Offizieller Pistenplan der "Gletscherwelt Weissee"
Aber zunächst die allgemeinen Informationen im Telegrammstil. Daran anschliessend werde ich mich bemühen, die wichtigsten Eindrücke mit Hilfe kommentierter Fotos zu dokumentieren.
Anfahrt: Zug (ab Wien 8h37) über Salzburg, Schwarzch-St. Veit-Zell am See-Uttendorf und per Taxi zum Enzingerboden (Talstation der Gondelbahn zur Rudolfshütte)
Wetter: Schneefälle unterschiedlicher Intensitäten, Sonne bei wolkenlosem Himmel, Sonne bei bewölktem Himmel, Sonne bei Föhnsturm mit Böen über 100 km/h
Temperatur: zwischen -8 Grad und -18 Grad (Hütte) bzw. bis an die -20 Grad (Berg)
Schneehöhe: 100-200 cm (offiziell, dürfte auch stimmen)
Schneezustand: im Gelände: lockerer Pulverschnee (Neuschnee) bis windverfrachtetem Schnee
Geöffnete Anlagen: alle (sofern kein Sturm und keine Elektrikdefekte)
Offene Pisten: alle (sofern nicht wegen Lawinengefahr geschlossen - am Freitag)
Wartezeiten: keine
Gefallen: grandiose hochalpine Landschaft, unverspurte Traum-Tiefschneehänge, lange Geländeabfahrten mit allen alpinen Gustostückerln, professionelle Führung durch Bergführer inkl. Tiefschneetraining, Berghotel-Atmosphäre
Nicht gefallen: etwas komplizierte Anreise (trotz relativer Nähe), aufgrund der Lage der Hütte ist ein Gegenanstieg am Tagesende NACH dem Skifahren notwendig, Schiebestrecke(n) an der Talabfahrt
Fazit Kultgebiet für alle, die an hochalpinen Geländeabfahrten Interesse finden
Irgendwie schien mein Skiurlaub unter keinem guten Stern zu stehen. In der Vorwoche meiner Abreise (als natürlich bereits alles bezahlt war - ich hatte Gesamtpaket gebucht - Hotel mit HP plus "Skikurs" mit Bergführer) begann eine hartnäckige Erkältung auszubrechen. Am Freitag hatte ich sogar Fieberschübe und dachte schon an Absage - notfalls auch unter Inkaufnahme eines signifikanten Verlusts der Urlaubskosten. Zudem war der Wetterbericht alles andere als motivierend: starker Sturm, aber nur leichte, unergiebige Schneefälle. Sollte das ein frühes Aus meiner Powder-Träume bedeuten ?
Mit Hilfe von Antierkältungstabletten begab ich mich dann sonntags früh doch auf die mühsame (mehrmaliges Umsteigen) Anreise, ohne jedoch die sonst übliche Urlaubsreiseneuphorie zu verspüren. Keuchend und hustend schleppte ich also meine Ausrüstung (Ski+ 2 Rucksäcke) über diverse Bahnsteige und zwängte mich in enge Abteile, das letzte Stück mit der für sich sehenswerten Pinzgauer Schmalspurbahn nach Uttendorf.
Als mich das bestellte Taxi (der Bus fährt "natürlich" zu der für mich idealen Zeit nur an Schultagen ...) an der Talstation der 6 EUB am Enzingerboden (1480m) absetzte, war meine Stimmung am Nullpunkt.
Leichter Schneefall bei der Ankunft an der Talstation Enzingerboden
Auch der Blick zum letzten Stück der Talabfahrt war nicht gerade verheissungsvoll
Erkältungsbedingt fror ich dann bei der langen und langsamen Auffahrt mit der Gondelbahn. Zu sehen war so gut wie nichts, mit der Höhe wurde der Nebel immer dichter ... Oben angekomen war dann genug Zeit das (sehr kleine) 4-Bett-Zimmer mit Bad/WC zu beziehen, das ich mit drei anderen Kursteilnehmern die nächsten Tage teilen durfte. Dann gings gleich mal in die Schule, will heissen Begrüssungsrunde (wir waren zehn Kursteilnehmer und natürlich ein Bergführer) plus kurze Vorstellung des Programms. Dies war gleich mit der nächsten Enttäuschung verbunden. Bernhard (der Bergführer) konnte nämlich nur von durch den Sturm schlechten Schneeverhältnisse berichten und betonte gleich die Notwendigkeit, das Fahren im Gelände bei allen Schneeverhältnisse zu beherrschen. Guter Pulverschnee sei sowieso extrem selten ....
Immerhin wurde während des "Unterrichts" der Schneefall stärker und unsere Stimmung stieg ein wenig an.
Beim Blick vor die Tür am nächsten Morgen war die schlechte Stimmung dann jedoch wie weggeblasen (und auch die Erkältung war - nicht zuletzt dank MexaVit etwas besser). Blick von der Terasse der Rudolfshütte (2315m) auf die DSB Medelzkopf.
Unsere Unterkunft (seit 4-5 Jahren als Berghotel geführt, vormals Alpenvereinshütte des ÖAV) war bereits am frühen Morgen von der Sonne beschienen.
Über Nacht hatte es ca. 20-30 cm feinsten Pulverschnee (bei Temperaturen um die -14 Grad) geschneit. Die Pisten sahen dementsprechend aus - allerdings waren wir ja wegen der Welt jenseits der Pisten gekommen ...
Das Gebiet rund um die Rudolfshütte (heute unter dem Namen Gletscherwelt Weisssee vermarktet) ist bereits seit den 60er Jahren mit einer Seilbahn erschlossen. Die alte Pendelbahn der ÖBB (die auch die Speicher-Kraftwerkskette betreiben) fährt allerdings nur noch für den Werksverkehr.
Die DSB Medelzkopf (2250 - 2560m) erschliesst zwei offizielle und präparierte Pisten (eine davon als Route gekennzeichnet) sowie zahlreiche Varianten abseits der Pisten. Im Hintergrund die Rudolfshütte und links davon die Staumauer eines der drei Speicherseen der ÖBB-Kraftwerkskette.
Die 2SB mit dem alles beherrschenden Hocheiser (3206m) im Hintergrund.
Nach ein wenig Einfahren im Pistenbereich gings für uns gleich in den Tiefschnee.
Allerdings unter kritischer Begutachtung, unser Bergführer beim Filmen. Am Abend gabs dann die entsprechende Manöverkritik. Ist recht interessant sich selber im Fernsehen beim (Tiefschnee-)Fahren zu sehen.
Der gesamte erste Tag war von recht intensivem Training auf und abseits der Pisten gekennzeichnet, und zwar von 8h30 bis 16h15 (mit ca. 1h Mittagspause). Dabei kam richtiges Skikursfeeling, mit allen lerntechnischen Verrücktheiten (z.B. mit geschlossenen Augen schwingen ... mir wurde dabei übrigens schwindelig, angebich ist das mit der Seekrankheit verwandt ...).
Weiter gehts dann mit dem Bericht nach kurzer Pause ....