Hier das Manuskript zum Nachlesen, in dem die Bayr. Zugspitzbahn AG u.a. trotz der momentanen Fülle Stellung dazu bezieht, noch nicht das volle Potential ausgeschöpft zu haben und auf die neue Hausbergbahn bauen (rechnen mit bis zu 20% mehr Besucher im Skigebiet).Der Wahnsinn
auf der Piste:Mehr Schwerverletzte durch Raser und Rowdies
Skifahren und Snowboarden sind nach Einschätzung von Medizinern gefährlicher geworden. Der Anteil schwerer Verletzungen bei Wintersportunfällen sei in den vergangenen Jahren gestiegen, berichten mehrere Ärzte dem ZDF-Magazin Frontal21. Das bestätigt auch eine Statistik der ARAG Sportversicherung zu Skiunfällen (ASU Ski). Schuld sind vor allem hohe Geschwindigkeiten, volle Pisten und neue Skimodelle, mit denen nicht alle Fahrer umgehen können.
von Thomas Reichart und Anke Lang, 31.01.2006
"Ich habe in den letzen Jahren schon eine Zunahme der schwierigen oder komplizierteren Verletzungen gesehen oder auch der Mehrfachverletzungen", sagt Dr. Hubert Hörterer, Sportmediziner im Medical Park Bad Wiessee und Mannschaftsarzt des Deutschen Skiverbands (DSV). Neben Verletzungen am Knie käme es insbesondere durch Kollisionen auch zu Schädelverletzungen oder Brüchen der Wirbelsäule.
Zunahme schwerer Verletzungen
Einen Anstieg bei der Zahl der Mehrfachverletzungen verzeichnet auch die Statistik ASU Ski der ARAG Sportversicherung. Demzufolge lag der Anteil Anfang der 90er Jahre bei etwa acht Prozent und schwankt mittlerweile zwischen zehn und vierzehn Prozent. Auch bei den Rumpfverletzungen zeigt die Trendkurve laut ASU-Bericht in den letzen Jahren nach oben. Das Verletzungsrisiko durch einen Kollisionsunfall ist im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen. Auf 1000 Skifahrer kommen demnach 1,2 Kollisionen.
Die Zunahme schwerer Verletzungen bestätigt auch der Chirurg Volker Bühren von der Unfallklinik Murnau. Durch Schädelhirnverletzungen würden manche Patienten wochenlang im Koma liegen. Die Verletzungen entstünden immer dann, "wenn man mit hoher Geschwindigkeit irgendwo aufprallt", sagt Bühren. "Und natürlich auch durch schwere Zusammenstöße von zwei Skifahrern."
Verhalten hat sich verändert
Bei einem Zusammenstoß auf der Piste wurde auch Christian März verletzt, als er mit seiner Familie Urlaub im bayerischen Lengries machte. Als er die Abfahrt vorsichtig überqueren wollte, wurde er von einem jungen Snowboarder angefahren. "Kurz bevor ich bei meinen Kinder bin, habe ich gemerkt, da kommt irgendwas von hinten, da hat es schon geknallt", erzählt März. Die Folge: Seine Achillessehne ist komplett abgerissen und er darf das Bein sechs Monate lang nicht voll belasten.
Das Verhalten auf den Pisten hat sich verändert, findet der erfahrene Skifahrer März. "Es wird prinzipiell schneller gefahren", sagt er. "Das Risiko auf der Piste ist wesentlich höher geworden."
Gefahrenquelle Carvingski
Als eine Gefahrenquelle sieht der Leiter der österreichischen Bundesskiakademie, Werner Wörndle, die mittlerweile weit verbreiteten Carvingski. Die taillierten Modelle drehen leichter als gerade geschnittene Ski. "Mit Racecarvern, mit einem aggressiven Material, das nicht zu mir passt, kann natürlich die Folge sein, dass ich außer Kontrolle gerate", warnt Wörndle. "Ich kann diesen Ski nicht um die Kurve fahren, so wie er konstruiert ist, ich kann das Tempo nicht mehr kontrollieren." Die Folge können gefährliche Auffahrunfälle sein.
Die neuen Skitypen nennt auch Rechtsanwalt Werner Scheuer als Risiko. Der DSV-Anwalt aus Rosenheim vertritt häufig die Interessen von Skiunfallopfern vor Gericht. "Ich meine, dass die Entwicklung der Ausrüstung dazu beiträgt, dass es mehr Kollisionsunfälle gibt", sagt er. "Die Skifahrer trauen sich mehr, weil es leichter geht." Außerdem seien die Pisten voller als früher. "Die Transportkapazitäten der Liftanlagen sind wesentlich erhöht worden." Deshalb seien immer mehr Leute auf den Pisten und es werde immer enger.
Höherer Andrang auf Pisten
Je mehr Menschen, desto größer die Gefahr, angefahren zu werden. Und wenn so etwas passiert, sind die vielen anderen Fahrer offenbar wenig hilfreich. "In der Regel gibt es kaum Augenzeugen", sagt der Anwalt. Oder die Aussagen seien kaum verwertbar. Das bringt wiederum Schwierigkeiten bei der Durchsetzung von Schadenersatz. Denn ohne Zeugen verringere sich die Bereitschaft der Haftpflichtversicherer der "Täter", einzuspringen. Unfallopfer werden so enttäuscht, wenn sie Schadenersatz verlangen. "Die erleben die Schwierigkeit der Rechtsdurchsetzung", erklärt Anwalt Scheuer. "Man muss einen Anspruch, den man geltend macht, auch beweisen können." Und die Beweislage sei bei Skiunfällen meistens sehr schlecht.
Ähnlich geht es auch dem verletzten Christian März. Zunächst waren er und seine Familie mit sich beschäftigt. Dann konnte März nur noch zusehen, wie der etwa 14-jährige Snowboarder, der ihn angefahren hatte, gemeinsam mit seiner Mutter die Abfahrt fortsetzte. Ohne ein Wort.
Hier das Video zum Beitrag (Dauer: 6 min. 27 sek.).
Quellen: ZDF Frontal21