Studie: Jede dritte Bergbahn ist unrentabel
St. Gallen. AP/baz. In der Schweiz kämpft jede dritte Bergbahn mit einer fehlenden Ertragskraft und wäre ohne öffentliche Gelder nicht überlebensfähig. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts für Öffentliche Dienstleistungen und Tourismus an der Universität St. Gallen.
Die wirtschaftliche Situation der Schweizer Bergbahnen habe sich in den letzten fünf Jahren generell etwas entspannt, heisst es in der am Freitag veröffentlichten Studie. Waren im Jahr 2000 noch 35 Prozent aller Bergbahnen mit einem Cashflow von weniger als fünf Prozent des Gesamtkapitals im «roten Bereich», so waren es 2003 nur mehr 17 Prozent. Die Branche sei aber immer noch sehr klein strukturiert, obwohl vor allem im Bereich der mittleren Bergbahnen bereits zahlreiche prominente Fusionen stattgefunden haben.
Regionale Unterschiede
30 Prozent der Unternehmen weisen einen Umsatz von weniger als einer Million Franken aus. Selbst die grössten Bahnen sind im Vergleich zu internationalen Unternehmen wie Compagnie des Alpes oder Ski Star immer noch klein. 34 Prozent der Bahnen gelten darüber hinaus als ertragsschwach, mit einem Cashflow von weniger als 20 Prozent des Gesamtertrages.
Die Studie stellt auch beträchtliche regionale Unterschiede fest: Den höchsten Anteil wirtschaftlich starker Bergbahnen wies das Berner Oberland auf, den kleinsten das Tessin, gefolgt vom Jura und den Westschweizer Alpen. Das grösste Restrukturierungspotential wird in den Voralpenregionen der lateinischen Schweiz lokalisiert.
Das Überleben der Bergbahnen wurde bislang in vielen Fällen durch öffentliche Mittel gesichert. Dadurch wurde aber auch der dringend notwendige Restrukturierungsprozess verlangsamt. Um die Zukunft der Branche zu sichern, wird in der Studie eine weitere Konsolidierung in Richtung grösserer Unternehmen durch Fusionen und Übernahmen gefordert.
Die touristische Bedeutung der Bergbahnen wird generell als hoch eingestuft. So benutzen beispielsweise 36 Prozent der Schweizer während ihren Ferien mindestens einmal eine Bergbahn. Pro Jahr «konsumiert» die Schweizer Bevölkerung rund 24,1 Millionen Pistentage oder drei Pistentage pro Einwohner.
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Seilbahnen sind nun einmal von der Anschafffung und Unterhaltung her sehr kostenintensiv, rentabel arbeiten sie nur in einigen wenigen Wintersportzentren. Hinzu kommen die, bedingt durch klimatische Veränderungen, immens steigenden Kosten bei der Kunstschneeerzeugung, die auch von den Bergbahnunternehmen getragen werden müssen. Andererseits ist es eine Existenzfrage, sowohl für den Sommer- als auch für den Wintertourismus, Seilbahnanlagen anbieten zu müssen. Der Gast erwartet dies als eine Selbstverständlichkeit. Damit ist für die Gemeinden die Notwendigkeit gegeben, auch unrentable Anlagen vorhalten zu müssen. Dazu kommt der "Kampf" der Regionen um die Kundschaft. Die Anlagen müssen immer größer und spektakulärer werden und es muss beschneit werden auf "Teufel komm raus". Eine logische Konsequenz davon ist, dass sich gerade kleinere Gebiete ihre Niesche suchen müssen oder pleite gehen.
Etwas anders sieht es mit den Bergbahnen in großen Städten aus. Hier ist die Subventionierung gewollt, um über niedrige Fahrpreise Verkehrspotential in den ÖPNV zu ziehen. Daraus entsteht wieder die kuriose Situation, dass Bahnen, die eigentlich schwarze Zahlen schreiben könnten, trotzdem im Minus stehen.
Pendolino
Seilbahnen sind nun einmal von der Anschafffung und Unterhaltung her sehr kostenintensiv, rentabel arbeiten sie nur in einigen wenigen Wintersportzentren. Hinzu kommen die, bedingt durch klimatische Veränderungen, immens steigenden Kosten bei der Kunstschneeerzeugung, die auch von den Bergbahnunternehmen getragen werden müssen. Andererseits ist es eine Existenzfrage, sowohl für den Sommer- als auch für den Wintertourismus, Seilbahnanlagen anbieten zu müssen. Der Gast erwartet dies als eine Selbstverständlichkeit. Damit ist für die Gemeinden die Notwendigkeit gegeben, auch unrentable Anlagen vorhalten zu müssen. Dazu kommt der "Kampf" der Regionen um die Kundschaft. Die Anlagen müssen immer größer und spektakulärer werden und es muss beschneit werden auf "Teufel komm raus". Eine logische Konsequenz davon ist, dass sich gerade kleinere Gebiete ihre Niesche suchen müssen oder pleite gehen.
Etwas anders sieht es mit den Bergbahnen in großen Städten aus. Hier ist die Subventionierung gewollt, um über niedrige Fahrpreise Verkehrspotential in den ÖPNV zu ziehen. Daraus entsteht wieder die kuriose Situation, dass Bahnen, die eigentlich schwarze Zahlen schreiben könnten, trotzdem im Minus stehen.
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