneiung immer wichtiger. Knapp 40 Prozent der Befragten geben in einer neuen Studie der Universität St. Gallen an, der Bedarf an Schneekanonen habe den Investitionsbedarf «stark erhöht». Der Klimawandel wird dagegen mit nur 16 Prozent weniger stark bewertet.

Dieser Widerspruch ist laut Bergbahnspezialist Reto Flury von BDO Visura erklärbar: «Schneekanonen werden nicht ausschliesslich auf Grund des Klimawandels notwendig, sondern weil viele Touristen heute vermehrt Wert auf Schneesicherheit legen.» Bis dato haben die Bahnen etwa 280 Millionen Franken für Schneekanonen ausgegeben. Für die Branchenorganisation ist das erst der Anfang. «Der Bedarf für die Zukunft beträgt mehr als eine halbe Milliarde», sagt Maurhofer.

Damit die Pisten auch ohne richtigen Schnee weiss werden, wird weiter gerne der Staat bemüht. Das zeigt ein Beispiel aus dem Toggenburg: 7 Millionen Franken haben die Bergbahnen in Wildhaus in den letzten zwei Jahren in Beschneiungsanlagen investiert. «Ohne den 2,5-Millionen-Franken-Kredit des Bundes hätten wir das Geld nicht aufgebracht», räumt Geschäftsführer Urs Gantenbein ein. Erst die Zusage aus Bern habe Aktionäre und Banken überzeugt, ebenfalls mitzuziehen.

Die Zurückhaltung der Kapitalgeber erstaunt nicht. Die Bahn in der höchstgelegenen Gemeinde des Kantons St. Gallen erwirtschaftete 2004 Jahreseinnahmen von 6,9 Millionen Franken. Eine Investition von 7 Millionen ist eine gewaltige Summe, selbst wenn der Betriebsgewinn mit 2,4 Millionen für Branchenverhältnisse hoch ist.

Kein Überleben ohne Subventionen
Jetzt sieht sich das Skigebiet, das zwischen 1000 und 2300 Meter über Meer und damit in der Zone liegt, die vom Klimawandel gefährdet ist, dank Bundeshilfe für die Zukunft gewappnet. Ein Drittel der Pisten kann beschneit werden. Läuft es nach Plan, kann man laut Gantenbein am Wochenende auf den Kunstschneepisten bereits Ski fahren.

Subventionen werden insbesondere bei den kleinen Bahnen ein Dauerthema bleiben. Denn neun von zehn hiesigen Betrieben nehmen weniger als 5 Millionen ein, nur 3 Prozent setzen mehr als 20 Millionen um. Die kleineren und mittleren Gesellschaften können sich ein Leben ohne staatlichen Support nicht vorstellen. Nur ein Viertel glaubt, ohne öffentliche Mittel überleben zu können.

Anders sieht es dagegen bei grösseren Unternehmen aus. 62 Prozent dieser Vertreter sind sich sicher, künftig ohne staatliche Unterstützung auszukommen. Hier scheint sich die Überzeugung durchzusetzen, sich vom Staat unabhängig zu machen.

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