Diesen Sommer müssen wir unbedingt neue Märkte bewerben

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vhaemmerli
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Diesen Sommer müssen wir unbedingt neue Märkte bewerben

Beitrag von vhaemmerli »

Engadiner Bergbahnen wollen raus aus der Stagnation
Die Wintersaison ist noch nicht zu Ende. Auf der Diavolezza und am Corvatsch dauert sie noch eine Woche. Die Schneeverhältnisse am Berg sind noch gut, das Wetter spielt mit, es befinden sich noch Wintersportgäste im Tal. Diese werden die Winterbilanz der Oberengadiner Bergbahnen aber höchstens noch auf- oder abrunden helfen. Im Wesentlichen steht das gesamthaft erwirtschaftete Ergebnis der Oberengadiner Bergbahnen fest.

Rückgang bei Umsatz und Frequenzen

Dieter Bogner von der BEST (Bergbahnen Engadin/St. Moritz) legt die provisorischen Umsatz- und Frequenzzahlen per 17. April, also per Ostermontag, auf den Tisch. Im Vergleich zum Winer 2004/05, der kein guter war, ist der Umsatz um 2,5 Prozent zurückgegangen, die Frequenzen am Berg (Ersteintritte) sanken im Vergleich zur Vorjahresperiode um 0,3 Prozent. «Wir werden mit einem blauen Auge davon kommen», meint Bogner zu diesem Ergebnis. Bei der Grobanalyse dieses Saisonergebnisses sticht hervor, dass der Verkauf der Langzeitabonnemente, auch der Tageswahlkarten, rückläufig ist, derjenige der Tageskarten hingegen ansteigt. Dies habe nicht zuletzt mit den tiefen Temperaturen zu tun gehabt, wie auch mit dem schlechten Wochenendwetter. Die Gäste hätten sich einfach sehr kurzfristig entscheiden wollen. Angesichts fehlender lang andauernder Hochdruckphasen wie sie sonst ein Merkmal des Oberengadiner Winters seien, wollten die Ski- und Snowboardfahrer auf Nummer sicher gehen. «Der Gast ist extrem unabhängig und flexibel», meint Bogner. Zudem verfüge er im Tal über genügend andere Sportangebote, wenn Kälte und Wind ihn von einem Pistentag abhielten. Konkurrenz der Angebote im polysportiven Hochtal.
Die Umsatz- und Frequenzrückgänge führt der Geschäftsführer des Oberengadiner Bergbahnverbunds aber auch auf den aussergewöhnlich schneereichen Winter in den Voralpen zurück. Dies habe sich natürlich – was die Wochenenden betraf – auf das südliche Hochtal ausgewirkt. Warum sollten Wintersportler für einen Skitag ins peripher gelegene St. Moritz fahren, wenn eine Autostunde von Zürich entfernt am Hochybrig perfekte Verhältnisse herrschten? Bogner glaubt auch, dass aufgrund des harten Winters nördlich der Alpen Wintersportdestinationen wie Flims-Laax oder Davos einen Teil der sonst bis ins Engadin reisenden Gäste «abgefangen» haben.

Ostergeschäft schwer einzuschätzen

Das Ostergeschäft mit anderen Jahren vergleichen ist ein heikle Angelegenheit. Vergleichen solle man nur die ähnlich im Kalenderjahr gelegenen Feiertage, die zudem in etwa die gleichen Schnee- und Wetterbedingungen aufwiesen, meint Bogner. So seien die diesjährigen Ostern etwa gleich spät wie im Jahr 2003. Im Vergleich zu jenen seien die diesjährigen Ersteintritte am Berg gesamthaft ein Viertel höher ausgefallen. Das Ostergeschäft sei ein sehr dynamisches, von vielen Faktoren beeinflusst, meint Bogner. Generell könne man sagen, dass späte Ostern schlecht für die Engadiner Bergbahnen seien, fielen sie ins erste Aprildrittel hingegen, sei mit guten Frequenzen zu rechnen.

Tschechien, Kroatien und Belgien bewerben

Ungeachtet solcher Wetter- und Kalenderspezifischer Betrachtungen ist der Best-Chef der Ansicht, dass für bessere Winterergebnisse in der Marktbearbeitung neue Akzente gesetzt werden müssen. Bisher hätten sich die Bergbahnen, aber auch die Tourismusregion als Ganzes zu sehr auf ihr angestammtes Zielpublikum in der Schweiz, Deutschland und Italien verlassen. Einzig St. Moritz verfolge werbetechnisch gesehen eine viel internationalere Strategie. Tschechien und Kroation seien zum Beispiel zwei interessante Länder fürs Engadin, da dort das Interesse am Wintersport hoch, bzw. neustens stark am wachsen sei. Nebst diesen für das Engadin noch unbekannten Märkten gäbe es aber auch einen «vernachlässigten» Markt, der wohl bekannt sei, nämlich die Beneluxstaaten. Wenn von sechs Millionen Einwohnern, die Belgien zähle, eine Million schon mal im Maloja Palace Winterferien gemacht habe, sei man hier praktisch in «pool position», um wieder mehr Wintersportler in die Region zu holen.

Engadin nicht nur das Tal der «Events»…

Dies ist auch das erklärte Ziel von Bogner: «Wir brauchen mehr neue Gäste im Tal, vor allem Skifahrer». Zumal der Gästestrom aus der Schweiz, Deutschland und Italien seit drei Jahren praktisch stagniert. Neben den obenerwähnten interessanten Zielländern erwähnt Bogner auch die USA und England. Zermatt, Saas Fee und St. Anton seien voll von englischen Gästen, meint Bogner. Warum nicht auch das Engadin, dessen touristisches Wintersportangebot auf die Intitiative von englischen Lords und Armeemitgliedern zurückgeht?
«Wir müssen auch vermehrt antizyklisch werben», betont Bogner. Im Februar, wenn die Schweizer und Deutschen sowieso in die Winterferien verreisten brauche man nicht Gäste aus neuen Herkunftsländern, aber ausserhalb dieser Perioden.
Als wesentlichen Teil einer neuen Werbestrategie sieht der Geschäftsführer der BEST auch die Kommunikation des «Bergs», sprich der unzähligen Möglichkeiten, die das Engadin für Skifahrer und Snowboarder bietet. Bisher habe man zu sehr die St. Moritzer «Events» von White Turf bis Gastrofestival gepusht. Auch hier sei ein Strategiewechsel vonnöten.
Bogner will sein neues Fünfjahres-Strategie-Konzept demnächst innerhalb einer nächsten BEST-Marketingsitzung vorstellen. Für ihn ist klar, dass ein Richtungswechsel schon im Hinblick auf die nächste Wintersaison erfolgen muss: «Wir können nicht länger zuwarten, wir müssen schon diesen Sommer unbedingt neue Märkte bewerben.»
Quelle: Engadiner Post Autor: Marie-Claire Jur
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Datum: 22.04.2006
Rubrik: Tourismus

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Beitrag von baeckerbursch »

Vielleicht sollten sie sich auch überlegen ob es für den Tourismus von St. Moritz förderlich ist wenn man das gesammte Corviglia Gebiet bei bester Schneelage schon nach dem Ostermontag schließt :twisted:

Auf jeden Fall ein Grund in der Osterwoche dort nicht mehr hinzufahren!
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Dresdner
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Beitrag von Dresdner »

Zum Zitat:
"Wir brauchen mehr neue Gäste im Tal, vor allem Skifahrer». Zumal der Gästestrom aus der Schweiz, Deutschland und Italien seit drei Jahren praktisch stagniert."
Also wenn man sich die Berichte, die über St. Moritz in der letzten Zeit liefen so anschaut, ist das auch kein Wunder. Das geht mit dem Preisniveau in St. Moritz los (dazu kam vor einigen Wochen ein herrlicher Kienzle-Beitrag) und reicht bis zu dem derzeit vorherrschenden Klientel in dieser Ortschaft, den neureichen Russen samt ihren Eskapaden.
Es ist für St. Moritz ja toll, wenn man diese Leute derzeit ordentlich melkt (wörtliches Zitat dortiger Geschäftsleute), aber man darf sich dann nicht wundern, dass andere Gäste wegbleiben.
Pendolino
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