Alpen: Der Berg ruft in der Dämmerung

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snowflat
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Alpen: Der Berg ruft in der Dämmerung

Beitrag von snowflat »

Alpen: Der Berg ruft in der Dämmerung

Von Georg Weindl

Die Sonne steht schon tief über dem Großen Asitz in den Salzburger Bergen. Eine Schafherde grast friedlich auf den Almwiesen. Es ist eine beschauliche Abendstimmung auf dem knapp zweitausend Meter hohen Gipfel über Leogang - wäre da nicht das Paar, das sich laut und heftig vor der Almhütte streitet. „Komm mir ja nicht zu nah“, schreit die Sennerin, „und das Heiraten schlag dir gleich aus dem Kopf. Ein für allemal.“ Der kräftige Bauernbursche läßt sich davon nicht abhalten, wirft die zierliche Frau zu Boden und legt sich mit seinem ganzen Gewicht auf die verzweifelt kämpfende Sennerin. Doch dann beendet das plötzliche Auftauchen des Kunstmalers den unschönen Kampf. Der enttäuschte Verehrer zieht grollend davon, der Maler setzt schüchtern seine Palette ab, und die Zuschauer klatschen eifrig Beifall.

Jetzt vertragen sich auch Sennerin und Bauernbursche wieder, denn auf dem Großen Asitz werden keine wirklichen Beziehungskrisen ausgetragen. Statt dessen spielt man neuerdings ein altes Wildererstück aus dem frühen zwanzigsten Jahrhundert genau dort, wo sich solche Geschichten einst zugetragen haben oder wo man sie zumindest beheimatet sieht. „Almenrausch und Edelweiß“ heißt das Stück der österreichischen Theatergruppe „Ortszeit“. Wenn die Zuschauer abends mit der Bergbahn zum Gipfel kommen, werden sie von Führern in Empfang genommen und wandern anschließend mit ihnen von Schauplatz zu Schauplatz des Dramas. In Hütten, auf Wiesen und tief im dunklen Bergwald sehen sie Sennerinnen, Jäger und Wilderer sich streiten und wieder versöhnen, bis sich nach vielem Schießen und Schimpfen endlich alles zum Happy-End findet.

Wildererdrama am Originalschauplatz

Dann setzen sich die Zuschauer - einige hundert pro Aufführung - mit dem Schauspielerensemble in der Gipfelhütte bei Knödelsuppe, Kaiserschmarrn und Bier zusammen. Erst gegen Mitternacht verlassen die letzten den Berg und gleiten in den Gondeln talwärts. Die Zuschauer sind angetan von der unkonventionellen Aufführung vor der stilgerechten Kulisse. Das Ensemble freut sich über den eifrigen Applaus. Und die lokalen Tourismusverantwortlichen sehen einen erfreulichen Werbeeffekt für die Region.

Die nächtliche Theateraufführung in den Salzburger Bergen ist exemplarisch für eine neue Art des Bergerlebnisses. Abendliche Exkursionen in alpine Regionen sind derzeit der große Trend in vielen Urlaubsorten der Alpen. Als Abwechslung zu eher eintönigen Abenden an der Hotelbar oder vor dem Fernseher im Zimmer locken Seilbahnen mit allen erdenklichen Verlockungen. Besonders populär sind Candle-Light-Dinner im Gipfelrestaurant. Selbst in den bayerischen Bergen, die nicht gerade für kreative Urlaubsangebote bekannt sind, verkaufen sich solche Arrangements wie warme Semmeln. Kulinarische Abende auf dem Gipfel des Wendelsteins mit Prosecco in der Seilbahn und Fünfgängemenü samt volksmusikalischer Begleitung dürften so manchen Wirt unten im Tal neidisch machen. „Zuerst haben wir es nur als Werbeaktion geplant, und jetzt sind wir jedesmal ausverkauft“, freut sich Gipfelrestaurantchef Paul Müller.

Sehnsucht nach Alltagsflucht

Von Herbst bis zum Frühjahr stehen Vollmonddinner bei Kerzenlicht auch im neuen, großzügigen Panoramarestaurant auf dem Gipfel des Brauneck bei Lenggries auf dem Programm - sie sind meist auf Monate ausgebucht. Regen Zuspruch finden gleichfalls die Sonnenuntergangsfahrten mit Grillfest auf dem Nebelhorn im Allgäu und die Nachtgondelfahrten mit Viergangmenü auf dem Hahnenkamm bei Kitzbühel, die im Sommer einmal, im Winter sogar zweimal pro Woche angeboten werden - die abendliche Stimmung am Berg samt malerischem Sonnenuntergang trifft offensichtlich genau die Sehnsüchte vieler Gäste nach romantischen Alltagsfluchten.

All jene, denen das Abendessen im Gipfelrestaurant zu statisch ist, können auf ein Angebot der Bergbahnen in Sexten in Südtirol zurückgreifen: In den eher engen Gondeln der Seilbahn zur Rotwand sitzt man an einem schmalen Tischchen und tafelt während der Berg-und-Tal-Fahrten. Oben und unten tauscht das flinke Personal die Teller aus und füllt die Weingläser nach, die an manchen Seilbahnmasten bedrohliche Schlagseite bekommen - was freilich niemanden ernsthaft stört und nichts daran ändert, daß auch diese Veranstaltungen üblicherweise ausgebucht sind. Im Winter stiefeln in Sexten die Urlaubsgäste mit Bergführern zu nächtlichen Sternschnuppenwanderungen und erfreuen sich am Sternenhimmel und den schneeweiß glänzenden Dreitausendern. „Da sind jedesmal bis zu vierhundert Leute mit von der Partie“, sagt der Chef des Tourismusvereins, Günter Leitgeb.

Kino auf dem Gipfel

Eine andere Art der Gipfelunterhaltung hat man vor drei Jahren im Berninagebiet in der Schweiz ersonnen: das „Piz Bernina Kino“, ein Open-air-Kino mit Großleinwand auf dreitausend Meter Höhe. „Am ersten Tag regnete es stark, und wir starteten trotzdem zusammen mit vierzig Zuschauern. Als dann der Himmel aufriß und wir einen einzigartigen Sonnenuntergang erlebten, hatten die Leute Tränen in den Augen“, sagt Seilbahndirekter Peter Dübendorfer. Zur Vorstellung am nächsten Tag sei die Talstation dann brechend voll gewesen. Heute sind die sommerlichen Kinoabende mit der mächtigen Berninagruppe als Kulisse ein Selbstläufer. Gezeigt werden ausschließlich Bergfilme, und manchmal schneit es nicht nur auf der Leinwand, sondern auch vor dem Diavolezzahaus. Die Zuschauer, die es sich in Liegestühlen bequem machen, stört das offensichtlich nicht. Es soll auch schon etliche Urlauber geben, die ihren Aufenthalt im Berninagebiet gezielt zu den Kinoaufführungen buchen.
Informationen: Leogang, Telefon: 0043/ 6582/70660, im Internet: www.leogang-saalfelden.at; Wendelsteinbahn, Telefon: 08034/3080, www.wendelsteinbahn.de; Lenngries/Brauneck, Telefon: 08042/50 1250, www.panoramarestaurant-brauneck.de; Sexten, Telefon: 0039/0474/71 0310, www.sexten.it; Open Air Kino Diavolezza, Tel.: 0041/81/8393939, www.diavolezza.ch; Kitzbühel, Tel.: 0043/53 56/69 51230, www.bergbahn-kitzbuehel.at.
Quelle: Text: F.A.Z., 21.09.2006, Nr. 220 / Seite R2
Kanada - 29.01.2017 bis 10.02.2017
Du kannst Dir Glück nicht kaufen. Aber Du kannst skifahren gehen und das ist ziemlich dasselbe!

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schifreak
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Sommer

Beitrag von schifreak »

Das iss schon ne tolle Sache, kann mich noch an das Disco Zelt am Wallberg erinnern... Und an die nächtliche Fahrt in den alten Gondeln der Wallbergbahn-- mit Blick auf tausende Lichter rings um den Tegernsee. Einfach ne geile Sache sowas. oder die Nacht-Fahrt, von der Nordkette mit Blick auf Innsbruck. sowas vergißt man nicht-- vor allem, daß die Fahrt hin und retour nur 10 .- DM gekostet hat.( 5 Euro)-- Da wars Seilbahnfahrn noch erschwinglich.

Wenn ich der Leiter eines Schigebietes wär -- Beispielsweise Kitzbühl. oder Schiwelt, dann tät ich die Lifte oben mit Flutlicht ausstatten, und bis Mitternacht fahrn lassen... da wär bestimmt was los... wenns nur in der Nacht net immer ganz so kalt wär...
Fabi,alpiner Schifreak

TSC 2012-13, Stand 20.01.2013 - 17 Sektionen Bike, 20 Schitage in Tirol ; Zillertal, Stubaital, Ötztal, Kitzbühel,Schiwelt , Schijuwel Alpbach ;
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