Kärntens einzige Seilbahnmaschinistin
Karin Schmid ist die einzige Frau in Kärnten, die als Maschinistin und Betriebsleiterin einer europaweit einzigartigen Seilbahn tätig ist. Hier ein Bericht über ihren außergewöhnlichen Arbeitsplatz und ihre Erfahrungen als Frau in einer Männerdomäne.
Gebürtige Steirerin wurde in Kärnten sesshaft
Die Museumskustodin Karin Schmid ist seit 1993 im "Museum 1915/18. Vom Ortler bis zur Adria" der Dolomitenfreunde in Kötschach Mauthen beschäftigt.
Ursprünglich hat die Steirerin aus Mürzzuschlag Köchin und Kellnerin gelernt. Um diese Tätigkeiten auszuüben, ist sie nach Kötschach-Mauthen gekommen und der Liebe wegen in Kärnten geblieben. Nach ihrer Karenz hat sie sich dazu entschlossen, ihrer Leidenschaft nachzugehen:
Zunächst ehrenamtliche Mitarbeiterin
"Der Erste Weltkrieg hat mich schon in der Schule besonders interessiert und so bin ich zu den Dolomitenfreunden und habe ehrenamtlich im Museum zu arbeiten begonnen", denkt Karin Schmid an ihre Anfangszeit zurück.
Museum nur zu Fuß erreichbar
Zum Museum im Rathaus gehört auch das Freilichtmuseum am Plöckenpass im Bereich des Kleinen Pals, wo die heiß umkämpfte Front des Ersten Weltkrieges zahlreiche Spuren hinterließ. Das Areal des Freilichtmuseums ist nur zu Fuß bzw. mit einer Materialseilbahn erreichbar.
Die historische Seilbahn ist für das Freilichtmuseum am Kleinen Pal Museumsexponat und zugleich wichtiges funktionierendes Transportmittel
Der Gesetzgeber sieht u. a. vor, dass beim Auftreten von Problemen wie beispielsweise Schlechtwetter der Betriebsleiter vor Ort entscheiden muss, ob Transporte gefahrlos durchgeführt werden können bzw. um sicherzustellen, dass kein Schaden an der Anlage entstehen kann.
Bei den Dolomitenfreunden gibt es zwar einige männliche ausgebildete Seilbahnmaschinisten und Betriebsleiter, die jedoch nicht in naher Umgebung wohnen. So ermutigte der Museumsgründer Oberst Walther Schaumann seine Kustodin, doch die beiden Prüfungen abzulegen.
"Nachdem ich mich gerne mit Maschinen und Motoren beschäftige, habe ich zugestimmt", sagt die ehemalige leidenschaftliche Motorradfahrerin.
Die Pal-Seilbahn wurde 1985 gebaut, ist aber als Bestandteil des Museums ein originalgetreuer Nachbau der Materialseilbahn, wie sie im Ersten Weltkrieg verwendet wurde. Sogar die Trassenführung wurde eingehalten und die Talstation entspricht jener von 1917.
Sie ist das einzige in Europa noch existierende Betriebsmodell aus dieser entscheidenden Entwicklungsepoche im Seilbahnwesen.
Der einzige Unterschied zur historischen Bahn liegt im Motor: War es ursprünglich ein Einzylinder-Dieselmotor, so ist es heute ein Elektromotor.
"Viele Situationen gehen an die Kraftgrenzen"
Ein bis zweimal im Jahr kommt es bei Sturm oder starkem Eisbehang zu einem Seilüberschlag, der durch einen Seilzug vom Boden aus händisch behoben werden muss.
"Das sind Situationen, die manchmal an die Grenzen der Kraft gehen. Aber es gibt dann doch immer wieder Helfer", so Schmid.
Leichter zu bewerkstelligen seien die täglichen Wartungsarbeiten und Protokollführungen:
"Wenn das Seil zu singen beginnt, ist das Gewitter nicht mehr weit. Da muss dann schnellstens der Betrieb eingestellt werden", weiß sie mittlerweile aus Erfahrung.
Besonderheit: "Blinde" Steuerung vom Tal aus
Dieser Seilbahntyp gehört zu den wenigen, die vom Tal aus gesteuert werden. Da ist die Senur telefonisch mit dem Berg verbunden und steuert sozusagen blind in die Bergstation.
"Aber da hab ich ein gutes Gefühl dabei, vielleicht sogar manchmal ein Besseres, als ein Mann", stellt sie mit einem verschmitzten Lächeln fest.
Renovierungsarbeiten während des Sommers
Die Seilbahn muss zwar das ganze Jahr über betreut werden, die Hochsaison ist allerdings im Sommer von Mitte Juli bis Ende August.
In diesem Zeitraum sind die Dolomitenfreunde und freiwillige Helfer aus 17 Nationen im einwöchigen Turnus im unwegsamen Gelände an der ehemaligen Front tätig. Sie renovieren und legen alte Stellungen frei. Bisher wurden 70 historische Objekte wieder begehbar gemacht: Weg- und Stellungsanlagen, Baracken, Postenstände, Kavernen und Stollen.
In den Sommermonaten erkunden jährlich bis zu 40.000 Besucher diese Front aus dem Ersten Weltkrieg. Neben den historischen Relikten ist Kärntens einzige Seilbahnmaschinistin und Betriebsleiterin wohl auch eine Attraktion für sich.
Kontakt
Museum 1915/18
Rathaus Kötschach Mauthen
Karin Schmid
Telefon: 04715/8513 – 32
Handy: 0664/597 45 09
E-Mail: museum@dolomitenfreunde.at
Kärntens einzige Seilbahnmaschinistin
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Jay
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