Verletzte bei Seilbahn-Unglück in Schottland

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TPD
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Verletzte bei Seilbahn-Unglück in Schottland

Beitrag von TPD »

Verletzte bei Seilbahn-Unglück in Schottland
Bei einem Seilbahn-Unglück in Schottland sind mindestens fünf Menschen verletzt worden, einige davon schwer. Nach Angaben der Rettungsdienste prallten in der Nähe des Ben Nevis zwei Gondeln aufeinander.

Dabei wurden auch mehrere Menschen aus der Kabine geschleudert. In ersten Berichten war von bis zu acht Verletzten die Rede, darunter auch ein Kind. In den schottischen Highlands sind zu dieser Zeit des Jahres viele Urlauber unterwegs. Der Ben Nevis ist mit 1344 Metern der höchste Berg auf der britischen Insel.

Der genaue Hergang des Unglücks war zunächst unklar. Die Behörden konnten nicht sagen, ob die beiden Seilbahnen in derselben Richtung unterwegs waren oder einander entgegen kamen.

Ein Sprecher der Rettungsdienste sagte, möglicherweise seien die Gondeln durch starken Wind aufeinander geprallt. Nach seinen Angaben erlitten mehrere der Verletzten Knochenbrüche. In dem schwer zugänglichen Gebieten waren die Rettungsdienste auch mit Helikoptern im Einsatz.

Die ursprünglich für Skifahrer gebaute Seilbahn führt auf einer Strecke von rund zwei Kilometern die Nordseite des Berges Aonach Mor hoch. Die Fahrt dauert etwa einer Viertelstunde. Die insgesamt 80 geschlossenen Kabinen können jeweils bis zu sechs Passagiere befördern.

Wegen einiger spektakulärer Blicke auf die schottische Bergwelt ist die Bahn auch in der Sommerzeit sehr beliebt. Pro Stunde können damit bis zu 1700 Menschen befördert werden.
Quelle: espace.ch 13.07.06 19:08
https://www.skichablais.net, seit 20 Jahren über Bergbahnen der Region Chablais und Umgebung.

ascona
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Beitrag von ascona »

Die Presse schreibt, dass die eine Gondel auf dem Seil runtergerutscht ist und mit der anderen zusammengestossen ist, eine davon stürzte ab. Die Klemme ist demontiert und wird nun untersucht.

Die vier Opfern haben keine lebensgefährlichen Verletzungen.

http://news.scotsman.com/inverness.cfm?id=1036232006

Es handelt sich dabei um die Bahn Aonach Mor, eine 6-MGD von Doppelmayr, Baujahr 1989.
espri
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Beitrag von espri »

Ich war am letzten Wochenende in meiner schottischen Heimat und habe die Berichte über diesen Unfall gelesen. Der Link oben ist eine gute Zusammenfassung.

Tatsächlich gab es fünf Betroffene, drei in der abgestürzten Kabine und zwei in der anderen Kabine (einer davon, der aussprang, war fast unverletzt und liegt nicht mehr im Krankenhaus). Meine Interpretation ist, dass bei der Ausfahrt aus der Bergstation die Klemme der einen Kabine versagt hat und die Kabine dann das Kabel untergerutscht ist, bis sie gegen der nächsten Kabine geschlagen hat.

Was mich auch beunrühigt ist, dass ein Passagier von dieser Kabine hinausgeschleudert wurde (genau wie, weiss ich nicht). Aber auch beim Unfall in Sölden im letzten Jahr wurden, glaube ich, Passagiere von Kabinen, die letztendlich auf dem Kabel blieben, hinausgeschleudert. Wie kann das passieren? Sind die Türen zu schwach? Oder wurden die Leute durchs Fenster hinausgeworfen?

Eric
espri
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Beitrag von espri »

Es gibt gute Bilder der Seilbahn im Thread http://www.alpinforum.com/forum/viewtopic.php?t=12109
Benjamin Frey
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Beitrag von Benjamin Frey »

Hallo Espri,

in Sölden am 05.September 2005 sind zumindest 7 Personen durch die Scheiben ins Freie geschleudert wurden. Die Gondeln haben Panoramascheiben die komplett vom Boden bis zur Decke reichen und unter Spannung durch Gummidichtungen gehalten werden.

Die Gondeln werden im Dauerschwingverfahren mit 2G getestet (keine Ahnung wie das Prüfverfahren funktioniert).

Es reicht ein einfacher Tritt gegen die Scheiben bzw. das Gewicht einer Person die gegen die Scheibe fliegt um diese KOMPLETT aus der Gummidichtung zu lösen. In einer Gondel waren alle drei Scheiben herausgelöst in der anderen 1 komplett und die andere nur aus der oberen Dichtung.Die Türen (die nur über sehr kleine Scheiben mit Metallstreben verfügen) sind überhaupt nicht beschädigt gewesen.

Der ungetrübte Panoramablick durch die Plexiglasscheibenkann bei einem Unfall verheerende Folgen haben.
espri
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Beitrag von espri »

Danke für die interssante Auskunft. Die Godeln in Schottland haben nur halbhohes Glas aber ich könnte mir schon vorstellen, dass wenn zwei Gondeln zusammenstossen, die Kabine so deformiert wurde, dass das Fenster ausfällt. Ist schon ein Risiko in solchen Fällen.
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Ram-Brand
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Beitrag von Ram-Brand »

^^ Vielleicht sollte das mal entlich ein Anreiz geben und die Scheiben so zu konstruieren, dass sie nicht so einfach rausfallen können.

Bei einem Auto fällt die Frontscheibe z.B. auch nicht so einfach raus.
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espri
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Beitrag von espri »

Hier zwei Links zur BBC Web-Site, mit weiterer Auskunft zu diesem Unfall:

http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/scot ... 189324.stm

http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/scot ... 210880.stm


Dort wird berichtet, dass Doppelmayr gesagt hat, dass es Warnmeldungen um ein Problem mit dem Griff gab, aber der Operator hat nicht darauf reagiert. Was ich nicht verstehe ist, wie das System in einem solchen Fall weiter laufen könnte. Wenn es schon erkannt wurde, dass ein Griff eine Fehlfunktion hat und dass eine Kabine nicht fest mit dem Kabel gebunden war, bevor sie die Bergstation verlässt, hätte ich einen Notstopp des ganzen System erwartet.

Kann jemand was dazu sagen?

Eric
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jojo2
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Beitrag von jojo2 »

Hi,

die Anlage hält dann auch an. Die normale vorgehensweise ist dann normalesweise die Klemme zu begutachten und nochmal durch die Prüfvorrichtungen fahren zu lassen.

Der Bediener kann die Abschaltung aber auch Fehlabschaltung bestätigen und die Bahn ohne erneute Prüfung weiter laufen lassen. (So wie am Hochzeiger damals).

Jojo

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Beitrag von seilbahner »

Er muss aber trotzdem auf die Station rauf und die Umgelegte Blende wieder in normalstellung bringen und den Sicherheitsstromkreis wieder herstellen.
Er wird sich die Klemme wahrscheinlich einfach nicht angeschaut haben.

Wenn eine Stationsblende aus welchen Gründen auch immer anspricht, muss man sie erst wieder in Normalstellung bringen bevor man den Fehler wegquittieren kann.
Das andere ist dann Menschliches versagen.
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Ram-Brand
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Beitrag von Ram-Brand »

Bzw. bei älteren Anlagen gibt es noch teilweise Bruchstabschalter die ersetzt werden müssen.

Vielleicht sah dieser schon gammelig aus, worauf er schloss, dass dieser von alleine kaputt ging. Was natürlich Fatal ist.

Zu Vorfällen mit ausgelöster Klemmkraft und menschliches Versagen steht einiges im Buch vom Arthur Doppelmayr.

Aus dem Beitrag:
Christoff Hinteregger, technical director with gondola manufacturers Doppelmayr, told BBC Scotland: "Our engineers on the investigation team figured out that an open grip was not properly attached on to the cable.

"We have three safety systems and they are detecting a wrong position or an unclosed and unlocked grip. That is the function of those safety systems.

"One of three indicated or detected this wrong position."

Mr Hinteregger said there was a safety switch which acted as a brake if there was a problem with the grip, and normal practice would be to bring the gondola back to the station.

'Human error'

He said: "We don't know why this cabin wasn't brought back into the station for a check."


Christoph Hinteregger
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Beitrag von espri »

Danke an allen für die interessanten Erklärungen. Klingt schon wie "Human error" - leider. Schade nur, dass so was überhaupt möglich ist.

Eric
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Beitrag von seilbahner »

Das ist leider das Problem, dort wo Menschen arbeiten, werden auch immer fehler geschehen. Das ist einfach Menschlich, auch wenn es Tragisch ist.
Leider gibt es keine 100%ige sicherheit. Das ist nicht nur im Seilbahnwesen so!
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