Wasserknappheit im Engadin

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vhaemmerli
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Wasserknappheit im Engadin

Beitrag von vhaemmerli »

Mit der Schneekanone alleine ist es nicht getan



Fehlendes Wasser kann bei der Beschneiung zu Engpässen führen

Wenns zuwenig Wasser hat, nützt die modernste Beschneiungsanlage nichts. Vereinzelte Engadiner Skigebiete bekommen die Auswirkungen der letzten beiden trockenen Sommer zu spüren. In Celerina musste zu einer ungewöhnlichen Massnahme gegriffen werden.
rs. Die Arbeitsstelle am Inn zwischen Celerina und Samedan ist weder zu übersehen noch zu überhören. Mittels einer Dieselpumpe werden pro Sekunde zwischen 16 und 18 Liter aus dem Inn entnommen, und über eine 800 Meter lange, provisiorische Schlauchleitung ins 70 Meter höher gelegene Pufferbecken der Celeriner Bergbahnen (CBB) gepumpt. Das Becken wird in «normalen» Jahren mit dem Überlauf der Trinkwasserversorgung von Celerina gespiesen. Weil aber seit zweieinhalb Jahren keine nennenswerten Niederschläge mehr gefallen sind, und wegen der kalten Temperaturen seit Mitte November, gibt es praktisch keinen Überlauf mehr. Dass im November und anfangs Dezember überhaupt beschneit werden konnte ist dem Umstand zu verdanken, dass die CBB seit Jahren auf die Nachbargemeinde Samedan als Hauptzubringer von Wasser zählen kann.

Gemeinde und Kanton haben mitgezogen

Der natürlich gefallene Schnee von anfangs Dezember war trocken und er fiel auf beinahe aperen Boden. Die Landschaft präsentierte sich zwar wie im Wintermärchen, der Schnee aber reichte nicht aus, um die Pisten präparieren zu können. Fürs maschinelle Beschneien stimmten die Temperaturen, doch um die Anlagen mit voller Leistung laufen zu lassen, fehlte das Wasser. So wurde mit der Gemeinde nach einer Lösung gesucht. Markus Meili, Betriebsleiter der Celeriner Bergbahnen, war nicht sehr optimistisch, dass die Option mit der Wasserentnahme aus dem Inn klappen könnte. Doch das kantonale Amt für Natur und Umwelt in Chur hat rasch reagiert, zusammen mit dem EW die Situation bezüglich der Restwassermenge geprüft, und der CBB bereits am 7. Dezember die Bewilligung erteilt. Einen Tag später wurde die Pumpe in Betrieb genommen und seither läuft sie im 24-Stunden-Betrieb. Und das noch bis am nächsten Freitag, dann läuft die Bewilligung definitiv aus. Markus Meili ist froh um diese Lösung. «Es ist toll, wie die Gemeinde und der Kanton mitgemacht, und pragmatisch gehandelt haben.»
Nur dank dem Innwasser wird es möglich sein, auf den kommenden Samstag den Gästen das Standardangebot im Skigebiet zur Verfügung stellen zu können. Ohne die intensive Beschneiung wären gemäss Meili beispielsweise die Talabfahrt oder die rote Piste Trais Fluors kaum zu präparieren gewesen. Er hofft, dass die Wasserentnahme aus dem Inn eine einmalige Aktion war, verursacht sie den Bergbahnen doch neben den «normalen» Kosten für die Beschneiung zusätzliche Betriebskosten von 1500 Franken pro Tag. Seine Hoffnung dürfte in Erfüllung gehen: Erst in diesem Frühjahr hat die Gemeindeversammlung einem Kredit von fünf Millionen Franken zugestimmt für den Ausbau der Wasserversorgung. Unter anderem soll in der Champagnatscha ein Grundwasserpumpwerk mit einer Förderleistung von bis zu 5000 Liter pro Minute gebaut werden.

«Das Wasser wird zum grössten Problem»

Auch in anderen Skigebieten im Engadin sind die Folgen der hydrologisch gesehen schlechten Sommer zu spüren. So auf Furtschellas, wo gemäss Direktor Markus Moser die gleiche Situation herrscht wie vor zwei Jahren. Nach rund acht bis zehn Stunden schneien sinke die Leistung der Anlagen wegen zuwenig Wasser jeweils massiv. Moser führt das neben den trockenen Sommern auch auf die Kälte und den wenig natürlich gefallenen Schnee, der die Quelle vor dem zufrieren schützen könnte, zurück. «Das Wasser wird zum grössten Problem bei der Beschneiung», sagt Moser. Dagegen will man in Sils etwas unternehmen. Der Umweltverträglichkeitsbericht zu einem Projekt, das die Entnahme von Grundwasser vorsieht, liegt zurzeit in Chur.
Im Rahmen der letzten Jahre verläuft die Beschneiung am Corvatsch. Dort wo das Wasser im Bach gefasst wird, hat Corvatsch-Direktor Andreas Venzin einen leichten Rückgang der Wassermenge festgestellt. Das führe dazu, dass man bei der Beschneiung an der unteren Grenze arbeiten müsse. Ein Ausbau der Wasserfassung würde aber höchstens zum Thema, wenn die Beschneiungsanlage in Richung Berg erweitert würde. Das sei momentan aber nicht konkret, gelte es doch zuerst die Anlagen im unteren Bereich des Skigebietes auszubauen.
Nicht das wenige Wasser ist heute das Problem auf der Diavolezza/Lagalb, sondern die zu geringe Pumpenleistung der Anlagen. Mit dem geplanten Ausbau des Skigebietes müsste auch die Beschneiungsanlage erweitert werden. Dann bräuchte es gemäss Direktor Peter Dübendorfer einen Speichersee beim Parkplatz der Diavolezza-Bahn. Keine Probleme kennt St. Moritz, das mit Quell- und Grundwasser schneit. Heini Denoth vom Bauamt hat zwar bei den Quellfassungen einen leichten Rückgang festgestellt, nicht aber beim Grundwasserspiegel, der mehr oder weniger konstant geblieben sei. Auch der steigende Trinkwasserbedarf angesichts der bevorstehenden Festtage führt gemäss Denoth nicht zu einem Engpass. «Jetzt wo die Gäste kommen, muss auch weniger geschneit werden. Das gleicht sich aus.» In Zuoz, wo der Skibetrieb am letzten Samstag aufgenommen worden ist, war das Beschneien nur während der sehr kalten Tage und Nächte ein Problem. Weil die Quellen langsam zufroren, mussten die Anlagen jeweils zwischen 03.00 und 05.00 Uhr abgestellt werden. Normalerweise aber steht in Zuoz genügend Wasser zur Verfügung.

Komfortable Lage dank Speichersee

In einer vergleichsweise komfortablen Lage befindet man sich seit dem letzten Jahr in Scuol. Mit dem Bau eines Speichersees mit einem Fassungsvermögen von 50 000 Kubikmeter, sind die Bergbahnen Motta Naluns ihre ärgsten Beschneiungssorgen los. Bis vor dem Schneefall des vergangenen Wochenendes waren die 60 Kilometer geöffnete Pisten im Skigebiet alle maschinell beschneit worden. Das Wasser für den Speichersee wird von einer tiefer gelegenen Quelle hinaufgepumpt.


Quelle: Engadiner Post Autor: Reto Stifel

Ort: 7500 St. Moritz
Datum: 20.12.2005
Rubriken: Diverses, Tourismus
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Saison 06/07: 32 Skitage

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