Kurven im Kilt
Pubs, Pulverschnee und Pisten ohne Drängler: Wintersport in Schottland ist ein uriges Vergnügen. Wir stellen fünf Skigebiete in den Highlands vor
Skifahren in Schottland - geht das?" Es ist immer dieselbe Frage, die gestellt wird, sobald man vom geplanten Winterurlaub in den Highlands erzählt. Pistenkilometer sind tatsächlich Pfunde, mit denen die Schotten mächtig geizen. Dafür bieten die fünf Wintersportgebiete nördlich von Edinburgh und Glasgow stimmungsvolles Flair fernab vom Massentourismus. Schlange stehen an den Liften ist ebenso unbekannt wie überfüllte Pisten. Und auch der Einkehrschwung ist schnell gemacht. Ein Netz von Jausenstationen säumt die Abfahrten an den baumlosen Bergen, die nicht nur bei schönem Wetter einen grandiosen Ausblick garantieren.
Unsere Rundfahrt beginnt am Ben Nevis, dem höchsten Berg Großbritanniens mit stolzen 1343 Metern. Ihm gegenüber liegt das Skigebiet "Nevis Range".
Schottlands einzige Seilbahn führt den Hausberg, "The Great Ridge" (Großer Grat), hinauf. 700 Meter geht es hoch, wo elf Sessel- und Schlepplifte Anschluß an 35 Pisten mit einer Gesamtlänge von 20 Kilometern bieten. Hinzu kommen 15 Kilometer nicht präparierter Piste. Die längste Abfahrt erstreckt sich über zwei Kilometer, die höchstgelegene beginnt bei 1221 Metern, und auch eine schwarze Piste gibt es.
Am höchsten Straßenpaß der britischen Insel, direkt an der A93 zwischen Perth und Braemar, wo alljährlich am ersten Septemberwochenende die schottischen Highland-Games stattfinden, liegt das 790 Hektar große Glenshee-Skigebiet. Bei jedem Schwung auf der nahezu völlig menschenleeren Piste funkeln die Schneekristalle.
Die trockene Luft und der herrliche Pulverschnee lassen jegliches Kälteempfinden im Nu verschwinden. Die totale Stille wird lediglich durch das Geräusch der eigenen Skikanten unterbrochen. Eine Handvoll Wintersportenthusiasten tummelt sich auf den 38 erstklassig präparierten Pisten, deren längste zwei Kilometer mißt. Insgesamt 26 Lifte bedienen hier Abfahrten mit einer Gesamtlänge von 40 Kilometern.
1985 fanden in Glenshee die British Speed Skiing Championships statt. Und in der Tat ist es nicht schwierig, auf den leeren Pisten mächtig Tempo zu machen. Hier sind nicht Hunderte von Fahrern gleichzeitig auf engstem Raum unterwegs. Das Zauberwort heißt "Platz".
Zugegeben, die Abfahrtsstrecken fallen etwas gediegener aus. Dabei dominieren familienfreundliche blaue und rote Pisten. Und so müssen sich die Könner mit verhältnismäßig kurzen schwarzen Abfahrten begnügen. Entschädigt werden sie durch das herrliche Panorama des Hochlandes.
Weiter geht es Richtung Aviemore, zum Skigebiet der Cairngorm Mountains. In den 60er Jahren wurde der Hotelort Aviemore in das schöne Tal des berühmten Lachsflusses Spey geklotzt. Seine architektonische Anmutung erinnert ein wenig an den Berliner Alexanderplatz. Dafür sieht der Sgúrr Mór, der Hausberg des Areals, ein wenig aus wie das Matterhorn in den Alpen. Eine schlankeFelspyramide mit scharfen Kanten und gebogener Spitze ragt in den Himmel.
Im Gegensatz zum Schweizer Original ist dieser Berg mit 1110 Metern kein Riese. Dafür hat man aber die 37 Pistenkilometer fast für sich allein. Die 17 Liftanlagen überwinden Höhenunterschiede von 667 Metern. Die längste Abfahrt mißt 2,9 Kilometer. Ein kleines Stück weiter, an beiden Seiten der A 939, zwischen Tomintoul und Ballater, liegt "The Lecht" inmitten der Grampian Highlands: 14 Lifte, 21 Pisten mit einer Gesamtlänge von 20 Kilometern und einem maximalen Höhenunterschied von 233 Metern. Das Areal, das auch über eine 200 Meter lange Kunststoffpiste verfügt, ist ein ideales Terrain für Anfänger. Zudem nennt "The Lecht" einen Snowboardpark sein eigen.
In Argyll an der schottischen Westküste liegt das Glencoe-Skigebiet: Das 200 Hektar große "White Corries"-Areal, in dem 1961 der erste Sessellift in Betrieb genommen wurde, gelangte im Frühjahr zu einiger Berühmtheit, als Daniel Radcliff alias Harry Potter hier seine Angebetete Cho Chang küßte. Große Gefühle entstehen auch beim Herabwedeln der 17 Abfahrten. Bis auf 1108 Meter hoch geht das Skigebiet mit seinen 16 Pistenkilometern. Sieben Liftanlagen bedienen 17 Abfahrten. Glencoe bietet ein Freestyle-Terrain, ein Freeride-Terrain, alpine Abfahrten und spezielle Anfängerhügel. Die längste Abfahrt, eine schwarze Piste mit dem trefflichen Namen Fly Paper, auf der 1996 die FIS World Cup Speed Skiing Championship ausgetragen wurden, mißt 1,6 Kilometer und überwindet einen Höhenunterschied von 800 Metern.
Übrigens: An der schottischen Westküste gibt es für Skifahrer und Snowboarder noch eine weitere Möglichkeit, ihrem Hobby zu frönen. In Bellahouston Park bei Glasgow bietet das "Glasgow Mountain Resort" auf künstlichen Pisten von Oktober bis April die Möglichkeit, unter Flutlicht die eigenen Techniken und das eigene Können zu verfeinern.
Eines ist in den Highlands jedoch etwas anders: Après-Ski-Partys sind eine Seltenheit, wohl auch, weil die meisten Skigebiete etwas abseits der Städte liegen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln schlecht zu erreichen sind. Besser ist es, im Anschluß an das Pistenvergnügen nach Braemar oder Fort William zu fahren und in den urigen Pubs zu feiern. Seit die britische Regierung im November 2005 die legendäre "closing hour" mit dem "last call" um 23 Uhr abgeschafft hat, sind dafür auch keine zeitlichen Grenzen mehr gesetzt.
Fazit: Mit den Skigebieten in den Alpen oder den Rocky Mountains ist Schottland tatsächlich nicht zu vergleichen. Die Schneesicherheit ist geringer; die Schneemengen sind weniger üppig. Der schottische Winter ist unzuverlässig und unvorhersehbar. Es gibt Jahre, da fällt kaum Schnee, dann wieder kann man von Mitte Dezember bis März, mitunter gar bis April oder Mai Ski fahren. Es gab sogar Jahre, in denen der Schnee den ganzen Sommer über nicht abtaut und Babygletscher in den Nordrinnen der Berge bildet. Doch in guten Jahren, wenn dichter Schnee die Highlands bedeckt und die Sonne bunte Pünktchen im weiten Weiß tanzen läßt, ist der Lohn ein vielfacher: mit Pisten ohne Dränglern, Liften ohne Schlange, traumhaftem Pulverschnee, nicht selten einem zum Gruppentarif gebuchten Skilehrer, den man für sich allein hat, und einem Ausblick bis zum Meer. Welches andere Skigebiet der Welt bietet das schon?
Aktuelle Schnee- und Wetterlagen sowie Informationen zu allen Skigebieten in Schottland bietet www.winterhighland.com
Eine Übersicht über die Skigebiete, deren Preise und Angebote unter www.ski-scotland.com
Berge, Pisten, Schneedecke - alles ist hier etwas kleiner
Karsten-Thilo Raab
Kurven im Kilt: Fünf Skigebiete in den Highlands
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Kurven im Kilt: Fünf Skigebiete in den Highlands
Gestern in der Welt am Sonntag gelesen, es wurden fünf Skigebiete in den Highlands vorgestellt.
Kanada - 29.01.2017 bis 10.02.2017
Du kannst Dir Glück nicht kaufen. Aber Du kannst skifahren gehen und das ist ziemlich dasselbe!
Du kannst Dir Glück nicht kaufen. Aber Du kannst skifahren gehen und das ist ziemlich dasselbe!