Schneien,wenns am meisten bringt

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vhaemmerli
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Schneien,wenns am meisten bringt

Beitrag von vhaemmerli »

Schneien,wenns am meisten bringt



Termindruck für Bergbahnen fällt weg



Bündner Skigebiete können künftig schon vor dem 1. November beschneit werden. Vorausgesetzt, die Böden sind gefroren und die Restwassermengen werden respektiert. Die Neuerung freut die Engadiner Bergbahnbetreiber.

Was Regierungsrat Hansjörg Trachsel letzte Woche auf Motta Naluns ankündigte, haben Engadiner Bergbahnen inzwischen schwarz auf weiss vom Volkwirtschaftdepartement bestätigt gekriegt: Sie dürfen künftig selbst entscheiden, wann sie mit der Beschneiung ihres Skigebiets anfangen wollen. Bisher hatten sie sich an die vom Kanton vorgegebenen Fristen (1. November bis 31. März) zu halten.
Bis Ende September/Anfang Oktober soll die aus dem Jahr 1998 stammende diesbezügliche Wegleitung abgeändert sein, meint Carlo Decurtins, Jurist für Raumplanung in Chur. Was nicht heisst, dass Bündner Bergbahnen ihre Pisten künftig einschneien können wie sie wollen. Denn nach wie vor gibt es Vorgaben, wie die Einhaltung von minimalen Restwassermengen einzuhalten. Und ausserdem darf nur beschneit werden, wenn die Böden gefroren sind.

Oktober oftmals der bessere Beschneiungsmonat

Die neuen Richtlinien, die auf die kommende Wintersaison in Kraft treten sollen, stossen bei den Engadiner Bergbahnbetreibern auf Zustimmung. Andreas Venzin von der Corvatschbahn beispielsweise sieht darin nur Vorteile. Denn erfahrungsgemäss sei der Oktober in der Regel sowieso besser fürs Beschneien als der November, wo des Öftern Wärmeeinbrüche zu verzeichnen seien. Komme hinzu, dass der Oktober punkto Wasserbezug grundsätzlich günstiger sei, da die Quellen, auf die man für die Beschneiung angewiesen sei, noch ergiebiger Wasser lieferten und nicht eingefroren seien.
Peter Dübendorfer, Geschäftsführer der Diavolezza/Lagalb-Bahn sieht weitere Vorteile in der Regelung. Sollte sich der Oktober meteorologisch geeignet für einen Beschneiungsbeginn erweisen, würde man diese Chance gern im oberen Teil des Skigebiets nutzen wollen. Speziell auch aus personalpolitischen Gründen, weil die Angestellten ja dann im Rahmen der Sommersaisonverträge noch vor Ort seien. Im November müssten sie extra für die Beschneiung früher aufgeboten werden. Es dürfe zudem nicht vergessen gehen, dass die Beschneiung viel Zeit brauche und teuer sei, meint Dübendorfer. Für die Bergbahnen sei es deshalb wichtig, die Schneekanonen so sinnvoll und effizient wie möglich einsetzen zu können. Der jetzt wegfallende Termindruck helfe dabei mit, meint er.
So sieht es auch Nicolò Holinger von den St. Moritzer Bergbahnen. Allerdings glaubt er, dass sich an der bisherigen Beschneiungspraxis am St. Moritzer Hausberg kaum etwas ändern wird. Doch sei es gut zu wissen, dass man in einem ausserordentlich kalten Oktober künftig die Möglichkeit habe, früher als sonst üblich die Beschneiungsanlagen einzuschalten. Ansonsten erachtet er die Neuerung eher als Vorteil für schattige Skigebiete mit nördlicher Exposition.
«Im Prinzip keine grosse Änderung» sieht Markus Meili von den Celeriner Bergbahnen in der Aufhebung des bis anhin gültigen Sperrdatums. Innerhalb einer Dekade dürfte der Oktober statistisch gesehen allenfalls ein- bis zweimal so kalt werden, dass er eine Beschneiung zuliesse, meint er. Und dann würde man diese meteorologische Situation sehr wahrscheinlich für schattige Pistenpartien nutzen, wo man sicher sein könne, dass der künstlich produzierte Schnee auch bei allfälligen Temperaturerhöhungen im November nicht wieder wegschmelze. Auch seien die für die Beschneiung notwendigen Wasservorhaben im Spätherbst noch reichlicher vorhanden als im Frühwinter. Doch mit der Fertigstellung des Grundwasserpumpwerks von Celerina sei dies bald kein Problemfaktor mehr, meint der Bergbahndirektor.
Auch im Skigebiet von Scuol wird die angekündigte Neuerung begrüsst. Egon Scheiwiller von der Bergbahnen Motta Naluns sieht damit die Möglichkeit gegeben «neuralgische Punkte» früher als sonst zu beschneien, speziell auf einer Höhenlage von 2400 Metern. Im November komme es nämlich allenthalben vor, dass es fürs Beschneien fast zu warm sei, jedenfalls wärmer als im Tal.
Markus Moser von der Furtschellasbahn verspricht sich mit der neuen Wegleitung ab kommendem Winter «weniger Gyuffel» bei den Vorbereitungen auf die Saisoneröffnung. Je nach Wetterlage könnten einige zusätzliche Beschneiungstage im Oktober schon genügen, um die Wintersaison optimaler vorbereiten zu können.

Gemeinden haben ein Wort mitzureden

Eine (kleine) gesetzliche Hürde werden einige der Bergbahnunternehmer aber noch zu nehmen haben: Sie unterstehen nämlich auch kommunalem Gesetz. In Sils beispielsweise ist der 1. November als frühstmöglichster Beschneiungstermin im kommunalen Baugesetz verankert. Es bräuchte für eine frühere Beschneiung also eine Sonderbewilligung der Gemeindebehörde, meint Furtschellas-Bahn-Direktor Markus Moser. Und dann später auch noch eine Baugesetzrevision, die vom Stimmvolk abzusegnen wäre. In Silvaplana erlauben die Behörden die Beschneiung im Skigebiet von Corvatsch ab Mitte Oktober, in St. Moritz wird diesbezüglich auf die höhere Gesetzgebung verwiesen.
Noch nicht klar ist, wie die Naturschutzorganisationen zu diesem Liberalisierungsschritt im Bündner Beschneiungswesen stehen. Seitens der Pro Natura Graubünden hat man sich gemäss dessen Geschäftsführer Christian Geiger noch nicht mit dieser Thematik auseinander gesetzt. Reto Gritti, Oberengadiner Fischereiaufseher, sieht aus Sicht des Gewässerschutzes, der Fische und der Microorganismen nichts Schlechtes im Umstand, dass jetzt früher beschneit werden darf. Vorausgesetzt, die gesetzlich vorgeschriebenen Restwassermengen würden nach wie vor eingehalte.


Quelle: Engadiner Post Autor: Marie-Claire Jur

Ort: 7500 St. Moritz
Datum: 24.08.2006
Rubriken: Diverses, Tourismus
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Saison 06/07: 32 Skitage

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