Rodelweg am Rangger Köpfl führt direkt ins Gericht
In Oberperfuss ist ein Streit zwischen einem Grundbesitzer, der Gemeinde und den Bergbahnen eskaliert. Leidtragende sind die Rodler.
"Rodeln verboten", "Grundbesitzstörung bei Nichtbefolgung" - am Rand der Skipiste am Rangger Köpfl, wo früher ein Teil der erst vor wenigen Jahren eingerichteten, beleuchteten Rodelbahn ins Tal führte, steht jetzt ein breites Gatter samt handgeschriebenem Verbotsschild. Fritz Ehrensperger, Besitzer des dahinter liegenden Grundstücks, hat es aufgestellt und damit für große Verunsicherung und mehr gesorgt.
Von erzürnten Rodlern wurde er deshalb bereits wüst beschimpft, einer von ihnen ist sogar auf den Axamer losgegangen. Bei der Polizei in Kematen ist seither eine Anzeige wegen Körperverletzung und Grundbesitzstörung anhängig.
"Ich bin jetzt zwar für alle der Bösewicht", sagt Ehrensperger, doch er habe auch gute Gründe für seine Vorgehensweise. Immerhin seien Vereinbarungen nicht eingehalten worden. "Die Verträge sind nicht unterschrieben!" Darin gehe es vor allem um die Haftung bei Unfällen. "Der Teufel schläft nicht. Wenn etwas passiert, dann stehe ich noch vor Gericht." Weil er dieses Risiko gar nicht erst eingehen will, hat Ebensperger die Durchfahrt abgesperrt. Seither wurde der Zaun mehrmals von Unbekannten aufgeschnitten, eine Klage auf Grundbesitzstörung und Wiederherstellung ist in Vorbereitung.
Warum die Verträge nicht unterschrieben wurden, das können weder Geschäftsführer Alois Loidl von den Bergbahnen noch Bürgermeister Ewald Spiegl - die Gemeinde ist Eigentümerin der Liftanlagen - erklären. "Er hat die Entschädigung angenommen, damit war unser Teil der Vereinbarung erledigt", sagt Spiegl. Dabei handelt es sich um vier Saisonkarten für das Skigebiet. Spiegl will mit Ehrensperger das Gespräch suchen, bevor er seinerseits rechtliche Schritte überlegt.
"Wir sind nicht auf ihn angewiesen", sagt Bergbahnen-Geschäftsführer Loidl. "Wir können ausweichen!", spricht er die derzeitige, etwa hundert Meter lange Umleitung des Rodelwegs über die Straße an.
In dem Waldstück entlang des früheren Rodelwegs brummen derzeit außerdem die Motorsägen. Bäume wurden gefällt, ein Traktor schiebt einen neuen Rodelweg aus Kunstschnee vor sich her. Die Gemeinde ist daran interessiert, ihren Besuchern dieses Angebot nicht vorzuenthalten.
Ehrensperger kritisiert nicht nur die dadurch "verschwendeten Steuergelder", er vermutet auch eine "illegale Sache" und sogar Amtsmissbrauch. Denn für die Arbeiten gäbe es keine Bewilligung. Laut Bürgermeister Spiegl sei die Ausweichstrecke aber nicht bewilligungspflichtig: "Das ist mit den Behörden so abgesprochen." Die Bezirkshauptmannschaft hat bereits einen Förster zum Rangger Köpfl geschickt, um Nachschau zu halten.
Von Michaela Spirk-Paulmichl
17.01.2006 20:03
Rodelweg am Rangger Köpfl führt direkt ins Gericht
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